• August Wilhelm von Schlegel to Ludwig Tieck

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Unknown · Date: 12.08.1836
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Ludwig Tieck
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 12.08.1836
    Printed Text
  • Bibliography: Ludwig Tieck und die Brüder Schlegel. Briefe. Hg. v. Edgar Lohner auf der Grundlage der von Henry Lüdeke besorgten Edition. München 1972, S. 211‒212.
  • Incipit: „[1] Bonn, den 12ten August 1836
    Geliebtester Freund!
    Höchst bestürzt über den Zeitungs-Artikel von deinem Unfalle, lief ich sogleich zu Löbell, in der [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-37187
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XX,Bd.7,Nr.66(81)
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 20,5 x 12,7 cm
    Language
  • German
[1] Bonn, den 12ten August 1836
Geliebtester Freund!
Höchst bestürzt über den Zeitungs-Artikel von deinem Unfalle, lief ich sogleich zu Löbell, in der vergeblichen Hoffnung, etwas beruhigendes zu erfahren. Erst gestern konnte er mir deinen Brief mittheilen, der mich mit dem herzlichsten Bedauern erfüllt hat. Ich schreibe sogleich. Du mußt dich nun nach beendigter Kur ausruhen und stärken, und das kann am besten in meinem Hause geschehen, wo du auf alle Weise gehegt und gepflegt werden sollst. Der Umweg hieher führt keine Ermüdung herbei, da du ihn ganz zu Wasser machen kannst. Nämlich so: in Leopoldshafen schiffst du dich samt deinem Wagen ein; so hinunter bis Mainz. Da giebst du deinen Wagen einem Gastwirthe in Verwahrung, und fliegst mit dem Dampfschiffe in Einem Tage bis hieher hinunter. Hinauf geht es von hier in zwei Tagen. Von Mainz an nimmst du dann den Wagen über Frankfurt, Gotha, Leipzig, Dresden.
[2] Wenn du keinen andern Grund hast so nach Hause zu eilen, als die Besorgniß vor der schlimmen Jahrszeit und den verdorbenen Wegen, so ist beides noch weit entfernt, und läßt dir alle Muße bei mir zu verweilen. Die Folgen des Unfalls haben unerwartete Ausgaben verursacht; wie viel? Ein funfzig Thaler etwa? Ei nun, zur Ausfüllung der Lücke läßt sich ja wohl Rath schaffen. Ich pumpe dir, und wenn ich es nicht in Casse hätte, so pumpt mir der Banquier.
Wie gesagt, überlege es wohl. Du wirst mich sehr erfreuen, wenn du dich zu einem ruhigen Aufenthalte von wenigstens acht Tagen entschließest.
Mein Haus kennst du, meine Küche kennst du, meinen Keller kennst du (nur nicht den himmlischen 34er Asmannshäuser; Champagner und alter Rheinwein ist auch da) meine bequeme Calesche kennst du; unsre gemeinschaftlichen Zimmer kennst du (dießmal will ich dir aber das breiteste [3] Bett einräumen); die neu aufgeputzten Damenzimmer im oberen Stock kennst du noch nicht; das Badezimmer im Hintergebäude kennst du in der neuen hübschen und sehr bequemen Einrichtung auch noch nicht. Freilich müßtest du dich mit natürlichen Bädern oder künstlichen Mineralbädern begnügen. Meine Späße kennst du, meine gute Laune kennst du, meine Schwatzhaftigkeit kennst du, meine Passion für dich kennst du vielleicht nicht ganz.
Ich bleibe unverrückt hier, und werde um die Zeit, wo du eintreffen kannst, meine ganze Zeit frei haben. Im Falle deiner Weigerung, würde ich mich nicht lange besinnen und dich in Baden aufsuchen, aber vor dem Anfange der Ferien, besonders gegen Ende des Semesters, müßte ich erst um Urlaub nachsuchen.
Nun laß mich bald etwas erfreuliches von deiner Gesundheit und deiner Auskunft vernehmen. Der gnädigen Gräfin meine ehrerbietigsten Empfehlungen. Lebe tausendmal wohl, geliebter Freund.
Dein
A W v Schlegel
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[1] Bonn, den 12ten August 1836
Geliebtester Freund!
Höchst bestürzt über den Zeitungs-Artikel von deinem Unfalle, lief ich sogleich zu Löbell, in der vergeblichen Hoffnung, etwas beruhigendes zu erfahren. Erst gestern konnte er mir deinen Brief mittheilen, der mich mit dem herzlichsten Bedauern erfüllt hat. Ich schreibe sogleich. Du mußt dich nun nach beendigter Kur ausruhen und stärken, und das kann am besten in meinem Hause geschehen, wo du auf alle Weise gehegt und gepflegt werden sollst. Der Umweg hieher führt keine Ermüdung herbei, da du ihn ganz zu Wasser machen kannst. Nämlich so: in Leopoldshafen schiffst du dich samt deinem Wagen ein; so hinunter bis Mainz. Da giebst du deinen Wagen einem Gastwirthe in Verwahrung, und fliegst mit dem Dampfschiffe in Einem Tage bis hieher hinunter. Hinauf geht es von hier in zwei Tagen. Von Mainz an nimmst du dann den Wagen über Frankfurt, Gotha, Leipzig, Dresden.
[2] Wenn du keinen andern Grund hast so nach Hause zu eilen, als die Besorgniß vor der schlimmen Jahrszeit und den verdorbenen Wegen, so ist beides noch weit entfernt, und läßt dir alle Muße bei mir zu verweilen. Die Folgen des Unfalls haben unerwartete Ausgaben verursacht; wie viel? Ein funfzig Thaler etwa? Ei nun, zur Ausfüllung der Lücke läßt sich ja wohl Rath schaffen. Ich pumpe dir, und wenn ich es nicht in Casse hätte, so pumpt mir der Banquier.
Wie gesagt, überlege es wohl. Du wirst mich sehr erfreuen, wenn du dich zu einem ruhigen Aufenthalte von wenigstens acht Tagen entschließest.
Mein Haus kennst du, meine Küche kennst du, meinen Keller kennst du (nur nicht den himmlischen 34er Asmannshäuser; Champagner und alter Rheinwein ist auch da) meine bequeme Calesche kennst du; unsre gemeinschaftlichen Zimmer kennst du (dießmal will ich dir aber das breiteste [3] Bett einräumen); die neu aufgeputzten Damenzimmer im oberen Stock kennst du noch nicht; das Badezimmer im Hintergebäude kennst du in der neuen hübschen und sehr bequemen Einrichtung auch noch nicht. Freilich müßtest du dich mit natürlichen Bädern oder künstlichen Mineralbädern begnügen. Meine Späße kennst du, meine gute Laune kennst du, meine Schwatzhaftigkeit kennst du, meine Passion für dich kennst du vielleicht nicht ganz.
Ich bleibe unverrückt hier, und werde um die Zeit, wo du eintreffen kannst, meine ganze Zeit frei haben. Im Falle deiner Weigerung, würde ich mich nicht lange besinnen und dich in Baden aufsuchen, aber vor dem Anfange der Ferien, besonders gegen Ende des Semesters, müßte ich erst um Urlaub nachsuchen.
Nun laß mich bald etwas erfreuliches von deiner Gesundheit und deiner Auskunft vernehmen. Der gnädigen Gräfin meine ehrerbietigsten Empfehlungen. Lebe tausendmal wohl, geliebter Freund.
Dein
A W v Schlegel
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