• Ludwig Tieck to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Heidelberg · Place of Destination: Bonn · Date: 07.09.1836
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Ludwig Tieck
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Heidelberg
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 07.09.1836
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Ludwig Tieck und die Brüder Schlegel. Briefe. Hg. v. Edgar Lohner auf der Grundlage der von Henry Lüdeke besorgten Edition. München 1972, S. 215‒216.
  • Incipit: „[1] Geliebter Freund und Bruder,
    Ich bin nun mit vielen Beschwernissen und Schmerzen in Heidelberg angekommen. Mein Aufenthalt in Baden verlängerte sich [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36934
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.28,Nr.89
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 21,5 x 13 cm
    Language
  • German
[1] Geliebter Freund und Bruder,
Ich bin nun mit vielen Beschwernissen und Schmerzen in Heidelberg angekommen. Mein Aufenthalt in Baden verlängerte sich noch um eine Woche, weil ich noch mehrere, und sehr angreifende Duschen an Hals und Nacken brauchen mußte. Ich kann mich nur wenig bewegen, und muß mit Geduld die gute Nachwirkung des Bades erwarten. Unter diesen traurigen Umständen hat mich eine solche Sehnsucht nach der Heimath, und nach der vollständigsten Ruhe ergriffen, daß mir alle meine bisherigen Pläne nur als unmögliche Träume erschienen sind. Zürne mir darum nicht, mein alter und vielgeliebter Freund, wenn ich dich in diesem Jahre nicht besuche: und glaube mir, ich würde dir mit meinen elenden Launen nur zur Last fallen.
[2] Ich hoffe, im künftigen Jahre eine Reise möglich zu machen, dann bleibe ich bei Dir, so lange du mich irgend nur haben willst. Der Sommer ist nun auch vorüber, weil ich, statt zwei Wochen, fast sieben in Baden habe verweilen müssen, und zwar unter beständigen Schmerzen und Verdruß. Ich habe nichts von der Gegend sehn und geniessen können. Wie sehr ich, und die Gräfinn verstimmt sind, daß uns der schöne Plan so zerrinnt, kannst du dir denken. Nur zürne mir nicht. – Auch die Handschrift dieses Briefes zeigt dir, wie ich noch leide, denn das Schreiben wird mir fast unmöglich. –
Wenn das Denkmal für Beethoven noch zu Stande kommt, so wende doch deinen Einfluß an, daß mein Bruder, dessen großes Talent immer verkannt und zurückgesezt wird, die Bildhauer-Arbeit erhält. [3] Er wird es billiger thun, wie jeder andere. Du würdest ihn wahrhaft glüklich machen, wenn du es durchsetzen könntest. Auch darüber hätte ich so gern mündlich mit Dir gesprochen. –
Tief betrübt nehme ich Abschied von Dir. Zürnst du mir, weil mir Umstände den längern Aufenthalt und die grössere Reise unmöglich machen, so machst du mir Kummer.
Die Gräfin begrüßt Dich herzlichst.
Dein
L. Tieck.
Heidelberg, den 7t September 1836
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[1] Geliebter Freund und Bruder,
Ich bin nun mit vielen Beschwernissen und Schmerzen in Heidelberg angekommen. Mein Aufenthalt in Baden verlängerte sich noch um eine Woche, weil ich noch mehrere, und sehr angreifende Duschen an Hals und Nacken brauchen mußte. Ich kann mich nur wenig bewegen, und muß mit Geduld die gute Nachwirkung des Bades erwarten. Unter diesen traurigen Umständen hat mich eine solche Sehnsucht nach der Heimath, und nach der vollständigsten Ruhe ergriffen, daß mir alle meine bisherigen Pläne nur als unmögliche Träume erschienen sind. Zürne mir darum nicht, mein alter und vielgeliebter Freund, wenn ich dich in diesem Jahre nicht besuche: und glaube mir, ich würde dir mit meinen elenden Launen nur zur Last fallen.
[2] Ich hoffe, im künftigen Jahre eine Reise möglich zu machen, dann bleibe ich bei Dir, so lange du mich irgend nur haben willst. Der Sommer ist nun auch vorüber, weil ich, statt zwei Wochen, fast sieben in Baden habe verweilen müssen, und zwar unter beständigen Schmerzen und Verdruß. Ich habe nichts von der Gegend sehn und geniessen können. Wie sehr ich, und die Gräfinn verstimmt sind, daß uns der schöne Plan so zerrinnt, kannst du dir denken. Nur zürne mir nicht. – Auch die Handschrift dieses Briefes zeigt dir, wie ich noch leide, denn das Schreiben wird mir fast unmöglich. –
Wenn das Denkmal für Beethoven noch zu Stande kommt, so wende doch deinen Einfluß an, daß mein Bruder, dessen großes Talent immer verkannt und zurückgesezt wird, die Bildhauer-Arbeit erhält. [3] Er wird es billiger thun, wie jeder andere. Du würdest ihn wahrhaft glüklich machen, wenn du es durchsetzen könntest. Auch darüber hätte ich so gern mündlich mit Dir gesprochen. –
Tief betrübt nehme ich Abschied von Dir. Zürnst du mir, weil mir Umstände den längern Aufenthalt und die grössere Reise unmöglich machen, so machst du mir Kummer.
Die Gräfin begrüßt Dich herzlichst.
Dein
L. Tieck.
Heidelberg, den 7t September 1836
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