• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Leipzig · Place of Destination: Amsterdam · Date: 30.10.1793
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Leipzig
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 30.10.1793
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 23. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Bis zur Begründung der romantischen Schule (15. September 1788 ‒ 15. Juli 1797). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Ernst Behler u.a. Paderborn u.a. 1987, S. 146‒147.
  • Incipit: „[1] Den 30ten Okt. 93.
    Den lezten Posttag schrieb ich Dir nicht, weil ich Dir gar keine Nachrichten zu geben hatte, indem [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34186
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.a,Nr.37
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs.
  • Format: 19,3 x 11,7 cm
    Language
  • German
[1] Den 30ten Okt. 93.
Den lezten Posttag schrieb ich Dir nicht, weil ich Dir gar keine Nachrichten zu geben hatte, indem der gewöhnliche Marktbote nicht hereingekommen war. Deinen Zettel an mich und Einschluß habe ich richtig empfangen; ich kann aber Deine Entschuldigung nicht gelten laßen: Du hast nicht bedacht, daß die Briefe sechs bis acht Tage unter Wegs sind, und hast nun schon wieder mit diesem drey Briefe von mir im voraus, wovon wenigstens manches eine Antwort verdient. Zu arbeiten habe ich auch, denn das gilt gleich ob meine Absicht oder ein dummes Amt mir zu thun geben; und ich schreibe Dir doch so viel, wenn schon meine Erhohlungsstunden so beschränkt sind: denn ich habe ja weit mehr Correspondenzen wie Du: und wenn auch die Zeit sehr gut und schön verwandt ist, so kostet mir B. [Caroline Böhmer] doch Zeit. Ich bin wieder bey ihr gewesen, und komme nun erst zurück. Deinen Brief überbrachte ich selbst, und er schien ihr reine Freude zu machen. Lieber Bruder, ich habe wohl bemerkt daß sie höchst reitzbar in Krankheit, selbst für Einbildungen ist; in der [2] Sache, von der ich gar nichts weiß, kannst Du sehr leicht recht haben. Aber ich bekenne Dir offen meine Ueberzeugung, daß Deine Art zu tadeln <überhaupt> ganz falsch ist; sie erbittert ohne im mindesten zu helfen. Du wirst mein Urtheil so wenig gelten laßen, wie Ihres, weil ich auch aus eigner Erfahrung rede; ich wünschte es könnte ein Dritter zwischen uns Richter seyn. Was ich des Inhalts an sie gesehn habe ist nur ein Brief nach M[aynz] im Anfang dieses Jahres, und einzelne Stellen über ihre politischen Meynungen, und ich weiß <gar nicht>, wie Du so hast schreiben können. – Mir hast Du vor einiger Zeit auch gewiß mit Unrecht vorgeworfen, ich könne keinen Tadel ertragen, d. h. ich sey der Freundschaft unfähig. Pape und auch Andre tadelten mich oft hart, härter wie Du, wenn sie auch mit Schonung redeten, und ich gewann sie lieb dadurch. – Ihre Gesundheit ist ganz gut; nach Verhältniß der Zeit und Umstände. Denn freylich leidet sie für immer an Hitze, oft an Schlaflosigkeit und Beängstigungen, und zu Zeiten an Krampf viel. Sie läßt sich ent[3]schuldigen, daß sie nicht selbst antwortet, weil die Stellung des Schreibens ihr iezt sehr beschwerlich wird. Doch erhältst Du vermuthlich bald etwas von ihr. Ich habe ihr gesagt, daß Dein Bild nicht kommen wird, und es wird sie sehr angenehm überraschen, und große Freude machen. Sie bittet Dich die sechs Louisd[ʼors] iezt recht bald zu schicken; sie will gern noch zwey Monate an ihren Hauswirth bezahlen (das beträgt acht Louisd[ʼors]) da sie erst einen bezahlt; und das Geld das sie von Hause erwartete, ist iezt nicht gekommen, und bey der Unordnung der Posten zwischen L.[ucka] und Gött.[ingen] kann das lange aufhalten. – Ich nehme also lieber meine Bitte für iezt wieder zurück; aber nicht, sobald es Dich nicht beschwert. Es ist doch <selbst Ihrentwegen> nicht rathsam, daß ich iezt von Geld ganz entblößt bin. Zudem kosten mich meine Besuche auch etwas; zu Pferde kann ich es nicht unter vier bis fünf Thaler machen. Du kannst auch allenfalls etwas darauf rechnen, daß ich für das Bild fünf bis sechs Thaler Porto werde bezahlen müssen! denn für das bischen Manuscript mußte ich neulich 1 Th. 3 G. geben. Du wirst mir gewiß nicht verargen, daß ich wieder [4] um Geld gebeten habe, wenn Du Dir meine Lage recht deutlich denkst. –
Die Einlage habe ich neulich vergeßen; ich erhielt sie von Hann.[over] mit dem Auftrage sie an Dich zu schicken, wenn ich selbst sie gelesen hätte. –
Ich hätte Dir vielleicht nicht sagen sollen, was Sie mir geschrieben hatte. ‚Mishandelnʻ ist ein hartes Wort, wenn man es im vollen Ernst nimmt, wie Du, da es doch nur im halben Scherz gemeynt war. Aber Du mußt auch nie vergeßen – daß sie eifersüchtig auf Sophien ist, und daß Du eifersüchtig auf Cr[anz] bist; daß Ihr beide hier ungerecht und bitter seyd, doch ohne <ganz> unedlen Eigennutz, und daß Du vielleicht ihre Eifersucht erregt hast. – Es versteht sich von selbst, daß Ihr beide denn doch ganz vorurtheilsfrey seyd! –
Ich bin so sehr müde, daß es mir unmöglich ist, mehr zu schreiben. Nächstens einen langen Brief. –
[1] Den 30ten Okt. 93.
Den lezten Posttag schrieb ich Dir nicht, weil ich Dir gar keine Nachrichten zu geben hatte, indem der gewöhnliche Marktbote nicht hereingekommen war. Deinen Zettel an mich und Einschluß habe ich richtig empfangen; ich kann aber Deine Entschuldigung nicht gelten laßen: Du hast nicht bedacht, daß die Briefe sechs bis acht Tage unter Wegs sind, und hast nun schon wieder mit diesem drey Briefe von mir im voraus, wovon wenigstens manches eine Antwort verdient. Zu arbeiten habe ich auch, denn das gilt gleich ob meine Absicht oder ein dummes Amt mir zu thun geben; und ich schreibe Dir doch so viel, wenn schon meine Erhohlungsstunden so beschränkt sind: denn ich habe ja weit mehr Correspondenzen wie Du: und wenn auch die Zeit sehr gut und schön verwandt ist, so kostet mir B. [Caroline Böhmer] doch Zeit. Ich bin wieder bey ihr gewesen, und komme nun erst zurück. Deinen Brief überbrachte ich selbst, und er schien ihr reine Freude zu machen. Lieber Bruder, ich habe wohl bemerkt daß sie höchst reitzbar in Krankheit, selbst für Einbildungen ist; in der [2] Sache, von der ich gar nichts weiß, kannst Du sehr leicht recht haben. Aber ich bekenne Dir offen meine Ueberzeugung, daß Deine Art zu tadeln <überhaupt> ganz falsch ist; sie erbittert ohne im mindesten zu helfen. Du wirst mein Urtheil so wenig gelten laßen, wie Ihres, weil ich auch aus eigner Erfahrung rede; ich wünschte es könnte ein Dritter zwischen uns Richter seyn. Was ich des Inhalts an sie gesehn habe ist nur ein Brief nach M[aynz] im Anfang dieses Jahres, und einzelne Stellen über ihre politischen Meynungen, und ich weiß <gar nicht>, wie Du so hast schreiben können. – Mir hast Du vor einiger Zeit auch gewiß mit Unrecht vorgeworfen, ich könne keinen Tadel ertragen, d. h. ich sey der Freundschaft unfähig. Pape und auch Andre tadelten mich oft hart, härter wie Du, wenn sie auch mit Schonung redeten, und ich gewann sie lieb dadurch. – Ihre Gesundheit ist ganz gut; nach Verhältniß der Zeit und Umstände. Denn freylich leidet sie für immer an Hitze, oft an Schlaflosigkeit und Beängstigungen, und zu Zeiten an Krampf viel. Sie läßt sich ent[3]schuldigen, daß sie nicht selbst antwortet, weil die Stellung des Schreibens ihr iezt sehr beschwerlich wird. Doch erhältst Du vermuthlich bald etwas von ihr. Ich habe ihr gesagt, daß Dein Bild nicht kommen wird, und es wird sie sehr angenehm überraschen, und große Freude machen. Sie bittet Dich die sechs Louisd[ʼors] iezt recht bald zu schicken; sie will gern noch zwey Monate an ihren Hauswirth bezahlen (das beträgt acht Louisd[ʼors]) da sie erst einen bezahlt; und das Geld das sie von Hause erwartete, ist iezt nicht gekommen, und bey der Unordnung der Posten zwischen L.[ucka] und Gött.[ingen] kann das lange aufhalten. – Ich nehme also lieber meine Bitte für iezt wieder zurück; aber nicht, sobald es Dich nicht beschwert. Es ist doch <selbst Ihrentwegen> nicht rathsam, daß ich iezt von Geld ganz entblößt bin. Zudem kosten mich meine Besuche auch etwas; zu Pferde kann ich es nicht unter vier bis fünf Thaler machen. Du kannst auch allenfalls etwas darauf rechnen, daß ich für das Bild fünf bis sechs Thaler Porto werde bezahlen müssen! denn für das bischen Manuscript mußte ich neulich 1 Th. 3 G. geben. Du wirst mir gewiß nicht verargen, daß ich wieder [4] um Geld gebeten habe, wenn Du Dir meine Lage recht deutlich denkst. –
Die Einlage habe ich neulich vergeßen; ich erhielt sie von Hann.[over] mit dem Auftrage sie an Dich zu schicken, wenn ich selbst sie gelesen hätte. –
Ich hätte Dir vielleicht nicht sagen sollen, was Sie mir geschrieben hatte. ‚Mishandelnʻ ist ein hartes Wort, wenn man es im vollen Ernst nimmt, wie Du, da es doch nur im halben Scherz gemeynt war. Aber Du mußt auch nie vergeßen – daß sie eifersüchtig auf Sophien ist, und daß Du eifersüchtig auf Cr[anz] bist; daß Ihr beide hier ungerecht und bitter seyd, doch ohne <ganz> unedlen Eigennutz, und daß Du vielleicht ihre Eifersucht erregt hast. – Es versteht sich von selbst, daß Ihr beide denn doch ganz vorurtheilsfrey seyd! –
Ich bin so sehr müde, daß es mir unmöglich ist, mehr zu schreiben. Nächstens einen langen Brief. –
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