• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Dresden · Place of Destination: Braunschweig · Date: 07.08.1795
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Dresden
  • Place of Destination: Braunschweig
  • Date: 07.08.1795
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 23. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Bis zur Begründung der romantischen Schule (15. September 1788 ‒ 15. Juli 1797). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Ernst Behler u.a. Paderborn u.a. 1987, S. 244‒245.
  • Incipit: „[1] Dreßden. Den 7ten August.
    Ich sehe, liebster Freund, aus Kar.[olines] Briefe daß Sch.[iller] den Empfang Deines Dante Dir nicht gemeldet, und [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34222
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.b,Nr.68
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19,2 x 11,8 cm
    Language
  • German
[1] Dreßden. Den 7ten August.
Ich sehe, liebster Freund, aus Kar.[olines] Briefe daß Sch.[iller] den Empfang Deines Dante Dir nicht gemeldet, und daß dieses Dir wichtig ist, weil Du das Honorar bald brauchen könntest. – Sch.[iller] hat Dein Packet richtig erhalten, und Dein Stück wird auch vermuthlich sehr bald gedruckt werden, da die Kompetenz überdem nicht so groß, und die Stücke selten auf ein oder zwey Monate im Voraus besetzt sind. Vielleicht finde ich es schon im 7ten Stück, welches mich sehr freuen würde. Die herrlichen Elegien im 6ten werden Dir gefallen. – Ich habe Körner sehr lange nicht gesehen, weil es mir durchaus an Zeit fehlt; sobald ich aber weiß in welchem Stück Deine Arbeit gedruckt wird, werde ich K.[örner] sagen, er möchte erinnern, daß K.[otta] das Honorar nicht etwa wieder an mich schickte sondern unmittelbar an Dich. Dieß ist zugleich die beste Art Sch.[iller] an baldige Besorgung der Bezahlung zu erinnern. Indessen zweifle ich daß Du vor der Michaelmesse auf das [2] Geld rechnen darfst, denn wo ich nicht irre macht Cotta allemal erst in den Messen seine Auszahlungen. Wird der Aufsatz erst im achten Stück gedruckt, wie es leicht möglich ist, weil er wegen der Größe nicht in jedes St.[ück] paßt, so kömmt ohnehin Michaelis heran. –
Du kannst leicht denken wie begierig ich darauf bin. Hast du Kar.[oline] schon vorgelesen?
Der Aufsatz über den franz.[ösischen] Nationalcharakter im 5ten Stück ist von Woltmann, dem ich etwas so Gutes gar nicht zugetraut hätte.
Ich bin ietzt sehr im Gedränge. Ich habe versprochen das M[anu]sc.[ript] den 1ten Juli abzusenden, und ich will froh seyn wenn ichs in 14 Tagen fortbringe. Die Sachen werden mir unter den Händen immer länger und auch wohl besser, nur fertig wollen sie nicht werden. Der Geitz hat mich eigentlich verführt: ich hätte von Ostern an nur an mein Werk denken sollen. Da [3] ließ ich mich aber verleiten, und arbeitete erst die beyden großen Aufsätze aus für die Berl.[iner] M.[onats-]Schr.[ift] um etwas Geld zu verdienen. Nun bekomme ich <dort> nichts, und hier bin ich in Noth. Wenn nur erst diese Sendung (welche wenigstens für den ersten Band hinreicht) fort ist, so kann ich leicht und mit Lust arbeiten. Für das größte Stück ist fast alles fertig. Unter den jetzigen Aufsätzen waren einige, wo so viel zu citiren ist. Ich mußte für jeden alle meine Excerpte, den Harles excerpiren, und etwa noch den Anacharsiss zur Nachleße durchlaufen. Darüber geht die Zeit. Für einen andern Aufsatz war der Stoff zu reichhaltig und er ist doch nur Fragment geblieben, ob ich gleich schon Neujahr den Anfang gemacht hatte, ihn ins Reine zu arbeiten.
Du könntest nach meinen letzten Aeußerungen etwa glauben, ich wollte ganz ausschließend auf eine Akademie, und bestimmt auf Jena spekuliren. Vor [4] der Hand denke ich aber nur auf den Augenblick, und meine Lage fordert nichts andres. Bin ich etwas frey, so würde ich solange sich keine andere fände, jede leidliche Proposition, jemand nach Italien zu führen annehmen, ja vielleicht auch eine Hofmeisterstelle auf einer Akademie, bey der ich doch einigermaaßen fortarbeiten (ich schmeichle mir in einiger Zeit, ein oder zwey Jahren, ziemlich viel Routine zu haben) und vielleicht ein kleines Kapital erübrigen könnte, um den Rest der Schulden, die dann noch seyn könnten, zu bezahlen, oder wenn das nicht wäre, nach Italien reisen zu können.
Friedrich.
[1] Dreßden. Den 7ten August.
Ich sehe, liebster Freund, aus Kar.[olines] Briefe daß Sch.[iller] den Empfang Deines Dante Dir nicht gemeldet, und daß dieses Dir wichtig ist, weil Du das Honorar bald brauchen könntest. – Sch.[iller] hat Dein Packet richtig erhalten, und Dein Stück wird auch vermuthlich sehr bald gedruckt werden, da die Kompetenz überdem nicht so groß, und die Stücke selten auf ein oder zwey Monate im Voraus besetzt sind. Vielleicht finde ich es schon im 7ten Stück, welches mich sehr freuen würde. Die herrlichen Elegien im 6ten werden Dir gefallen. – Ich habe Körner sehr lange nicht gesehen, weil es mir durchaus an Zeit fehlt; sobald ich aber weiß in welchem Stück Deine Arbeit gedruckt wird, werde ich K.[örner] sagen, er möchte erinnern, daß K.[otta] das Honorar nicht etwa wieder an mich schickte sondern unmittelbar an Dich. Dieß ist zugleich die beste Art Sch.[iller] an baldige Besorgung der Bezahlung zu erinnern. Indessen zweifle ich daß Du vor der Michaelmesse auf das [2] Geld rechnen darfst, denn wo ich nicht irre macht Cotta allemal erst in den Messen seine Auszahlungen. Wird der Aufsatz erst im achten Stück gedruckt, wie es leicht möglich ist, weil er wegen der Größe nicht in jedes St.[ück] paßt, so kömmt ohnehin Michaelis heran. –
Du kannst leicht denken wie begierig ich darauf bin. Hast du Kar.[oline] schon vorgelesen?
Der Aufsatz über den franz.[ösischen] Nationalcharakter im 5ten Stück ist von Woltmann, dem ich etwas so Gutes gar nicht zugetraut hätte.
Ich bin ietzt sehr im Gedränge. Ich habe versprochen das M[anu]sc.[ript] den 1ten Juli abzusenden, und ich will froh seyn wenn ichs in 14 Tagen fortbringe. Die Sachen werden mir unter den Händen immer länger und auch wohl besser, nur fertig wollen sie nicht werden. Der Geitz hat mich eigentlich verführt: ich hätte von Ostern an nur an mein Werk denken sollen. Da [3] ließ ich mich aber verleiten, und arbeitete erst die beyden großen Aufsätze aus für die Berl.[iner] M.[onats-]Schr.[ift] um etwas Geld zu verdienen. Nun bekomme ich <dort> nichts, und hier bin ich in Noth. Wenn nur erst diese Sendung (welche wenigstens für den ersten Band hinreicht) fort ist, so kann ich leicht und mit Lust arbeiten. Für das größte Stück ist fast alles fertig. Unter den jetzigen Aufsätzen waren einige, wo so viel zu citiren ist. Ich mußte für jeden alle meine Excerpte, den Harles excerpiren, und etwa noch den Anacharsiss zur Nachleße durchlaufen. Darüber geht die Zeit. Für einen andern Aufsatz war der Stoff zu reichhaltig und er ist doch nur Fragment geblieben, ob ich gleich schon Neujahr den Anfang gemacht hatte, ihn ins Reine zu arbeiten.
Du könntest nach meinen letzten Aeußerungen etwa glauben, ich wollte ganz ausschließend auf eine Akademie, und bestimmt auf Jena spekuliren. Vor [4] der Hand denke ich aber nur auf den Augenblick, und meine Lage fordert nichts andres. Bin ich etwas frey, so würde ich solange sich keine andere fände, jede leidliche Proposition, jemand nach Italien zu führen annehmen, ja vielleicht auch eine Hofmeisterstelle auf einer Akademie, bey der ich doch einigermaaßen fortarbeiten (ich schmeichle mir in einiger Zeit, ein oder zwey Jahren, ziemlich viel Routine zu haben) und vielleicht ein kleines Kapital erübrigen könnte, um den Rest der Schulden, die dann noch seyn könnten, zu bezahlen, oder wenn das nicht wäre, nach Italien reisen zu können.
Friedrich.
×
×