• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Wien · Place of Destination: Unknown · Date: 29.07.1808
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Wien
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 29.07.1808
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 335976727
  • Bibliography: Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 581‒584.
  • Incipit: „[1] Wien den 29ten Julius 1808
    Geliebter Bruder, meinen Brief vom 13ten wirst Du hoffentlich schon lange erhalten haben. Daß ich so [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-8
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,I,54
  • Number of Pages: 8 S. auf Doppelbl., hs. m. U
  • Format: 20,4 x 12,5 cm
    Language
  • German
[1] Wien den 29ten Julius 1808
Geliebter Bruder, meinen Brief vom 13ten wirst Du hoffentlich schon lange erhalten haben. Daß ich so lange wartete, ehe ich Dir schrieb, geschah einzig in der Absicht, um doch wenigstens etwas von den ersten Schritten meines Hierseins erzählen zu können. Ich hoffe, die erste Nachricht davon, so ungenügend sie sein mußte, hat Dich doch nicht ganz unbefriedigt gelassen. Unterdessen ängstigte ich mich doch nicht wenig, so gar lange durchaus nichts von Dir zu hören und war daher sehr erfreut, als ich endlich Deinen Brief vom 12ten erhielt, und daraus sah daß es Dir wohl geht. – Lieber Bruder, alles was Du unterdessen und besonders auch in Hannover bei der Mutter und den Brüdern für mich gethan und gesprochen hast, ist ganz das Rechte, und ich danke Dir von ganzer Seele dafür. Was liegt an dem Canonicate wenn nur die Mutter beruhigt ist. Daß die Brüder so billig denken, freut mich herzlich; so darf ich sie doch auch recht als Brüder in vollem Sinne des Wortes erkennen und ehren. Meine freilich halbe und üble Zurückhaltung gegen Karl hatte einzig die Besorgniß wegen der Mutter zum Grunde; sonst nichts, denn alles andre war mir im Vergleich damit zu unwichtig. – Unrecht aber hast Du, in Bezug auf [2] diesen Gegenstand auch nur die mindeste Zurückhaltung gegen Dich bei mir vorauszusetzen. Was die Thatsache betrifft, so sagte ich dies ja, daß jene Nachricht nur um ein geringes in der Zeit irrig sei. Wahr ist es, ich war noch in Dreßden so ergrimmt über das Betragen derer, denen ich mich anvertraut hatte, die erst so träge waren und so zögernd, daß jener Schritt fast um ein Jahr später geschah als meine Absicht war und dann grade zur ungelegensten Zeit; und die nachher mein Vertrauen so sehr misbrauchten daß sie selbst das Geheimniß nicht treu bewahrten. Doch genug von dieser Sache, die mich oft mit bitterm Unmuth erfüllt hat, grade weil es von dieser Seite herkam. – Was die Gesinnung selbst betrift, so war ich gewiß nicht zurückhaltend gegen Dich; denn gegen wen sollte ich darüber wohl offen sein, wenn ich es nicht gegen Dich wäre? – Ja Du wirst wohl einigemal haben bemerken müssen wie die innersten und tiefsten Wünsche meiner Seele bei einiger Veranlaßung hervorbrachen. Freilich aber waren die Tage die wir in Dreßden zusammen lebten, Tage der Zerstreuung, wenig geeignet zu den wichtigsten Mittheilungen, die auch äußre Ruhe erheischen. – Was der tiefste und innigste Wunsch meines Herzens ist, kann Dir so wie Du mich kennst, nicht verborgen sein; konnte Dir auch in mancher Aeußerung [3] bei unserm Zusammensein nicht unverborgen bleiben; auf der andern Seite aber und grade weil es nicht anders als mein geheimster und liebster Wunsch sein kann, allen unsern übrigen Banden und Gemeinschaften auch diese höchste von allen beigefügt und alle andren dadurch besiegelt zu sehen, mußte ich es mir von Anfang an zum Gesetz machen, mir auch nicht das geringste zu erlauben, was ich will nicht sagen zudringlich oder auffodernd sondern auch nur überredend oder deutlich wünschend hätte scheinen können. – Meiner Liebe, meiner Freundschaft, meiner Treue bist Du doch wohl in allen Verhältnissen gewiß; also auch in dem, was über alle Verhältnisse hinaus geht.
Für Sophien wünschte ich hättest Du mir etwas mehr geschrieben, da Du ihr nicht selbst schriebst; denn aus Deinen wenigen Worten war nicht klar, ob Du ihren ausführlichen nach Hannover gesandten Brief erhalten hast oder nicht. Und wenigstens dieß hätte ich doch gewünscht, ihr mit Bestimmtheit sagen zu können, da wir beide schon lange auf Briefe von Dir gewartet hatten. – Ludwig Tieck ist immer noch nicht da. Felix hat, nachdem der älteste Knabe vom Scharlachfieber wieder hergestellt war, die Masern gehabt. Jetzt ist er besser, aber seitdem hat auch Sophie selbst die Masern bekommen, wie es natürlich war bei dem Zusammensein mit den Kindern; sie sollte [4] eigentlich schon in zwei oder drei Tagen ganz besser sein; da aber der Gang der Krankheit bei ihr nicht ganz regelmäßig ist, so läßt sich nicht mit Gewißheit darauf rechnen. – Alles dieß sind freilich für unser Beisammenwohnen und mein erstes Hiersein störende Ereignisse gewesen. Sonst aber bin ich in dieser Umgebung froh; allzu traurig ist es und mir ungewohnt, auf die Länge nicht unter Freunden sondern unter Fremden leben zu müssen. – Von dem zurückgelassenen Gelde habe ich erst die kleine Summe, wie ich neulich schrieb, mir geben lassen, und diese für allerlei was nothwendig anzuschaffen war verwandt. Nächstens werde ich mir wieder eine gleiche Summe geben lassen; ich denke es wird damit ordentlich fortgehn, und ich bis 1ten December reichlich damit auskommen, auch dann allmählig alles haben was zum vollständigen Visitenwesen gehört. – Sollte es sich anders zeigen, so melde ich es gleich. Lieber wär mir es freilich gewesen Sophie hätte mich förmlich in Kost genommen; das will sich nun aber gar nicht machen, sie würde es im Gegentheil übel nehmen und so muß ich es mir so gefallen lassen.
Wo der Albert seine Augen hat, wenn er meint ich sei nicht liebevoll gegen ihn gesinnt, das weiß ich nicht. Ich hatte ihn ein für allemal auf alle Sonntage zu mir geladen, dieß mit ihm verabredet und darauf gerechnet, daß dieß geschehn würde. Warum ich die letzten drei ganzen Wochen [5] diese Einladung nicht widerhohlen und dringender machen durfte, davon hast Du den Grund schon oben gelesen; er liegt in den ansteckenden Krankheiten der Kinder hier im Hause, weshalb es mir recht lieb war, daß er nicht kam. Außerdem glaubte ich seiner eignen Aeußerung zu Folge, er sei bei den O Donells in Baden auf Urlaub. Wenn der kleine Narr fodert, daß ich ihm da draußen Visiten machen soll, so ist dieß eigentlich eine seltsame Erwartung, da es eine volle Stunde von hier aus ist, ich ihn doch nur auf wenige Augenblicke in seiner Freistunde würde sehn können, und meine Zeit mir so gar schmal zugemessen ist, besonders wegen der täglichen Besuche auf dem Archiv, wohin ich auch eine volle halbe Stunde zu gehn habe. Oft kann es also auf keinen Fall geschehn daß ich ihn in seinem Cadettenhause sehe; doch hab ich mir morgen dazu frei gemacht, und da denke ich es mit ihm fest zu machen, daß er nun künftig alle Sonntage bei mir zubringt. Dazu trage denn auch Du gelegentlich das Deine bei, indem Du ihm selbst oder durch die Mutter noch besser einleuchtend machst, wie wichtig es für ihn sei, seine Feierstunden gut anzuwenden, und gut angewandt sollen sie gewiß bei mir sein. – Für die Nachweisung, daß Graf Odonell Coxeʼs Geschichte von Oesterreich besitzt, danke ich übrigens recht sehr; um so mehr, da Hormayr selbst das Buch noch gar nicht gesehn hatte und nichts davon wußte.
[6] Alle Deine hiesigen Freunde und Bekannten grüßen Dich herzlich und fragen auch jedesmal nach Dir. Deinen Brief an Seckendorf habe ich bestellt. Mit dem Prometheus geht es etwas schlecht, weil der Verleger gar zu erbärmlich ist. Der erste bedeutende Beitrag, den ich gebe wird ein historischer sein (über das Studium der Geschichte überhaupt). Dieß kann zugleich eine Einleitung beim Publikum für meine Vorlesungen sein; denn nur historische möchte ich hier halten.
Von Schaumburger werde ich Dir hoffentlich noch mit gegenwärtigem bestimmte Antwort geben können. Es scheint, Seckendorf oder Haschka dem er sich jüngst geäußert, haben seine Aeußerung mißverstanden; wenigstens will er nicht diese Anerbietung gemacht haben. Im Grunde wird es auf eine Art von Dingen und Handeln hinauslaufen; und er ist eigentlich nur ein Lausekerl. Nimmst Du also den ersten besten andren, da Du in Deutschland zehn für einen findest, so ist es eben so gut.
Was Albert betrift, hätte ich noch hinzufügen sollen, daß ich in Rücksicht der bewußten Verhältnisse keinen Grund finde, weshalb er nächsten Winter nicht ruhig hier bleiben könnte; also hoffe, ich werde ihn nicht brauchen zurück zu bringen, sondern Ihr selbst werdet ihn abhohlen.
Was Du von Voß schreibst ist gar allerliebst und unterhaltend. Dergleichen Spaß kann einem die Mühe des Reisens belohnen. Joh. v. Müller [7] hat mir einen herrlichen Brief über mein Indien geschrieben. Aber platter und seichter als die Recension des Heine ist auch nicht leicht etwas zu denken.
Daß Du mit Hardenberg so herzlich zusammen warst, freut mich von ganzem Herzen. Er ist so recht unser und mein Freund, wie ich außer Dir keinen mehr so nennen möchte. Deinen Wink wegen seines Verhältnisses zu Kn.[orring] werde ich beachten. – Daß meine Recension des Stolberg nach Deinem Sinne war, freut mich sehr. Ich wünsche recht angelegentlich, daß Frau von Staël sie lesen soll; bitte sie darum in meinem Nahmen.
Daß ich mich jetzt mit nichts als mit Geschichte und Oesterreich beschäftigen soll, brauchst Du mir nicht zu empfehlen; es ist ohnehin mein Sinn einzig darauf gerichtet – Hormayr sehe ich fast täglich, die ungedruckten Quellen benutze ich regelmäßig, die Bücher treibe ich immer mehr zusammen, das übrige wird sich bald geben.
Ewig der Deine
Friedrich.

Besonders wegen Florio und Blancheflure hätte ich gewünscht, eine Nachricht in Deinem Briefe zu finden. Hast Du in Frankfurt Heidelberg oder sonst auf der Reise Gelegenheit gefunden, es zu verkaufen, so ist es sehr gut; denn Sophie hat die wichtigsten Gründe, die baldigste Erscheinung mehr als jemals zu wünschen. Ich fände es auch sehr zweckmäßig. Hast Du [8] noch nichts dafür gethan, so wünschte ich fast, Du hättest das Manuscript hier gelassen, damit ich einen Verleger dazu suchen könnte. Thu wenigstens noch, was möglich ist, aber schleunig. Honorar (worauf sie ganz Verzicht leisten zu wollen schien) muß man fodern, sonst haben die Buchhändler nur noch weniger Lust und Zutrauen; aber freilich kein großes. Auf jeden Fall solltest Du auch gleich eine Probe in die Einsiedler Zeitung schicken. Sie ist dieß sehr zufrieden.
Endlich habe ich auch Nachrichten von meiner Frau, daß sie Deinen Brief aus Frankfurt erhielt. Der Himmel vergelte Dir alle Treue und Liebe, die Du ihr erweisest. Sie wird Dich dankbar als Ihren Befreier aus der Verbannung verehren. Ich wünsche es um so dringender, sie bald in Deutschland zu wissen, da sonst die gute Jahrszeit für Pillnitz verstreicht, und sie eben jetzt die Hoffnung [hat] ihre Kinder auf eine sehr gute und vortheilhafte [Art] in Dreßden zu sehn. – Leider hattest Du ihr von Frankfurt aus nicht geschrieben, wohin sie ihren Brief richten sollte. Sie traute dem öffentlichen Gerüchte zu viel, das Dich noch einmal nach Weimar zurückreisen, bald darauf in Heidelberg sein ließ. Sie hat an beide Orte hingeschrieben. Rechne es ihr also nicht an, wenn Du ihren Dank etwas später erhalten hast.
Wegen Schaumburger das ganz bestimmte erst mit nächstem Posttag.
[1] Wien den 29ten Julius 1808
Geliebter Bruder, meinen Brief vom 13ten wirst Du hoffentlich schon lange erhalten haben. Daß ich so lange wartete, ehe ich Dir schrieb, geschah einzig in der Absicht, um doch wenigstens etwas von den ersten Schritten meines Hierseins erzählen zu können. Ich hoffe, die erste Nachricht davon, so ungenügend sie sein mußte, hat Dich doch nicht ganz unbefriedigt gelassen. Unterdessen ängstigte ich mich doch nicht wenig, so gar lange durchaus nichts von Dir zu hören und war daher sehr erfreut, als ich endlich Deinen Brief vom 12ten erhielt, und daraus sah daß es Dir wohl geht. – Lieber Bruder, alles was Du unterdessen und besonders auch in Hannover bei der Mutter und den Brüdern für mich gethan und gesprochen hast, ist ganz das Rechte, und ich danke Dir von ganzer Seele dafür. Was liegt an dem Canonicate wenn nur die Mutter beruhigt ist. Daß die Brüder so billig denken, freut mich herzlich; so darf ich sie doch auch recht als Brüder in vollem Sinne des Wortes erkennen und ehren. Meine freilich halbe und üble Zurückhaltung gegen Karl hatte einzig die Besorgniß wegen der Mutter zum Grunde; sonst nichts, denn alles andre war mir im Vergleich damit zu unwichtig. – Unrecht aber hast Du, in Bezug auf [2] diesen Gegenstand auch nur die mindeste Zurückhaltung gegen Dich bei mir vorauszusetzen. Was die Thatsache betrifft, so sagte ich dies ja, daß jene Nachricht nur um ein geringes in der Zeit irrig sei. Wahr ist es, ich war noch in Dreßden so ergrimmt über das Betragen derer, denen ich mich anvertraut hatte, die erst so träge waren und so zögernd, daß jener Schritt fast um ein Jahr später geschah als meine Absicht war und dann grade zur ungelegensten Zeit; und die nachher mein Vertrauen so sehr misbrauchten daß sie selbst das Geheimniß nicht treu bewahrten. Doch genug von dieser Sache, die mich oft mit bitterm Unmuth erfüllt hat, grade weil es von dieser Seite herkam. – Was die Gesinnung selbst betrift, so war ich gewiß nicht zurückhaltend gegen Dich; denn gegen wen sollte ich darüber wohl offen sein, wenn ich es nicht gegen Dich wäre? – Ja Du wirst wohl einigemal haben bemerken müssen wie die innersten und tiefsten Wünsche meiner Seele bei einiger Veranlaßung hervorbrachen. Freilich aber waren die Tage die wir in Dreßden zusammen lebten, Tage der Zerstreuung, wenig geeignet zu den wichtigsten Mittheilungen, die auch äußre Ruhe erheischen. – Was der tiefste und innigste Wunsch meines Herzens ist, kann Dir so wie Du mich kennst, nicht verborgen sein; konnte Dir auch in mancher Aeußerung [3] bei unserm Zusammensein nicht unverborgen bleiben; auf der andern Seite aber und grade weil es nicht anders als mein geheimster und liebster Wunsch sein kann, allen unsern übrigen Banden und Gemeinschaften auch diese höchste von allen beigefügt und alle andren dadurch besiegelt zu sehen, mußte ich es mir von Anfang an zum Gesetz machen, mir auch nicht das geringste zu erlauben, was ich will nicht sagen zudringlich oder auffodernd sondern auch nur überredend oder deutlich wünschend hätte scheinen können. – Meiner Liebe, meiner Freundschaft, meiner Treue bist Du doch wohl in allen Verhältnissen gewiß; also auch in dem, was über alle Verhältnisse hinaus geht.
Für Sophien wünschte ich hättest Du mir etwas mehr geschrieben, da Du ihr nicht selbst schriebst; denn aus Deinen wenigen Worten war nicht klar, ob Du ihren ausführlichen nach Hannover gesandten Brief erhalten hast oder nicht. Und wenigstens dieß hätte ich doch gewünscht, ihr mit Bestimmtheit sagen zu können, da wir beide schon lange auf Briefe von Dir gewartet hatten. – Ludwig Tieck ist immer noch nicht da. Felix hat, nachdem der älteste Knabe vom Scharlachfieber wieder hergestellt war, die Masern gehabt. Jetzt ist er besser, aber seitdem hat auch Sophie selbst die Masern bekommen, wie es natürlich war bei dem Zusammensein mit den Kindern; sie sollte [4] eigentlich schon in zwei oder drei Tagen ganz besser sein; da aber der Gang der Krankheit bei ihr nicht ganz regelmäßig ist, so läßt sich nicht mit Gewißheit darauf rechnen. – Alles dieß sind freilich für unser Beisammenwohnen und mein erstes Hiersein störende Ereignisse gewesen. Sonst aber bin ich in dieser Umgebung froh; allzu traurig ist es und mir ungewohnt, auf die Länge nicht unter Freunden sondern unter Fremden leben zu müssen. – Von dem zurückgelassenen Gelde habe ich erst die kleine Summe, wie ich neulich schrieb, mir geben lassen, und diese für allerlei was nothwendig anzuschaffen war verwandt. Nächstens werde ich mir wieder eine gleiche Summe geben lassen; ich denke es wird damit ordentlich fortgehn, und ich bis 1ten December reichlich damit auskommen, auch dann allmählig alles haben was zum vollständigen Visitenwesen gehört. – Sollte es sich anders zeigen, so melde ich es gleich. Lieber wär mir es freilich gewesen Sophie hätte mich förmlich in Kost genommen; das will sich nun aber gar nicht machen, sie würde es im Gegentheil übel nehmen und so muß ich es mir so gefallen lassen.
Wo der Albert seine Augen hat, wenn er meint ich sei nicht liebevoll gegen ihn gesinnt, das weiß ich nicht. Ich hatte ihn ein für allemal auf alle Sonntage zu mir geladen, dieß mit ihm verabredet und darauf gerechnet, daß dieß geschehn würde. Warum ich die letzten drei ganzen Wochen [5] diese Einladung nicht widerhohlen und dringender machen durfte, davon hast Du den Grund schon oben gelesen; er liegt in den ansteckenden Krankheiten der Kinder hier im Hause, weshalb es mir recht lieb war, daß er nicht kam. Außerdem glaubte ich seiner eignen Aeußerung zu Folge, er sei bei den O Donells in Baden auf Urlaub. Wenn der kleine Narr fodert, daß ich ihm da draußen Visiten machen soll, so ist dieß eigentlich eine seltsame Erwartung, da es eine volle Stunde von hier aus ist, ich ihn doch nur auf wenige Augenblicke in seiner Freistunde würde sehn können, und meine Zeit mir so gar schmal zugemessen ist, besonders wegen der täglichen Besuche auf dem Archiv, wohin ich auch eine volle halbe Stunde zu gehn habe. Oft kann es also auf keinen Fall geschehn daß ich ihn in seinem Cadettenhause sehe; doch hab ich mir morgen dazu frei gemacht, und da denke ich es mit ihm fest zu machen, daß er nun künftig alle Sonntage bei mir zubringt. Dazu trage denn auch Du gelegentlich das Deine bei, indem Du ihm selbst oder durch die Mutter noch besser einleuchtend machst, wie wichtig es für ihn sei, seine Feierstunden gut anzuwenden, und gut angewandt sollen sie gewiß bei mir sein. – Für die Nachweisung, daß Graf Odonell Coxeʼs Geschichte von Oesterreich besitzt, danke ich übrigens recht sehr; um so mehr, da Hormayr selbst das Buch noch gar nicht gesehn hatte und nichts davon wußte.
[6] Alle Deine hiesigen Freunde und Bekannten grüßen Dich herzlich und fragen auch jedesmal nach Dir. Deinen Brief an Seckendorf habe ich bestellt. Mit dem Prometheus geht es etwas schlecht, weil der Verleger gar zu erbärmlich ist. Der erste bedeutende Beitrag, den ich gebe wird ein historischer sein (über das Studium der Geschichte überhaupt). Dieß kann zugleich eine Einleitung beim Publikum für meine Vorlesungen sein; denn nur historische möchte ich hier halten.
Von Schaumburger werde ich Dir hoffentlich noch mit gegenwärtigem bestimmte Antwort geben können. Es scheint, Seckendorf oder Haschka dem er sich jüngst geäußert, haben seine Aeußerung mißverstanden; wenigstens will er nicht diese Anerbietung gemacht haben. Im Grunde wird es auf eine Art von Dingen und Handeln hinauslaufen; und er ist eigentlich nur ein Lausekerl. Nimmst Du also den ersten besten andren, da Du in Deutschland zehn für einen findest, so ist es eben so gut.
Was Albert betrift, hätte ich noch hinzufügen sollen, daß ich in Rücksicht der bewußten Verhältnisse keinen Grund finde, weshalb er nächsten Winter nicht ruhig hier bleiben könnte; also hoffe, ich werde ihn nicht brauchen zurück zu bringen, sondern Ihr selbst werdet ihn abhohlen.
Was Du von Voß schreibst ist gar allerliebst und unterhaltend. Dergleichen Spaß kann einem die Mühe des Reisens belohnen. Joh. v. Müller [7] hat mir einen herrlichen Brief über mein Indien geschrieben. Aber platter und seichter als die Recension des Heine ist auch nicht leicht etwas zu denken.
Daß Du mit Hardenberg so herzlich zusammen warst, freut mich von ganzem Herzen. Er ist so recht unser und mein Freund, wie ich außer Dir keinen mehr so nennen möchte. Deinen Wink wegen seines Verhältnisses zu Kn.[orring] werde ich beachten. – Daß meine Recension des Stolberg nach Deinem Sinne war, freut mich sehr. Ich wünsche recht angelegentlich, daß Frau von Staël sie lesen soll; bitte sie darum in meinem Nahmen.
Daß ich mich jetzt mit nichts als mit Geschichte und Oesterreich beschäftigen soll, brauchst Du mir nicht zu empfehlen; es ist ohnehin mein Sinn einzig darauf gerichtet – Hormayr sehe ich fast täglich, die ungedruckten Quellen benutze ich regelmäßig, die Bücher treibe ich immer mehr zusammen, das übrige wird sich bald geben.
Ewig der Deine
Friedrich.

Besonders wegen Florio und Blancheflure hätte ich gewünscht, eine Nachricht in Deinem Briefe zu finden. Hast Du in Frankfurt Heidelberg oder sonst auf der Reise Gelegenheit gefunden, es zu verkaufen, so ist es sehr gut; denn Sophie hat die wichtigsten Gründe, die baldigste Erscheinung mehr als jemals zu wünschen. Ich fände es auch sehr zweckmäßig. Hast Du [8] noch nichts dafür gethan, so wünschte ich fast, Du hättest das Manuscript hier gelassen, damit ich einen Verleger dazu suchen könnte. Thu wenigstens noch, was möglich ist, aber schleunig. Honorar (worauf sie ganz Verzicht leisten zu wollen schien) muß man fodern, sonst haben die Buchhändler nur noch weniger Lust und Zutrauen; aber freilich kein großes. Auf jeden Fall solltest Du auch gleich eine Probe in die Einsiedler Zeitung schicken. Sie ist dieß sehr zufrieden.
Endlich habe ich auch Nachrichten von meiner Frau, daß sie Deinen Brief aus Frankfurt erhielt. Der Himmel vergelte Dir alle Treue und Liebe, die Du ihr erweisest. Sie wird Dich dankbar als Ihren Befreier aus der Verbannung verehren. Ich wünsche es um so dringender, sie bald in Deutschland zu wissen, da sonst die gute Jahrszeit für Pillnitz verstreicht, und sie eben jetzt die Hoffnung [hat] ihre Kinder auf eine sehr gute und vortheilhafte [Art] in Dreßden zu sehn. – Leider hattest Du ihr von Frankfurt aus nicht geschrieben, wohin sie ihren Brief richten sollte. Sie traute dem öffentlichen Gerüchte zu viel, das Dich noch einmal nach Weimar zurückreisen, bald darauf in Heidelberg sein ließ. Sie hat an beide Orte hingeschrieben. Rechne es ihr also nicht an, wenn Du ihren Dank etwas später erhalten hast.
Wegen Schaumburger das ganz bestimmte erst mit nächstem Posttag.
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