• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Jena · Date: 29.09.1798
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Jena
  • Date: 29.09.1798
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 24. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Die Periode des Athenäums (25. Juli 1797 ‒ Ende August 1799). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Raymond Immerwahr. Paderborn 1985, S. 173‒175.
  • Incipit: „[1] Den 29ten September 98.
    Zuerst von dem Gelde. – Joseph Mendelssohn, der schon vorgestern früh von hier gereißt, hat Auftrag Dir, [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34237
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.c,Nr.111
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs.
  • Format: 19,1 x 11,4 cm
    Language
  • German
[1] Den 29ten September 98.
Zuerst von dem Gelde. – Joseph Mendelssohn, der schon vorgestern früh von hier gereißt, hat Auftrag Dir, gleich nach seiner Ankunft in Leipzig 10 Carol.[in] zu schicken. Hoffentlich hast Du sie also in Jena vorgefunden.
Nach Dessau hätte ich Dir wohl eben so gut schicken können, wenn Du nur gemeldet hättest, wie lange Du da bliebest.
10 Carol.[in] machen 631/3 Thl. Wegen des übrigen muß ich Dich nun freylich an Vieweg verweisen. Wenn mein Aufsatz 3 Bogen beträgt, so macht dieß 45 Thl., nach Abzug des Vorschußes <von 10 Thl.> 35 Thl. – Viel weniger kann er nicht betragen. – Wie es nun mit dem Gelde von Vieweg steht, siehst Du aus der Einlage. Es wird Dir noch einen Brief nach Leipz.[ig] kosten. Ich hatte Deinem Brief ein Billet beygefügt, worin [2] ich ihm sagte, daß Du auch das Saldo für meinen Aufsatz bekämst, er möchte Dir also unmaßgeblich 125 Thl. schicken von Leipzig. – Ich habe ihm jetzt nichts weiter sagen können, als daß Dir so viel ich wüßte das Geld jetzt unentbehrlich sey, und muß Dir das lezte Wort überlassen. Du wirst es brauchen und also <jetzt ohne meinen Rath> kategorisch von ihm fodern. Dieß ist mir auch des Athen.[äum] wegen recht lieb, wie wohl ich weiter kein Mistrauen in ihn setze, und dächte, wenn wir nun an der rechten Stelle kategorisch mit ihm verführen, könnten wir übrigens freundlich gegen ihn seyn.
Die Gemählde sind herrlich. Wir haben zwey sehr glückliche Abende damit gehabt. Vor allem bewundre ich das Ende des Lukas, dann das Konzert über den Raphael, besonders das [3] über das Kind. Auch der Poussin gefällt mir sehr gut, und ganz vortrefflich das was im Gespräch über Leonardo gesagt wird. – Mir ist dabey der Gedanke gekommen, daß Du bestimmt bist, einmal etwas über die nothwendige Verbindung von Kunst und Wissenschaft zu schreiben. – Du wirst lächeln, daß ich nun sogar in Deiner Seele Projekte mache. Indessen bitte ich doch den Vorschlag nicht ganz von der Hand zu schlagen.
Eine allgemeine Warnung: – Wenn Du ein Packet schickst, keine gesiegelten Briefe einzulegen; weil ich sonst Verdruß habe. Ich erinnre es nur, weil das letzte Packet wieder auf der Post aufgeschnitten war, der Brief an Vieweg war glücklicherweise offen. –
Gegen Dein Projet des IVten [4] Stücks gebe ich nur das Projet meiner Arbeiten in chronol.[ogischer] Ordnung. 1) Briefe über Sh.[akespeare]. 2) Unverständlichkeit. 3) Selbständigkeit. – Zur Elegie und Physik bin ich jeden Augenblick bereit, wenn ich von Dir oder Hard.[enberg] den Anstoß erhalte.
Daß ich den Brief über Sh.[akespeare] noch nicht fertig habe, darin ist außer andern großen Störungen auch das Schuld, daß ich U.[nger]s Bibliothek jetzt arrangire. – Sey nur nicht böse, daß ich in allen diesen Verwirrungen die Geldsachen weder recht genau bedacht noch beschrieben habe.
Hast Du erst das Geld, so möchte ich wohl wieder um eine kleine Auslage bitten. Ich wünsche den Almanach recht bald zu haben.
Hülsens Aufsatz? – Je nun er ist freylich nicht von der verständlichen sondern von der unverständlichen Popularität. Indessen da Hülsen [5] in unsern Kreis gehört, so gehört auch dieser Aufsatz herein, da er besonders in dem sonderbaren Gedankengange so ganz im Geiste Hülsens ist, und sehr schöne Stellen im Einzelnen enthält. – Er scheint das goldne Zeitalter für eine Dichtung oder ein Misverständniß zu halten. Darin bin ich nicht seiner Meynung, muß ihn aber noch mehr lesen. –
Schl[eyermacher]ʼs Aufsatz über Kant und Fichte wird zum IVten Stück gewiß fertig.
Eure Satanisken über die Bernold haben uns höchlich ergötzt.
Gusten meine herzlichsten Grüße. – Schelling bitte ich zu sagen, daß seine universelle Mathem.[atik] meinen ganzen Beyfall hat. – Aber welcher Prasch ist das nun wieder über φ der Geschichte. Hätte er gesagt: Ich bin auch der Meynung wie H.[err] Prof. Fichte, Gesch.[ichte] sey reine Empirie; so wüßte man eben so viel.
[6] Allerdings dürfen die Gemählde nicht getrennt werden. Auch hatte Dein Brief an V.[ieweg] meinen ganzen Beyfall.
Tieck ist mit dem dritten Theil des Sternbald beschäftigt. Zur Rec.[ension] <des Sh.[akespeare]> treibe ich ihn sehr. – Willst Du den Sternbald einmahl nicht recensiren, so schlage mich bey Huf.[eland] vor. Mich interessirt außer dem Meister und Fr. Richter kein andrer <deutscher> Roman so. Aber Tieck soll es nicht wissen.
Henriette hat mir noch etwas für Dich mitgeben wollen, und grüßt auf jeden Fall herzlich.
Von der Ungeheuern hab ich ein Uhrband und ein Paar Handschuhe von Dir erhalten. Bey dem nächsten Manuscript lege ich wenigstens das erste bey.
Für die Gemählde danken und bewundern Euch die Veit, Henriette, Schleierm[acher], Tieck. – Dem letztem gefiel der Lukas mehr als die Sonnette.
[1] Den 29ten September 98.
Zuerst von dem Gelde. – Joseph Mendelssohn, der schon vorgestern früh von hier gereißt, hat Auftrag Dir, gleich nach seiner Ankunft in Leipzig 10 Carol.[in] zu schicken. Hoffentlich hast Du sie also in Jena vorgefunden.
Nach Dessau hätte ich Dir wohl eben so gut schicken können, wenn Du nur gemeldet hättest, wie lange Du da bliebest.
10 Carol.[in] machen 631/3 Thl. Wegen des übrigen muß ich Dich nun freylich an Vieweg verweisen. Wenn mein Aufsatz 3 Bogen beträgt, so macht dieß 45 Thl., nach Abzug des Vorschußes <von 10 Thl.> 35 Thl. – Viel weniger kann er nicht betragen. – Wie es nun mit dem Gelde von Vieweg steht, siehst Du aus der Einlage. Es wird Dir noch einen Brief nach Leipz.[ig] kosten. Ich hatte Deinem Brief ein Billet beygefügt, worin [2] ich ihm sagte, daß Du auch das Saldo für meinen Aufsatz bekämst, er möchte Dir also unmaßgeblich 125 Thl. schicken von Leipzig. – Ich habe ihm jetzt nichts weiter sagen können, als daß Dir so viel ich wüßte das Geld jetzt unentbehrlich sey, und muß Dir das lezte Wort überlassen. Du wirst es brauchen und also <jetzt ohne meinen Rath> kategorisch von ihm fodern. Dieß ist mir auch des Athen.[äum] wegen recht lieb, wie wohl ich weiter kein Mistrauen in ihn setze, und dächte, wenn wir nun an der rechten Stelle kategorisch mit ihm verführen, könnten wir übrigens freundlich gegen ihn seyn.
Die Gemählde sind herrlich. Wir haben zwey sehr glückliche Abende damit gehabt. Vor allem bewundre ich das Ende des Lukas, dann das Konzert über den Raphael, besonders das [3] über das Kind. Auch der Poussin gefällt mir sehr gut, und ganz vortrefflich das was im Gespräch über Leonardo gesagt wird. – Mir ist dabey der Gedanke gekommen, daß Du bestimmt bist, einmal etwas über die nothwendige Verbindung von Kunst und Wissenschaft zu schreiben. – Du wirst lächeln, daß ich nun sogar in Deiner Seele Projekte mache. Indessen bitte ich doch den Vorschlag nicht ganz von der Hand zu schlagen.
Eine allgemeine Warnung: – Wenn Du ein Packet schickst, keine gesiegelten Briefe einzulegen; weil ich sonst Verdruß habe. Ich erinnre es nur, weil das letzte Packet wieder auf der Post aufgeschnitten war, der Brief an Vieweg war glücklicherweise offen. –
Gegen Dein Projet des IVten [4] Stücks gebe ich nur das Projet meiner Arbeiten in chronol.[ogischer] Ordnung. 1) Briefe über Sh.[akespeare]. 2) Unverständlichkeit. 3) Selbständigkeit. – Zur Elegie und Physik bin ich jeden Augenblick bereit, wenn ich von Dir oder Hard.[enberg] den Anstoß erhalte.
Daß ich den Brief über Sh.[akespeare] noch nicht fertig habe, darin ist außer andern großen Störungen auch das Schuld, daß ich U.[nger]s Bibliothek jetzt arrangire. – Sey nur nicht böse, daß ich in allen diesen Verwirrungen die Geldsachen weder recht genau bedacht noch beschrieben habe.
Hast Du erst das Geld, so möchte ich wohl wieder um eine kleine Auslage bitten. Ich wünsche den Almanach recht bald zu haben.
Hülsens Aufsatz? – Je nun er ist freylich nicht von der verständlichen sondern von der unverständlichen Popularität. Indessen da Hülsen [5] in unsern Kreis gehört, so gehört auch dieser Aufsatz herein, da er besonders in dem sonderbaren Gedankengange so ganz im Geiste Hülsens ist, und sehr schöne Stellen im Einzelnen enthält. – Er scheint das goldne Zeitalter für eine Dichtung oder ein Misverständniß zu halten. Darin bin ich nicht seiner Meynung, muß ihn aber noch mehr lesen. –
Schl[eyermacher]ʼs Aufsatz über Kant und Fichte wird zum IVten Stück gewiß fertig.
Eure Satanisken über die Bernold haben uns höchlich ergötzt.
Gusten meine herzlichsten Grüße. – Schelling bitte ich zu sagen, daß seine universelle Mathem.[atik] meinen ganzen Beyfall hat. – Aber welcher Prasch ist das nun wieder über φ der Geschichte. Hätte er gesagt: Ich bin auch der Meynung wie H.[err] Prof. Fichte, Gesch.[ichte] sey reine Empirie; so wüßte man eben so viel.
[6] Allerdings dürfen die Gemählde nicht getrennt werden. Auch hatte Dein Brief an V.[ieweg] meinen ganzen Beyfall.
Tieck ist mit dem dritten Theil des Sternbald beschäftigt. Zur Rec.[ension] <des Sh.[akespeare]> treibe ich ihn sehr. – Willst Du den Sternbald einmahl nicht recensiren, so schlage mich bey Huf.[eland] vor. Mich interessirt außer dem Meister und Fr. Richter kein andrer <deutscher> Roman so. Aber Tieck soll es nicht wissen.
Henriette hat mir noch etwas für Dich mitgeben wollen, und grüßt auf jeden Fall herzlich.
Von der Ungeheuern hab ich ein Uhrband und ein Paar Handschuhe von Dir erhalten. Bey dem nächsten Manuscript lege ich wenigstens das erste bey.
Für die Gemählde danken und bewundern Euch die Veit, Henriette, Schleierm[acher], Tieck. – Dem letztem gefiel der Lukas mehr als die Sonnette.
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