• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel , Caroline von Schelling

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Jena · Date: 22.12.1798
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel, Caroline von Schelling
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Jena
  • Date: 22.12.1798
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 24. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Die Periode des Athenäums (25. Juli 1797 ‒ Ende August 1799). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Raymond Immerwahr. Paderborn 1985, S. 217‒218.
  • Incipit: „[1] Berlin den 22ten Dec. 98
    Heute ist eben nicht viel zu schreiben, lieben Freunde. – Ich thue es besonders, um die [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34237
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.c,Nr.120
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs.
  • Format: 18,9 x 11,5 cm
    Language
  • German
[1] Berlin den 22ten Dec. 98
Heute ist eben nicht viel zu schreiben, lieben Freunde. – Ich thue es besonders, um die beyden Einlagen vorzüglich die von Henriette nicht länger liegen zu lassen.
Zwar eine Nachricht kann ich geben, die Wilhelm sehr angenehm seyn wird, und es auch mir war. Fröhlich hat sich entschlossen das Athen.[äum] von V.[ieweg] dem unsre Entschlossenheit etwas bessere Bedingungen abgezwungen, zu kaufen. Er wollte gestern früh zu mir kommen mit den Punkten des Contracts zu mir kommen, damit ich sie Dir heute schicken könnte. Er ist aber nicht gekommen, und da das Wetter sehr gut war, so muß er wie sichs ohnehin denken läßt, mit V.[ieweg] noch [2] nicht ganz zu Stande gekommen seyn. – Alles andre, was sich nicht auf die Veränderung oder Fortdauer des Titels und was dem anhängt, bezieht, bleibt so wie ichs Dir schon berichtet. Da er aber sehr für 2 Ldrs Honorar zu seyn scheint, so habe ich vorgeschlagen, nebst dem Papier auch in dem Format auch eine ähnliche Operation vorzunehmen, wie beym zweyten Jahrgange der Horen. Die alten Lettern, aber statt 30 Zeilen nur 24 Zeilen, etwas weiter aus einander. – Jenes alte Format ist für 2 Ldrs doch wirklich zu groß. –
Nun noch ein seltsamer fast komischer Punkt. Er mag von V.[ieweg] [3] etwas gehört haben über Deine Waffenrüstung gegen Wieland. Das reizt ihn dermaßen, weil er glaubt es würde einen sehr großen Effekt machen, daß er bittet und wünscht, dieses Produkt in <einem> der vier (ersten) Stücke, zu denen er sich anheischig macht, zu bekommen. – Ich dächte, Du könntest ihm wohl den Gefallen thun, da doch Wiel[and] nicht böser werden kann als er schon ist, und da Fr.[öhlich] in Rücksicht auf den Effekt so sehr Recht hat, wie man schon aus Deiner Recens.[ion] des Voß, und aus den Worten [?] über Lafontaine und Richter sieht. Artig wäre es, Wielands litter.[arischen] Tod zu einem Punkt des Contracts zu machen. – Doch Scherz bey Seite bitte ich Dich, von hieraus Gelegenheit zu nehmen, selbst [4] an Fr.[öhlich] einige artige und verbindliche Zeilen zu schreiben, die er so sehr verdient, und ihm selbst zu sagen, ob in wie fern und wann Du seine Bitte erfüllen kannst und willst.
Unsre Geschichte macht hier allgemeines Aufsehn: indessen ist das nun fast vorbey, so wie auch die Verdrießlichkeit des Geschäfts selbst. Es ist übrigens zwar recht heilsam, daß ich und meine Freundin jezt von neuem sehen und fühlen, welch ein Pack von Lumpenhunden es war, unter dem wir zu leben uns herabließen. – Ich bin sehr glücklich in der neuen Freyheit. An meiner Lucinde ist ein guter Anfang gemacht, mit dem ich zufrieden bin, und den Doroth.[ea] und Schleierm.[acher] nicht genug loben können. – Ihr sollt nur sehn, ich werde noch ordentlicherweise praktisch und nützlich werden; ich schillre schon.
[5] Was Henriette betrifft, so hat sie sich, da alle Dinge vergänglich von ihrer ersten Albernheit schon völlig wieder erhohlt. Indessen ist sie doch weicher als billig, und selbst die Gemeinheit der unsäglich gemeinen Schwester, der überflüßigen ist nicht ohne ansteckenden Einfluß. Henriettens schöne Seele würde gewiß schöner seyn, wenn sie nicht so übertrieben und ausschließend schön wäre.
Mit ihrem Kommen und Nichtkommen, das steht nun so. – Das Volk, von, in und mit dem sie lebt, kanns durchaus nicht begreifen, warum sie eigentlich zu Euch will, da das eher Geld kostet als einbringt. Da aber die Canaillen durchaus [6] alles begreifen wollen, so unterstehn sie sich etwas dabey zu denken, und da finden sie denn nun nach dem Gesetz der Ideenassotiation, dem eigentlichen Princip ihrer Moral nichts als Schlegel und Schlegels, und wenn sie recht scharfsinnig seyn wollen, so ahnden sie eine Annäherung zum Christenthum, was sie mehr scheuen als den Tod. – Diese Gründe sagen sie nun zwar nicht, sondern chargiren nur den Winter und den Mangel an guter Gelegenheit, beydes ist aber gar nicht das rechte Hinderniß. –
[1] Berlin den 22ten Dec. 98
Heute ist eben nicht viel zu schreiben, lieben Freunde. – Ich thue es besonders, um die beyden Einlagen vorzüglich die von Henriette nicht länger liegen zu lassen.
Zwar eine Nachricht kann ich geben, die Wilhelm sehr angenehm seyn wird, und es auch mir war. Fröhlich hat sich entschlossen das Athen.[äum] von V.[ieweg] dem unsre Entschlossenheit etwas bessere Bedingungen abgezwungen, zu kaufen. Er wollte gestern früh zu mir kommen mit den Punkten des Contracts zu mir kommen, damit ich sie Dir heute schicken könnte. Er ist aber nicht gekommen, und da das Wetter sehr gut war, so muß er wie sichs ohnehin denken läßt, mit V.[ieweg] noch [2] nicht ganz zu Stande gekommen seyn. – Alles andre, was sich nicht auf die Veränderung oder Fortdauer des Titels und was dem anhängt, bezieht, bleibt so wie ichs Dir schon berichtet. Da er aber sehr für 2 Ldrs Honorar zu seyn scheint, so habe ich vorgeschlagen, nebst dem Papier auch in dem Format auch eine ähnliche Operation vorzunehmen, wie beym zweyten Jahrgange der Horen. Die alten Lettern, aber statt 30 Zeilen nur 24 Zeilen, etwas weiter aus einander. – Jenes alte Format ist für 2 Ldrs doch wirklich zu groß. –
Nun noch ein seltsamer fast komischer Punkt. Er mag von V.[ieweg] [3] etwas gehört haben über Deine Waffenrüstung gegen Wieland. Das reizt ihn dermaßen, weil er glaubt es würde einen sehr großen Effekt machen, daß er bittet und wünscht, dieses Produkt in <einem> der vier (ersten) Stücke, zu denen er sich anheischig macht, zu bekommen. – Ich dächte, Du könntest ihm wohl den Gefallen thun, da doch Wiel[and] nicht böser werden kann als er schon ist, und da Fr.[öhlich] in Rücksicht auf den Effekt so sehr Recht hat, wie man schon aus Deiner Recens.[ion] des Voß, und aus den Worten [?] über Lafontaine und Richter sieht. Artig wäre es, Wielands litter.[arischen] Tod zu einem Punkt des Contracts zu machen. – Doch Scherz bey Seite bitte ich Dich, von hieraus Gelegenheit zu nehmen, selbst [4] an Fr.[öhlich] einige artige und verbindliche Zeilen zu schreiben, die er so sehr verdient, und ihm selbst zu sagen, ob in wie fern und wann Du seine Bitte erfüllen kannst und willst.
Unsre Geschichte macht hier allgemeines Aufsehn: indessen ist das nun fast vorbey, so wie auch die Verdrießlichkeit des Geschäfts selbst. Es ist übrigens zwar recht heilsam, daß ich und meine Freundin jezt von neuem sehen und fühlen, welch ein Pack von Lumpenhunden es war, unter dem wir zu leben uns herabließen. – Ich bin sehr glücklich in der neuen Freyheit. An meiner Lucinde ist ein guter Anfang gemacht, mit dem ich zufrieden bin, und den Doroth.[ea] und Schleierm.[acher] nicht genug loben können. – Ihr sollt nur sehn, ich werde noch ordentlicherweise praktisch und nützlich werden; ich schillre schon.
[5] Was Henriette betrifft, so hat sie sich, da alle Dinge vergänglich von ihrer ersten Albernheit schon völlig wieder erhohlt. Indessen ist sie doch weicher als billig, und selbst die Gemeinheit der unsäglich gemeinen Schwester, der überflüßigen ist nicht ohne ansteckenden Einfluß. Henriettens schöne Seele würde gewiß schöner seyn, wenn sie nicht so übertrieben und ausschließend schön wäre.
Mit ihrem Kommen und Nichtkommen, das steht nun so. – Das Volk, von, in und mit dem sie lebt, kanns durchaus nicht begreifen, warum sie eigentlich zu Euch will, da das eher Geld kostet als einbringt. Da aber die Canaillen durchaus [6] alles begreifen wollen, so unterstehn sie sich etwas dabey zu denken, und da finden sie denn nun nach dem Gesetz der Ideenassotiation, dem eigentlichen Princip ihrer Moral nichts als Schlegel und Schlegels, und wenn sie recht scharfsinnig seyn wollen, so ahnden sie eine Annäherung zum Christenthum, was sie mehr scheuen als den Tod. – Diese Gründe sagen sie nun zwar nicht, sondern chargiren nur den Winter und den Mangel an guter Gelegenheit, beydes ist aber gar nicht das rechte Hinderniß. –
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