• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Frankfurt am Main · Place of Destination: Paris · Date: 16.04.1818
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Frankfurt am Main
  • Place of Destination: Paris
  • Date: 16.04.1818
  • Notations: Empfangsort erschlossen
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 29. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Vom Wiener Kongress zum Frankfurter Bundestag (10. September 1814 ‒ 31. Oktober 1818). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Jean-Jacques Anstett unter Mitarbeit von Ursula Behler. Paderborn 1980, S. 439‒441.
  • Incipit: „[1] Frankfurt, den 16ten April 1818.
    Geliebter Bruder!
    Ich bin ein Paar Tage nicht wohl gewesen, sonst hätte ich Dir schon eher geschrieben. [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34288
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.d,Nr.209
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 20,1 x 12,6 cm
    Language
  • German
[1] Frankfurt, den 16ten April 1818.
Geliebter Bruder!
Ich bin ein Paar Tage nicht wohl gewesen, sonst hätte ich Dir schon eher geschrieben. Die Abreise des Fürsten Hard.[enberg] über Wetzlar hier vorbey nach Berlin, wirst Du gleich in den Zeitungen gefunden haben, es war also unnütz, Dir die Nachricht davon zu bestätigen. Unterdessen habe ich nicht versäumt, den Geh.[eimen] Leg.[ations-]R.[ath] Eichhorn (in manchen Zweigen und Verhältnißen des Fürsten rechte Hand), der auch an Deiner Anstellung den lebhaftesten Antheil nimmt, zu sprechen, und zwar wegen Bonn, ungefähr in dem Sinne, wie Du mir geschrieben, doch alles bloß in <meinem> eignem Nahmen, <und als meine Meynung> so daß es Dich auf keine Weise compromittiren <kann>. Ich stimme ganz Dir bey, daß es am Zweckmäßigsten für Dich und für die Sache wäre, gleich grade nach Berlin zu gehn; allein sie haben sich nun einmal in den Kopf <gesetzt>, dort am Rheine zuerst einen glänzenden Effekt bey Eröffnung der Universität durch Dich hervorzubringen <auf 1 oder 2 Jahr>. Willst Du es nun vermeiden, so solltest <Du> es offen zu verstehen geben und ausdrücklich sagen und Ihnen begreiflich machen, was sie ja [2] doch in keiner Weise übel nehmen können. Mündlich würde sichs noch besser und leichter zu Rechte reden; besonders mit Altenstein, der mir in diesen Sachen der Hauptsächliche scheint. Daß Hard.[enberg] sehr bald in die Rheinlande zurückkehrt, hat er nicht nur auf das bestimmteste versprochen, sondern ich habe auch noch viele andre Gründe, um zu glauben, daß es wirklich geschehen wird. – Außerordentlich freue ich mich, Dich wiederzusehen und habe Dir vieles, sehr vieles mitzutheilen, was uns beyden wichtig und ersprießlich seyn kann und auch unser altes Deutsches Gelehrtenwesen, wie es jetzt steht und geht, mit betrifft. Ich gehe immer von dem Gedanken aus, daß unser Wirken in manchem, wie früher so auch in der jetzigen neuen Epoche von frischem zusammentreffen soll. Komm also nur, sobald Du fertig bist, grade hieher; da können wir denn die weiteren Dispositionen machen, um mehrere Wochen in Heidelberg (wo man sich dessen ungemein freuen würde) zusammenzuleben; oder wenn Du dazu <etwa> Bonn, um Dich dorten erst selbst umzusehen, und Kölln vorziehst, so ist mir das auch sehr recht. – Sollte unterdessen meine Abberufung schon officiell eingelaufen seyn und [3] ich hier schon eingepackt haben, so könnte ich Dir auch bis Mainz entgegenkommen. Doch ein paar Tage werden Dir hier in Frankfurt gewiß auch nicht unangenehm seyn. Jedoch bitte ich Dich, mir ja gleich wieder zu schreiben, und alles so genau zu bestimmen als Du kannst, damit ich mich danach einrichte, da ich noch so mancherley Zwecke in der kurzen Zeit zu vereinbaren habe. – Von Wien aus giebt man mir jetzt die besten Verheißungen; aber so lange ich nicht alles officiell habe, bin ich doch nicht ohne Sorgen, da auf das quomodo und die qualia und quanta in meiner jetzigen Lage so gar viel ankommt. – Unterdessen ist es mir doch gelungen, die Abreise nach Italien zu Stande zu bringen, da sich grade eine sehr gute, sichre, verhältnißmäßig auch wohlfeile Gelegenheit bis Mayland <und von dort schon weiter> gefunden hat, mit einer hier ansäßigen italiänischen Kaufmannsfamilie. Die Hauptsorge wäre also nun, Gott sey Dank, glücklich überstanden, und das andre wird sich denn wohl auch noch schlichten und richten; wenn man nur nicht über das infame diplomatische Warten und Zögern so ungeduldig würde. Ich begleite meine Frau bis Heidelberg, da wollen wir unsre Freunde und die <alten> Bilder sehen; am 21ten gehn wir von hier ab, und am 1ten May muß sie unfehlbar <und spätestens> schon in Mayland seyn. – Ich bin indessen wahrscheinlich schon am 25ten wieder hier; in jedem Falle schreibe nur, nach wie vor, direkt hieher. Es wird alles aufs schnellste und pünktlichste [4] besorgt. Ich bitte auch unsrer Schwester Marie diese Nachricht mitzutheilen, wenn Du sie etwa siehst.
Nun lebe wohl, lieber Bruder! laß mich bald wieder Nachricht von Dir hören, und zwar vor allem die frohe, daß Du bald hier eintreffen wirst. – Eins hätte ich bald vergessen, <was ich freylich schon neulich erwähnte>; zu der Reise nach Hannover habe ich zwar die größte Lust, ob ich aber auch Zeit und Geld dazu haben werde, das kann ich jetzt noch nicht mit Gewißheit bestimmen, <so> alles von dem, was von Wien aus kommt, abhängt. Das mit der hannövrischen Reise muß also mündlich beschlossen werden. Erfahre ich unterdessen etwas Bestimmtes über mich, oder auch irgend etwas was Dich und Deine Sache betrifft, so schreibe ich gleich wieder. Das einzige, was meine Frau beklagen muß, ist daß sie wegreist eben, ehe Du kömmst. Aber es ließ sich einmal nicht ändern, die Gelegenheit war gar zu gut, es kam alles wie vom Himmel gerufen, auch ist die Zeit noch eben die rechte; drey Wochen später wäre es schon zu heiß. Sie <empfiehlt sich Deinem Andenken und> hofft darauf, daß Du Deinen Verstand anwenden wirst, um noch einmal ein glückliches Zusammentreffen zu Stande zu bringen; sie wird Dir von Italien aus schreiben. Unterdessen läßt Sie zum Abschiede die dringende Bitte an Dich zurück, doch recht bald an Charlotten zu schreiben, die es sich gar so sehr zu Herzen nimmt, daß Du ihr gar nicht schreibst.
Dein Dich liebender Bruder Friedrich.
[1] Frankfurt, den 16ten April 1818.
Geliebter Bruder!
Ich bin ein Paar Tage nicht wohl gewesen, sonst hätte ich Dir schon eher geschrieben. Die Abreise des Fürsten Hard.[enberg] über Wetzlar hier vorbey nach Berlin, wirst Du gleich in den Zeitungen gefunden haben, es war also unnütz, Dir die Nachricht davon zu bestätigen. Unterdessen habe ich nicht versäumt, den Geh.[eimen] Leg.[ations-]R.[ath] Eichhorn (in manchen Zweigen und Verhältnißen des Fürsten rechte Hand), der auch an Deiner Anstellung den lebhaftesten Antheil nimmt, zu sprechen, und zwar wegen Bonn, ungefähr in dem Sinne, wie Du mir geschrieben, doch alles bloß in <meinem> eignem Nahmen, <und als meine Meynung> so daß es Dich auf keine Weise compromittiren <kann>. Ich stimme ganz Dir bey, daß es am Zweckmäßigsten für Dich und für die Sache wäre, gleich grade nach Berlin zu gehn; allein sie haben sich nun einmal in den Kopf <gesetzt>, dort am Rheine zuerst einen glänzenden Effekt bey Eröffnung der Universität durch Dich hervorzubringen <auf 1 oder 2 Jahr>. Willst Du es nun vermeiden, so solltest <Du> es offen zu verstehen geben und ausdrücklich sagen und Ihnen begreiflich machen, was sie ja [2] doch in keiner Weise übel nehmen können. Mündlich würde sichs noch besser und leichter zu Rechte reden; besonders mit Altenstein, der mir in diesen Sachen der Hauptsächliche scheint. Daß Hard.[enberg] sehr bald in die Rheinlande zurückkehrt, hat er nicht nur auf das bestimmteste versprochen, sondern ich habe auch noch viele andre Gründe, um zu glauben, daß es wirklich geschehen wird. – Außerordentlich freue ich mich, Dich wiederzusehen und habe Dir vieles, sehr vieles mitzutheilen, was uns beyden wichtig und ersprießlich seyn kann und auch unser altes Deutsches Gelehrtenwesen, wie es jetzt steht und geht, mit betrifft. Ich gehe immer von dem Gedanken aus, daß unser Wirken in manchem, wie früher so auch in der jetzigen neuen Epoche von frischem zusammentreffen soll. Komm also nur, sobald Du fertig bist, grade hieher; da können wir denn die weiteren Dispositionen machen, um mehrere Wochen in Heidelberg (wo man sich dessen ungemein freuen würde) zusammenzuleben; oder wenn Du dazu <etwa> Bonn, um Dich dorten erst selbst umzusehen, und Kölln vorziehst, so ist mir das auch sehr recht. – Sollte unterdessen meine Abberufung schon officiell eingelaufen seyn und [3] ich hier schon eingepackt haben, so könnte ich Dir auch bis Mainz entgegenkommen. Doch ein paar Tage werden Dir hier in Frankfurt gewiß auch nicht unangenehm seyn. Jedoch bitte ich Dich, mir ja gleich wieder zu schreiben, und alles so genau zu bestimmen als Du kannst, damit ich mich danach einrichte, da ich noch so mancherley Zwecke in der kurzen Zeit zu vereinbaren habe. – Von Wien aus giebt man mir jetzt die besten Verheißungen; aber so lange ich nicht alles officiell habe, bin ich doch nicht ohne Sorgen, da auf das quomodo und die qualia und quanta in meiner jetzigen Lage so gar viel ankommt. – Unterdessen ist es mir doch gelungen, die Abreise nach Italien zu Stande zu bringen, da sich grade eine sehr gute, sichre, verhältnißmäßig auch wohlfeile Gelegenheit bis Mayland <und von dort schon weiter> gefunden hat, mit einer hier ansäßigen italiänischen Kaufmannsfamilie. Die Hauptsorge wäre also nun, Gott sey Dank, glücklich überstanden, und das andre wird sich denn wohl auch noch schlichten und richten; wenn man nur nicht über das infame diplomatische Warten und Zögern so ungeduldig würde. Ich begleite meine Frau bis Heidelberg, da wollen wir unsre Freunde und die <alten> Bilder sehen; am 21ten gehn wir von hier ab, und am 1ten May muß sie unfehlbar <und spätestens> schon in Mayland seyn. – Ich bin indessen wahrscheinlich schon am 25ten wieder hier; in jedem Falle schreibe nur, nach wie vor, direkt hieher. Es wird alles aufs schnellste und pünktlichste [4] besorgt. Ich bitte auch unsrer Schwester Marie diese Nachricht mitzutheilen, wenn Du sie etwa siehst.
Nun lebe wohl, lieber Bruder! laß mich bald wieder Nachricht von Dir hören, und zwar vor allem die frohe, daß Du bald hier eintreffen wirst. – Eins hätte ich bald vergessen, <was ich freylich schon neulich erwähnte>; zu der Reise nach Hannover habe ich zwar die größte Lust, ob ich aber auch Zeit und Geld dazu haben werde, das kann ich jetzt noch nicht mit Gewißheit bestimmen, <so> alles von dem, was von Wien aus kommt, abhängt. Das mit der hannövrischen Reise muß also mündlich beschlossen werden. Erfahre ich unterdessen etwas Bestimmtes über mich, oder auch irgend etwas was Dich und Deine Sache betrifft, so schreibe ich gleich wieder. Das einzige, was meine Frau beklagen muß, ist daß sie wegreist eben, ehe Du kömmst. Aber es ließ sich einmal nicht ändern, die Gelegenheit war gar zu gut, es kam alles wie vom Himmel gerufen, auch ist die Zeit noch eben die rechte; drey Wochen später wäre es schon zu heiß. Sie <empfiehlt sich Deinem Andenken und> hofft darauf, daß Du Deinen Verstand anwenden wirst, um noch einmal ein glückliches Zusammentreffen zu Stande zu bringen; sie wird Dir von Italien aus schreiben. Unterdessen läßt Sie zum Abschiede die dringende Bitte an Dich zurück, doch recht bald an Charlotten zu schreiben, die es sich gar so sehr zu Herzen nimmt, daß Du ihr gar nicht schreibst.
Dein Dich liebender Bruder Friedrich.
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