• Sophie Bernhardi to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Weimar · Place of Destination: Unknown · Date: 9. Mai [1804]
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Sophie Bernhardi
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Weimar
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 9. Mai [1804]
  • Notations: Datum (Jahr) erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 335976727
  • Bibliography: Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 77‒78.
  • Incipit: „[1] Weimar den 9ten Mai [1804]
    Ich fange an zu schreiben an Sie liebster Freund mit einem so tiefen Gefühl der Wehmuht [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-4
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,15,24
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,4 x 11,9 cm
    Language
  • German
[1] Weimar den 9ten Mai [1804]
Ich fange an zu schreiben an Sie liebster Freund mit einem so tiefen Gefühl der Wehmuht daß ich mich fast nicht der Trähnen erwehren kann. Sie der Sie solange mit aller Treue an meiner Seite lebten daß ich nur wenige Schritte entfernt war und es in jedem Augenblik in meiner Gewalt hatte Ihren Raht und Ihren Trost aus Ihrem Munde zu höhren an Sie muß ich nun schreiben und meine Worte in die Ferne senden. Ach lieber Freund zu lange bin ich gequält gewesen und meine Seele kann sich von dem Druck noch nicht erholen ich bestrebe mich froh zu sein und muß in jedem Augenblick der Trauer unterliegen. Es übt der Schmerz sein Recht über mich aus den ich in Berlin zu gewaltsam unterdrüken muste. Ich verspreche Ihnen aber gewiß es soll besser mit mir werden. Ich will Ihnen heut nur mancherlei mittheilen waß ich für Sie aus Berlin bekommen habe erstlich einen Brief an [2] Sie von Bernhardi dan aus einem späteren das Brinckmann den Schilter für Sie gekauft und Bernhardi übergeben hat dan einen Brief von Ihrem Bruder und dessen Frau welchen Ernst geschickt und den ich herauß genommen habe da der Brief von Ernst nicht das Mindeste enthält als das sie viel Unruhe haben mit dem Umziehen und das Ihnen die Schwester deswegen nicht schreiben kann so lege ich ihn nicht bei.
Mit meiner Gesundheit geht es noch nicht gut das ist aber auch noch gar nicht zu erwarten ich will alles thun um mich wieder herzustellen. Auch mein körperlicher Zustand macht mir die unüberwindliche Traurigkeit der ich gar nicht wiederstehen kann. Erhalten Sie mir mein lieber Freund nur dieselbe Treue und Freundschaft mit der sich so lange Ihr Leben an das meinige schloß und noch viele [3] frohe Tage werden mir in der Zukunft aufgehen. Ist es doch nur Ihr Werck daß ich nicht lange schon in jedem Elende vergieng. Immer wird es mich mit der tiefsten Rührung ja ich darf es sagen mit der innigsten Dankbarkeit erfüllen. Ist doch jede Entfernung nur Schein, wen[n] die Gemühter sich verstehen bringt uns jeder zärtliche Gedanke in die weiteste Ferne und so umgibt mich Ihre Freundschaft und Sie leben in meiner Nähe bis Sie mich vergessen und dieser Tag kann niemals kommen, dafür bürgt mir mein eigner Glaube. Ich bin hier in der Zukunft gewiß froh ich kann es nur jezt noch nicht. Die Kinder sind hier recht glücklig und werden alle Tage grösser und schöner, Felix leidet nur ein wenig an den Augenzähnen. [4] Das Bild von Buri muß doch ähnlicher sein als es mir scheint den[n] die Kinder erkanten es sogleich und hatten eine unglaubliche Freude, auch Felix der noch nicht recht Schlegel sagen kann bemüht sich sehr es auszusprechen und zeigt immer nach dem Bilde hin. Sie sehen also Sie werden von niemand vergessen.
Schiller ist in Berlin und Bernhardi hat ihn dort besucht, er bewundert ja alles die Teathermalerei besonders. Leben Sie wohl mein, theurer Freund ich schreibe Ihnen bald mehr und gewiß heiterer. Leben Sie tausendmal wohl.
S[ophie] Tieck
[1] Weimar den 9ten Mai [1804]
Ich fange an zu schreiben an Sie liebster Freund mit einem so tiefen Gefühl der Wehmuht daß ich mich fast nicht der Trähnen erwehren kann. Sie der Sie solange mit aller Treue an meiner Seite lebten daß ich nur wenige Schritte entfernt war und es in jedem Augenblik in meiner Gewalt hatte Ihren Raht und Ihren Trost aus Ihrem Munde zu höhren an Sie muß ich nun schreiben und meine Worte in die Ferne senden. Ach lieber Freund zu lange bin ich gequält gewesen und meine Seele kann sich von dem Druck noch nicht erholen ich bestrebe mich froh zu sein und muß in jedem Augenblick der Trauer unterliegen. Es übt der Schmerz sein Recht über mich aus den ich in Berlin zu gewaltsam unterdrüken muste. Ich verspreche Ihnen aber gewiß es soll besser mit mir werden. Ich will Ihnen heut nur mancherlei mittheilen waß ich für Sie aus Berlin bekommen habe erstlich einen Brief an [2] Sie von Bernhardi dan aus einem späteren das Brinckmann den Schilter für Sie gekauft und Bernhardi übergeben hat dan einen Brief von Ihrem Bruder und dessen Frau welchen Ernst geschickt und den ich herauß genommen habe da der Brief von Ernst nicht das Mindeste enthält als das sie viel Unruhe haben mit dem Umziehen und das Ihnen die Schwester deswegen nicht schreiben kann so lege ich ihn nicht bei.
Mit meiner Gesundheit geht es noch nicht gut das ist aber auch noch gar nicht zu erwarten ich will alles thun um mich wieder herzustellen. Auch mein körperlicher Zustand macht mir die unüberwindliche Traurigkeit der ich gar nicht wiederstehen kann. Erhalten Sie mir mein lieber Freund nur dieselbe Treue und Freundschaft mit der sich so lange Ihr Leben an das meinige schloß und noch viele [3] frohe Tage werden mir in der Zukunft aufgehen. Ist es doch nur Ihr Werck daß ich nicht lange schon in jedem Elende vergieng. Immer wird es mich mit der tiefsten Rührung ja ich darf es sagen mit der innigsten Dankbarkeit erfüllen. Ist doch jede Entfernung nur Schein, wen[n] die Gemühter sich verstehen bringt uns jeder zärtliche Gedanke in die weiteste Ferne und so umgibt mich Ihre Freundschaft und Sie leben in meiner Nähe bis Sie mich vergessen und dieser Tag kann niemals kommen, dafür bürgt mir mein eigner Glaube. Ich bin hier in der Zukunft gewiß froh ich kann es nur jezt noch nicht. Die Kinder sind hier recht glücklig und werden alle Tage grösser und schöner, Felix leidet nur ein wenig an den Augenzähnen. [4] Das Bild von Buri muß doch ähnlicher sein als es mir scheint den[n] die Kinder erkanten es sogleich und hatten eine unglaubliche Freude, auch Felix der noch nicht recht Schlegel sagen kann bemüht sich sehr es auszusprechen und zeigt immer nach dem Bilde hin. Sie sehen also Sie werden von niemand vergessen.
Schiller ist in Berlin und Bernhardi hat ihn dort besucht, er bewundert ja alles die Teathermalerei besonders. Leben Sie wohl mein, theurer Freund ich schreibe Ihnen bald mehr und gewiß heiterer. Leben Sie tausendmal wohl.
S[ophie] Tieck
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