• Friedrich von Schlegel , Dorothea von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Wien · Place of Destination: Unknown · Date: 05.03.1811
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel, Dorothea von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Wien
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 05.03.1811
  • Notations: Wahrscheinlich wurde Friedrichs Brief vom 13. März mit diesem zusammen verschickt, da Friedrichs Postskriptum ohne Grußformel endet und da Dorothea zu Beginn ankündigt, dass der Brief „vielleicht erst nach mehreren Tagen abgeschickt werden wird, denn unser Freund Friedrich entschließt sich ja so leicht nicht zum schreiben“.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 335973167
  • Bibliography: Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 2. Der Texte zweite Hälfte. 1809‒1844. Bern u.a. ²1969, S. 192‒195.
  • Incipit: „Wien. 5ten März [18]11
    Herzlich geliebter Bruder! ich will eine ruhige Morgenstunde zu einem Briefe für Sie verwenden, obgleich ich wohl weiß [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-8
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,II,9
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs. m. U.
  • Format: 20,3 x 12,1 cm
    Language
  • German
Wien. 5ten März [18]11
Herzlich geliebter Bruder! ich will eine ruhige Morgenstunde zu einem Briefe für Sie verwenden, obgleich ich wohl weiß daß er vielleicht erst nach mehreren Tagen abgeschickt werden wird, denn unser Freund Friedrich entschließt sich ja so leicht nicht zum schreiben wie Sie wissen. Es ist heute sein Namensfest, der SiegesTag eines ritterlichen Heiligen. – In einigen Tagen am 10ten d. ist auch sein Geburtstag. Sie erinnern sich wohl noch wie viel ich von je her auf die Feyer solcher Tage gehalten; das Festgeben, und laute jubiliren ist wohl vorbei, muß vorbei seyn; aber ganz kann ich es doch nicht aufgeben, solche Tage wenigstens in mir mit einer stillen Feyer zu begehen; wenn gleich auch scheinbar unsre Tage nun ganz gleichförmig hingehen, so unterscheiden sie sich doch im innern Bewußtseyn gar sehr, denn nur wenige ganz unbezeichnete Tage stehen für mich im Kalender. Die meisten bringen ihr eignes Andenken, und ein ganz besonderes Gebet. – Welchen Theil ich an Ihrem Schmerze nehme, wie nahe auch mir der Tod der theuren Mutter geht, das darf ich Ihnen wohl nicht erst versichern. Mit zärtlicher Liebe, mit wahrer Seelengröße, und erhaben über jedes Vorurtheil hatte sie mich im Kreise ihrer Kinder aufgenommen, mit vollkommnem Zutrauen das Glück ihres Sohnes mir anvertraut gelassen (was wäre ich wenn ich je wissent dieses Zutraun missbrauchen könnte, mich dessen nicht würdiger zu machen suchte?) sie war auch mir eine rechte wahre Mutter, ihr Andenken mir bis in den Tod heilig! Aber mein lieber Wilhelm, betrüben wir uns nicht über ihr Hinscheiden; was konnte ein längeres Leben ihr jetzt wohl für Glück gewähren? – Beruhigen Sie Ihr Herz, mit den Betrachtungen die Ihrem Geiste nicht fremd seyn können, die Sie nur nicht mit Gewalt von sich stoßen dürfen, um sicher Trost und Beruhigung in ihnen zu finden. Der so wie Sie thätig und hülfreich mehr für Andre als für sich selber lebt, wie sollte es dem an Seegnungen fehlen; auf Erden betet keine Mutter jetzt für Sie, aber im Himmel um so eindringender; an uns ist es jetzt uns täglich ihrer im Leben vor Gott zu erinnern. – Nach des Bruders Karl Bericht, waren ihre letzten Tage froh, und ihr Ende sanft und schmerzenlos; danken wir Gott dafür, und bitten ihn um eine ähnliche seelige Sterbestunde. – Es scheint uns bestimmt viele Freunde überleben zu müßen; auch unsern guten Klinger haben wir vorigen Sommer verlohren; ich weiß nicht ob wir Ihnen diesen Verlust schon gemeldet haben? – Eigentlich machte mich die Ankunft Ihres Briefes beschämt, ich war den ganzen Tag böse auf mich selbst; denn ich war Ihnen eine Antwort schuldig auf einen recht großen, recht liebenswürdigen Brief; (ich glaube wenigstens nicht daß ich Ihnen seitdem geschrieben habe). Ungeachtet aber daß es mein täglicher Vorsatz recht bald zu schreiben, und recht oft, und nicht einmal immer eine Antwort von Ihnen zu erwarten – so ward doch immer nichts daraus. Ich könnte vielerley zu meiner Entschuldigung anführen. Z. B. daß mein ältester Sohn Johann die letzte Zeit bei Uns in unserer äußerst beschränkten Wohnung, mit wohnte, und sein Mahlerwesen trieb, wodurch viel Störung entstanden, besonders da er zu seiner Reise nach Rom gerüstet werden musste, die er denn auch am 23 v. M. in guter Gesellschaft angetreten. Dann: daß diesen Winter sehr viel Fremde, alte und Neue Bekanntschaften zu uns kommen wodurch viel Zeit darauf geht. Unter diesen neuen Bekanntschaften gehört Franz Baader; ich überlasse es Friedrich Ihnen über diesen Ersten unter den Geistern zu berichten; mir ist so was noch nicht vorgekommen, eine solche Spiegelklarheit über die Tiefen der Erkenntniß wie des Irrthums, ein solcher Eifer für die Sache bei einer solchen, beinah könnte man sagen – Kälte; ein Leben ganz in sich, bei der lebhaftesten Mittheilung um sich her, fast ohne Auszeichnung, blos aus Lust an der Mittheilung, und doch nicht gerade eitel; so viel Enthusiasmus ohne Poesie, voll Verstand, dabei höchst einseitig in mancher Weltansicht, z. B. über Politik. Es ist einer der merkwürdigsten Menschen unsrer Zeit, wie mich dünkt, der aber wohl doch nicht eingreifen wird, weil er im Irrthum befangen ist. Ich möchte meine linke Hand darum geben wenn er katholisch wäre! – Also so könnte ich mancherlei zur Entschuldigung meines Nichtschreibens anführen, was vor jeden Richterstuhl gelten müßte, und doch wäre es nicht der rechte Grund. Eigentlich und aufrichtig gesagt, habe ich mit einem Unmuth zu kämpfen der mich oft ganz unfähig macht irgend etwas zu thun. Warum? und woher dieser Unmuth? Theils weiß ich es nicht, theils ist es auch weitläuftig zu schreiben. Ich wollte Sie könnten einmal herkommen und uns noch einmal besuchen bevor Sie die große Reise antreten. Im Ernste, ist so etwas auszuführen unmöglich? – was kann Ihnen denn eine Reise nach Wien für Entschließung kosten, da Sie eines so großen Reiseplans fähig waren? Es wäre gar zu schön sich doch noch einmal zu sehen und zu hören! – Richard den IIIten habe ich gelesen und Sie geseegnet, das spanische Theater erst einmal, man muß es aber mehreremal lesen; und jetzt lese ich neben St. Martin, den dritten Theil der dramatischen Vorlesungen; diese aber koste, und genieße ich, mehr als ich sie lese; ganz besonders entzückt mich die Charakteristik vom Kaufmann von Venedig, und die vom König Lear. Gott wolle Ihre herrliche Thätigkeit mit allem Wohlgelingen seegnen und krönen. Sie geben ein schönes Beyspiel wie viel man auch unter den störendsten Umständen und verwirrenden Zerstreuungen leisten kann. Die Vorlesungen Ihres Bruders geben ein würdiges Gegenstück zu den Ihrigen; wären sie nur erst einmal fertig gedruckt! es wird einem die Zeit erbärmlich lang bei diesen Schnecken hier; dagegen sind die Köllner wahrhaft rehfüßig zu nennen. Wir haben auch eine ganze Ladung der neuesten Poesieen der Wunderhornisten erhalten, worunter ein Roman, die Gräfin Dolores genannt, dann ein Drama Halle und Jerusalem betittelt. Ueber das letzte Produkt weiß ich auch nicht eine Silbe zu sagen; ich schäme mich es gelesen zu haben, gleich als hätte ich es bestimmt vorher gewusst daß mir noch Zeit übrig bleiben wird es wieder zu vergessen; der Roman ist, die eingestreuten Poesien und Lieder abgerechnet, nicht ganz so unbegreiflich verkehrt und schlecht; doch für mich wenigstens, ohne Ergötzen, wie ohne Rührung. Es ist neu gepreßter Most halbreifer Trauben, worin sich die Jugend gern berauscht; ich bin zu alt dazu, und ziehe den ausgegohrnen Wein vor, der uns stärkt indem er erheitert. – Welche Stirnen müßen diese Leute haben daß sie Ihre Beurtheilung des Theaters und Shakespears lesen, und dabei ihre scheußliche Misgeburten mit großem Hochmuth an das Licht zu geben sich nicht entblöden! Wollen Sie ihnen nicht einmal eins verreichen in den Heidelberger Jahrbüchern? –
Von Helmina haben wir Nachricht, sie ist niedergekommen und es scheint als wisse man in Heidelberg das Geheimniß dieses Kindes gar nicht; es soll ihr bis jetzt ziemlich gut dort gehen. Leben Sie wohl liebster Bruder, und vergessen Sie uns nicht. Ich bin auf ewig Ihre treue Schwester
Dorothea.

[von Friedrichs Hand:]
Die Notizen um die mich HE v. Montmorency angegangen, habe ich nun gesammelt, und werde sie ihm zusenden, obgleich ich fürchte es ist nicht so viel als er erwartet.
Ad. Müllers Elemente der Staatskunst sind allerdings das beste, oder vielmehr das einzige gute was er noch geschrieben und auf jeden Fall von ganz anderm Werth und Gehalte als seine frühern literarischen Produktionen. In der Politik ist schon seine Gesinnung zu achten; außerdem ist das Buch aber auch sehr ideenreich.
Tiecks Ulrich von Lichtenstein ist noch nicht erschienen; doch wenn ich mich recht entsinne, sprach Burgsdorf den wir auf der Durchreise nach Italien hier sahen, doch so davon als sey es in der Handschrift fertig. Das vaterländische Museum von Perthes (es hört jetzt auf) wird Dir zu Gesicht gekommen seyn. P.[erthes] hat sich dabei als der beste aller Deutschen Buchhändler bewährt.
Wien. 5ten März [18]11
Herzlich geliebter Bruder! ich will eine ruhige Morgenstunde zu einem Briefe für Sie verwenden, obgleich ich wohl weiß daß er vielleicht erst nach mehreren Tagen abgeschickt werden wird, denn unser Freund Friedrich entschließt sich ja so leicht nicht zum schreiben wie Sie wissen. Es ist heute sein Namensfest, der SiegesTag eines ritterlichen Heiligen. – In einigen Tagen am 10ten d. ist auch sein Geburtstag. Sie erinnern sich wohl noch wie viel ich von je her auf die Feyer solcher Tage gehalten; das Festgeben, und laute jubiliren ist wohl vorbei, muß vorbei seyn; aber ganz kann ich es doch nicht aufgeben, solche Tage wenigstens in mir mit einer stillen Feyer zu begehen; wenn gleich auch scheinbar unsre Tage nun ganz gleichförmig hingehen, so unterscheiden sie sich doch im innern Bewußtseyn gar sehr, denn nur wenige ganz unbezeichnete Tage stehen für mich im Kalender. Die meisten bringen ihr eignes Andenken, und ein ganz besonderes Gebet. – Welchen Theil ich an Ihrem Schmerze nehme, wie nahe auch mir der Tod der theuren Mutter geht, das darf ich Ihnen wohl nicht erst versichern. Mit zärtlicher Liebe, mit wahrer Seelengröße, und erhaben über jedes Vorurtheil hatte sie mich im Kreise ihrer Kinder aufgenommen, mit vollkommnem Zutrauen das Glück ihres Sohnes mir anvertraut gelassen (was wäre ich wenn ich je wissent dieses Zutraun missbrauchen könnte, mich dessen nicht würdiger zu machen suchte?) sie war auch mir eine rechte wahre Mutter, ihr Andenken mir bis in den Tod heilig! Aber mein lieber Wilhelm, betrüben wir uns nicht über ihr Hinscheiden; was konnte ein längeres Leben ihr jetzt wohl für Glück gewähren? – Beruhigen Sie Ihr Herz, mit den Betrachtungen die Ihrem Geiste nicht fremd seyn können, die Sie nur nicht mit Gewalt von sich stoßen dürfen, um sicher Trost und Beruhigung in ihnen zu finden. Der so wie Sie thätig und hülfreich mehr für Andre als für sich selber lebt, wie sollte es dem an Seegnungen fehlen; auf Erden betet keine Mutter jetzt für Sie, aber im Himmel um so eindringender; an uns ist es jetzt uns täglich ihrer im Leben vor Gott zu erinnern. – Nach des Bruders Karl Bericht, waren ihre letzten Tage froh, und ihr Ende sanft und schmerzenlos; danken wir Gott dafür, und bitten ihn um eine ähnliche seelige Sterbestunde. – Es scheint uns bestimmt viele Freunde überleben zu müßen; auch unsern guten Klinger haben wir vorigen Sommer verlohren; ich weiß nicht ob wir Ihnen diesen Verlust schon gemeldet haben? – Eigentlich machte mich die Ankunft Ihres Briefes beschämt, ich war den ganzen Tag böse auf mich selbst; denn ich war Ihnen eine Antwort schuldig auf einen recht großen, recht liebenswürdigen Brief; (ich glaube wenigstens nicht daß ich Ihnen seitdem geschrieben habe). Ungeachtet aber daß es mein täglicher Vorsatz recht bald zu schreiben, und recht oft, und nicht einmal immer eine Antwort von Ihnen zu erwarten – so ward doch immer nichts daraus. Ich könnte vielerley zu meiner Entschuldigung anführen. Z. B. daß mein ältester Sohn Johann die letzte Zeit bei Uns in unserer äußerst beschränkten Wohnung, mit wohnte, und sein Mahlerwesen trieb, wodurch viel Störung entstanden, besonders da er zu seiner Reise nach Rom gerüstet werden musste, die er denn auch am 23 v. M. in guter Gesellschaft angetreten. Dann: daß diesen Winter sehr viel Fremde, alte und Neue Bekanntschaften zu uns kommen wodurch viel Zeit darauf geht. Unter diesen neuen Bekanntschaften gehört Franz Baader; ich überlasse es Friedrich Ihnen über diesen Ersten unter den Geistern zu berichten; mir ist so was noch nicht vorgekommen, eine solche Spiegelklarheit über die Tiefen der Erkenntniß wie des Irrthums, ein solcher Eifer für die Sache bei einer solchen, beinah könnte man sagen – Kälte; ein Leben ganz in sich, bei der lebhaftesten Mittheilung um sich her, fast ohne Auszeichnung, blos aus Lust an der Mittheilung, und doch nicht gerade eitel; so viel Enthusiasmus ohne Poesie, voll Verstand, dabei höchst einseitig in mancher Weltansicht, z. B. über Politik. Es ist einer der merkwürdigsten Menschen unsrer Zeit, wie mich dünkt, der aber wohl doch nicht eingreifen wird, weil er im Irrthum befangen ist. Ich möchte meine linke Hand darum geben wenn er katholisch wäre! – Also so könnte ich mancherlei zur Entschuldigung meines Nichtschreibens anführen, was vor jeden Richterstuhl gelten müßte, und doch wäre es nicht der rechte Grund. Eigentlich und aufrichtig gesagt, habe ich mit einem Unmuth zu kämpfen der mich oft ganz unfähig macht irgend etwas zu thun. Warum? und woher dieser Unmuth? Theils weiß ich es nicht, theils ist es auch weitläuftig zu schreiben. Ich wollte Sie könnten einmal herkommen und uns noch einmal besuchen bevor Sie die große Reise antreten. Im Ernste, ist so etwas auszuführen unmöglich? – was kann Ihnen denn eine Reise nach Wien für Entschließung kosten, da Sie eines so großen Reiseplans fähig waren? Es wäre gar zu schön sich doch noch einmal zu sehen und zu hören! – Richard den IIIten habe ich gelesen und Sie geseegnet, das spanische Theater erst einmal, man muß es aber mehreremal lesen; und jetzt lese ich neben St. Martin, den dritten Theil der dramatischen Vorlesungen; diese aber koste, und genieße ich, mehr als ich sie lese; ganz besonders entzückt mich die Charakteristik vom Kaufmann von Venedig, und die vom König Lear. Gott wolle Ihre herrliche Thätigkeit mit allem Wohlgelingen seegnen und krönen. Sie geben ein schönes Beyspiel wie viel man auch unter den störendsten Umständen und verwirrenden Zerstreuungen leisten kann. Die Vorlesungen Ihres Bruders geben ein würdiges Gegenstück zu den Ihrigen; wären sie nur erst einmal fertig gedruckt! es wird einem die Zeit erbärmlich lang bei diesen Schnecken hier; dagegen sind die Köllner wahrhaft rehfüßig zu nennen. Wir haben auch eine ganze Ladung der neuesten Poesieen der Wunderhornisten erhalten, worunter ein Roman, die Gräfin Dolores genannt, dann ein Drama Halle und Jerusalem betittelt. Ueber das letzte Produkt weiß ich auch nicht eine Silbe zu sagen; ich schäme mich es gelesen zu haben, gleich als hätte ich es bestimmt vorher gewusst daß mir noch Zeit übrig bleiben wird es wieder zu vergessen; der Roman ist, die eingestreuten Poesien und Lieder abgerechnet, nicht ganz so unbegreiflich verkehrt und schlecht; doch für mich wenigstens, ohne Ergötzen, wie ohne Rührung. Es ist neu gepreßter Most halbreifer Trauben, worin sich die Jugend gern berauscht; ich bin zu alt dazu, und ziehe den ausgegohrnen Wein vor, der uns stärkt indem er erheitert. – Welche Stirnen müßen diese Leute haben daß sie Ihre Beurtheilung des Theaters und Shakespears lesen, und dabei ihre scheußliche Misgeburten mit großem Hochmuth an das Licht zu geben sich nicht entblöden! Wollen Sie ihnen nicht einmal eins verreichen in den Heidelberger Jahrbüchern? –
Von Helmina haben wir Nachricht, sie ist niedergekommen und es scheint als wisse man in Heidelberg das Geheimniß dieses Kindes gar nicht; es soll ihr bis jetzt ziemlich gut dort gehen. Leben Sie wohl liebster Bruder, und vergessen Sie uns nicht. Ich bin auf ewig Ihre treue Schwester
Dorothea.

[von Friedrichs Hand:]
Die Notizen um die mich HE v. Montmorency angegangen, habe ich nun gesammelt, und werde sie ihm zusenden, obgleich ich fürchte es ist nicht so viel als er erwartet.
Ad. Müllers Elemente der Staatskunst sind allerdings das beste, oder vielmehr das einzige gute was er noch geschrieben und auf jeden Fall von ganz anderm Werth und Gehalte als seine frühern literarischen Produktionen. In der Politik ist schon seine Gesinnung zu achten; außerdem ist das Buch aber auch sehr ideenreich.
Tiecks Ulrich von Lichtenstein ist noch nicht erschienen; doch wenn ich mich recht entsinne, sprach Burgsdorf den wir auf der Durchreise nach Italien hier sahen, doch so davon als sey es in der Handschrift fertig. Das vaterländische Museum von Perthes (es hört jetzt auf) wird Dir zu Gesicht gekommen seyn. P.[erthes] hat sich dabei als der beste aller Deutschen Buchhändler bewährt.
· Beiliegender Brief von/an A.W. Schlegel , 13.03.1811
· Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
· Mscr.Dresd.App.2712,B,II,22
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