• Charlotte Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Harburg, Elbe · Place of Destination: Bonn · Date: 23.02.1826
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Charlotte Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Harburg, Elbe
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 23.02.1826
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.2
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 22 x 13,2 cm
  • Incipit: „[1] Harburg d. 23sten Feb
    1826.
    Geliebter Bruder!
    Daß ich Ihren mir so werthen Brief der so tröstend zu meinem Herzen sprach, nicht [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Funk, Gerald
  • Varwig, Olivia
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[1] Harburg d. 23sten Feb
1826.
Geliebter Bruder!
Daß ich Ihren mir so werthen Brief der so tröstend zu meinem Herzen sprach, nicht eher habe beantworten können, werden Sie meiner traurigen Stimmung und meinem Uebelbefinden zu Gute halten. Der Tod meines unvergeßlichen theuren Mannes hat mich tief gebeugt und erschüttert, und mir ist dadurch eine Wunde geschlagen die stets bluten wird. Nur wenig war ich darauf vorbereitet, den wenn er gleich schwach war, so ahneten wir doch nicht daß er uns so plötzlich sollte entrissen werden, weil er selbst so woll als der Arzt, und daher auch ich und die Mei[2]nigen eine baldige Beßrung, und völl[i]ge Wiederherstellung hoften, er auch schon oft viel kränker gewäsen war, und seine Besinnung bis an den lezten Augenblick behielt. Desto härter traf uns daher dieser Schlag. Sie fühlen mit uns unsern Verlust, geliebter Bruder, und theilen unsern Kummer, den auch Sie verloren einen Bruder der Sie innig liebte und werthschätzte. Um unsern Schmerz zu mildern, wollen wir an sein herrliches Ende denken, den ganz ohne Vorgefühl noch Kampf des Todes, ist er endschlaffen. Ich preise ihm glüklich daß er überwunden hat. Möchte mir Gott ein Ende geben wie seines war! Das ist mein tägliches Gebet. Für Ihre brüderliche Theilnahme an mei[3]nen Befinden, und an meine und meiner Kinder Lage, sage ich Ihnen gerührten Dank, theurster Bruder. Da Sie mic[h] gütigst dazu auffordern will ich Ihnen über alles Nachricht geben. Was meine Gesundheit betrift, so muß ich sagen sie gefällt mir nicht, den fast immer leide ich an gichtischen Beschwerden, und habe oft viele Schmerzen die nur dann erträglich sind wenn ich mich sehr schone und in acht nehme: Ob ich noch hier bleiben werde oder wo künftig mein Auffenthalt seyn wird, darüber geliebter Bruder, habe ich noch nicht bestimmen können weil ich noch nicht weiß was ich künftig werde einzunehmen haben. Das hiesige Wittwenthum ist sehr gering, nur ungefähr 60 Thaler, ich hoffe aber daß man mir aus Rüksicht der viellen Verdienste meines verewigten Mannes, aus irgendeiner Casse Zulage [4] bewilligen wird, den auch noch meine Kinder bedürffen meiner Unterstützung, besonders meine älltste Tochter, die an einen verdienten Offizier, den Hauptmann Spall verheirathet ist, der aber wie das milita[ir] eingeschränkt worden, unter den reducirten sich befand, und nun nur eine geringe Einnahme hat, wovon er nicht mit einer Frau und 2 liebenswürdigen Kindern leben kann. Malchen meine jüngste Tochter hat den Doctor Wolper zum Mann, der in Lingen an der Schule eine gute Stelle hat. August seine Lage ist Ihnen bekannt. Recht sehr hat er sich über Ihr gütiges Schreiben gefreut, und wahrscheinlich schon beantwortet. Nun wissen Sie bester Bruder, wie es um uns steht; ich schliesse daher mit der Bitte daß Sie mir und den Meinigen auch in unsrer verlaßnen Lage Ihr gewogentliches Andenken erhalten. Die ich mit schwesterlicher Liebe bin
Ihre
traurende und ergebene
Ch Schlegel
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[1] Harburg d. 23sten Feb
1826.
Geliebter Bruder!
Daß ich Ihren mir so werthen Brief der so tröstend zu meinem Herzen sprach, nicht eher habe beantworten können, werden Sie meiner traurigen Stimmung und meinem Uebelbefinden zu Gute halten. Der Tod meines unvergeßlichen theuren Mannes hat mich tief gebeugt und erschüttert, und mir ist dadurch eine Wunde geschlagen die stets bluten wird. Nur wenig war ich darauf vorbereitet, den wenn er gleich schwach war, so ahneten wir doch nicht daß er uns so plötzlich sollte entrissen werden, weil er selbst so woll als der Arzt, und daher auch ich und die Mei[2]nigen eine baldige Beßrung, und völl[i]ge Wiederherstellung hoften, er auch schon oft viel kränker gewäsen war, und seine Besinnung bis an den lezten Augenblick behielt. Desto härter traf uns daher dieser Schlag. Sie fühlen mit uns unsern Verlust, geliebter Bruder, und theilen unsern Kummer, den auch Sie verloren einen Bruder der Sie innig liebte und werthschätzte. Um unsern Schmerz zu mildern, wollen wir an sein herrliches Ende denken, den ganz ohne Vorgefühl noch Kampf des Todes, ist er endschlaffen. Ich preise ihm glüklich daß er überwunden hat. Möchte mir Gott ein Ende geben wie seines war! Das ist mein tägliches Gebet. Für Ihre brüderliche Theilnahme an mei[3]nen Befinden, und an meine und meiner Kinder Lage, sage ich Ihnen gerührten Dank, theurster Bruder. Da Sie mic[h] gütigst dazu auffordern will ich Ihnen über alles Nachricht geben. Was meine Gesundheit betrift, so muß ich sagen sie gefällt mir nicht, den fast immer leide ich an gichtischen Beschwerden, und habe oft viele Schmerzen die nur dann erträglich sind wenn ich mich sehr schone und in acht nehme: Ob ich noch hier bleiben werde oder wo künftig mein Auffenthalt seyn wird, darüber geliebter Bruder, habe ich noch nicht bestimmen können weil ich noch nicht weiß was ich künftig werde einzunehmen haben. Das hiesige Wittwenthum ist sehr gering, nur ungefähr 60 Thaler, ich hoffe aber daß man mir aus Rüksicht der viellen Verdienste meines verewigten Mannes, aus irgendeiner Casse Zulage [4] bewilligen wird, den auch noch meine Kinder bedürffen meiner Unterstützung, besonders meine älltste Tochter, die an einen verdienten Offizier, den Hauptmann Spall verheirathet ist, der aber wie das milita[ir] eingeschränkt worden, unter den reducirten sich befand, und nun nur eine geringe Einnahme hat, wovon er nicht mit einer Frau und 2 liebenswürdigen Kindern leben kann. Malchen meine jüngste Tochter hat den Doctor Wolper zum Mann, der in Lingen an der Schule eine gute Stelle hat. August seine Lage ist Ihnen bekannt. Recht sehr hat er sich über Ihr gütiges Schreiben gefreut, und wahrscheinlich schon beantwortet. Nun wissen Sie bester Bruder, wie es um uns steht; ich schliesse daher mit der Bitte daß Sie mir und den Meinigen auch in unsrer verlaßnen Lage Ihr gewogentliches Andenken erhalten. Die ich mit schwesterlicher Liebe bin
Ihre
traurende und ergebene
Ch Schlegel
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