• Johann Carl Fürchtegott Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: 13.06.1791
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johann Carl Fürchtegott Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 13.06.1791
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.58
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19 x 11,7 cm
  • Incipit: „[1] III
    Dein 4ter Brief ist am 10 Jun angekommen
    Hannov. d. 13 Jun. 91
    Liebster Wilhelm
    Heute nur ein paar Zeilen – und [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
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[1] III
Dein 4ter Brief ist am 10 Jun angekommen
Hannov. d. 13 Jun. 91
Liebster Wilhelm
Heute nur ein paar Zeilen – und immer nur ein paar Zeilen auf alle Deine langen Briefe, womit Du uns so angenehm unterhälst. – Doch eines Theils wünschest Du öfters Briefe, und dann geben mir Deine Briefe, so sehr sie mich intressiren, keinen Stoff zum Schreiben, da ich Dir nicht über das schreiben mag, was Du selbst beßer weißt, als ich. – Meine eigne lebensart giebt mir aber noch weniger Stoff, denn mit einigen ungewißen Aussichten und Planen, die mich jezt beschäftigen, mag ich Dich nicht unterhalten, ehe sie mehrere Gewißheit erhalten. – Ich werde also wohl eine literärische, oder sonst eine supernaturalische Correspondence mit Dir anfangen müssen, wenn sie wieder odentlich in Gang kommen soll. – Du wirst Dich jezt wohl mit Macht in die Holländische Litteratur werfen, und kannst Du mir ja einige Ideen darüber mittheilen, da sie mir bis jezt wenigstens eben so fremd ist, als die Chinesische. Doch mögte alle Deine beredsamkeit nicht hinreichen, mich zu überreden, [2] die Holländischen schönen Geister auf einmal in der Ursprache zu studiren. – Solltest Du wohl, wenn Du erst mit Deinen Arbeiten Dich völlig eingerichtet hast, Zeit zu eignen Arbeiten erübrigen können, und was hat man denn zunächst von Dir zu erwarten? – Deine Schilderung der dortigen Gesellschaften erwarte ich mit Verlangen. – Vielleicht bist jezt schon nach Zeeland abgegangen, doch können wir ja wohl immer fortfahren unsere Briefe unter gewöhnlicher Addresse zu schicken, da sie Dir gewiß gleich nachgesandt werden. – Den brief an Tatter habe ich besorgt, und hiebey kömmt ein Brief, wahrscheinlich von Heynen aus Göttingen; er hatte noch einen Umschlag an meinen Vater, der so fest daran gesiegelt war, daß ich das Siegel daran habe sitzen lassen müssen. In Voraussetzung, daß der brief von Heynen sey, waren meine Eltern neugierig auf dessen Inhalt.
[3] Schillers Recension, worüber Du Dich noch in Deinem letzten Briefe gegen meine Mutter recht expectorirt, habe ich leider noch immer nicht zu lesen kriegen können. Hast Du schon gehört, daß Schiller tod seyn soll; das Gerücht ist hier allgemein gewesen, und hat auf schon in den Zeitungen gestanden. Es würde mir sehr nahe gehen. – Die Recension werde ich wohl erst zu sehen bekommen, wenn keiner mehr von denen, die sie angeht, am Leben ist.
Pape ist vor einigen Tagen nach Carlsbad gereiset, und wird wohl erst in 3 Monathen wieder kommen, da er von dort nach Dresden und Berlin gehen will. – Seit seiner Zurückkunft sind wir noch ganz vorzüglich viel zusammen gewesen, Du kannst also dencken, daß dadurch eine ziemliche Lücke bey mir entstanden ist. – Ich suche jezt zwar [4] auf alle mögliche Art meinen Umgang weiter auszubreiten, doch hält dieß schwer für mich, und dürfte auch vielleicht auf die Länge nicht vorhalten. –
So eben habe ich ein paar Briefe von Carolinen und der Voigten an Charlotten abschicken müssen. Sie waren mir zu der Absicht, und zwar offen, zu geschickt, Du kannst also dencken, daß ich sie nicht ungelesen gelassen, und zwar mit besten Gewißen, da ich dieß als eine stillschweigende Erlaubniß ansah. In beyden Briefen war Deiner sehr vortheilhaft gedacht, und hast Du dem alten Möser sehr gut gefallen. – Die Voigten schreibt, daß Du den fremden Canepeeʼs Ton sehr bald abgelegt, und mit ihnen gewesen, als wenn Du schon lange mit ihnen gelebt hättest. Caroline schildert das dortige Familienleben, und den dasigen ganzen Cirkel recht schön. – Fritzen geht es noch immer recht gut, auch Henrietten in Zerbst[.]
In Harburg sind sie wieder in Besorgniß für Minchen gewesen, welche von neuem kranck geworden, doch ist sie schon merklich auf der Beßerung. Aus Dresden kriegen wir jezt nur selten Nachrichten, doch sind sie wohl, wie auch [3] meine Eltern, die Dich bestens grüßen lassen. Lebe wohl und laß die angekündigte Zeit der kleinen Briefe noch nicht so bald angehen. Karl Schlegel
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[1] III
Dein 4ter Brief ist am 10 Jun angekommen
Hannov. d. 13 Jun. 91
Liebster Wilhelm
Heute nur ein paar Zeilen – und immer nur ein paar Zeilen auf alle Deine langen Briefe, womit Du uns so angenehm unterhälst. – Doch eines Theils wünschest Du öfters Briefe, und dann geben mir Deine Briefe, so sehr sie mich intressiren, keinen Stoff zum Schreiben, da ich Dir nicht über das schreiben mag, was Du selbst beßer weißt, als ich. – Meine eigne lebensart giebt mir aber noch weniger Stoff, denn mit einigen ungewißen Aussichten und Planen, die mich jezt beschäftigen, mag ich Dich nicht unterhalten, ehe sie mehrere Gewißheit erhalten. – Ich werde also wohl eine literärische, oder sonst eine supernaturalische Correspondence mit Dir anfangen müssen, wenn sie wieder odentlich in Gang kommen soll. – Du wirst Dich jezt wohl mit Macht in die Holländische Litteratur werfen, und kannst Du mir ja einige Ideen darüber mittheilen, da sie mir bis jezt wenigstens eben so fremd ist, als die Chinesische. Doch mögte alle Deine beredsamkeit nicht hinreichen, mich zu überreden, [2] die Holländischen schönen Geister auf einmal in der Ursprache zu studiren. – Solltest Du wohl, wenn Du erst mit Deinen Arbeiten Dich völlig eingerichtet hast, Zeit zu eignen Arbeiten erübrigen können, und was hat man denn zunächst von Dir zu erwarten? – Deine Schilderung der dortigen Gesellschaften erwarte ich mit Verlangen. – Vielleicht bist jezt schon nach Zeeland abgegangen, doch können wir ja wohl immer fortfahren unsere Briefe unter gewöhnlicher Addresse zu schicken, da sie Dir gewiß gleich nachgesandt werden. – Den brief an Tatter habe ich besorgt, und hiebey kömmt ein Brief, wahrscheinlich von Heynen aus Göttingen; er hatte noch einen Umschlag an meinen Vater, der so fest daran gesiegelt war, daß ich das Siegel daran habe sitzen lassen müssen. In Voraussetzung, daß der brief von Heynen sey, waren meine Eltern neugierig auf dessen Inhalt.
[3] Schillers Recension, worüber Du Dich noch in Deinem letzten Briefe gegen meine Mutter recht expectorirt, habe ich leider noch immer nicht zu lesen kriegen können. Hast Du schon gehört, daß Schiller tod seyn soll; das Gerücht ist hier allgemein gewesen, und hat auf schon in den Zeitungen gestanden. Es würde mir sehr nahe gehen. – Die Recension werde ich wohl erst zu sehen bekommen, wenn keiner mehr von denen, die sie angeht, am Leben ist.
Pape ist vor einigen Tagen nach Carlsbad gereiset, und wird wohl erst in 3 Monathen wieder kommen, da er von dort nach Dresden und Berlin gehen will. – Seit seiner Zurückkunft sind wir noch ganz vorzüglich viel zusammen gewesen, Du kannst also dencken, daß dadurch eine ziemliche Lücke bey mir entstanden ist. – Ich suche jezt zwar [4] auf alle mögliche Art meinen Umgang weiter auszubreiten, doch hält dieß schwer für mich, und dürfte auch vielleicht auf die Länge nicht vorhalten. –
So eben habe ich ein paar Briefe von Carolinen und der Voigten an Charlotten abschicken müssen. Sie waren mir zu der Absicht, und zwar offen, zu geschickt, Du kannst also dencken, daß ich sie nicht ungelesen gelassen, und zwar mit besten Gewißen, da ich dieß als eine stillschweigende Erlaubniß ansah. In beyden Briefen war Deiner sehr vortheilhaft gedacht, und hast Du dem alten Möser sehr gut gefallen. – Die Voigten schreibt, daß Du den fremden Canepeeʼs Ton sehr bald abgelegt, und mit ihnen gewesen, als wenn Du schon lange mit ihnen gelebt hättest. Caroline schildert das dortige Familienleben, und den dasigen ganzen Cirkel recht schön. – Fritzen geht es noch immer recht gut, auch Henrietten in Zerbst[.]
In Harburg sind sie wieder in Besorgniß für Minchen gewesen, welche von neuem kranck geworden, doch ist sie schon merklich auf der Beßerung. Aus Dresden kriegen wir jezt nur selten Nachrichten, doch sind sie wohl, wie auch [3] meine Eltern, die Dich bestens grüßen lassen. Lebe wohl und laß die angekündigte Zeit der kleinen Briefe noch nicht so bald angehen. Karl Schlegel
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