• Johann Carl Fürchtegott Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Coppet · Date: 23.01.1811
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johann Carl Fürchtegott Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Coppet
  • Date: 23.01.1811
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.84
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 22,6 x 18,7 cm
  • Incipit: „[1] H. d. 23 Januar 1811
    Liebster Bruder, Deine letzten Briefe, denen wir mit Verlangen entgegen gesehen hatten, haben uns und [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
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[1] H. d. 23 Januar 1811
Liebster Bruder, Deine letzten Briefe, denen wir mit Verlangen entgegen gesehen hatten, haben uns und der guten Mutter viele Freude gemacht. Leider war es die letzte Freude, die Du ihr machen konntest. Sie war diesen Winter im Ganzen noch ziemlich munter, und schien ihrem hohen Alter noch bey guten Kräften zu seyn, so daß ich ihr noch ein langes Leben zugetrauet hätte, als plötzlich ein hitziges Brustfieber ihrem Leben ein Ende machte. Dieses Fieber griff sie so heftig an, daß die Kranckheit nur drey Tage dauerte, und sie ihren Zustand selbst nicht fühlte, und sie auch bey den wenigen hellen Augenblicken ihre Gefahr gar nicht ahnete, und sie sehr sanft verschieden ist, am 21ten Januar Abends 7 Uhr. Uns hat dieser schnelle Tod so überrascht, daß es uns noch wie ein Traum scheint. Noch am Freytage zuvor als am 18 Jan. fand ich sie den Mittag munter und heiter, nur daß sie einige Tage an einem Schnupfen gelitten, wobey sie sich aber nicht gänzlich zu Haus hielt. Denselben Nachmittag hat sie noch einige gute Freundin bey sich gehabt, wo sie ganz vorzüglich vergnügt gewesen seyn soll. Den Abend bekömmt sie einen sehr heftigen Fieberfrost, der von denjenigen, die dabey zugegen gewesen, nicht starck genung beschreiben werden kann. Sie selbst hat aber dieses nicht besonders geachtet, da sich den Morgen darauf noch hat ankleiden lassen. Bey der großen Ermattung, die sie fühlt, muß sie aber bald darauf wieder zu Bette gebracht, und gleich darauf, wo wir zuerst Nachricht davon erhielten, finden wir sie in beständigen Phantasien mit gänzlich gestorbenen Kräften, jedoch daß sie jeden, der zu ihr kam kannte. So dauerte es bis zum Sonntag Morgen, wo ihr Geist wieder die völlige Munterkeit und Kraft erhielt, so daß sie mit völliger Besonnenheit und Heiterkeit viel sprach. Sie glaubte schon, das Uebel überwunden zu haben, und wir schöpften die größte Hoffnung, im Vertrauen auf ihre gute Natur, doch fand der Arzt ihren Puls nicht gut, da er oft aussetzte. Den Abend nahm das Fieber sehr zu, und stieg zu einer solchen Höhe, daß sie 130 Pulsschläge in einer Minute hatte. Dabey war ihre Brust so voll, daß ihr das Athmen sehr schwer. Es rieb dieses ihre Kräfte schnell auf. Auch in diesem Zustande erkannte sie anfänglich noch jeden, doch das Sprechen wurde ihr sauer, und ward unverständlich. Den Nachmittag schwand auch dieses beydes. Bey der gänzlichen Kraftlosigkeit lag sie ganz unbeweglich, bis sie endlich gegen Abend sanft entschlummert. – Zu ihrer [2] Hülfe Pflege und Erleichterung ist alles mögliche geschehen, was sich nur erdencken ließ. Ihr vorsichtiger Arzt, der Hofmedicus Hansen hat sie des Tages mehrmals besucht, und kein Mittel unversucht gelassen, was zu ihrer Rettung hätte dienen können. Meine Frau hat sie weder bey Tage noch bey Nacht verlassen, und sie auf das sorgfältigste gepflegt, und alle Erquickungen herbeygeschaft, die sich ihr geben ließen. Es hat aber nun einmal nicht andere seyn sollen. Ihr Verlust wird von allen ihren Freundinnen, und von vielen, denen sie sich sonst angenommen sehr bedauert, Hierunter ist besonders ein kleines Mädchen, Namens Hanchen, deren Erziehung sie übernommen. Sie hatte sie jezt irgendwo in die Kost verdungen, um das Nähen zu lernen, dieses gute Werck darf nicht unvollendet bleiben, da ihr dieses sehr am Herzen lag, und wollen wir gern auch dazu beytragen. – Ihr Leben ist, wenn auch mit mancher Unruhe verbunden, mehrentheils glücklich und heiter gewesen. Sie ergoß sich in Briefen, oder bey einzelnen vertrauten Freunden zwar zuweilen in Klagen, weil sie nach ihrem lebhaften Geisten alles kräf stark empfand, und für die Zukunft sich oft unnöthige Sorgen machten. Dagegen genoß sie auch alles Gute lebhaft, und in Gesellschaft war sie gewöhnlich sehr munter und heiter, und wußte ihre Freundinnen zu ermuntern. Den Mangel an Beschäftigungen wußte sie durch ihren thätigen Geist zu ersetzen, daß sie dadurch ihrem Leben ein höheres Interesse gab. – Dir muß es ein sehr angenehmer Gedancke seyn, daß Du im Stande gewesen bist, so sehr viel zur Erleichterung ihrer letzten Lebensjahre beyzutragen, wie sie stets dankbar rühmte. Ich bin es mir zwar bewußt, daß ich nach meinen Kräften ebenfalls dazu beygetragen, aber leider habe ich es nicht in den Maaße vermogt, wie Du. Wir haben eine zwar nicht prächtige aber anständige und ehrenvolle Bestattung besorgt, da sie hierauf einen Werth [3] setzte und solches im Leben mehrmals äußerte. Zur Begleitung werde ich außer den hiesigen Verwandten die Geistlichen, mit denen sie in Verbindung stand, und diejenigen, mit denen sie zuletzt am meisten umgieng, hinzuziehen. Unsere Minna und ihr angenommenes Hanchen sollen ihr Blumen auf das Grab streuen. – Ihr freylich nicht beträchtlicher Nachlaß wird hinreichen, alle Rückstände, die eben noch übrig sind, so wie auch das von der Tante in Ohsen meinem Bruder in Göttingen vermachte Capital, welches die selige Mutter mit dem geringen Nachlaß meines seligen Vaters übernommen hatte, zu berichtigen. Daß ihr Nachlaß ohnerachtet der verschiedentlich zurükgebliebenen Pensionen von der Beschaffenheit ist, hat sie allein Dir zu verdancken. Zur Erhebung der dem Nachlaße noch zukommenden PensionsRückstände, so wie auch sonst zur Regulirung dieser Angelegenheit, bedürfte ich von Dir, damit nicht fremde Hände dazwischen zu kommen brauchen einer Vollmacht, und zwar in beglaubter Form entweder vor Notario und Zeugen oder gerichtlich vollzogen, etwa dahin: daß ich von Dir bevollmächtigt werde, alles dasjenige zu erheben, was zu dem Nachlaß gehörig und den Erben der Verstorbenen demnach zukommen würde, und alles dasjenige vorzunehmen und zu thun, was mir wegen dieses Nachlasses nöthig und dienlich scheine. In der Absicht melde ich Dir die vollen Vornamen der seligen Mutter. Johanne Christiane Erdmuth geb. Hübsch. – Von den Geldern, die Du mir für sie überschickt hast, habe ich alle Quartale 55 Rt. in Golde zugestellt, so viel brachte es grade. Von selbigem sind nun noch 2 Quartale übrig für den Oster und Johannis Termin, zusammen 110 r., welche Dir wiederum zuzustellen seyn würden. Willst Du mir solche in Verzinsung überlassen, um künftig nach Gefallen darüber zu disponiren, so würde mir dieses in meiner jetzigen beschränckten Lage sehr angenehm seyn, und kannst Du mir sodann nur die nähren Bedingungen melden. – Es wird Dir gewiß angenehm seyn, ein Andenken von ihr zu erhalten, etwa einen Ring von ihren Haaren. Wenn dieses ist, so kannst Du nur bestimmen, wie Du es wünschest, da es sodann sogleich besorgt werden soll.
[4] Das verlangte Verzeichniß Deiner Papiere habe ich bey sonstigen vielen Geschäften unter den jetzigen Unruhen noch nicht besorgen können, doch soll es nächstens erfolgen. Auf die Anfrage des dasigen Kaufmanns kann ich, so gern ich auch wollte, hier keine Auskunft geben; zumal da sich jezt die Umstände täglich wenden, und auf nichts sicher zu rechnen ist. Wegen des Ankaufs Mecklenburgischer Güter habe ich mich vorläufig an den RegierungsPraesidenten von Berg in Bückeburg, den Du hier hast kennen lernen, gewandt, da der Fürst von Bückeburg auch viele Mecklenburgische Güter angekauft hat, so ist er sehr genau davon unterrichtet. Ich habe auch schon Antwort von ihm erhalten. Vorläufig wünscht er zu wissen, wie viel Deine Freundin, der ich mich gehorsamst zu empfehlen bitte, eben daran wenden will, und ob der Ankauf schnell oder nur bey guter Gelegenheit geschehen soll. Die besten Ankaufe sind in Concursen, weil man da die Anschläge am genauesten kennen lernt, und mit Güterspeculanten und Mäcklern nichts zu thun hat. Von solchen Gütern kann er leicht Nachricht erhalten. Auch ist jezt ein sehr schönes großes Gut auf der Hand zu verkaufen. Im Dänischen wird vermuthlich auch mit Vortheil zu kaufen seyn, besonders in Jütland, wo ihm vor kurzem erst von einem Gute geschrieben ist, welches an der Ostsee liegt, außerordentlich schöne und große Waldungen habe und 550 000 Rt. Bancozettel ungefähr – 100,000 Rt. Hamb. Bco. kosten soll. Ein sicherer Sachverständiger hat es auf 1,300,000 Rt. Papiergeld taxirt. Sollte die Fr. v. St. mir dasige Vollmacht ertheilen, und die näheren Bestimmungen melden wollen, so will ich gern die Sache weiter besorgen.
Meines Bruders Sohn, nach dem Du Dich erkundigst, hat sich wegen überflüßiger Besorgniß um Weinachten leider von hier entfernt, und sein jetziger Aufenthalt ist nicht genau bekannt, welches uns und dem Vater manche Bekümmerniße und Unruhen verursacht hat. Seine Besorgniß war überflüssig, weil mein Bruder äußersten Falls alles zu seiner Befreyung thun wollte, da er freylich nicht zu einem Dienst paßte, der ihm sehr verhaßt war. – An Rehberg haben wir Deine Aufträge bestellt, und schien ihm dieses sehr angenehm zu seyn. Von Friedrich in Wien haben wir vor einiger Zeit auch Briefe erhalten, leider sind sie aber bis jezt unbeantwortet geblieben, und so kann er von der Mutter kein schriftliches Andenken mehr erhalten. – Mein Gesuch, wovon ich Dir schrieb ist nicht geglückt, dagegen habe ich ein bloßes Ehren Amt erhalten indem ich Muni Mitglied des Municipalrath geworden. – Es ist Zeit, diesen Brief zu schließen, wie sehr die selige Mutter Dich liebte und schätzte, und welchen Werth sie auf jeden Deiner Briefe legte, brauche ich Dich nicht erst zu versichern, da Du solches am besten wissen wirst. Lebe recht wohl Karl Schlegel
Ich wünsche baldigste Antwort.
[3] An Friedrich in Wien habe ich den Todesfall ebenfalls gemeldet. Da ich nicht weiß, ob Du Dich noch in Genf aufhälst, und wie dafür die Addresse seyn muß, so schicke ich den Brief nach Coppet, und hoffe, daß er dadurch nicht aufgehalten werden wird.
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[1] H. d. 23 Januar 1811
Liebster Bruder, Deine letzten Briefe, denen wir mit Verlangen entgegen gesehen hatten, haben uns und der guten Mutter viele Freude gemacht. Leider war es die letzte Freude, die Du ihr machen konntest. Sie war diesen Winter im Ganzen noch ziemlich munter, und schien ihrem hohen Alter noch bey guten Kräften zu seyn, so daß ich ihr noch ein langes Leben zugetrauet hätte, als plötzlich ein hitziges Brustfieber ihrem Leben ein Ende machte. Dieses Fieber griff sie so heftig an, daß die Kranckheit nur drey Tage dauerte, und sie ihren Zustand selbst nicht fühlte, und sie auch bey den wenigen hellen Augenblicken ihre Gefahr gar nicht ahnete, und sie sehr sanft verschieden ist, am 21ten Januar Abends 7 Uhr. Uns hat dieser schnelle Tod so überrascht, daß es uns noch wie ein Traum scheint. Noch am Freytage zuvor als am 18 Jan. fand ich sie den Mittag munter und heiter, nur daß sie einige Tage an einem Schnupfen gelitten, wobey sie sich aber nicht gänzlich zu Haus hielt. Denselben Nachmittag hat sie noch einige gute Freundin bey sich gehabt, wo sie ganz vorzüglich vergnügt gewesen seyn soll. Den Abend bekömmt sie einen sehr heftigen Fieberfrost, der von denjenigen, die dabey zugegen gewesen, nicht starck genung beschreiben werden kann. Sie selbst hat aber dieses nicht besonders geachtet, da sich den Morgen darauf noch hat ankleiden lassen. Bey der großen Ermattung, die sie fühlt, muß sie aber bald darauf wieder zu Bette gebracht, und gleich darauf, wo wir zuerst Nachricht davon erhielten, finden wir sie in beständigen Phantasien mit gänzlich gestorbenen Kräften, jedoch daß sie jeden, der zu ihr kam kannte. So dauerte es bis zum Sonntag Morgen, wo ihr Geist wieder die völlige Munterkeit und Kraft erhielt, so daß sie mit völliger Besonnenheit und Heiterkeit viel sprach. Sie glaubte schon, das Uebel überwunden zu haben, und wir schöpften die größte Hoffnung, im Vertrauen auf ihre gute Natur, doch fand der Arzt ihren Puls nicht gut, da er oft aussetzte. Den Abend nahm das Fieber sehr zu, und stieg zu einer solchen Höhe, daß sie 130 Pulsschläge in einer Minute hatte. Dabey war ihre Brust so voll, daß ihr das Athmen sehr schwer. Es rieb dieses ihre Kräfte schnell auf. Auch in diesem Zustande erkannte sie anfänglich noch jeden, doch das Sprechen wurde ihr sauer, und ward unverständlich. Den Nachmittag schwand auch dieses beydes. Bey der gänzlichen Kraftlosigkeit lag sie ganz unbeweglich, bis sie endlich gegen Abend sanft entschlummert. – Zu ihrer [2] Hülfe Pflege und Erleichterung ist alles mögliche geschehen, was sich nur erdencken ließ. Ihr vorsichtiger Arzt, der Hofmedicus Hansen hat sie des Tages mehrmals besucht, und kein Mittel unversucht gelassen, was zu ihrer Rettung hätte dienen können. Meine Frau hat sie weder bey Tage noch bey Nacht verlassen, und sie auf das sorgfältigste gepflegt, und alle Erquickungen herbeygeschaft, die sich ihr geben ließen. Es hat aber nun einmal nicht andere seyn sollen. Ihr Verlust wird von allen ihren Freundinnen, und von vielen, denen sie sich sonst angenommen sehr bedauert, Hierunter ist besonders ein kleines Mädchen, Namens Hanchen, deren Erziehung sie übernommen. Sie hatte sie jezt irgendwo in die Kost verdungen, um das Nähen zu lernen, dieses gute Werck darf nicht unvollendet bleiben, da ihr dieses sehr am Herzen lag, und wollen wir gern auch dazu beytragen. – Ihr Leben ist, wenn auch mit mancher Unruhe verbunden, mehrentheils glücklich und heiter gewesen. Sie ergoß sich in Briefen, oder bey einzelnen vertrauten Freunden zwar zuweilen in Klagen, weil sie nach ihrem lebhaften Geisten alles kräf stark empfand, und für die Zukunft sich oft unnöthige Sorgen machten. Dagegen genoß sie auch alles Gute lebhaft, und in Gesellschaft war sie gewöhnlich sehr munter und heiter, und wußte ihre Freundinnen zu ermuntern. Den Mangel an Beschäftigungen wußte sie durch ihren thätigen Geist zu ersetzen, daß sie dadurch ihrem Leben ein höheres Interesse gab. – Dir muß es ein sehr angenehmer Gedancke seyn, daß Du im Stande gewesen bist, so sehr viel zur Erleichterung ihrer letzten Lebensjahre beyzutragen, wie sie stets dankbar rühmte. Ich bin es mir zwar bewußt, daß ich nach meinen Kräften ebenfalls dazu beygetragen, aber leider habe ich es nicht in den Maaße vermogt, wie Du. Wir haben eine zwar nicht prächtige aber anständige und ehrenvolle Bestattung besorgt, da sie hierauf einen Werth [3] setzte und solches im Leben mehrmals äußerte. Zur Begleitung werde ich außer den hiesigen Verwandten die Geistlichen, mit denen sie in Verbindung stand, und diejenigen, mit denen sie zuletzt am meisten umgieng, hinzuziehen. Unsere Minna und ihr angenommenes Hanchen sollen ihr Blumen auf das Grab streuen. – Ihr freylich nicht beträchtlicher Nachlaß wird hinreichen, alle Rückstände, die eben noch übrig sind, so wie auch das von der Tante in Ohsen meinem Bruder in Göttingen vermachte Capital, welches die selige Mutter mit dem geringen Nachlaß meines seligen Vaters übernommen hatte, zu berichtigen. Daß ihr Nachlaß ohnerachtet der verschiedentlich zurükgebliebenen Pensionen von der Beschaffenheit ist, hat sie allein Dir zu verdancken. Zur Erhebung der dem Nachlaße noch zukommenden PensionsRückstände, so wie auch sonst zur Regulirung dieser Angelegenheit, bedürfte ich von Dir, damit nicht fremde Hände dazwischen zu kommen brauchen einer Vollmacht, und zwar in beglaubter Form entweder vor Notario und Zeugen oder gerichtlich vollzogen, etwa dahin: daß ich von Dir bevollmächtigt werde, alles dasjenige zu erheben, was zu dem Nachlaß gehörig und den Erben der Verstorbenen demnach zukommen würde, und alles dasjenige vorzunehmen und zu thun, was mir wegen dieses Nachlasses nöthig und dienlich scheine. In der Absicht melde ich Dir die vollen Vornamen der seligen Mutter. Johanne Christiane Erdmuth geb. Hübsch. – Von den Geldern, die Du mir für sie überschickt hast, habe ich alle Quartale 55 Rt. in Golde zugestellt, so viel brachte es grade. Von selbigem sind nun noch 2 Quartale übrig für den Oster und Johannis Termin, zusammen 110 r., welche Dir wiederum zuzustellen seyn würden. Willst Du mir solche in Verzinsung überlassen, um künftig nach Gefallen darüber zu disponiren, so würde mir dieses in meiner jetzigen beschränckten Lage sehr angenehm seyn, und kannst Du mir sodann nur die nähren Bedingungen melden. – Es wird Dir gewiß angenehm seyn, ein Andenken von ihr zu erhalten, etwa einen Ring von ihren Haaren. Wenn dieses ist, so kannst Du nur bestimmen, wie Du es wünschest, da es sodann sogleich besorgt werden soll.
[4] Das verlangte Verzeichniß Deiner Papiere habe ich bey sonstigen vielen Geschäften unter den jetzigen Unruhen noch nicht besorgen können, doch soll es nächstens erfolgen. Auf die Anfrage des dasigen Kaufmanns kann ich, so gern ich auch wollte, hier keine Auskunft geben; zumal da sich jezt die Umstände täglich wenden, und auf nichts sicher zu rechnen ist. Wegen des Ankaufs Mecklenburgischer Güter habe ich mich vorläufig an den RegierungsPraesidenten von Berg in Bückeburg, den Du hier hast kennen lernen, gewandt, da der Fürst von Bückeburg auch viele Mecklenburgische Güter angekauft hat, so ist er sehr genau davon unterrichtet. Ich habe auch schon Antwort von ihm erhalten. Vorläufig wünscht er zu wissen, wie viel Deine Freundin, der ich mich gehorsamst zu empfehlen bitte, eben daran wenden will, und ob der Ankauf schnell oder nur bey guter Gelegenheit geschehen soll. Die besten Ankaufe sind in Concursen, weil man da die Anschläge am genauesten kennen lernt, und mit Güterspeculanten und Mäcklern nichts zu thun hat. Von solchen Gütern kann er leicht Nachricht erhalten. Auch ist jezt ein sehr schönes großes Gut auf der Hand zu verkaufen. Im Dänischen wird vermuthlich auch mit Vortheil zu kaufen seyn, besonders in Jütland, wo ihm vor kurzem erst von einem Gute geschrieben ist, welches an der Ostsee liegt, außerordentlich schöne und große Waldungen habe und 550 000 Rt. Bancozettel ungefähr – 100,000 Rt. Hamb. Bco. kosten soll. Ein sicherer Sachverständiger hat es auf 1,300,000 Rt. Papiergeld taxirt. Sollte die Fr. v. St. mir dasige Vollmacht ertheilen, und die näheren Bestimmungen melden wollen, so will ich gern die Sache weiter besorgen.
Meines Bruders Sohn, nach dem Du Dich erkundigst, hat sich wegen überflüßiger Besorgniß um Weinachten leider von hier entfernt, und sein jetziger Aufenthalt ist nicht genau bekannt, welches uns und dem Vater manche Bekümmerniße und Unruhen verursacht hat. Seine Besorgniß war überflüssig, weil mein Bruder äußersten Falls alles zu seiner Befreyung thun wollte, da er freylich nicht zu einem Dienst paßte, der ihm sehr verhaßt war. – An Rehberg haben wir Deine Aufträge bestellt, und schien ihm dieses sehr angenehm zu seyn. Von Friedrich in Wien haben wir vor einiger Zeit auch Briefe erhalten, leider sind sie aber bis jezt unbeantwortet geblieben, und so kann er von der Mutter kein schriftliches Andenken mehr erhalten. – Mein Gesuch, wovon ich Dir schrieb ist nicht geglückt, dagegen habe ich ein bloßes Ehren Amt erhalten indem ich Muni Mitglied des Municipalrath geworden. – Es ist Zeit, diesen Brief zu schließen, wie sehr die selige Mutter Dich liebte und schätzte, und welchen Werth sie auf jeden Deiner Briefe legte, brauche ich Dich nicht erst zu versichern, da Du solches am besten wissen wirst. Lebe recht wohl Karl Schlegel
Ich wünsche baldigste Antwort.
[3] An Friedrich in Wien habe ich den Todesfall ebenfalls gemeldet. Da ich nicht weiß, ob Du Dich noch in Genf aufhälst, und wie dafür die Addresse seyn muß, so schicke ich den Brief nach Coppet, und hoffe, daß er dadurch nicht aufgehalten werden wird.
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