• Henriette Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: 04.04.1793
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Henriette Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 04.04.1793
  • Notations: Absende- und Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-33449
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.7,Nr.68
  • Number of Pages: 8S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,8 x 11,6 cm
  • Incipit: „[1] 93 den 4ten Aprill.
    Hier ist ein Brief von Becker den mir Charlotte geschickt, um ihn zu besorgen, und nächstens [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
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[1] 93 den 4ten Aprill.
Hier ist ein Brief von Becker den mir Charlotte geschickt, um ihn zu besorgen, und nächstens würde sie weitläuftiger darüber an dich schreiben. Meine Mutter ist neugierig den Inhalt davon zu wißen.
Daß dein Bücher kasten endlich gesund und heil angekommen, hat uns sehr große Freude gemacht, zumahl da wir nun auch anfiengen für die französischen Kaper bange zuwerden; denn da wir kurz zwar an den Hamburger Kaufmann geschrieben durch deßen Besorgung es gegangen um Erkundigungen einzuziehn, so antwortete er uns, daß der Schiffer noch immer im Hafen liege, da er bisher wiedriger Winde wegen nicht [2] hätte aus laufen können, und nunmehr fürchtete er sich für die Kaper, aber man würde schon Mittel finden ihn zu zwingen auszulaufen! – Daß dir die Halstücher als ein Andenken von mir angenehm gewesen, freut mich auch sehr.
Deine politischen Briefe sind uns noch immer sehr angenehm, besonders auch dem Vater der itzt ganz Politick ist und alle Zeitungen mit dem grösten Eifer ließt, auch gerne darüber spricht. Einige mahl hat H. Rehberg auch etwas daraus in den Politischen Zeitungen eingerückt. Wir hörten einmahl daß ein ziemlich wichtiger Aufstand in Amsterdam sollte gewesen seyn, da sahe ich einige Postage, mit rechter Sehnsucht nach Briefen von dir [3] aus, und wunderte mich daß nichts davon darin erwähnt war, ich machte daraus den Schluß, daß es doch wohl so schlimm nicht müste gewesen seyn.
Was du wegen Augusts Papiere schreibst da fürchte ich daß wir es gar nicht werden erfüllen können. Hohenstedt geht itzt wieder mit in Krieg; nach vieler Mühe hatten wir es endlich so weit gebracht, daß er einmahl zum Vater kamm; meine Mutter und ich wusten es nicht daß er da war, und waren also auch nicht dabey. Er hat noch immer in einem sehr freundschaftlichen Tone von meinem seel. Bruder gesprochen; aber von den Papieren, daß wäre nicht viel was er hätte, es wären lauter Anfänge daß Paquet an dich hätte sich nicht gefunden, oder wäre weggekommen & [4] kurz man merkt wohl daß es nicht so wichtig damit ist, und ich fürchte wir bekommen nichts! Wir haben ihn seit dem mehrmahls gebeten, Carl hat ihn verschiedentlich aufgesucht aber vergebens er verspricht immer noch einen Besu[c]h und uns die Papiere zu schicken; aber bey den unruhen da er bald fortmarschirt glaube ich nichts davon! Es macht uns recht traurig, daß wir auch nicht noch ein Andenken von meinem seel. Bruder haben sollen. Der Abmarsch der hiesigen Garnison, die von allen Seiten mit so vieler Theilnahme und Rührung begleitet wurden, versetzte mich aufs neue recht lebhaft in die Zeiten wie mein Bruder ausmarschirte, und macht manche traurige Empfindung recht lebhaft wieder! Sollten wir so glücklich [5] seyn, wieder vermuthen noch etwas von seinen Papieren zu bekommen, so sollst du sie auch so gleich mitgetheilt bekommen.
Madam Nieper ist vor ein paar Tagen gestorben, ihrem Manne doch unerwartet da er durch ihr langes kränkeln an ihre Schwäche gewöhnt war, so hatte er es gar nicht erwartet. Der Minister Steinberg war auch sehr gefährlich krank aber itzt erhollt er sich wieder.
Von Klockenbring ist jetzt wieder viel zu sprechen, man weiß nicht ob er wieder klug oder noch unklug ist, ich bin wirklich begierig auf das Ende dieser Geschichte. Sie hatte sich zu seiner Vormünderin ernennen laßen und hatte ihn vorigen Sommer einem [6] Artzt in Gotha übergeben, der es darauf angelegt lauter solche Patienten zu curiren; mit dem versprechen, daß wenn er ihn ganz curirte er Tausend Rt. haben solle. Sie hoffte aber wahrscheinlich daß das nicht der Fall seyn sollte, und reiste auch dies Frühjahr hin, weil sie sich fest einbildete daß er die Auszehrung habe, und daß sie ihm danach verpflegen wollte. Sie hatte nun hier immer den ganzen Winter viel davon gesprochen, was für zärtliche Briefe er ihr, auch im Wahnsinne geschrieben, und wie lieb es ihr sey daß er sie auch im Wahnsinne nicht verkannt habe. (überhaubt hat die Frau so viel gesprochen, und mit so einer Kälte und Faßung, daß es nicht möglich ist, sie so [7] zu bedauren als man sonst thun würde, auch ist sie auffallend dick und fett geworden, und hat sich zu allen Gesellschaften, groß und klein, besonders zu Xxxxx, recht aufgedrungen) Wie groß muste also ihre Verwunderung seyn, da sie dort ankömmt zu hören, daß er nicht nur vollkommen Gesund, sondern nach den Ausspruch sehr vielen die er besucht, (er hat sich so gar dem Fürsten präsentiren laßen) daß er sehr vernünftig wieder sey. Sie geht zu ihm er empfängt Sie mit äuserster Kälte, Madam, Sie können thun was Sie wollen, er wollte sie nicht wieder annehmen, sie möchte sich von ihm scheiden laßen, er wollte ihr selbst dazu behülflich seyn, und ihr einige Beschuldigungen angeben! Er wollte wohl [8] ohne Sie nach Hannover kommen, aber er rathe ihr, mit ihren Kindern das Haus zu räumen, gegen daß daß er her käme; (welches sie dann auch gleich gethan) er hat daß übel genommen, daß sie sich während seiner Krankheit so erholt, und daß sie seine Vormünderi[n] gewesen. Die unglückliche Geschichte mit dem Bart mit der eisernen Stirne spuckt aber noch immer in seinem Kopfe herum, denn da hat er sie beschuldigt daß sie mit theil daran hätte. Er ist nun auch hier gewesen, aber da m[an] ihm angedeutet daß er seine Geschäfte noch nicht wieder antreten könne ist er nicht nach seinem Hause gegangen, und nach keinem Menschen sondern nur 24 Stunden, in einem Wirthshause, wo er sich auch ganz ordentlich betragen, und dann [7] wieder weg, kein Mensch weis wohin. Wenn wieder was vorfällt schreibe ich es dir. Wir sind itzt alle recht wohl. Auch der [6] Vater Gottlob, der wird nun bald auch die Kinder confirmationen überstanden haben, und dann ziehen wir bald auf dem Garten; heu [5] Nachmittag sind wir bey Rehbergs gewesen, Caroline läßt dich grü[4]sen; ihre Gesundheit ist immer noch nicht wieder recht fest, in der [3] Mitte des Mäy’s wird sie wohl nach Osnabrück reisen, und von da mit nach Pirmont, also wird sie wohl den grösten theil des Som[2]mers weg seyn, für mich sehr unangenehm, ob ich sie gleich die letzte Zeit nicht so viel gesehen als sonst. Adieu mein Bester, die [1] herzlichsten Grüße von allen. Deine treue Schwester
Henriette Schlegel
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[1] 93 den 4ten Aprill.
Hier ist ein Brief von Becker den mir Charlotte geschickt, um ihn zu besorgen, und nächstens würde sie weitläuftiger darüber an dich schreiben. Meine Mutter ist neugierig den Inhalt davon zu wißen.
Daß dein Bücher kasten endlich gesund und heil angekommen, hat uns sehr große Freude gemacht, zumahl da wir nun auch anfiengen für die französischen Kaper bange zuwerden; denn da wir kurz zwar an den Hamburger Kaufmann geschrieben durch deßen Besorgung es gegangen um Erkundigungen einzuziehn, so antwortete er uns, daß der Schiffer noch immer im Hafen liege, da er bisher wiedriger Winde wegen nicht [2] hätte aus laufen können, und nunmehr fürchtete er sich für die Kaper, aber man würde schon Mittel finden ihn zu zwingen auszulaufen! – Daß dir die Halstücher als ein Andenken von mir angenehm gewesen, freut mich auch sehr.
Deine politischen Briefe sind uns noch immer sehr angenehm, besonders auch dem Vater der itzt ganz Politick ist und alle Zeitungen mit dem grösten Eifer ließt, auch gerne darüber spricht. Einige mahl hat H. Rehberg auch etwas daraus in den Politischen Zeitungen eingerückt. Wir hörten einmahl daß ein ziemlich wichtiger Aufstand in Amsterdam sollte gewesen seyn, da sahe ich einige Postage, mit rechter Sehnsucht nach Briefen von dir [3] aus, und wunderte mich daß nichts davon darin erwähnt war, ich machte daraus den Schluß, daß es doch wohl so schlimm nicht müste gewesen seyn.
Was du wegen Augusts Papiere schreibst da fürchte ich daß wir es gar nicht werden erfüllen können. Hohenstedt geht itzt wieder mit in Krieg; nach vieler Mühe hatten wir es endlich so weit gebracht, daß er einmahl zum Vater kamm; meine Mutter und ich wusten es nicht daß er da war, und waren also auch nicht dabey. Er hat noch immer in einem sehr freundschaftlichen Tone von meinem seel. Bruder gesprochen; aber von den Papieren, daß wäre nicht viel was er hätte, es wären lauter Anfänge daß Paquet an dich hätte sich nicht gefunden, oder wäre weggekommen & [4] kurz man merkt wohl daß es nicht so wichtig damit ist, und ich fürchte wir bekommen nichts! Wir haben ihn seit dem mehrmahls gebeten, Carl hat ihn verschiedentlich aufgesucht aber vergebens er verspricht immer noch einen Besu[c]h und uns die Papiere zu schicken; aber bey den unruhen da er bald fortmarschirt glaube ich nichts davon! Es macht uns recht traurig, daß wir auch nicht noch ein Andenken von meinem seel. Bruder haben sollen. Der Abmarsch der hiesigen Garnison, die von allen Seiten mit so vieler Theilnahme und Rührung begleitet wurden, versetzte mich aufs neue recht lebhaft in die Zeiten wie mein Bruder ausmarschirte, und macht manche traurige Empfindung recht lebhaft wieder! Sollten wir so glücklich [5] seyn, wieder vermuthen noch etwas von seinen Papieren zu bekommen, so sollst du sie auch so gleich mitgetheilt bekommen.
Madam Nieper ist vor ein paar Tagen gestorben, ihrem Manne doch unerwartet da er durch ihr langes kränkeln an ihre Schwäche gewöhnt war, so hatte er es gar nicht erwartet. Der Minister Steinberg war auch sehr gefährlich krank aber itzt erhollt er sich wieder.
Von Klockenbring ist jetzt wieder viel zu sprechen, man weiß nicht ob er wieder klug oder noch unklug ist, ich bin wirklich begierig auf das Ende dieser Geschichte. Sie hatte sich zu seiner Vormünderin ernennen laßen und hatte ihn vorigen Sommer einem [6] Artzt in Gotha übergeben, der es darauf angelegt lauter solche Patienten zu curiren; mit dem versprechen, daß wenn er ihn ganz curirte er Tausend Rt. haben solle. Sie hoffte aber wahrscheinlich daß das nicht der Fall seyn sollte, und reiste auch dies Frühjahr hin, weil sie sich fest einbildete daß er die Auszehrung habe, und daß sie ihm danach verpflegen wollte. Sie hatte nun hier immer den ganzen Winter viel davon gesprochen, was für zärtliche Briefe er ihr, auch im Wahnsinne geschrieben, und wie lieb es ihr sey daß er sie auch im Wahnsinne nicht verkannt habe. (überhaubt hat die Frau so viel gesprochen, und mit so einer Kälte und Faßung, daß es nicht möglich ist, sie so [7] zu bedauren als man sonst thun würde, auch ist sie auffallend dick und fett geworden, und hat sich zu allen Gesellschaften, groß und klein, besonders zu Xxxxx, recht aufgedrungen) Wie groß muste also ihre Verwunderung seyn, da sie dort ankömmt zu hören, daß er nicht nur vollkommen Gesund, sondern nach den Ausspruch sehr vielen die er besucht, (er hat sich so gar dem Fürsten präsentiren laßen) daß er sehr vernünftig wieder sey. Sie geht zu ihm er empfängt Sie mit äuserster Kälte, Madam, Sie können thun was Sie wollen, er wollte sie nicht wieder annehmen, sie möchte sich von ihm scheiden laßen, er wollte ihr selbst dazu behülflich seyn, und ihr einige Beschuldigungen angeben! Er wollte wohl [8] ohne Sie nach Hannover kommen, aber er rathe ihr, mit ihren Kindern das Haus zu räumen, gegen daß daß er her käme; (welches sie dann auch gleich gethan) er hat daß übel genommen, daß sie sich während seiner Krankheit so erholt, und daß sie seine Vormünderi[n] gewesen. Die unglückliche Geschichte mit dem Bart mit der eisernen Stirne spuckt aber noch immer in seinem Kopfe herum, denn da hat er sie beschuldigt daß sie mit theil daran hätte. Er ist nun auch hier gewesen, aber da m[an] ihm angedeutet daß er seine Geschäfte noch nicht wieder antreten könne ist er nicht nach seinem Hause gegangen, und nach keinem Menschen sondern nur 24 Stunden, in einem Wirthshause, wo er sich auch ganz ordentlich betragen, und dann [7] wieder weg, kein Mensch weis wohin. Wenn wieder was vorfällt schreibe ich es dir. Wir sind itzt alle recht wohl. Auch der [6] Vater Gottlob, der wird nun bald auch die Kinder confirmationen überstanden haben, und dann ziehen wir bald auf dem Garten; heu [5] Nachmittag sind wir bey Rehbergs gewesen, Caroline läßt dich grü[4]sen; ihre Gesundheit ist immer noch nicht wieder recht fest, in der [3] Mitte des Mäy’s wird sie wohl nach Osnabrück reisen, und von da mit nach Pirmont, also wird sie wohl den grösten theil des Som[2]mers weg seyn, für mich sehr unangenehm, ob ich sie gleich die letzte Zeit nicht so viel gesehen als sonst. Adieu mein Bester, die [1] herzlichsten Grüße von allen. Deine treue Schwester
Henriette Schlegel
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