• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Wien · Place of Destination: Unknown · Date: 13.11.1819
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Wien
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 13.11.1819
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 30. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Die Epoche der Zeitschrift Concordia (6. November 1818 ‒ Mai 1823). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Eugène Susini. Paderborn 1980, S. 231‒234.
  • Incipit: „[1] Wien, den 13ten November, 1819.
    Du hast Recht, lieber Bruder! ich hätte schon längst schreiben sollen, und muß desfalls wiederum auf [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34288
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.d,Nr.229
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs. m. U.
  • Format: 20,2 x 12,2 cm
    Language
  • German
[1] Wien, den 13ten November, 1819.
Du hast Recht, lieber Bruder! ich hätte schon längst schreiben sollen, und muß desfalls wiederum auf Deine Nachsicht zählen und um Entschuldigung bitten. Die letzte Zeit her ist für mich über alle Beschreibung unruhig gewesen, so daß ich oft gar nicht zur Besinnung gekommen bin. Die letzten sonnigen Herbsttage im October habe ich auf dem Lande zugebracht, in Baden und Steyermark. Kaum war ich wieder zurückgekehrt, als ich mit meiner Gesundheit zu schaffen hatte. Zwar bin ich nicht eigentlich krank oder bettlägerig gewesen; allein der Andrang des Bluts – den wir schweren Leute wohl am meisten zu fürchten haben – war so groß, daß ich eine Nacht schon einmal glaubte, es würde einen kleinen Schlag geben; indessen ging es noch so vorüber, Malfatti verordnete nachher einen Blutlaß durch Schröpfen, und ich trinke einen sehr heilsamen Marienbader Brunnen; aber im Zimmer und in der Jahrszeit ist es freylich nicht so rein gut wirkend, als es sonst gewiß seyn würde; und so leide ich noch manchmal an Schlaflosigkeit aus Hitze oder auch bey Tage an einem gewissen, narkotischen, schläfrigen Zustand. Ich bitte Dich diese Umstände auch dem treuen Windischmann mitzutheilen, der auch an meinem Gesundheitszustande immer so viel Antheil nahm.– Daß Du seiner gar nicht erwähnst, ist das einzige was ich in Deinen beyden Briefen vermisse; und [2] ist mir dieses fast auffallend gewesen. Ich bitte Dich, ihn herzlich <von mir> zu grüßen; ich schreibe ihm mit nächstem, ich komme erst eben jetzt wieder zur Besinnung, wo noch manche Briefe unbeantwortet vor mir liegen; da außer jenen Umständen auch noch andre manche Störungen sehr beunruhigten.
Wie sehr ich Deine unglückliche Familienlage beklage und wie großen Antheil ich daran nehme, darf ich Dir nicht erst sagen. Ich war ja zugegen, als dieses Band unter den schönsten Hoffnungen für den Abend Deines Lebens geschlossen wurde, und mußte es nachher auf eine so herbe Weise zerrissen sehen.– Eines möchte ich nur Dich bitten; überlaß Dich nicht dem Haß oder noch weniger einem Rachegedanken gegen Sophieen. Sie ist ohnehin unglücklich und gestraft genug; verzeih ihr also wenigstens im Herzen ihren Starrsinn, und Du wirst mir erlauben, Dir wenigstens dieses eine christliche Gefühl an die Seele zu legen, was auch Deinem Sinne nicht fremd seyn kann.– Aeußerlich kannst Du freylich gegen Forderungen und Plane, die so offenbar vernunftlos und widerrechtlich sind, nicht im geringsten nachgeben. Ich will jetzt noch einen Versuch machen und an beyde <noch einmal> schreiben; besonders auch in der Hoffnung, ob nicht vielleicht der Tod des Sohnes das Herz der Mutter erweicht haben sollte.– Aber was kann ich Ihnen eigentlich schreiben, als nur wiederhohlen, was ich schon einmal geschrieben und was in der That der einzige [3] vernünftige und versöhnende Vorschlag ist, den ich hier zu finden weiß; nämlich daß Sophie sich entschlösse, noch auf eine bestimmte Zeit (wenn auch eine kürzere, als Gesetze dafür festsetzen) bey Dir zu seyn; und Du dagegen auf den Fall, daß sie dennoch auf ihrem Sinn bestände, alle mögliche erleichternde Mittel und Nachgiebigkeit zu der mildesten Form der Trennung zusagtest. Einen andern Rath, wie gesagt, weiß ich nicht zu geben und nicht zu finden. Ihre abschlägige Antwort darauf erhielt ich in Italien; ich könnte Dir, wenn Du es wünschest, auch wohl beyde Briefe mittheilen; Du würdest aber durchaus nichts neues daraus sehen, als was Du ohnehin weißt, nämlich den unabänderlichen Entschluß der gänzlichen Trennung, der jedoch gegen mich in einem <noch> ziemlich gemäßigten und verständigen Ton ausgedrückt ist, wenigstens mehr als das erstemal.
Du fragst mich um Nachricht von der Schwester in Dreßden. Ich habe erst kürzlich wieder Nachricht von ihr; Auguste hatte im Frühjahr dieses Jahres (ich denke es war im April) ein kleines Mädchen zur Welt gebracht; und sie können nicht genug rühmen, wie niedlich und wie gesund es ist, so daß auch unsre Schwester, als Großmutter eine unendliche Freude damit und Zärtlichkeit dafür hat. Sonst ist alles noch ganz beym Alten; die Lage unheilbar, Buttlar widerwärtig, Auguste indessen muthvoll und voll Plane. Sie will sich nun ganz der Kunst widmen, und hat desfalls das Projekt gefaßt, zum Frühjahr hierher zu kommen und [4] es mit dem Portraitmahlen sehr ernstlich zu treiben und sich ganz eigentlich als Künstlerin zugeben. Bey der noch immer obwaltenden großen Unentschiedenheit meiner Lage, weiß ich eigentlich noch gar nicht, was ich ihr antworten soll und in wiefern ich ihr nützlich seyn kann. Wenn nur der unangenehme Mann nicht überall mitgeschleppt werden müßte; sie allein käme wohl ziemlich leicht oder doch leidentlich fort. Wenn ich selbst noch ein Haus hätte, so nähme ich sie allein gleich mit Freuden auf. Im Grunde ist es doch unendlich Schade um sie.
Ueber den indischen Bogen schreibe ich Dir das nächstemal, für jetzt danke ich bestens dafür. So wie ich eine Gelegenheit finde, werde ich Dir einen kleinen Aufsatz von mir über die Deutsche Ausstellung in Rom, der in den Jahrbüchern steht, zuschicken. Was Du mir über Deinen glücklichen Wirkungskreis in Bonn schreibst, den ich sehr ,beneidenswerthʻ finde, freut mich ungemein. Könnte ich doch nur wieder einmal eine Zeitlang brüderlich mit Dir zusammen an Rheines-Ufern leben; das würde mich über alle Maßen beglücken und erheitern.– Von allem, was mir das Herz zusammendrückt, schreibe ich nichts. Wenn ich nun erst einmal so recht ruhig und sorgenfrey bloß meinen Arbeiten leben [könnte].– Verliehre ja nicht aus den Augen, was ich Dir früherhin gesagt; sowohl bey Solms als auch bey Alt[enstein] und bey H[ardenberg] selbst jeden [5] günstigen Augenblick zu ergreifen und alles dafür zu thun, was Du irgend kannst.– Es ist wohl überflüßig daß ich mich weiter darüber auslasse, da Du ohnehin alles weißt. Ich zähle hierin ganz auf Dich.–
Meine Frau hat, während sie die ersten 15 Monathe in Italien wohler war als seit vielen Jahren, die heißen Monathe hindurch viel gelitten, die dießmal besonders ungesund waren; doch hat sie sich nun von ihrer Krankheit erhohlt und ist wieder ganz beßer. Philipp führt jetzt das Paradies von Dante aus und ist überhaupt sehr fleißig. Ein andermal schreibe ich Dir mehr über alle Kunstangelegenheiten der Deutschen in Rom. Philipp hat ein sehr großes Talent und es ist überhaupt ein herrliches Streben unter diesen jungen Künstlern.
Hufeland habe ich gesehen, da er hier war, bey einem großen medicinischen Gastmahle von 10 bis 12 der bewährtesten Aertzte, was mein Freund Malfatti ihm zu Ehren gab und bey welchem ich auch zugegen war. Er sprach mit vieler Wärme, und mit der größten Achtung und Freundschaft von Dir; aber freylich immer in dem Sinne, daß Du nach Berlin müßtest und durchaus dorthin gehörtest etc. Sie können es nun einmal durchaus nicht begreifen, daß wissenschaftliche und künstlerische Vortreflichkeit wo anders als in B.[erlin] und vollends am Rheine an seinem rechten Platze seyn soll.– Da ich ihn übrigens in dieser großen Gartengesellschaft nicht <eigentlich und länger> allein sprechen konnte, so blieb [6] es über Deine häusliche Angelegenheit bey einigen allgemeinen Aeußerungen; er schien sie mir jedoch völlig richtig zu beurtheilen.– In Hinsicht auf B.[erlin] und Bonn scheint Dein Entschluß nun fest und Dein Sinn freylich ganz anders zu seyn als wie sie es meynen und verstehen. Das mußt Du freylich beßer wißen, und kann ich mir wohl denken, wie Du jene Rheingegend und besonders auch das Rheinleben allmählig lieb gewinnst und einheimisch darin wirst.– Was den von Dir auch in Beziehung auf Sophie geäußerten Wunsch betrifft, daß ich zu Dir oder zunächst wenigstens bis Heid[elberg] kommen könnte, um dort persönlich noch einen letzten Versuch zu machen, so gebe ich diesen Gedanken keineswegs ganz auf, sondern es ist wohl möglich, wenn gewiße Umstände eintreten sollten, daß er mir nicht mehr so unausführbar erscheint, als vorigen Winter.
Was sagst Du zu Goetheʼs Divan? Wirst Du es ihm so ausgehen lassen, daß er draußen unverständig und wie ein Rohrsperling auf alles Indische schimpft. Eigentlich bist Du doch jetzt als erster Deutscher Brahmine verpflichtet, Dich dieser Sache anzunehmen.– Schreibe mir so bald als möglich wieder, lieber Bruder, ich bedarf des Trostes der brüderlichen Freundschaft und der Erheiterung an großen Gegenständen. Dein Dich liebender Bruder
Friedrich

Nina hat im Monath August ein wohlgerathnes kleines Alfonschen herausgegeben; sie ist glücklich, die Künstler-Leben-Sorgen abgerechnet. Er ist ein vortreflicher junger Mann und liebt sie sehr.
[1] Wien, den 13ten November, 1819.
Du hast Recht, lieber Bruder! ich hätte schon längst schreiben sollen, und muß desfalls wiederum auf Deine Nachsicht zählen und um Entschuldigung bitten. Die letzte Zeit her ist für mich über alle Beschreibung unruhig gewesen, so daß ich oft gar nicht zur Besinnung gekommen bin. Die letzten sonnigen Herbsttage im October habe ich auf dem Lande zugebracht, in Baden und Steyermark. Kaum war ich wieder zurückgekehrt, als ich mit meiner Gesundheit zu schaffen hatte. Zwar bin ich nicht eigentlich krank oder bettlägerig gewesen; allein der Andrang des Bluts – den wir schweren Leute wohl am meisten zu fürchten haben – war so groß, daß ich eine Nacht schon einmal glaubte, es würde einen kleinen Schlag geben; indessen ging es noch so vorüber, Malfatti verordnete nachher einen Blutlaß durch Schröpfen, und ich trinke einen sehr heilsamen Marienbader Brunnen; aber im Zimmer und in der Jahrszeit ist es freylich nicht so rein gut wirkend, als es sonst gewiß seyn würde; und so leide ich noch manchmal an Schlaflosigkeit aus Hitze oder auch bey Tage an einem gewissen, narkotischen, schläfrigen Zustand. Ich bitte Dich diese Umstände auch dem treuen Windischmann mitzutheilen, der auch an meinem Gesundheitszustande immer so viel Antheil nahm.– Daß Du seiner gar nicht erwähnst, ist das einzige was ich in Deinen beyden Briefen vermisse; und [2] ist mir dieses fast auffallend gewesen. Ich bitte Dich, ihn herzlich <von mir> zu grüßen; ich schreibe ihm mit nächstem, ich komme erst eben jetzt wieder zur Besinnung, wo noch manche Briefe unbeantwortet vor mir liegen; da außer jenen Umständen auch noch andre manche Störungen sehr beunruhigten.
Wie sehr ich Deine unglückliche Familienlage beklage und wie großen Antheil ich daran nehme, darf ich Dir nicht erst sagen. Ich war ja zugegen, als dieses Band unter den schönsten Hoffnungen für den Abend Deines Lebens geschlossen wurde, und mußte es nachher auf eine so herbe Weise zerrissen sehen.– Eines möchte ich nur Dich bitten; überlaß Dich nicht dem Haß oder noch weniger einem Rachegedanken gegen Sophieen. Sie ist ohnehin unglücklich und gestraft genug; verzeih ihr also wenigstens im Herzen ihren Starrsinn, und Du wirst mir erlauben, Dir wenigstens dieses eine christliche Gefühl an die Seele zu legen, was auch Deinem Sinne nicht fremd seyn kann.– Aeußerlich kannst Du freylich gegen Forderungen und Plane, die so offenbar vernunftlos und widerrechtlich sind, nicht im geringsten nachgeben. Ich will jetzt noch einen Versuch machen und an beyde <noch einmal> schreiben; besonders auch in der Hoffnung, ob nicht vielleicht der Tod des Sohnes das Herz der Mutter erweicht haben sollte.– Aber was kann ich Ihnen eigentlich schreiben, als nur wiederhohlen, was ich schon einmal geschrieben und was in der That der einzige [3] vernünftige und versöhnende Vorschlag ist, den ich hier zu finden weiß; nämlich daß Sophie sich entschlösse, noch auf eine bestimmte Zeit (wenn auch eine kürzere, als Gesetze dafür festsetzen) bey Dir zu seyn; und Du dagegen auf den Fall, daß sie dennoch auf ihrem Sinn bestände, alle mögliche erleichternde Mittel und Nachgiebigkeit zu der mildesten Form der Trennung zusagtest. Einen andern Rath, wie gesagt, weiß ich nicht zu geben und nicht zu finden. Ihre abschlägige Antwort darauf erhielt ich in Italien; ich könnte Dir, wenn Du es wünschest, auch wohl beyde Briefe mittheilen; Du würdest aber durchaus nichts neues daraus sehen, als was Du ohnehin weißt, nämlich den unabänderlichen Entschluß der gänzlichen Trennung, der jedoch gegen mich in einem <noch> ziemlich gemäßigten und verständigen Ton ausgedrückt ist, wenigstens mehr als das erstemal.
Du fragst mich um Nachricht von der Schwester in Dreßden. Ich habe erst kürzlich wieder Nachricht von ihr; Auguste hatte im Frühjahr dieses Jahres (ich denke es war im April) ein kleines Mädchen zur Welt gebracht; und sie können nicht genug rühmen, wie niedlich und wie gesund es ist, so daß auch unsre Schwester, als Großmutter eine unendliche Freude damit und Zärtlichkeit dafür hat. Sonst ist alles noch ganz beym Alten; die Lage unheilbar, Buttlar widerwärtig, Auguste indessen muthvoll und voll Plane. Sie will sich nun ganz der Kunst widmen, und hat desfalls das Projekt gefaßt, zum Frühjahr hierher zu kommen und [4] es mit dem Portraitmahlen sehr ernstlich zu treiben und sich ganz eigentlich als Künstlerin zugeben. Bey der noch immer obwaltenden großen Unentschiedenheit meiner Lage, weiß ich eigentlich noch gar nicht, was ich ihr antworten soll und in wiefern ich ihr nützlich seyn kann. Wenn nur der unangenehme Mann nicht überall mitgeschleppt werden müßte; sie allein käme wohl ziemlich leicht oder doch leidentlich fort. Wenn ich selbst noch ein Haus hätte, so nähme ich sie allein gleich mit Freuden auf. Im Grunde ist es doch unendlich Schade um sie.
Ueber den indischen Bogen schreibe ich Dir das nächstemal, für jetzt danke ich bestens dafür. So wie ich eine Gelegenheit finde, werde ich Dir einen kleinen Aufsatz von mir über die Deutsche Ausstellung in Rom, der in den Jahrbüchern steht, zuschicken. Was Du mir über Deinen glücklichen Wirkungskreis in Bonn schreibst, den ich sehr ,beneidenswerthʻ finde, freut mich ungemein. Könnte ich doch nur wieder einmal eine Zeitlang brüderlich mit Dir zusammen an Rheines-Ufern leben; das würde mich über alle Maßen beglücken und erheitern.– Von allem, was mir das Herz zusammendrückt, schreibe ich nichts. Wenn ich nun erst einmal so recht ruhig und sorgenfrey bloß meinen Arbeiten leben [könnte].– Verliehre ja nicht aus den Augen, was ich Dir früherhin gesagt; sowohl bey Solms als auch bey Alt[enstein] und bey H[ardenberg] selbst jeden [5] günstigen Augenblick zu ergreifen und alles dafür zu thun, was Du irgend kannst.– Es ist wohl überflüßig daß ich mich weiter darüber auslasse, da Du ohnehin alles weißt. Ich zähle hierin ganz auf Dich.–
Meine Frau hat, während sie die ersten 15 Monathe in Italien wohler war als seit vielen Jahren, die heißen Monathe hindurch viel gelitten, die dießmal besonders ungesund waren; doch hat sie sich nun von ihrer Krankheit erhohlt und ist wieder ganz beßer. Philipp führt jetzt das Paradies von Dante aus und ist überhaupt sehr fleißig. Ein andermal schreibe ich Dir mehr über alle Kunstangelegenheiten der Deutschen in Rom. Philipp hat ein sehr großes Talent und es ist überhaupt ein herrliches Streben unter diesen jungen Künstlern.
Hufeland habe ich gesehen, da er hier war, bey einem großen medicinischen Gastmahle von 10 bis 12 der bewährtesten Aertzte, was mein Freund Malfatti ihm zu Ehren gab und bey welchem ich auch zugegen war. Er sprach mit vieler Wärme, und mit der größten Achtung und Freundschaft von Dir; aber freylich immer in dem Sinne, daß Du nach Berlin müßtest und durchaus dorthin gehörtest etc. Sie können es nun einmal durchaus nicht begreifen, daß wissenschaftliche und künstlerische Vortreflichkeit wo anders als in B.[erlin] und vollends am Rheine an seinem rechten Platze seyn soll.– Da ich ihn übrigens in dieser großen Gartengesellschaft nicht <eigentlich und länger> allein sprechen konnte, so blieb [6] es über Deine häusliche Angelegenheit bey einigen allgemeinen Aeußerungen; er schien sie mir jedoch völlig richtig zu beurtheilen.– In Hinsicht auf B.[erlin] und Bonn scheint Dein Entschluß nun fest und Dein Sinn freylich ganz anders zu seyn als wie sie es meynen und verstehen. Das mußt Du freylich beßer wißen, und kann ich mir wohl denken, wie Du jene Rheingegend und besonders auch das Rheinleben allmählig lieb gewinnst und einheimisch darin wirst.– Was den von Dir auch in Beziehung auf Sophie geäußerten Wunsch betrifft, daß ich zu Dir oder zunächst wenigstens bis Heid[elberg] kommen könnte, um dort persönlich noch einen letzten Versuch zu machen, so gebe ich diesen Gedanken keineswegs ganz auf, sondern es ist wohl möglich, wenn gewiße Umstände eintreten sollten, daß er mir nicht mehr so unausführbar erscheint, als vorigen Winter.
Was sagst Du zu Goetheʼs Divan? Wirst Du es ihm so ausgehen lassen, daß er draußen unverständig und wie ein Rohrsperling auf alles Indische schimpft. Eigentlich bist Du doch jetzt als erster Deutscher Brahmine verpflichtet, Dich dieser Sache anzunehmen.– Schreibe mir so bald als möglich wieder, lieber Bruder, ich bedarf des Trostes der brüderlichen Freundschaft und der Erheiterung an großen Gegenständen. Dein Dich liebender Bruder
Friedrich

Nina hat im Monath August ein wohlgerathnes kleines Alfonschen herausgegeben; sie ist glücklich, die Künstler-Leben-Sorgen abgerechnet. Er ist ein vortreflicher junger Mann und liebt sie sehr.
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