• August Wilhelm von Schlegel to Gottfried August Bürger

  • Place of Dispatch: Amsterdam · Place of Destination: Unknown · Date: 02.07.1791
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Gottfried August Bürger
  • Place of Dispatch: Amsterdam
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 02.07.1791
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 36284268X
  • Bibliography: Strodtmann, Adolf: Briefe von und an Gottfried August Bürger. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte seiner Zeit. Aus dem Nachlasse Bürger’s und anderen, meist handschriftlichen Quellen. Bd. 4. Berlin 1874, S. 126‒127.
  • Incipit: „Amsterdam, den 2. Jul. 91.
    Der Herr thut seine milde Hand auf und speist die jungen Raben die ihn anrufen. Sieh hier, [...]“
    Language
  • German
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 329]/version-10-19/letters/view/496" data-language="">
Amsterdam, den 2. Jul. 91.
Der Herr thut seine milde Hand auf und speist die jungen Raben die ihn anrufen. Sieh hier, junger Rabe, (Ihr habt mich ja auch einmahl junger Aar genannt) eine Anzahl von Gedichten für deinen Musenallmanach, die, wie ich nicht zweifle, dir sehr willkommen seyn werden. – Von den aus dem spanischen übersetzten Romanzen kennt ihr schon eine, denke ich. Laßt sie nur alle drey hinter einander drucken; aber die vierte, wenn ich bitten darf, besonders, denn sie ist von meiner eignen Erfindung und sie möchte sonst auch für eine Übersetzung gehalten werden. Die Sonette nach dem Petrarca kennt ihr, das Lied an die Rhapsodin auch; ihr müßts mir sehr Dank wissen, daß ich euch das letzte gebe, denn es gehört zu den hübschesten Sachen, die ich je gemacht habe. – Was sagt ihr zu dem: An einen Aesthetiker? Der, welchen die Begrüßung gilt wird sich wohl darin erkennen, und es ist gut, daß er noch lebt, und daß meine Anrede ihm nicht in die Unterwelt nachreisen muß. Ich wollte, ihr stelltet das so etwan an die Spitze des Allmanachs, wo es ein wenig in die Augen fällt, wenn der Druck anders noch nicht angefangen ist. – Vielleicht schicke ich euch in einigen Wochen noch irgend etwas, denn ich weiß nicht wie es zugeht, ich habe hier wieder einen etwas poëtisirenden Kitzel gekriegt, und könnte ich nur mehr für mich seyn, so käme wohl manches zu Stande.
Laßt mich doch bald etwas von euch hören ‒ ich habe euch schon vor ziemlich langer Zeit eine Epistel geschrieben, und wünsche zu wissen, was ihr macht. Poëtisirt ihr gar nichts? – Und wie stehts in Ansehung der Akademie? – Habt ihr schon von Meyer eine Sendung für dem Allmanach bekommen, und sonst hübsche Sachen? – Seht ihr die Berlepschen? Und ist Göthe wirklich auf ihrem Landgute? – Schreibt mir und nur recht viel: so ein Brief ist euch eine kleine Mühe, und für mich, da ich so ganz von allen ehemahligen Bekanntschaften isolirt bin, eine große Herrlichkeit. – Ich werde auch gewiß immer schnell antworten – das Briefschreiben machʼ ich zu einem meiner Hauptgeschäfte, ob ich gleich so wenig Zeit dafür übrig behalte, und meine Sendung zeigt, daß ich euch nicht vergesse.
Seyd doch so gut, den inliegenden Brief zu besorgen – weil das Paquet an euch doch einmahl so dick war, dachte ich es käme auf eins. Gott befohlen und nächstens mehr.
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 411]/version-10-19/letters/view/496" data-language="">
Amsterdam, den 2. Jul. 91.
Der Herr thut seine milde Hand auf und speist die jungen Raben die ihn anrufen. Sieh hier, junger Rabe, (Ihr habt mich ja auch einmahl junger Aar genannt) eine Anzahl von Gedichten für deinen Musenallmanach, die, wie ich nicht zweifle, dir sehr willkommen seyn werden. – Von den aus dem spanischen übersetzten Romanzen kennt ihr schon eine, denke ich. Laßt sie nur alle drey hinter einander drucken; aber die vierte, wenn ich bitten darf, besonders, denn sie ist von meiner eignen Erfindung und sie möchte sonst auch für eine Übersetzung gehalten werden. Die Sonette nach dem Petrarca kennt ihr, das Lied an die Rhapsodin auch; ihr müßts mir sehr Dank wissen, daß ich euch das letzte gebe, denn es gehört zu den hübschesten Sachen, die ich je gemacht habe. – Was sagt ihr zu dem: An einen Aesthetiker? Der, welchen die Begrüßung gilt wird sich wohl darin erkennen, und es ist gut, daß er noch lebt, und daß meine Anrede ihm nicht in die Unterwelt nachreisen muß. Ich wollte, ihr stelltet das so etwan an die Spitze des Allmanachs, wo es ein wenig in die Augen fällt, wenn der Druck anders noch nicht angefangen ist. – Vielleicht schicke ich euch in einigen Wochen noch irgend etwas, denn ich weiß nicht wie es zugeht, ich habe hier wieder einen etwas poëtisirenden Kitzel gekriegt, und könnte ich nur mehr für mich seyn, so käme wohl manches zu Stande.
Laßt mich doch bald etwas von euch hören ‒ ich habe euch schon vor ziemlich langer Zeit eine Epistel geschrieben, und wünsche zu wissen, was ihr macht. Poëtisirt ihr gar nichts? – Und wie stehts in Ansehung der Akademie? – Habt ihr schon von Meyer eine Sendung für dem Allmanach bekommen, und sonst hübsche Sachen? – Seht ihr die Berlepschen? Und ist Göthe wirklich auf ihrem Landgute? – Schreibt mir und nur recht viel: so ein Brief ist euch eine kleine Mühe, und für mich, da ich so ganz von allen ehemahligen Bekanntschaften isolirt bin, eine große Herrlichkeit. – Ich werde auch gewiß immer schnell antworten – das Briefschreiben machʼ ich zu einem meiner Hauptgeschäfte, ob ich gleich so wenig Zeit dafür übrig behalte, und meine Sendung zeigt, daß ich euch nicht vergesse.
Seyd doch so gut, den inliegenden Brief zu besorgen – weil das Paquet an euch doch einmahl so dick war, dachte ich es käme auf eins. Gott befohlen und nächstens mehr.
×
×