• Johann Carl Fürchtegott Schlegel , Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: 17.10.1794
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johann Carl Fürchtegott Schlegel, Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 17.10.1794
  • Notations: Absende- und Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36881
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.29
  • Number of Pages: 8 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 24,4 x 17,6 cm
  • Incipit: „[1] Liebster Willhelm
    Es ist lange daß ich nicht an Dich geschrieben Habe, Ich Habe des Schreibens viel, da Carl bey [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
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[1] Liebster Willhelm
Es ist lange daß ich nicht an Dich geschrieben Habe, Ich Habe des Schreibens viel, da Carl bey nahe gar nicht schreibt an seine Geschwister, u da ich vergeßen bin, weiß ich immer nicht was ich schon geschrieben Habe. Da will ich aber künftig mir immer auf schreiben, Was u an Wen, ich an Jedes mal geschrieben Habe. Also wenn Du in diesem Briefe noch ein mal was auf getischt bekömmst, so must Du es nicht übel nehmen. Ich will meine Erzählung mit unserer Unpaßlichkeiten Anfangen, Jettchen ist nach der Hochzeit, 2 mal krank geweßen, das erste mal leicht, das zweytemal schlimmer, 14 Tage zu Bette, u ich bekamm auch so etwas der Art u war 10 Tage zu Bette. Ich hatte vom Bette aus alle Besorgungen, war krank, u gesunde. Zu dem Wurden unter der Zeit 6 Wagen gebackt u nach Moringen geschickt, Was auch alles recht gut abgegangen ist. Du kanst aber dencken daß es viel Last war u besonders vor mich auch fehlt es bey solchen Gelegenheiten nicht, an Verdruß, wie mir der unter der Zeit u nach Her Uhle viel verdruß gemacht Hat. Er ist ein grober Mann u handelt ohne überlegung. Der Erste verdruß kamm über das bauen her, die Leute wollten uns mit Steinen u Kalck tod schlagen ehe wir noch Heraus waren. Ich zog zu Jehanne heraus u Hätte bis Michael bleiben können Erstes Ernsts aber behielt ich mir das hinter hauß so lange vor, bis sie weg giengen, u Carl war in meiner Stube, und brachte vor Uhle die Registratur in Ortnung, u zu tische kamen sie zu mir, nach her behantel mich Uhle, wie eine Trötel Frau, u trügt u drückt mir alles ab. Leß u der Abt [2] Saalfeld Haben sich ganz anders betragen, gegen die Wittwen. Nun wieder zu meiner Erzählung. Ernsts Reisen, so bald sich Jettchen etwas erholt Hatt weg, etwa 10 Tage vor der Einführung. Ernsts Haben, die Ersten Tage bey den Erstenpretiger gewohnt, der ein freundschaftlicher u angenehmer Mann zu Umgange ist, so auch seine Frau, die Sachen Habe sie alle unversehrt an gekommen gefunden. Ich war anfangs nicht Willens diesen herbst nach Moringen zu reißen, die Kranckheiten u das ganze weßen hatte viel gekostet, u die Krankheit Hatte mich traurig gestimmt. Da ich mich wieder erholte kamm mir das Verlangen an, zu sehn wo meine Kinder geblieben wären, u Carl hatte auch eine Erholung nöthich wir reisten also, die Mitt Woche morgen ab, hatt einen guten Wagen u Kutscher, den Donstag mittags waren wir schon da. Da blieben wir Freytags Sonabend Sontags war die Einführung, die mir viel Freude machte Ernst Hielt eine schöne pretigt u seine Stimme ist vor diese kürche vollkommen stark genung Er erhielt auch Beyfall. Die Kürche ist nicht groß aber recht hübsch. Wir sind recht vergnügt zu rücke gekommen Erstlich Haben wir Ernsts recht gesund gefunden. Ernst nimmt zu, u das Vergnügen u Zufriedenheit sieht ihm aus den Augen, so auch Jettchen, u die Leutchen sind so verliebt in ein ander daß es eine Lust ist anzuschauen. Das Hauß ist zwar nicht groß, doch aber ganz artig u bequem, so daß die Tante Caroline recht gut bey Ihnen Wohnen kann sie wird bald Hinziehen, der Ort selbst ist reinlich u nach der Art gut gebaut, Ungang ist viel da, auf dem Amte welches Ernsts gegenüber [3] ist, ist ein Adlicher, der Oberhaubtmann von Ollershaußen die Dame ist sehr schön geweßen u ist es noch, ohngeachtet sie 5 erwachsene Töchter hat. Dieses haus ist vor die Moringer Leutchen von Ersten range, oder vor die die drauf genommen sind viel Werth, man kann da alle tage nach 5 Uhr Hin gehn Spielen oder nicht spielen, u dableibt man ohne gebethen u ohne Umstände zum abent Eßen, außer dem gäben diese auch oft große Fethen auch zu vielem wird gedantzt. Dann lebt noch ein Herr von Münch Hauße da. Dann die Herrn vom Rathe u der Schule, einige reiche u angesehne Kaufleute, ein Wundarzt, gelernte Bade mutter Appotecke nicht Weid von Moringen ein Geschickter Arzt. In Friedenszeiten viele Ofiziers. Also Umgang genung. Ernst Habe 2 kleine Gärten am Hauße einer da geht man aus einem Artige Cabinette mit Toppelter Glasthier, Hin ein, Dieses C. gränzt an die Wohnstube, vor der stett 2 ziemlich große Baum u Gemüße Gärtens. Nun ich hatte die Freude daß ich alles nach Wunsche fand was die Einnahme anlangt so wird sie das erste jahr schlecht seyn in dem Ernst nichts hat dies Jahr als Acitenzen, alle Fiexe einnahmen hat, der vorige noch gehoben. sonst meynt der andere Pretiger, auf 400 r. würde er es wohl brüngen. in deßen ist Ernst Hoffnung gemacht, besonders bey Abschiede von Arnswalt, daß er nicht lange dableiben solle. Die Wittbe Schlegeln Minchen in Zerbst ist vor unge[4]fehr 6 Wochen, an der Auszährung gestorben, sie hat dem Seeligen vater 250 r. vermacht, u der Tante Caroline 200 r. u nach der ihrem Tode soll 100 r. Lottchen u 100 r. Jettchen Haben. Ich danke Gott daß meine Last dadurch etwas verringert wird, es bleiben aber immer noch 350 r. Rest, die Ich auch noch gerade recht gut abtragen kann, wenn mich Fritz zufrieden läß, u wir den Feind nicht kriegen. Wo vor mir sehr Angst ist schreib mir doch was Du mir zu thun räthst, auf so eine Fall? ob ich bleibe? u was ich mit meinen Sach thue? u ob es nicht beßer wäre daß ich auf allen Nothfall was geld vorräthig hätte? u einige Posten zu bezahlen auch aufschöbe? Denn ich müste ja nothleiden, denn zu solchen Zeiten wird nichts aus gezahlt. Bester Wilhelm, gieb mir doch guten rath, mit Carl kann ich dergleichen nicht absprechen er läst sich nicht darauf ein. Sey doch aber ja Behutsamm zu solchen Zeit werden oft Briefe auf gemacht. Du schreibst daß wir Dir so wenig melden was Hier vor geht. izo höre ich wenig Carl u alle anderen Leute sprechen nicht gerne davon Welche Leute glauben, daß wir Hier sicher sind andere sind Angst. Wie der Vater noch lebte so war ich imm[er] von alle unterrichtet der sprach bey tische viel davon abe[r] Carl gar nicht, Es ist traurig ich könnte nun so ziemlich gut u ruhig leben, wenn diese Sorge nicht wäre, Ich gehe itzo alle Tage aus, u mein kleine Haußhalt beschafftiget mich sehr, weil ich es gern Orttenlich habe u ich schreibe viel an mei[ne] Kinder. Ich weiß nicht ob ich Dir schon von Rehbergs [5] geschrieben habe. vor ungefehr 6 Wochen reiste Rehberg mit seiner Schwester, zum Vergnügen, erst nach Gotting Goda Weimar Leipzig u zu letzt nach Dresden wo sie an Längsten geblieben sind, es hat ihnen da sehr gefallen u sie Haben auch gefallen, besonders Caroline daß der Herr von Ramdor auch in Dreßden geweßen Habe ich Dir wohl schon gemeldet, der hat sehr gefallen und Hat Adreßen gehabt, ist also in die Vornehmsten Gesellschafften gekommen, u besonders von Marckolini sehr gefeiert wurden. Caroline Rehberg, hat der Weile sie in Dreßden war, einen Vorschlag gehabt. Nehmlich, mit der Braunschweigischen Prinzeßin, als Gesellschaffterin u Vorleserin mit nach London zu gehn, die Princeßin Hat Caroline kännen lernen vor einiger Zeit in Braunschweig u so gesprochen da Hat sie ihr gefallen. Ebert ist der unter händler geweßn, er hat die Sache mit vieler Lebhaftigkeit u Feuer betrieben. Caroline hat Betingungen machn können, aber sie hat es abgelehnt, unter den Vorwande daß sie die Mutter nicht verlaßen könne. Es sind freylich immer gefehrliche Stellen. aber auf der anderen Seide auch reizent. Cruße schreibt mir. Daß nun eine Demoiselle Rosenzweig, welche bey der Tochter eines Rußischen Gesande, Herrn v. Aßeburg geweßen wär mit gieng u jährlich 1800 r. u beynahe alles frey [6] bekömme, u im Fall sie zurücke gieng nach einigen Jahren alle Jahr so lange die Prinzeßin lebte 600 r., daß hätte mich gereizt. Rehbergs Haben Ernsts gesund u wohl u gelücklich gefunden, von Fritze schreibt Rehberg daß er mit seinen Planen, u Arbeiten sehr zufrieden wäre, das hat mir viel Freude gemacht Gott helfe weider. Ich wünschte sehr daß Ihr beyde eine Gewiße Versorgung Hättet ehe ich aus der Welt gehe. kann es mein Gebeth von Gott erringen so geschied es. Und Dich liebster Wilhelm wird Gott auch darum segnen daß Du so ein guter Sohn bist. Rehbergs werden nun wohl estertags wieder kommen, da werde ich Dir gewiß alles melden was Dich intereßirt. Ich dencke mit Carls umständen wird es sich auch bald beßern. Miller liegt an der Waßersucht schlecht, es wird wahrscheinlich nicht lange Die Arbeit ist sohn der weile vertheilt. Carl wird als dann gewiß heyrathen, der Himmel gäbe daß er eine gute Wahl trift, er ist sehr eigen, u bey seiner geringen bekanntschafft fällt es schwer wegen der kleinen Erbschafft, müßen alle Erben unter schreiben daß wir das bischen geld Hier aus der Wittben Casse heben können. Es wird Dir also auch eine Vollmacht zu geschückt werden, Du würst so gut seyn u dieselbe unterschreiben u besieg[7]eln. u bald zurücke schücken. Ich muß Dich doch eines fragen, nehmlich warum Du Deine Briefe nicht franckirts Ich ver muthe daß es einen Irthum zum Grunde hat. Du kannst dencken daß ich deine Briefe gerne bezahle aber da Du sonst so wenig genau bist, so glaube ich daß es eine ursache Hat. oder glaubst du daß Deine Briefe so sicherer gehen, so will ich meine auch nicht franckiren, u Du Deine nicht. Schreib mir hier über Deine Gedancken. Wenn das Postgeld nicht so verzweifelt kostbar wäre so könnte ich Dir zu viele Briefe von Deinen Geschwistern mit schücken, wie ich es mit Lottchen u Jettchen mache, nach Dreßden gehen die briefe mit der Gesandschafft u Jettchen schreibt an Carl unter ConcisCuwert. Es fällt mir nichts eben mehr ein der Brief geht noch nicht weg fällt was vor so schreibe ich es Dir lebe wohl bester Sohn u schreibe mir recht oft itzo ist es Toppelt nöthig, aber Behutsamm.
Mutter Schlegel.
Vorläufig danke ich Dir herzlich für Deinen letzten freundschaftlichen Brief. Mit dem Schreiben mußt Du doch jezt etwas Geduld mit mir haben. Es bleibt mir den ganzen Tag über nicht leicht ein Augenblick für mich übrig. – Die ältere Frau von Papen ist jezt [8] sehr kranck, worunter die ganze Familie sehr leidet, und mich besorgt macht.
Wenn Du die 3 Vollmachten von Dresden erhälst, so kannst Du die über die BeneficialCassen Gelder aus dem Consistorio nur zurük behalten, weil diese Gelder nach ihrem Tode wegfallen, und mir die 2 andern Vollmachten überschicken.
JKF Schlegel
d. 17 Octb. 1794.
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[1] Liebster Willhelm
Es ist lange daß ich nicht an Dich geschrieben Habe, Ich Habe des Schreibens viel, da Carl bey nahe gar nicht schreibt an seine Geschwister, u da ich vergeßen bin, weiß ich immer nicht was ich schon geschrieben Habe. Da will ich aber künftig mir immer auf schreiben, Was u an Wen, ich an Jedes mal geschrieben Habe. Also wenn Du in diesem Briefe noch ein mal was auf getischt bekömmst, so must Du es nicht übel nehmen. Ich will meine Erzählung mit unserer Unpaßlichkeiten Anfangen, Jettchen ist nach der Hochzeit, 2 mal krank geweßen, das erste mal leicht, das zweytemal schlimmer, 14 Tage zu Bette, u ich bekamm auch so etwas der Art u war 10 Tage zu Bette. Ich hatte vom Bette aus alle Besorgungen, war krank, u gesunde. Zu dem Wurden unter der Zeit 6 Wagen gebackt u nach Moringen geschickt, Was auch alles recht gut abgegangen ist. Du kanst aber dencken daß es viel Last war u besonders vor mich auch fehlt es bey solchen Gelegenheiten nicht, an Verdruß, wie mir der unter der Zeit u nach Her Uhle viel verdruß gemacht Hat. Er ist ein grober Mann u handelt ohne überlegung. Der Erste verdruß kamm über das bauen her, die Leute wollten uns mit Steinen u Kalck tod schlagen ehe wir noch Heraus waren. Ich zog zu Jehanne heraus u Hätte bis Michael bleiben können Erstes Ernsts aber behielt ich mir das hinter hauß so lange vor, bis sie weg giengen, u Carl war in meiner Stube, und brachte vor Uhle die Registratur in Ortnung, u zu tische kamen sie zu mir, nach her behantel mich Uhle, wie eine Trötel Frau, u trügt u drückt mir alles ab. Leß u der Abt [2] Saalfeld Haben sich ganz anders betragen, gegen die Wittwen. Nun wieder zu meiner Erzählung. Ernsts Reisen, so bald sich Jettchen etwas erholt Hatt weg, etwa 10 Tage vor der Einführung. Ernsts Haben, die Ersten Tage bey den Erstenpretiger gewohnt, der ein freundschaftlicher u angenehmer Mann zu Umgange ist, so auch seine Frau, die Sachen Habe sie alle unversehrt an gekommen gefunden. Ich war anfangs nicht Willens diesen herbst nach Moringen zu reißen, die Kranckheiten u das ganze weßen hatte viel gekostet, u die Krankheit Hatte mich traurig gestimmt. Da ich mich wieder erholte kamm mir das Verlangen an, zu sehn wo meine Kinder geblieben wären, u Carl hatte auch eine Erholung nöthich wir reisten also, die Mitt Woche morgen ab, hatt einen guten Wagen u Kutscher, den Donstag mittags waren wir schon da. Da blieben wir Freytags Sonabend Sontags war die Einführung, die mir viel Freude machte Ernst Hielt eine schöne pretigt u seine Stimme ist vor diese kürche vollkommen stark genung Er erhielt auch Beyfall. Die Kürche ist nicht groß aber recht hübsch. Wir sind recht vergnügt zu rücke gekommen Erstlich Haben wir Ernsts recht gesund gefunden. Ernst nimmt zu, u das Vergnügen u Zufriedenheit sieht ihm aus den Augen, so auch Jettchen, u die Leutchen sind so verliebt in ein ander daß es eine Lust ist anzuschauen. Das Hauß ist zwar nicht groß, doch aber ganz artig u bequem, so daß die Tante Caroline recht gut bey Ihnen Wohnen kann sie wird bald Hinziehen, der Ort selbst ist reinlich u nach der Art gut gebaut, Ungang ist viel da, auf dem Amte welches Ernsts gegenüber [3] ist, ist ein Adlicher, der Oberhaubtmann von Ollershaußen die Dame ist sehr schön geweßen u ist es noch, ohngeachtet sie 5 erwachsene Töchter hat. Dieses haus ist vor die Moringer Leutchen von Ersten range, oder vor die die drauf genommen sind viel Werth, man kann da alle tage nach 5 Uhr Hin gehn Spielen oder nicht spielen, u dableibt man ohne gebethen u ohne Umstände zum abent Eßen, außer dem gäben diese auch oft große Fethen auch zu vielem wird gedantzt. Dann lebt noch ein Herr von Münch Hauße da. Dann die Herrn vom Rathe u der Schule, einige reiche u angesehne Kaufleute, ein Wundarzt, gelernte Bade mutter Appotecke nicht Weid von Moringen ein Geschickter Arzt. In Friedenszeiten viele Ofiziers. Also Umgang genung. Ernst Habe 2 kleine Gärten am Hauße einer da geht man aus einem Artige Cabinette mit Toppelter Glasthier, Hin ein, Dieses C. gränzt an die Wohnstube, vor der stett 2 ziemlich große Baum u Gemüße Gärtens. Nun ich hatte die Freude daß ich alles nach Wunsche fand was die Einnahme anlangt so wird sie das erste jahr schlecht seyn in dem Ernst nichts hat dies Jahr als Acitenzen, alle Fiexe einnahmen hat, der vorige noch gehoben. sonst meynt der andere Pretiger, auf 400 r. würde er es wohl brüngen. in deßen ist Ernst Hoffnung gemacht, besonders bey Abschiede von Arnswalt, daß er nicht lange dableiben solle. Die Wittbe Schlegeln Minchen in Zerbst ist vor unge[4]fehr 6 Wochen, an der Auszährung gestorben, sie hat dem Seeligen vater 250 r. vermacht, u der Tante Caroline 200 r. u nach der ihrem Tode soll 100 r. Lottchen u 100 r. Jettchen Haben. Ich danke Gott daß meine Last dadurch etwas verringert wird, es bleiben aber immer noch 350 r. Rest, die Ich auch noch gerade recht gut abtragen kann, wenn mich Fritz zufrieden läß, u wir den Feind nicht kriegen. Wo vor mir sehr Angst ist schreib mir doch was Du mir zu thun räthst, auf so eine Fall? ob ich bleibe? u was ich mit meinen Sach thue? u ob es nicht beßer wäre daß ich auf allen Nothfall was geld vorräthig hätte? u einige Posten zu bezahlen auch aufschöbe? Denn ich müste ja nothleiden, denn zu solchen Zeiten wird nichts aus gezahlt. Bester Wilhelm, gieb mir doch guten rath, mit Carl kann ich dergleichen nicht absprechen er läst sich nicht darauf ein. Sey doch aber ja Behutsamm zu solchen Zeit werden oft Briefe auf gemacht. Du schreibst daß wir Dir so wenig melden was Hier vor geht. izo höre ich wenig Carl u alle anderen Leute sprechen nicht gerne davon Welche Leute glauben, daß wir Hier sicher sind andere sind Angst. Wie der Vater noch lebte so war ich imm[er] von alle unterrichtet der sprach bey tische viel davon abe[r] Carl gar nicht, Es ist traurig ich könnte nun so ziemlich gut u ruhig leben, wenn diese Sorge nicht wäre, Ich gehe itzo alle Tage aus, u mein kleine Haußhalt beschafftiget mich sehr, weil ich es gern Orttenlich habe u ich schreibe viel an mei[ne] Kinder. Ich weiß nicht ob ich Dir schon von Rehbergs [5] geschrieben habe. vor ungefehr 6 Wochen reiste Rehberg mit seiner Schwester, zum Vergnügen, erst nach Gotting Goda Weimar Leipzig u zu letzt nach Dresden wo sie an Längsten geblieben sind, es hat ihnen da sehr gefallen u sie Haben auch gefallen, besonders Caroline daß der Herr von Ramdor auch in Dreßden geweßen Habe ich Dir wohl schon gemeldet, der hat sehr gefallen und Hat Adreßen gehabt, ist also in die Vornehmsten Gesellschafften gekommen, u besonders von Marckolini sehr gefeiert wurden. Caroline Rehberg, hat der Weile sie in Dreßden war, einen Vorschlag gehabt. Nehmlich, mit der Braunschweigischen Prinzeßin, als Gesellschaffterin u Vorleserin mit nach London zu gehn, die Princeßin Hat Caroline kännen lernen vor einiger Zeit in Braunschweig u so gesprochen da Hat sie ihr gefallen. Ebert ist der unter händler geweßn, er hat die Sache mit vieler Lebhaftigkeit u Feuer betrieben. Caroline hat Betingungen machn können, aber sie hat es abgelehnt, unter den Vorwande daß sie die Mutter nicht verlaßen könne. Es sind freylich immer gefehrliche Stellen. aber auf der anderen Seide auch reizent. Cruße schreibt mir. Daß nun eine Demoiselle Rosenzweig, welche bey der Tochter eines Rußischen Gesande, Herrn v. Aßeburg geweßen wär mit gieng u jährlich 1800 r. u beynahe alles frey [6] bekömme, u im Fall sie zurücke gieng nach einigen Jahren alle Jahr so lange die Prinzeßin lebte 600 r., daß hätte mich gereizt. Rehbergs Haben Ernsts gesund u wohl u gelücklich gefunden, von Fritze schreibt Rehberg daß er mit seinen Planen, u Arbeiten sehr zufrieden wäre, das hat mir viel Freude gemacht Gott helfe weider. Ich wünschte sehr daß Ihr beyde eine Gewiße Versorgung Hättet ehe ich aus der Welt gehe. kann es mein Gebeth von Gott erringen so geschied es. Und Dich liebster Wilhelm wird Gott auch darum segnen daß Du so ein guter Sohn bist. Rehbergs werden nun wohl estertags wieder kommen, da werde ich Dir gewiß alles melden was Dich intereßirt. Ich dencke mit Carls umständen wird es sich auch bald beßern. Miller liegt an der Waßersucht schlecht, es wird wahrscheinlich nicht lange Die Arbeit ist sohn der weile vertheilt. Carl wird als dann gewiß heyrathen, der Himmel gäbe daß er eine gute Wahl trift, er ist sehr eigen, u bey seiner geringen bekanntschafft fällt es schwer wegen der kleinen Erbschafft, müßen alle Erben unter schreiben daß wir das bischen geld Hier aus der Wittben Casse heben können. Es wird Dir also auch eine Vollmacht zu geschückt werden, Du würst so gut seyn u dieselbe unterschreiben u besieg[7]eln. u bald zurücke schücken. Ich muß Dich doch eines fragen, nehmlich warum Du Deine Briefe nicht franckirts Ich ver muthe daß es einen Irthum zum Grunde hat. Du kannst dencken daß ich deine Briefe gerne bezahle aber da Du sonst so wenig genau bist, so glaube ich daß es eine ursache Hat. oder glaubst du daß Deine Briefe so sicherer gehen, so will ich meine auch nicht franckiren, u Du Deine nicht. Schreib mir hier über Deine Gedancken. Wenn das Postgeld nicht so verzweifelt kostbar wäre so könnte ich Dir zu viele Briefe von Deinen Geschwistern mit schücken, wie ich es mit Lottchen u Jettchen mache, nach Dreßden gehen die briefe mit der Gesandschafft u Jettchen schreibt an Carl unter ConcisCuwert. Es fällt mir nichts eben mehr ein der Brief geht noch nicht weg fällt was vor so schreibe ich es Dir lebe wohl bester Sohn u schreibe mir recht oft itzo ist es Toppelt nöthig, aber Behutsamm.
Mutter Schlegel.
Vorläufig danke ich Dir herzlich für Deinen letzten freundschaftlichen Brief. Mit dem Schreiben mußt Du doch jezt etwas Geduld mit mir haben. Es bleibt mir den ganzen Tag über nicht leicht ein Augenblick für mich übrig. – Die ältere Frau von Papen ist jezt [8] sehr kranck, worunter die ganze Familie sehr leidet, und mich besorgt macht.
Wenn Du die 3 Vollmachten von Dresden erhälst, so kannst Du die über die BeneficialCassen Gelder aus dem Consistorio nur zurük behalten, weil diese Gelder nach ihrem Tode wegfallen, und mir die 2 andern Vollmachten überschicken.
JKF Schlegel
d. 17 Octb. 1794.
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