• Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Braunschweig · Date: [zwischen Januar und März 1796]
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Braunschweig
  • Date: [zwischen Januar und März 1796]
  • Notations: Datum sowie Absende- und Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36881
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.44
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 23,6 x 19,2 cm
  • Incipit: „[1] Liebster Willhelm.
    Ich habe lange nicht an Dich geschrieben, u ich glaube ich hatte dißmal keine große Lust dazu, weil [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 350]/version-10-19/letters/view/5672" data-language="">
[1] Liebster Willhelm.
Ich habe lange nicht an Dich geschrieben, u ich glaube ich hatte dißmal keine große Lust dazu, weil ich Dir sagen muß, daß aus meiner Reiße nach Braunschweig nichts wird. Den Willen habe ich wohl, aber das Vermögen nicht. Carl kann itzo nicht, erstlich wegen seiner Arbeit, den kann er auch die Kosten nicht daran wenden. Er hat den Garten den er bisher vermüthet gehabt hat, u der der zu der Stelle gehört, wer das Kürchen Vermögen verwaltet, selbst genommen, u nun läst er sich ein klein Ding hin bauen von einen Zimmer mit einen Camin, das kostet 100 r. das ist vor Carl viel geld, u also muß er alles andere spaaren. Du bester Willhelm sollst Dir auch nicht die gerüngsten unkosten mehr machen meinet wegen, bey Deiner Reiße. Ich habe ja mein ganzes in meinen Leben Übung in Versagen genung gehabt, daß ich es recht gut kann. Und wenn Deine u meine Wünsche gelängen, welches mir eine unaussprächliche Freude machen würde, so sollte mich nichts abhalten, Dich mit Deiner Caroline auch ein mal zu sehn. Melde mir doch Deinen Reiße Plan recht genau, Must Du Cappithal von Geld von Deinen Cappithal in Holland dazu auf nehmen? Meine Gesundheit ist leutlich, ich habe [2] ein 3 Wochen einen Fluß an Zähnen gehabt, bin aber doch dabey aus gegangen. So gar bin ich mit Carl u der ganzen Familie, zum zu sehn in einer beqvämen Loge auf der Maßcerate geweßen. Die Maßcerate war sehr Briliand. Es waren 30 Caracter Maßcen die Prinzen u adliche führten etwas an den Englisches Stücke Roßemunde auf, wovon man aber wegen der Mänge Leute wenig sahe als die prächtigen Kleider, u blitzenden Edelsteine. Gestern bin ich zum erstenmale u vielleicht zum letzten mal in der Commödige geweßen. Es gehört immer was außerortenliches dazu mich dazu zu bewegen, unser gewöhnlichen Actors reitzen mich eben nicht. Es haben einige mal 2 Fremde von Manheim, Herr und Madam Kochen mit gespielt, die haben großen Beyfall erhalten, u die beyden bekommen vor jede Vorstellung 50 r. Gestern wurden die Hage stoze von Iflanden auf geführt, wo den die beyden die Haubt Rollen hatten Es war eine entsetzliche Mänge Menschen darinnen Mit Moriz ist noch nichts entschieden, es ist aber itzo in unterhandlung, wobey ich [3] manche kleine unannehmlichkeit habe. Moritz verlangt zu viel, u das Concistorigen, thut zu wenig. So bald etwas gewißer ist solst Du es erfahren. Ich habe Dir vergeßen zu sagen daß wir gestern in der Comödige den Herrn Docktor Michaelis gesehn, u ein paar Worte gesprochen haben. Er fragte ob wir was nach Haarburg zu bestellen hätten, Deiner wurde nicht erwähnt. Die Stieglitzen, die eine große Bewunderern von Dir ist, so wohl als ihr Mann, hat mir den Schillerischen Mußen Almanach geschückt, weil was von Dir darinn ist, welches ich auch mit Vergnügen gelesen habe. Sollten die Leute nicht glauben es wäre Dein eigner Roman?
In Moringen so viel als ich weis sind sie wohl, Carl u seine Frau auch, auch von Lottchen habe ich Briefe, daß sie wohl sind. Dieser Winter ist nicht gesund, man fürchtet Krankheiten u viele halten deßwegen strenge Diät u genüßen viel Säuerliche speißen Sauerhanfer u Citeronen. Grüße Crußen von mir u lebe recht wohl, Es versteht sich daß Du allemal Deiner Freundin was Freundschaftliches von mir sagst. Mutter Schlegel.
[4] [leer]
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 432]/version-10-19/letters/view/5672" data-language="">
[1] Liebster Willhelm.
Ich habe lange nicht an Dich geschrieben, u ich glaube ich hatte dißmal keine große Lust dazu, weil ich Dir sagen muß, daß aus meiner Reiße nach Braunschweig nichts wird. Den Willen habe ich wohl, aber das Vermögen nicht. Carl kann itzo nicht, erstlich wegen seiner Arbeit, den kann er auch die Kosten nicht daran wenden. Er hat den Garten den er bisher vermüthet gehabt hat, u der der zu der Stelle gehört, wer das Kürchen Vermögen verwaltet, selbst genommen, u nun läst er sich ein klein Ding hin bauen von einen Zimmer mit einen Camin, das kostet 100 r. das ist vor Carl viel geld, u also muß er alles andere spaaren. Du bester Willhelm sollst Dir auch nicht die gerüngsten unkosten mehr machen meinet wegen, bey Deiner Reiße. Ich habe ja mein ganzes in meinen Leben Übung in Versagen genung gehabt, daß ich es recht gut kann. Und wenn Deine u meine Wünsche gelängen, welches mir eine unaussprächliche Freude machen würde, so sollte mich nichts abhalten, Dich mit Deiner Caroline auch ein mal zu sehn. Melde mir doch Deinen Reiße Plan recht genau, Must Du Cappithal von Geld von Deinen Cappithal in Holland dazu auf nehmen? Meine Gesundheit ist leutlich, ich habe [2] ein 3 Wochen einen Fluß an Zähnen gehabt, bin aber doch dabey aus gegangen. So gar bin ich mit Carl u der ganzen Familie, zum zu sehn in einer beqvämen Loge auf der Maßcerate geweßen. Die Maßcerate war sehr Briliand. Es waren 30 Caracter Maßcen die Prinzen u adliche führten etwas an den Englisches Stücke Roßemunde auf, wovon man aber wegen der Mänge Leute wenig sahe als die prächtigen Kleider, u blitzenden Edelsteine. Gestern bin ich zum erstenmale u vielleicht zum letzten mal in der Commödige geweßen. Es gehört immer was außerortenliches dazu mich dazu zu bewegen, unser gewöhnlichen Actors reitzen mich eben nicht. Es haben einige mal 2 Fremde von Manheim, Herr und Madam Kochen mit gespielt, die haben großen Beyfall erhalten, u die beyden bekommen vor jede Vorstellung 50 r. Gestern wurden die Hage stoze von Iflanden auf geführt, wo den die beyden die Haubt Rollen hatten Es war eine entsetzliche Mänge Menschen darinnen Mit Moriz ist noch nichts entschieden, es ist aber itzo in unterhandlung, wobey ich [3] manche kleine unannehmlichkeit habe. Moritz verlangt zu viel, u das Concistorigen, thut zu wenig. So bald etwas gewißer ist solst Du es erfahren. Ich habe Dir vergeßen zu sagen daß wir gestern in der Comödige den Herrn Docktor Michaelis gesehn, u ein paar Worte gesprochen haben. Er fragte ob wir was nach Haarburg zu bestellen hätten, Deiner wurde nicht erwähnt. Die Stieglitzen, die eine große Bewunderern von Dir ist, so wohl als ihr Mann, hat mir den Schillerischen Mußen Almanach geschückt, weil was von Dir darinn ist, welches ich auch mit Vergnügen gelesen habe. Sollten die Leute nicht glauben es wäre Dein eigner Roman?
In Moringen so viel als ich weis sind sie wohl, Carl u seine Frau auch, auch von Lottchen habe ich Briefe, daß sie wohl sind. Dieser Winter ist nicht gesund, man fürchtet Krankheiten u viele halten deßwegen strenge Diät u genüßen viel Säuerliche speißen Sauerhanfer u Citeronen. Grüße Crußen von mir u lebe recht wohl, Es versteht sich daß Du allemal Deiner Freundin was Freundschaftliches von mir sagst. Mutter Schlegel.
[4] [leer]
×