• Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Coppet · Date: 01.02.1810
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Coppet
  • Date: 01.02.1810
  • Notations: Absende- und Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36881
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.63
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 23 x 19,3 cm
  • Incipit: „[1] den 1 ten Februar
    1810.
    Mein lieber bester Willhelm
    Dein letzter Brief war den 20 ten November geschrieben, Ich bekam selbigen ohn [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
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[1] den 1 ten Februar
1810.
Mein lieber bester Willhelm
Dein letzter Brief war den 20 ten November geschrieben, Ich bekam selbigen ohn gefehr zu anfange des Decembers. Du schriebst der Wechsel wirde ohngefehr 14 Tage darauf kommen, daß ist nicht geschähn, ich habe selbigen vor kurtzen bekommen. Das thut auch nichts, ich richte mich immer so ein, daß ich nicht in verlegenheit komme. nur bin ich bey meiner ängstlichkeit besorgt, daß der Wechsel verlohren gegangen seyn könnte. Ich danke Dir recht hertzlich mein sehr geliebter Sohn. Gott wird Dich gewiß davor seegnen, daß Du Deiner alten Mutter ihre letzten Jahre erleichterst. Das Hohe Alter tauch nicht, daß führt viele Betürfnüße mehr herbey. Gehn kann ich nur noch kurtze Wege, das Tragen ist auch kostbar, u bitte ich wem zu mir, kostest es Thee. und gleichwohl ist es ein Groß Bedürfnüß vor mich, daß ich meist alle tage, eine oder ein paar Freundin gegen abent sehe, ich werde sonst gar zu traurig gestimmt, besonders bey den Traurigen Zeiten, wo man immer in Furcht lebt, was noch werden wird. Ist ein mal ein Funken Hofnung der verschwindet gleich wieder. Meine Gesundheit ist nach meinen Hohen alter noch ziemlich gut, aber ich thue auch allles davor und nehme mich in allen Stücken sehr in Acht, ich leite mehr an Gemüthe, als an Körper, mein lebhafter Geist ist mir itzo sehr zur Last. Keine bestimmte Arbeiten ich lese wohl, habe aber auch nicht immer was, u lange greift es mich an, auch ist mein Gedächniß sehr schwach [2] ich vergeße gleich alles wieder, u daß macht mich traurig. Auch fehlt es mir an der Erziehung u Vorkenntnißen so verstehe ich nicht alles, u daß macht mich traurig. sonst sind lese Gesellschafften genung hier, auch Bücher ver lehner. Geld kann ich auch nicht daran wenden. Ich paße mich überhaubt nicht mehr in die Welt, alles spielt itzo, ich gar nicht. Ich habe freylich ein Anzahl Freundinnen die nicht spielen, aber meine Bekanntschafft schmiltzt sehr, zusammen da die meisten auch alt sind sind so stirbt einer nach dem andern dahin. Seit einem Jahr habe ich 2 Freundin verlohren, die mir sehr werth waren u mir nahe wohnten. Mit der Auszahlung der Pansion geräth es wieder ins steken. ans Rikständige wird gar nicht gedacht. aber einige Monathe vor wärts happert auch wieder. Zucker, Caffee, Wein ist unbeschreiblich theuer. Wein trüncke ich gar nicht, ein Troppen Liquer aufs Eßen. Carl wird mit schreiben, u wird Dir von sich u seiner Frau alles selbst sagen. Von Dreßden habe ich sehr angenehme Briefe. Da scheints ja alles wiedr herlich u in Freuden zu gehn, Gott gäbe auf lange, u daß der gute Ernst nicht wieder mit nach Pollen muß. In Götting gehts auch so ziemlich, der Sohn ist itzo vor erst Haußlehrer einige Meilen von Götting Hanover verschiedener Uhrsachen wegen. die Älteste Tochter soll ein trefliches Talendvolles Mädchen seyn. Auch in Langenhagen [3] Leben sie auch stille ruhig u zufrieden, er leitet oft an Kopf weh, ist schwählich, doch ist nichts zu besorgen. Sage mir doch in aller Welt? Was heist das? Daß Friedrich gar nicht schreibt. Ich solle Meynen wenn es ihm gut gienge, so hätte er doch ein Trieb es mir u den Geschwister mit zu theilen. Es heist, u hat auch in Zeitung gestanden das er Hofsecretär geworden ist. In Zeitung habe ich gelesen, daß es wieder so sehr Theuer in Wien ist, auch habe sie einige erschiderung von Erdböben verspiert, Gott verhüte doch so ein Unglick. Es freut mich sehr daß es Dir Freude gemacht hat, daß ich mich meines Mädchens Schwester angenommen habe. Ich bin auch recht gelüklich da mit, mit einiger Beyhülfe vollende ich meinen Plan recht gut. Oster wird sie Confirmirt, als den werden die guten sie Leute wo ich sie in Kost gegäben habe, sie als Kind bey sich behalten, u ich brauche ihr nichts mehr zu gäben. das Mädchen hat viel Verstand, u ist hübsch es war also Toppelt gut, daß sie bey gute Leute gekommen ist. Daß ist aber nicht der Fall daß es auf mein Mädchen gute Wirkung gehabt hätte. Ich kann mein Mädchen nicht eben loben. Sie hat keinen groben Laster an sich. Sie ist treu u nicht liederlich [4] aber so eigensinig u Launig, daß sie mir oft Verdruß macht. Will ich ändern, so wird es mir sehr wieder rathen, weil die Sittenloßigkeit sehr Arg ist. also stimpere ich mich so hin mit ihr. u denke ich lerne mehr Geduld, u gelaßenheit. Meine Freuden in dieser Welt sind noch wenn ich Leuten dienen kann, durch Vorsprache u Bemühung, u daß gelükt mir so ziemlich, auch so gar meines Gleichen. manche Leute haben die Gabe nicht sich um was zu bewerben. Mein gröstes Leiten ist wenn ich keine Briefe von meine lieben Kinder bekomme. Nun wenn es möglich ist so gieb mir doch Nachricht von Dir, u Friedrich der unartige, wenn er wüste was ich litte wenn ich gar nichts höre. Nun lieber Willhelm ich entfehle Dich den Schutze u Liebe Gottes
Mutter Schlegel
noch muß ich Dir sagen, ich habe die Briefe gelesen, die Reichhart geschrieben auf der Reiße verschiedener Stätte besonders über Wien da hat er Friedrich u seine Wakere Frau, wie er sich ausdrückt in wohlstande heiter u vergnügt gesehn. Reichhart giebt Friedrich ein großes Lob, von Seiden seines Kopfs u Arbeiten, daß hat mir große Freude gemacht.
[1] beantw. d. 9 Mai
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[1] den 1 ten Februar
1810.
Mein lieber bester Willhelm
Dein letzter Brief war den 20 ten November geschrieben, Ich bekam selbigen ohn gefehr zu anfange des Decembers. Du schriebst der Wechsel wirde ohngefehr 14 Tage darauf kommen, daß ist nicht geschähn, ich habe selbigen vor kurtzen bekommen. Das thut auch nichts, ich richte mich immer so ein, daß ich nicht in verlegenheit komme. nur bin ich bey meiner ängstlichkeit besorgt, daß der Wechsel verlohren gegangen seyn könnte. Ich danke Dir recht hertzlich mein sehr geliebter Sohn. Gott wird Dich gewiß davor seegnen, daß Du Deiner alten Mutter ihre letzten Jahre erleichterst. Das Hohe Alter tauch nicht, daß führt viele Betürfnüße mehr herbey. Gehn kann ich nur noch kurtze Wege, das Tragen ist auch kostbar, u bitte ich wem zu mir, kostest es Thee. und gleichwohl ist es ein Groß Bedürfnüß vor mich, daß ich meist alle tage, eine oder ein paar Freundin gegen abent sehe, ich werde sonst gar zu traurig gestimmt, besonders bey den Traurigen Zeiten, wo man immer in Furcht lebt, was noch werden wird. Ist ein mal ein Funken Hofnung der verschwindet gleich wieder. Meine Gesundheit ist nach meinen Hohen alter noch ziemlich gut, aber ich thue auch allles davor und nehme mich in allen Stücken sehr in Acht, ich leite mehr an Gemüthe, als an Körper, mein lebhafter Geist ist mir itzo sehr zur Last. Keine bestimmte Arbeiten ich lese wohl, habe aber auch nicht immer was, u lange greift es mich an, auch ist mein Gedächniß sehr schwach [2] ich vergeße gleich alles wieder, u daß macht mich traurig. Auch fehlt es mir an der Erziehung u Vorkenntnißen so verstehe ich nicht alles, u daß macht mich traurig. sonst sind lese Gesellschafften genung hier, auch Bücher ver lehner. Geld kann ich auch nicht daran wenden. Ich paße mich überhaubt nicht mehr in die Welt, alles spielt itzo, ich gar nicht. Ich habe freylich ein Anzahl Freundinnen die nicht spielen, aber meine Bekanntschafft schmiltzt sehr, zusammen da die meisten auch alt sind sind so stirbt einer nach dem andern dahin. Seit einem Jahr habe ich 2 Freundin verlohren, die mir sehr werth waren u mir nahe wohnten. Mit der Auszahlung der Pansion geräth es wieder ins steken. ans Rikständige wird gar nicht gedacht. aber einige Monathe vor wärts happert auch wieder. Zucker, Caffee, Wein ist unbeschreiblich theuer. Wein trüncke ich gar nicht, ein Troppen Liquer aufs Eßen. Carl wird mit schreiben, u wird Dir von sich u seiner Frau alles selbst sagen. Von Dreßden habe ich sehr angenehme Briefe. Da scheints ja alles wiedr herlich u in Freuden zu gehn, Gott gäbe auf lange, u daß der gute Ernst nicht wieder mit nach Pollen muß. In Götting gehts auch so ziemlich, der Sohn ist itzo vor erst Haußlehrer einige Meilen von Götting Hanover verschiedener Uhrsachen wegen. die Älteste Tochter soll ein trefliches Talendvolles Mädchen seyn. Auch in Langenhagen [3] Leben sie auch stille ruhig u zufrieden, er leitet oft an Kopf weh, ist schwählich, doch ist nichts zu besorgen. Sage mir doch in aller Welt? Was heist das? Daß Friedrich gar nicht schreibt. Ich solle Meynen wenn es ihm gut gienge, so hätte er doch ein Trieb es mir u den Geschwister mit zu theilen. Es heist, u hat auch in Zeitung gestanden das er Hofsecretär geworden ist. In Zeitung habe ich gelesen, daß es wieder so sehr Theuer in Wien ist, auch habe sie einige erschiderung von Erdböben verspiert, Gott verhüte doch so ein Unglick. Es freut mich sehr daß es Dir Freude gemacht hat, daß ich mich meines Mädchens Schwester angenommen habe. Ich bin auch recht gelüklich da mit, mit einiger Beyhülfe vollende ich meinen Plan recht gut. Oster wird sie Confirmirt, als den werden die guten sie Leute wo ich sie in Kost gegäben habe, sie als Kind bey sich behalten, u ich brauche ihr nichts mehr zu gäben. das Mädchen hat viel Verstand, u ist hübsch es war also Toppelt gut, daß sie bey gute Leute gekommen ist. Daß ist aber nicht der Fall daß es auf mein Mädchen gute Wirkung gehabt hätte. Ich kann mein Mädchen nicht eben loben. Sie hat keinen groben Laster an sich. Sie ist treu u nicht liederlich [4] aber so eigensinig u Launig, daß sie mir oft Verdruß macht. Will ich ändern, so wird es mir sehr wieder rathen, weil die Sittenloßigkeit sehr Arg ist. also stimpere ich mich so hin mit ihr. u denke ich lerne mehr Geduld, u gelaßenheit. Meine Freuden in dieser Welt sind noch wenn ich Leuten dienen kann, durch Vorsprache u Bemühung, u daß gelükt mir so ziemlich, auch so gar meines Gleichen. manche Leute haben die Gabe nicht sich um was zu bewerben. Mein gröstes Leiten ist wenn ich keine Briefe von meine lieben Kinder bekomme. Nun wenn es möglich ist so gieb mir doch Nachricht von Dir, u Friedrich der unartige, wenn er wüste was ich litte wenn ich gar nichts höre. Nun lieber Willhelm ich entfehle Dich den Schutze u Liebe Gottes
Mutter Schlegel
noch muß ich Dir sagen, ich habe die Briefe gelesen, die Reichhart geschrieben auf der Reiße verschiedener Stätte besonders über Wien da hat er Friedrich u seine Wakere Frau, wie er sich ausdrückt in wohlstande heiter u vergnügt gesehn. Reichhart giebt Friedrich ein großes Lob, von Seiden seines Kopfs u Arbeiten, daß hat mir große Freude gemacht.
[1] beantw. d. 9 Mai
· Beiliegender Brief von/an A.W. Schlegel , 04.02.1810
· Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
· Mscr.Dresd.App.2712,B,18,56
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