• Christian Friedrich Tieck to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Altorf · Place of Destination: Coppet · Date: [7. Mai] 1812
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Christian Friedrich Tieck
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Altorf
  • Place of Destination: Coppet
  • Date: [7. Mai] 1812
  • Notations: Datum (Tag und Monat) erschlossen. – Datierung: Im Jahr 1812 fiel Christi Himmelfahrt auf den 7. Mai.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36934
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.28,Nr.12
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U. u. Adresse
  • Format: 24,9 x 17,5 cm
  • Incipit: „[1] Altorf den, Himmelfarthstag. 1812.
    Bis hieher bin ich glüklich gekommen geliebter Freund ud Bruder, ich habe das angenehmste Wetter gehabt [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
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[1] Altorf den, Himmelfarthstag. 1812.
Bis hieher bin ich glüklich gekommen geliebter Freund ud Bruder, ich habe das angenehmste Wetter gehabt von der Welt, ein Stük von der Schweitz gesehen das ich schon lange zu sehen gewünscht habe, und habe meinen Gewissen in Rüksicht des Bruder Klaus genüge gethan, und wirklich die recht feste Ueberzeugung gewonnen über die Aechtheit des Portraits, da die Nachkommen noch denselben alten Kopf ähnlich sehen, vielmehr als die KaiserFamilie dem Rudolf. ja ihre Gestalt selbst, groß u Mager trift ja mit jener zusammen, Der Brief des Landammann Heer hatt mir bei dem LandAmman von Flue gute Dienste gethan. Heut habe ich die Angenehmste Fahrt über den Luzerner See gemacht, u meine Ausgaben bis hieher sind im Verhältniß der Zeit sehr gering, blos Luzern wo ich meine Sachen abhohlen, ud eine Nacht da zubringen muste hatt mir mehr wie billig gekostet. Von hier aus geth es mir aber vielleicht nicht so guth, Mein Paket mit Sachen ist zu schwer um es selbst zu tragen, ud mit der Post kann ich es hier nicht schicken, ich muß es also mit einem Säumer schicken, wo ich es nun nicht eher als Dienstag Abend in Bolenzano habe; Ich muß mich also auf den Weeg dahin so lange aufhalten, oder einen Manne mit mir nehmen, da ich dann wahrscheinlich beinahe einen Carolin dafür bezahlen müste dazu kann ich mich nicht entschliessen, um einen Tag früher da zu sein, da nemlich die Säumer am Sonntag still liegen ud mich so versäumen, nur fürchte ich das mir nun die Reise bis Mailand mehr kostet als ich wollte, ich hatte gemeint mit 3 Carolin hinzukommen. So wird es aber wohl nicht gehen. Mit grosser Begierde sehe ich Nachricht von dir in Mayland entgegen, wie du dich befindest, da du nach deinem lezten Briefe noch immer nicht wohl waresst, leid thut es mir das ich dahin nicht auch Nachrichten von M. erhalten kann, welche mir klich sehr betrübt schien, ich will ihr auch schreiben, oder vielmehr ich muß solches [2] thun da auch H. mich dazu aufgefodert hatt. Auch der Schwester odr vielmehr dem Vater soll ich schreiben wie er ausdrüklich von mir gefodert hatt. Es ist mir rührend gewesen das der alte Mann so viel Interesse an mir genommen hatt, ich wollte ich könnte das auf dich übertragen, das du nicht erst nöthig hättest noch näher mit ihm bekannt zu werden, da du zufällig ihn so wenig gesehn hast, und das könnte dir doch beim Auffenthalt in Interlaken bequem sein. Nach dem wie du mir einmahl darüber schriebst schien dir dieser Auffenthalt noch nicht ganz gewiß zu sein von deiner Seite, ich habe aber M, die solchen als ganz gewiß immer annahm, nicht gewagt so etwas zu sagen, weil sie in den Gedanken dich dort wieder zu sehen sich zu beglükt fühlt. Da ich mich ein paar Stunden dort aufhalten muste habe ich mir das Haus wo sie wohnen soll angesehen, so wie die Spaziergänge die wohl schön sind wenn alles grünt, wie sehr ist die alte Lust wieder rege geworden in der Schweiz einen Sommer mit meiner Schwester zubringen zu können, ruinirt der Krieg nicht alles so muß es auch bald geschehen. Wie glüklich könnte es den nächsten Sommer sein, aber dazu ist für mich wenigstens gar keine Aussicht. Indem ich eben nach Thun abgieng so bekam ich einen Brief von Boisseret, als Antwort auf den Meinigen aber der Mann weiß auch nicht mehr als ich. Ueber Triefels hatt er noch nichts erfahren können, Er schikt mir eine Durchzeichung mit von einem Bilde aus des Jovius Werk, wovon ich jezt ganz überzeugt bin das das was du in Zürich sahest nur der zweite Theil war, aber diser Kopf war mir längst bekannt, ud hilft mir zu gar nichts, da man das Bild nur ansehen durfte um zu sehen das es nicht aus Friedrich des ersten Zeit her sein kann. Ich fürchte sehr der Mann geth auch nicht sonderlich gründlich zu Werk. Er schreibt mir auch unter andern das Schelling von ihm für den Kronprinzen einen Abguß des Gellenhauser Kopfes, nemlich ein Kragstein, den das Volk Fr: d. I. nennt, und in welchem der Beschreibungen nach auch hundeshagen ähnlichkeit finden will, von ihm verlangt. Aber schon die Bestimmung dises Kopfes zum Träger solte [3] [i]m Pallast des Kaisers das Gegentheil beweisen, wenn nicht auch der Bart, der sich in zwei Würsten theilt, und in einen HundeKopf auf der einen Seite, auf der andern einen Kinderkopf endigt, jeden Gedanken daran zerstören müßte. Doch freut mich sehr eine Notiz von ihm das nehmlich ein Bildniß Friedrichs an einem Thor zu Mayland sein soll welches Fiorillo erwähnt, dis werde ich ja nun sehen. Da du dis Blatt am Montag erhälst, so kann ich fast mit Gewißheit drauf rechnen von dir noch eine Antwort hirauf nach Mayland zu erhalten, doch will ich sehr wünschen das ich nicht nöthig habe mich dort aufzuhalten.
Die Polizei in Bern hatt mir keinen neuen Paß geben wollen weil die Preussische Charge dʼAffaire noch immer in der Schweiz ist, obgleich er in Neuschatel wohnt, und so that es mir sehr leid das dʼOlri nicht in Bern war, vielleicht hätte er mir einen andern gegeben. Nun kann es mir einige Schwierigkeit machen in Mayland.
Verzeih das ich dir so undeutlich wieder schreibe, aber ich leide an sehr heftigen Kopfschmerzen die mich sehr betrüben, ud doch kann ich mich nicht überwinden nicht dise Zeit hier damit hinzubringen, denn auf dem ganzen Weege bis hieher, bist du ud M. mehr meine Gedanken gewesen, als ich selbst, unaufhörlich denke ich daran wie es wohl möglich wäre ein Verhältniß aufzulösen was so unglüklich ist um ein andres knüpfen zu können welches so viel Glük verspricht, aber leider habe ich keine Talent zur Intrigue, ud ist mit disem Menschen gerade seiner Inkonsequenz halber gar nichts anzufangen. So fragte er den Tag vor meiner Abreise endlich einmahl nach dem Bilde welches die Harmes erhalten hatt, u äußert den Wunsch es einmahl wieder zurükzufodern. Wie guth ist es nun vielleicht das wir es hingeschikt haben. Doch ehe ich mich dessen versehe ist das Blatt voll, lebe also wohl u behalte mich lieb, wie ich dir immer treu ergeben bleibe. Leb wohl mein Freund u Bruder.
Fr: T.
[4] A Monsieur
Monsieur le Professeur. A: W:
Schlegel.
a
Coppet.
Canton de Vaud.
par Lucern et Berne
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[1] Altorf den, Himmelfarthstag. 1812.
Bis hieher bin ich glüklich gekommen geliebter Freund ud Bruder, ich habe das angenehmste Wetter gehabt von der Welt, ein Stük von der Schweitz gesehen das ich schon lange zu sehen gewünscht habe, und habe meinen Gewissen in Rüksicht des Bruder Klaus genüge gethan, und wirklich die recht feste Ueberzeugung gewonnen über die Aechtheit des Portraits, da die Nachkommen noch denselben alten Kopf ähnlich sehen, vielmehr als die KaiserFamilie dem Rudolf. ja ihre Gestalt selbst, groß u Mager trift ja mit jener zusammen, Der Brief des Landammann Heer hatt mir bei dem LandAmman von Flue gute Dienste gethan. Heut habe ich die Angenehmste Fahrt über den Luzerner See gemacht, u meine Ausgaben bis hieher sind im Verhältniß der Zeit sehr gering, blos Luzern wo ich meine Sachen abhohlen, ud eine Nacht da zubringen muste hatt mir mehr wie billig gekostet. Von hier aus geth es mir aber vielleicht nicht so guth, Mein Paket mit Sachen ist zu schwer um es selbst zu tragen, ud mit der Post kann ich es hier nicht schicken, ich muß es also mit einem Säumer schicken, wo ich es nun nicht eher als Dienstag Abend in Bolenzano habe; Ich muß mich also auf den Weeg dahin so lange aufhalten, oder einen Manne mit mir nehmen, da ich dann wahrscheinlich beinahe einen Carolin dafür bezahlen müste dazu kann ich mich nicht entschliessen, um einen Tag früher da zu sein, da nemlich die Säumer am Sonntag still liegen ud mich so versäumen, nur fürchte ich das mir nun die Reise bis Mailand mehr kostet als ich wollte, ich hatte gemeint mit 3 Carolin hinzukommen. So wird es aber wohl nicht gehen. Mit grosser Begierde sehe ich Nachricht von dir in Mayland entgegen, wie du dich befindest, da du nach deinem lezten Briefe noch immer nicht wohl waresst, leid thut es mir das ich dahin nicht auch Nachrichten von M. erhalten kann, welche mir klich sehr betrübt schien, ich will ihr auch schreiben, oder vielmehr ich muß solches [2] thun da auch H. mich dazu aufgefodert hatt. Auch der Schwester odr vielmehr dem Vater soll ich schreiben wie er ausdrüklich von mir gefodert hatt. Es ist mir rührend gewesen das der alte Mann so viel Interesse an mir genommen hatt, ich wollte ich könnte das auf dich übertragen, das du nicht erst nöthig hättest noch näher mit ihm bekannt zu werden, da du zufällig ihn so wenig gesehn hast, und das könnte dir doch beim Auffenthalt in Interlaken bequem sein. Nach dem wie du mir einmahl darüber schriebst schien dir dieser Auffenthalt noch nicht ganz gewiß zu sein von deiner Seite, ich habe aber M, die solchen als ganz gewiß immer annahm, nicht gewagt so etwas zu sagen, weil sie in den Gedanken dich dort wieder zu sehen sich zu beglükt fühlt. Da ich mich ein paar Stunden dort aufhalten muste habe ich mir das Haus wo sie wohnen soll angesehen, so wie die Spaziergänge die wohl schön sind wenn alles grünt, wie sehr ist die alte Lust wieder rege geworden in der Schweiz einen Sommer mit meiner Schwester zubringen zu können, ruinirt der Krieg nicht alles so muß es auch bald geschehen. Wie glüklich könnte es den nächsten Sommer sein, aber dazu ist für mich wenigstens gar keine Aussicht. Indem ich eben nach Thun abgieng so bekam ich einen Brief von Boisseret, als Antwort auf den Meinigen aber der Mann weiß auch nicht mehr als ich. Ueber Triefels hatt er noch nichts erfahren können, Er schikt mir eine Durchzeichung mit von einem Bilde aus des Jovius Werk, wovon ich jezt ganz überzeugt bin das das was du in Zürich sahest nur der zweite Theil war, aber diser Kopf war mir längst bekannt, ud hilft mir zu gar nichts, da man das Bild nur ansehen durfte um zu sehen das es nicht aus Friedrich des ersten Zeit her sein kann. Ich fürchte sehr der Mann geth auch nicht sonderlich gründlich zu Werk. Er schreibt mir auch unter andern das Schelling von ihm für den Kronprinzen einen Abguß des Gellenhauser Kopfes, nemlich ein Kragstein, den das Volk Fr: d. I. nennt, und in welchem der Beschreibungen nach auch hundeshagen ähnlichkeit finden will, von ihm verlangt. Aber schon die Bestimmung dises Kopfes zum Träger solte [3] [i]m Pallast des Kaisers das Gegentheil beweisen, wenn nicht auch der Bart, der sich in zwei Würsten theilt, und in einen HundeKopf auf der einen Seite, auf der andern einen Kinderkopf endigt, jeden Gedanken daran zerstören müßte. Doch freut mich sehr eine Notiz von ihm das nehmlich ein Bildniß Friedrichs an einem Thor zu Mayland sein soll welches Fiorillo erwähnt, dis werde ich ja nun sehen. Da du dis Blatt am Montag erhälst, so kann ich fast mit Gewißheit drauf rechnen von dir noch eine Antwort hirauf nach Mayland zu erhalten, doch will ich sehr wünschen das ich nicht nöthig habe mich dort aufzuhalten.
Die Polizei in Bern hatt mir keinen neuen Paß geben wollen weil die Preussische Charge dʼAffaire noch immer in der Schweiz ist, obgleich er in Neuschatel wohnt, und so that es mir sehr leid das dʼOlri nicht in Bern war, vielleicht hätte er mir einen andern gegeben. Nun kann es mir einige Schwierigkeit machen in Mayland.
Verzeih das ich dir so undeutlich wieder schreibe, aber ich leide an sehr heftigen Kopfschmerzen die mich sehr betrüben, ud doch kann ich mich nicht überwinden nicht dise Zeit hier damit hinzubringen, denn auf dem ganzen Weege bis hieher, bist du ud M. mehr meine Gedanken gewesen, als ich selbst, unaufhörlich denke ich daran wie es wohl möglich wäre ein Verhältniß aufzulösen was so unglüklich ist um ein andres knüpfen zu können welches so viel Glük verspricht, aber leider habe ich keine Talent zur Intrigue, ud ist mit disem Menschen gerade seiner Inkonsequenz halber gar nichts anzufangen. So fragte er den Tag vor meiner Abreise endlich einmahl nach dem Bilde welches die Harmes erhalten hatt, u äußert den Wunsch es einmahl wieder zurükzufodern. Wie guth ist es nun vielleicht das wir es hingeschikt haben. Doch ehe ich mich dessen versehe ist das Blatt voll, lebe also wohl u behalte mich lieb, wie ich dir immer treu ergeben bleibe. Leb wohl mein Freund u Bruder.
Fr: T.
[4] A Monsieur
Monsieur le Professeur. A: W:
Schlegel.
a
Coppet.
Canton de Vaud.
par Lucern et Berne
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