• Christian Lassen to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Paris · Place of Destination: Bonn · Date: 07.11.1825
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Christian Lassen
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Paris
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 07.11.1825
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 370508637
  • Bibliography: Schlegel, August Wilhelm; Lassen, Christian: Briefwechsel. Hg. v. Willibald Kirfel. Bonn 1914, S. 163‒166.
  • Incipit: „[1] Paris den 7ten November 25.
    rue Snte Anne No. 31.
    Hochwohlgebohrner Herr Professor!
    Hochzuverehrender Herr Lehrer!
    Seitdem ich zuletzt die Ehre hatte, an Ewr. [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-34965
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.14,Nr.49
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U. u. Adresse
  • Format: 24,1 x 18,7 cm
    Language
  • German
[1] Paris den 7ten November 25.
rue Snte Anne No. 31.
Hochwohlgebohrner Herr Professor!
Hochzuverehrender Herr Lehrer!
Seitdem ich zuletzt die Ehre hatte, an Ewr. Hochwohlgebohren zu schreiben, habe ich mich bemüht, meine Vergleichungen aufs eifrigste fortzusetzen, und bin jetzt mit dem ersten Telinga Manuscript so gut wie fertig. Der Text dieses Manuscripts ist im Ganzen derselbe als der der commentirten Manuscripte; dieselbe Anzahl v. Capiteln, dieselbe Eintheilung, und dieselben Worte. Nur hie und da treten einzelne Verschiedenheiten in den Worten hervor; sie sind aber nicht häufig und meistens von der Classe von Varianten, die man die gleichgültigen nennen könnte; einige wenige Varianten sind diesem Manuscripte eigenthümlich und sie scheinen mir wohl beachtet werden zu müssen, um zu sehen, ob wir etwa hier eine eigenthümliche dritte Recension haben, etwa die des Kataka, wovon die übrigen Commentare oft sprechen und dessen Varianten sie oft angeben. Auf jeden Fall ist es gut die Beschaffenheit dieses Manuscripts zu kennen, weil man in der Folge die Vortheile der Pariser-Bibliotheken benutzen kann, um aus diesem Telinga-Manuscript, eine Abschrift zu nehmen, wonach man die übrigen commentirten Manuscripte vergleichen kann. Das zweite Telinga Manuscript ist geschrieben um nicht gelesen werden zu können; ich kenne selbst kein Telinga Manuscript, das [2] mit diesem an Unleserlichkeit wetteifern könnte; es würde ohne Zweifel zu viel Zeit erfordern, wenn man dieses Manuscript vollständig vergleichen wollte und es ist in der That auch nicht nöthig; so weit ich es jetzt untersucht habe, findet sich in diesem kaum eine Variante, die sich nicht in dem ersten auch vorfindet, und eine Vergleichung weniger Capitel wird dieses aus einander setzen können; ich werde die vier ersten Capitel, die Episode des rĭshyaṣrĭnga, die Schlußcapitel des ersten und den Anfang des zweiten nebst mehrern einzelnen Capitel des zweiten Buchs zu meiner Vergleichung wählen, und denke, daß die Vergleichung dieser Stellen hinreichend seyn wird, um die Beschaffenheit des Manuscripts zu zeigen. Bei der Menge von Manuscripten des Râmâyana muß man ohne Zweifel in der Folge drauf bedacht seyn, eine Auswahl zu treffen; und was Manuscripte aus den Dekhan betrifft, so werden sich vielleicht Manuscripte des Râmâyana in Halle finden, bei der Bibliothek der Evangelischen Mission; es sind wenigstens viele Manuscripte in Malibar. daselbst. Es kann Ewr. Hochwohlgebohren nicht schwer seyn, darüber Auskunft zu erhalten; vielleicht auch die Uebersendung der Manuscripte auszuwirken. Aus dem Gesagten geht hervor, daß ich wenigstens in der ersten Woche des Decembers werde reisefertig seyn können und, wenn Ewr. Hochwohlgebohren es erlauben, gleich die Reise [3] nach Bonn antreten. ‒
Ich hatte schon in der vorigen Woche bei Herrn Wurz angefragt, ob er die verlangten Bogen zum Lemaireʼschen Livius erhalten hätte; er hatte sie damahls noch nicht, hoffte sie aber noch zu erhalten, obwohl die Verleger Schwierigkeiten dabei machten. Ich hoffe ihn heute Abend in der Asiat. Gesellschaft zu sehen, und werde nicht vergessen, ihn zu ersuchen, die Sache so bald wie möglich in Ordnung zu bringen. Von Herrn Jacquet werden Ewr. Hochwohlgebohren ohne Zweifel schon eine Antwort erhalten haben, er versprach mir wenigstens persönlich, unverzüglich zu schreiben.
Wenn ich die Kosten der Rückreise auf 250 Fr. anschlug, so bemerkte ich, wenn ich mich nicht irre, daß sie ohne Zweifel nicht so viel betragen würden; ich bekenne, daß ich ohne alle Erfahrung der Entfernung und der wahrscheinlichen Kosten bin und wünsche daher, daß Ewr. Hochwohlgebohren es selbst bestimmen wollen. Bücher habe ich nur sehr wenige, aber desto mehr Abschriften, die viel Platz einnehmen und zum Theil sehr gewichtig sind. Wenn die Posten gehörig in einandergreifen, darf die ganze Reise nicht über drei Tage dauern.
Ich hätte Ewr. Hochwohlgebohren noch allerlei zu berichten, über allerhand Dinge, die hier vorgehen, und unter andern auch über einen neuen Zorn von Chézy, der zum Theil sich auch auf mich ausdehnt; ich will aber für jetzt Ewr. Hochwohlgebohren nicht mit dieser Geschichte behelligen, die ein großes Detail erfordern würde, um recht belustigend zu seyn.
Erlauben Sie mir, mich zu unterzeichnen,
Ewr. Hochwohlgebohren
hochachtungsvollster und dankbarster
Chr. Laßen.
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[1] Paris den 7ten November 25.
rue Snte Anne No. 31.
Hochwohlgebohrner Herr Professor!
Hochzuverehrender Herr Lehrer!
Seitdem ich zuletzt die Ehre hatte, an Ewr. Hochwohlgebohren zu schreiben, habe ich mich bemüht, meine Vergleichungen aufs eifrigste fortzusetzen, und bin jetzt mit dem ersten Telinga Manuscript so gut wie fertig. Der Text dieses Manuscripts ist im Ganzen derselbe als der der commentirten Manuscripte; dieselbe Anzahl v. Capiteln, dieselbe Eintheilung, und dieselben Worte. Nur hie und da treten einzelne Verschiedenheiten in den Worten hervor; sie sind aber nicht häufig und meistens von der Classe von Varianten, die man die gleichgültigen nennen könnte; einige wenige Varianten sind diesem Manuscripte eigenthümlich und sie scheinen mir wohl beachtet werden zu müssen, um zu sehen, ob wir etwa hier eine eigenthümliche dritte Recension haben, etwa die des Kataka, wovon die übrigen Commentare oft sprechen und dessen Varianten sie oft angeben. Auf jeden Fall ist es gut die Beschaffenheit dieses Manuscripts zu kennen, weil man in der Folge die Vortheile der Pariser-Bibliotheken benutzen kann, um aus diesem Telinga-Manuscript, eine Abschrift zu nehmen, wonach man die übrigen commentirten Manuscripte vergleichen kann. Das zweite Telinga Manuscript ist geschrieben um nicht gelesen werden zu können; ich kenne selbst kein Telinga Manuscript, das [2] mit diesem an Unleserlichkeit wetteifern könnte; es würde ohne Zweifel zu viel Zeit erfordern, wenn man dieses Manuscript vollständig vergleichen wollte und es ist in der That auch nicht nöthig; so weit ich es jetzt untersucht habe, findet sich in diesem kaum eine Variante, die sich nicht in dem ersten auch vorfindet, und eine Vergleichung weniger Capitel wird dieses aus einander setzen können; ich werde die vier ersten Capitel, die Episode des rĭshyaṣrĭnga, die Schlußcapitel des ersten und den Anfang des zweiten nebst mehrern einzelnen Capitel des zweiten Buchs zu meiner Vergleichung wählen, und denke, daß die Vergleichung dieser Stellen hinreichend seyn wird, um die Beschaffenheit des Manuscripts zu zeigen. Bei der Menge von Manuscripten des Râmâyana muß man ohne Zweifel in der Folge drauf bedacht seyn, eine Auswahl zu treffen; und was Manuscripte aus den Dekhan betrifft, so werden sich vielleicht Manuscripte des Râmâyana in Halle finden, bei der Bibliothek der Evangelischen Mission; es sind wenigstens viele Manuscripte in Malibar. daselbst. Es kann Ewr. Hochwohlgebohren nicht schwer seyn, darüber Auskunft zu erhalten; vielleicht auch die Uebersendung der Manuscripte auszuwirken. Aus dem Gesagten geht hervor, daß ich wenigstens in der ersten Woche des Decembers werde reisefertig seyn können und, wenn Ewr. Hochwohlgebohren es erlauben, gleich die Reise [3] nach Bonn antreten. ‒
Ich hatte schon in der vorigen Woche bei Herrn Wurz angefragt, ob er die verlangten Bogen zum Lemaireʼschen Livius erhalten hätte; er hatte sie damahls noch nicht, hoffte sie aber noch zu erhalten, obwohl die Verleger Schwierigkeiten dabei machten. Ich hoffe ihn heute Abend in der Asiat. Gesellschaft zu sehen, und werde nicht vergessen, ihn zu ersuchen, die Sache so bald wie möglich in Ordnung zu bringen. Von Herrn Jacquet werden Ewr. Hochwohlgebohren ohne Zweifel schon eine Antwort erhalten haben, er versprach mir wenigstens persönlich, unverzüglich zu schreiben.
Wenn ich die Kosten der Rückreise auf 250 Fr. anschlug, so bemerkte ich, wenn ich mich nicht irre, daß sie ohne Zweifel nicht so viel betragen würden; ich bekenne, daß ich ohne alle Erfahrung der Entfernung und der wahrscheinlichen Kosten bin und wünsche daher, daß Ewr. Hochwohlgebohren es selbst bestimmen wollen. Bücher habe ich nur sehr wenige, aber desto mehr Abschriften, die viel Platz einnehmen und zum Theil sehr gewichtig sind. Wenn die Posten gehörig in einandergreifen, darf die ganze Reise nicht über drei Tage dauern.
Ich hätte Ewr. Hochwohlgebohren noch allerlei zu berichten, über allerhand Dinge, die hier vorgehen, und unter andern auch über einen neuen Zorn von Chézy, der zum Theil sich auch auf mich ausdehnt; ich will aber für jetzt Ewr. Hochwohlgebohren nicht mit dieser Geschichte behelligen, die ein großes Detail erfordern würde, um recht belustigend zu seyn.
Erlauben Sie mir, mich zu unterzeichnen,
Ewr. Hochwohlgebohren
hochachtungsvollster und dankbarster
Chr. Laßen.
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