• Julie Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Chaumont-sur-Loire · Date: [Mai 1810]
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Julie Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Chaumont-sur-Loire
  • Date: [Mai 1810]
  • Notations: Datum sowie Absende- und Empfangsort erschlossen. – Datierung: Nach Erscheinen einer Rezension der Wiener Vorlesungen in der „Zeitung für die elegante Welt“ am 26. September 1809. Günther Heinrich von Berg ging 1810 nach Bückeburg, sein Sohn Karl von Berg wurde am 6. Mai 1810 geboren; vor dem Johannistag (24. Juni); Ernst Brandes starb am 13. Mai 1810; Schlegel war von Mai bis Juli 1810 in Chaumont.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-5
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,18,49
  • Number of Pages: 2 S., hs. m. U. Julie
  • Format: 18,8 x 11,4 cm
  • Incipit: „[1] Sie solten sehn theuerster Bruder! was es für ein Festtag für uns ist, wenn Briefe von Ihnen kommen. u [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
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[1] Sie solten sehn theuerster Bruder! was es für ein Festtag für uns ist, wenn Briefe von Ihnen kommen. u nun gar der letzte! der uns die Gewißheit gab, daß uns noch keine Meere trennen. auch für mich war wieder so ein freundliches Briefchen dabey, wofür ich Ihnen den herzlichsten Dannk sage. Da uns ja jedes von Ihnen intreßirt, so können Sie leicht dennken, wie viel Freude uns auch die schöne Beschreibung Ihrer nächsten Umgebungen macht. Die Lage des berühmten Schloßes worauf Sie jetzt leben, muß schön seyn; aber die jetzigen Bewohner desselben bedürfen doch nicht erst eines Charons um sie herrunter zu leiten? Der Hypochondrische Pape kann solche ängstlichkeiten bey der Beschreibung eines Schloßes auf einen Felsen haben, u seinen intimsten Freund auch so was in den Kopf bringen. Doch ich dennke Sie lachen laut bey dieser Frage. Damit Sie auch wißen wo wir sind, so sage ich Ihnen, daß wir auf unseren kleinen Garten wohnen, den lieblings Aufenthalt von uns allen. Ach! vieleicht nun zum letztenmahl! Die Entscheidung unseres Schicksahls rückt immer näher. den 1. July werden die Präfeckten anträten u vom 1t Aug. soll alles andere eingerichtet seyn. ich sage es mir täglich daß Karl die Einnahme nicht mehr haben wird, deren er sich bis jetzt zu erfreuen hatte, (er hat schon jetzt seine Besoldung nicht ausgezahlt erhalten.) aber es würde für uns beyde sehr schmerzlich seyn, von hier zu müßen, u daß vieleicht so bald! u nun dennken Sie sich die Mutter, wenn sie ihre einzige Stütze hier verliehren solte. Der Gedannke ist ihr so schmerzhaft daß wir sie auch nicht entfernt darauf vorbereiten können. noch haben wir freylich nicht alle Hoffnung hier zu bleiben aufgegeben, da K. der älteste beym Consistorium ist u alle Räthe einstimmig ihn ungern verliehren würden. einen schmerzhaften Verlust haben wir durch die Zeitumstände schon gehabt. der HofRath v. Berg, unser liebstes Haus, ist als Regierungs Präsident unter sehr vorteilhaften Bedingungen in Bückeburgische Dinste gegangen. wir sind nahe Verwante u mogten uns gegenseitig gern recht oft sehn. Die Frau geht in einigen Wochen nach. sie [2] ist in Wochen mit einen kl Jungen, den Karl seinen Nahmen gegeben hat. Dis Haus wird uns nicht leicht wieder ersetzt.
gegen Johanni will uns Moritz besuchen. da er allein kommt u auch ein Freund vom Garten ist, so dennke ich auf der Nachbarschaft ein Zimmer für ihn zu bekommen. wir freuen uns sehr auf den Besuch. müßen wir von hier, so wehre es für Karl noch in Göttingen am besten.
M. Rehberg läßt Ihnen für Ihr gütiges Andennken dannken. sie versichert Ihnen, daß sie Ihre Schriften mit dem größten Intreße u Vergnügen lese. auch bey ihren Mann hätten Sie die Lust zum Spanischen geweckt, welche Sprache er diesen Winter vorzüglich studirt habe. Rehberg hat sich neulich bey einer Gelegenheit welche ich hier nicht erzählen kann, vorzüglich freundschaftlich gegen Karl benommen. er ist jetzt sehr traurig über Brandes Todt, der sehr viel gelitten hat. man hat Waßer u einige Würmer in seinen Kopf gefunden. sein letztes Werk über den Geist der Zeit haben wir noch nicht lesen können. ich habe aber eine Recension in der Zeitung für die elegante Welt über Ihre Vorlesungen gelesen, die sehr vortheilhaft war, u auch nicht mit den kleinsten Tadel begleitet war. ich würde Ihnen gern alles das Sie von der Art zu haben wünschten, abschreiben, wenn ich nicht fürchtete daß es Ihnen zu viel Porto koßten würde. wie klein ich schreiben kann sehn Sie hierraus, denn K. hat mir nur dies halbe Blat vergönt.
Karl mögte wohl wenn er den Winter hier ist, Vorlesungen über den Code Napl lesen, wenn er nur die Zeit dazu gewinnen könnte.
Schreiben Sie uns doch recht bald wieder. gehn Sie noch nach A. so geben Sie uns ja noch kurz vor Ihrer Abreise Nachricht, u von dort so oft Sie es vermögen. nach Bremen weis ich, kommen selbst jetzt oft Nachrichten daher rigtig an. dann liebster Bruder habe ich noch eine Bitte. Bringen Sie mir aus diesen Lande ein Andennken mit. es bedarf nur einer kleinigkeit von Ihnen, mir dadurch eine große Freude zu machen. Ihr schönes Kreuz trage ich noch immer wenn ich mich recht schmücken will, u das Rosen Öhl habe ich noch fast alles.
Minna grüßt Sie bestens. leben Sie recht wohl. schenken Sie mir ferner Ihr brüderliches Andennken. ich bleibe Ihre Sie herzlich liebende treue Schwester Julie.
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[1] Sie solten sehn theuerster Bruder! was es für ein Festtag für uns ist, wenn Briefe von Ihnen kommen. u nun gar der letzte! der uns die Gewißheit gab, daß uns noch keine Meere trennen. auch für mich war wieder so ein freundliches Briefchen dabey, wofür ich Ihnen den herzlichsten Dannk sage. Da uns ja jedes von Ihnen intreßirt, so können Sie leicht dennken, wie viel Freude uns auch die schöne Beschreibung Ihrer nächsten Umgebungen macht. Die Lage des berühmten Schloßes worauf Sie jetzt leben, muß schön seyn; aber die jetzigen Bewohner desselben bedürfen doch nicht erst eines Charons um sie herrunter zu leiten? Der Hypochondrische Pape kann solche ängstlichkeiten bey der Beschreibung eines Schloßes auf einen Felsen haben, u seinen intimsten Freund auch so was in den Kopf bringen. Doch ich dennke Sie lachen laut bey dieser Frage. Damit Sie auch wißen wo wir sind, so sage ich Ihnen, daß wir auf unseren kleinen Garten wohnen, den lieblings Aufenthalt von uns allen. Ach! vieleicht nun zum letztenmahl! Die Entscheidung unseres Schicksahls rückt immer näher. den 1. July werden die Präfeckten anträten u vom 1t Aug. soll alles andere eingerichtet seyn. ich sage es mir täglich daß Karl die Einnahme nicht mehr haben wird, deren er sich bis jetzt zu erfreuen hatte, (er hat schon jetzt seine Besoldung nicht ausgezahlt erhalten.) aber es würde für uns beyde sehr schmerzlich seyn, von hier zu müßen, u daß vieleicht so bald! u nun dennken Sie sich die Mutter, wenn sie ihre einzige Stütze hier verliehren solte. Der Gedannke ist ihr so schmerzhaft daß wir sie auch nicht entfernt darauf vorbereiten können. noch haben wir freylich nicht alle Hoffnung hier zu bleiben aufgegeben, da K. der älteste beym Consistorium ist u alle Räthe einstimmig ihn ungern verliehren würden. einen schmerzhaften Verlust haben wir durch die Zeitumstände schon gehabt. der HofRath v. Berg, unser liebstes Haus, ist als Regierungs Präsident unter sehr vorteilhaften Bedingungen in Bückeburgische Dinste gegangen. wir sind nahe Verwante u mogten uns gegenseitig gern recht oft sehn. Die Frau geht in einigen Wochen nach. sie [2] ist in Wochen mit einen kl Jungen, den Karl seinen Nahmen gegeben hat. Dis Haus wird uns nicht leicht wieder ersetzt.
gegen Johanni will uns Moritz besuchen. da er allein kommt u auch ein Freund vom Garten ist, so dennke ich auf der Nachbarschaft ein Zimmer für ihn zu bekommen. wir freuen uns sehr auf den Besuch. müßen wir von hier, so wehre es für Karl noch in Göttingen am besten.
M. Rehberg läßt Ihnen für Ihr gütiges Andennken dannken. sie versichert Ihnen, daß sie Ihre Schriften mit dem größten Intreße u Vergnügen lese. auch bey ihren Mann hätten Sie die Lust zum Spanischen geweckt, welche Sprache er diesen Winter vorzüglich studirt habe. Rehberg hat sich neulich bey einer Gelegenheit welche ich hier nicht erzählen kann, vorzüglich freundschaftlich gegen Karl benommen. er ist jetzt sehr traurig über Brandes Todt, der sehr viel gelitten hat. man hat Waßer u einige Würmer in seinen Kopf gefunden. sein letztes Werk über den Geist der Zeit haben wir noch nicht lesen können. ich habe aber eine Recension in der Zeitung für die elegante Welt über Ihre Vorlesungen gelesen, die sehr vortheilhaft war, u auch nicht mit den kleinsten Tadel begleitet war. ich würde Ihnen gern alles das Sie von der Art zu haben wünschten, abschreiben, wenn ich nicht fürchtete daß es Ihnen zu viel Porto koßten würde. wie klein ich schreiben kann sehn Sie hierraus, denn K. hat mir nur dies halbe Blat vergönt.
Karl mögte wohl wenn er den Winter hier ist, Vorlesungen über den Code Napl lesen, wenn er nur die Zeit dazu gewinnen könnte.
Schreiben Sie uns doch recht bald wieder. gehn Sie noch nach A. so geben Sie uns ja noch kurz vor Ihrer Abreise Nachricht, u von dort so oft Sie es vermögen. nach Bremen weis ich, kommen selbst jetzt oft Nachrichten daher rigtig an. dann liebster Bruder habe ich noch eine Bitte. Bringen Sie mir aus diesen Lande ein Andennken mit. es bedarf nur einer kleinigkeit von Ihnen, mir dadurch eine große Freude zu machen. Ihr schönes Kreuz trage ich noch immer wenn ich mich recht schmücken will, u das Rosen Öhl habe ich noch fast alles.
Minna grüßt Sie bestens. leben Sie recht wohl. schenken Sie mir ferner Ihr brüderliches Andennken. ich bleibe Ihre Sie herzlich liebende treue Schwester Julie.
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