• Sophie Bernhardi to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Jena · Date: [ca. 20. August 1801]
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Sophie Bernhardi
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Jena
  • Date: [ca. 20. August 1801]
  • Notations: Datum sowie Absendeort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 335976727
  • Bibliography: Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 10‒12.
  • Incipit: „[Berlin, ca. 20. August 1801]
    Mit recht schmerzlicher Sehnsucht habe ich heut auf einen Brief von Dir gehoft und kan mich nicht [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-4
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,15,5
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. Paraphe
  • Format: 18,4 x 11,5 cm
    Language
  • German
[Berlin, ca. 20. August 1801]
Mit recht schmerzlicher Sehnsucht habe ich heut auf einen Brief von Dir gehoft und kan mich nicht darüber zufrieden geben daß meine Hoffnung betrogen ist. Ich kan Dir heute nicht viel schreiben ich will Dir nur diesen Brief schicken. Ich bin seit einigen Tagen recht kranck mich quält alle Nächte ein Fieber ich huste viel Blut und werde überhaupt wohl bald sterben.
Nim es aber nicht zu ernsthaft, oft wen[n] mir besser ist habe ich auch einen rechten Lebensmuht und kan mich ganz in den süssen Gedanken versenken daß Du mir angehörst daß Du eine Freude an meinem Dasein hast und kan mich dan in Tränen nicht ersättigen daß ich Dich entbehren muß.
Ich bin in der Zeit recht fleißig gewesen und habe die Märchen beinahe fertig geschrieben, ich weiß es daß sie hätten recht gut werden können wen[n] ich dem Strom der Liebe der mich jezt gewaltsam fortreißt darin verrahten mögte wie mein Herz mich treibt. Ich mag aber die Glut die mich verzehrt niemanden verrahten und so sind sie steif und kalt. Ich habe jezt wieder Deine Gedichte gelesen und die Schmerzen die sie mir verursachen recht mit Wollust genossen. Ich sehe darin Dein liebendes Gemüht Deine frühe unerkante Zärtlichkeit und nicht für mich. Die Bäume sind keine Sinbilder der Liebe sie blühen jedes Jahr und tragen Früchte. Aber die zarten Blumen sie blühen und duften nur einmal und welken für immer.
Daß ich Dich nicht mehr sehe – alles weckt die Erinnerung an Dich, mein kleiner Wilhelm kan Dich noch nicht vergessen er geht jeden Morgen an Deine Thür um Dich zu suchen. Womit ich Dich scherzend neckte quält nun mein eigenes Herz mit Schmerzen, ich kan meinen Wilhelm nicht nennen ohne an Dich zu denken und wen[n] ich ihn rufe und er mir entgegen lächelt so denke ich an Dich und wie ich Deine Augen nicht mehr sehe die mir oft wie freundliche Sterne entgegen schienen. Ich will nichts mehr schreiben, was hilft es daß ich meine Klagen immer wiederhole, ich muß Deine Entfernung ertragen und wen[n] auch die Erinnerung an verflossene Stunden die heisseste Sehnsucht in mir weckt so kan ich die verzehrende Flamme nur mit heissen Tränen löschen.
Lebe wohl ich kan doch nichts als Torheiten schreiben und wen[n] ich mir denke daß Du vieleicht schon jezt viel kälter an mich denkst da Du mich nicht mehr siehst so möchte ich dies Blat lieber gar nicht schiken. Ich bin zu mistrauisch ich kan nicht in der ruhigen überzeugung leben daß meine Briefe einigen Wehrt für Dich haben wen[n] Du es mir niemals sagen kanst. Wäre es den[n] gar nicht möglig daß Du mir schreiben köntest? Köntest Du nicht einen Brief einlegen ihn an Schleiermacher adressiren und in diesen noch einen den ich Schleiermacher geben könte damit ich nicht in Verlegenheit geriehte wen[n] Bernhardi gegen Schleiermacher über den an ihn gekommenen Brief spräche. Lache nicht über meine Vorschläge Du fühlst es nicht wie schmerzlich ich Dich entbehre und wie hart es ist nicht eine Zeile zu haben die mir ganz allein gehört. Lebe wohl mein geliebter bester theurer Freund Du darfst Du kanst mich nicht vergessen, die Leidenschaft in meinem Herzen muß Dich gewaltsam zu mir ziehen Du bist durch diese Zauberei der Liebe mein eigen. Lebe wohl.
ewig Deine
S[ophie] Bernh[ardi]
[Berlin, ca. 20. August 1801]
Mit recht schmerzlicher Sehnsucht habe ich heut auf einen Brief von Dir gehoft und kan mich nicht darüber zufrieden geben daß meine Hoffnung betrogen ist. Ich kan Dir heute nicht viel schreiben ich will Dir nur diesen Brief schicken. Ich bin seit einigen Tagen recht kranck mich quält alle Nächte ein Fieber ich huste viel Blut und werde überhaupt wohl bald sterben.
Nim es aber nicht zu ernsthaft, oft wen[n] mir besser ist habe ich auch einen rechten Lebensmuht und kan mich ganz in den süssen Gedanken versenken daß Du mir angehörst daß Du eine Freude an meinem Dasein hast und kan mich dan in Tränen nicht ersättigen daß ich Dich entbehren muß.
Ich bin in der Zeit recht fleißig gewesen und habe die Märchen beinahe fertig geschrieben, ich weiß es daß sie hätten recht gut werden können wen[n] ich dem Strom der Liebe der mich jezt gewaltsam fortreißt darin verrahten mögte wie mein Herz mich treibt. Ich mag aber die Glut die mich verzehrt niemanden verrahten und so sind sie steif und kalt. Ich habe jezt wieder Deine Gedichte gelesen und die Schmerzen die sie mir verursachen recht mit Wollust genossen. Ich sehe darin Dein liebendes Gemüht Deine frühe unerkante Zärtlichkeit und nicht für mich. Die Bäume sind keine Sinbilder der Liebe sie blühen jedes Jahr und tragen Früchte. Aber die zarten Blumen sie blühen und duften nur einmal und welken für immer.
Daß ich Dich nicht mehr sehe – alles weckt die Erinnerung an Dich, mein kleiner Wilhelm kan Dich noch nicht vergessen er geht jeden Morgen an Deine Thür um Dich zu suchen. Womit ich Dich scherzend neckte quält nun mein eigenes Herz mit Schmerzen, ich kan meinen Wilhelm nicht nennen ohne an Dich zu denken und wen[n] ich ihn rufe und er mir entgegen lächelt so denke ich an Dich und wie ich Deine Augen nicht mehr sehe die mir oft wie freundliche Sterne entgegen schienen. Ich will nichts mehr schreiben, was hilft es daß ich meine Klagen immer wiederhole, ich muß Deine Entfernung ertragen und wen[n] auch die Erinnerung an verflossene Stunden die heisseste Sehnsucht in mir weckt so kan ich die verzehrende Flamme nur mit heissen Tränen löschen.
Lebe wohl ich kan doch nichts als Torheiten schreiben und wen[n] ich mir denke daß Du vieleicht schon jezt viel kälter an mich denkst da Du mich nicht mehr siehst so möchte ich dies Blat lieber gar nicht schiken. Ich bin zu mistrauisch ich kan nicht in der ruhigen überzeugung leben daß meine Briefe einigen Wehrt für Dich haben wen[n] Du es mir niemals sagen kanst. Wäre es den[n] gar nicht möglig daß Du mir schreiben köntest? Köntest Du nicht einen Brief einlegen ihn an Schleiermacher adressiren und in diesen noch einen den ich Schleiermacher geben könte damit ich nicht in Verlegenheit geriehte wen[n] Bernhardi gegen Schleiermacher über den an ihn gekommenen Brief spräche. Lache nicht über meine Vorschläge Du fühlst es nicht wie schmerzlich ich Dich entbehre und wie hart es ist nicht eine Zeile zu haben die mir ganz allein gehört. Lebe wohl mein geliebter bester theurer Freund Du darfst Du kanst mich nicht vergessen, die Leidenschaft in meinem Herzen muß Dich gewaltsam zu mir ziehen Du bist durch diese Zauberei der Liebe mein eigen. Lebe wohl.
ewig Deine
S[ophie] Bernh[ardi]
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