• August Wilhelm von Schlegel to Georg Joachim Göschen

  • Place of Dispatch: Jena · Place of Destination: Unknown · Date: 22.12.1796
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Georg Joachim Göschen
  • Place of Dispatch: Jena
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 22.12.1796
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 45‒46.
  • Incipit: „[1] Jena d. 22 Dec 1796
    Liebster Göschen!
    Heute erhielt ich vom Ober-Consistorial Rath Böttiger, der auf ein Paar Tage hier ist, die [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-37113
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XX,Bd.3,Nr.23(11)
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19,8 x 12 cm
    Language
  • German
[1] Jena d. 22 Dec 1796
Liebster Göschen!
Heute erhielt ich vom Ober-Consistorial Rath Böttiger, der auf ein Paar Tage hier ist, die Nachricht, der junge Geßner, dem er wegen des Sh[akespeare] geschrieben, würde zwar für seine Person gern in meine Vorschläge eingehen: die übrigen Theilnehmer der Handlung aber könnten sich nicht entschließen solche Bedingungen zu machen; es sey also nichts damit. Darauf habe ich mich nun gleich entschlossen, mit Unger, mit dem ich darüber in einiger Unterhandlung stand, den Handel richtig zu machen. Ich schreibe ihm heute einen Brief des Inhalts, und bitte Sie das Manuskript von beyden Stücken mit nächster Post nach Berlin zu besorgen, weil Unger den Druck anzufangen wünscht.
Ich war vor einigen Tagen mit meiner Frau in Weimar, wo Ihrer an mehreren Orten mit vieler Wärme gedacht ward. Wir haben bey Gelegenheit auch erfahren, wie herzlich [2] und mit welchem freundschaftlichen Eifer Sie dort von uns gesprochen.
Böttiger hat mich sehr dringend wegen des Propertius gemahnt, und versprochen, mir morgen seine Ankündigung Ihrer Ausgabe der Lateinischen Dichter mitzutheilen. Glauben Sie mir, daß ich mich lebhaft für dieß Unternehmen interessire, und was ich daran leisten kann, mit größter Sorgfalt thun werde.
Meinen letzten Brief mit Schillers Antwort auf Ihre Erklärung werden Sie ohne Zweifel richtig erhalten haben. Dürfte ich Sie daran erinnern, daß an meinem Exemplar von Wielands Werken der Bogen L des XXsten Theils beym Transporte gänzlich verdorben worden ist, und daß Sie mich durch die Ergänzung ungemein verbinden würden? – Sind die Holländischen Subskribenten nun befriedigt?
Wissen Sie schon die Neuigkeit, daß Ihr Hr. von Ramdohr heirathet, und zwar eine altadelige Wittwe, die schon Großmutter ist, [3] die Tochter eines Oberkammerherrn von dem Busche? Die Eltern derselben sind so über die Mesalliance aufgebracht, daß sie ihrer Tochter das Kommunicationsschreiben unerbrochen zurückgeschickt, Ramdohren zwar höflich geantwortet, aber sich die weitere Korrespondenz verbeten haben. Ob es bloß die himmlische Liebe ist, was ihn zu solchen Aufopferungen bewegt? und ob er sein Buch mit diesen Beweisen von Heroismus beschließen wird?
Adieu, bester Göschen! Leben Sie recht wohl und empfangen Sie die herzlichsten Grüße von Carolinen und mir, an Sie und alle die Ihrigen.
Ihr ergebenster Freund
A. W. Schlegel
Mein Bruder ist jetzt verreist, sonst würde er mir auch Empfehlungen an Sie auftragen.
Daß Michaelis jetzt aller seiner Rechte an meinen Sh.[akespeare] verlustig ist versteht sich von selbst. Heute schicke ich ihm meine Abschrift vom Kontrakte zurück.
[4]
[1] Jena d. 22 Dec 1796
Liebster Göschen!
Heute erhielt ich vom Ober-Consistorial Rath Böttiger, der auf ein Paar Tage hier ist, die Nachricht, der junge Geßner, dem er wegen des Sh[akespeare] geschrieben, würde zwar für seine Person gern in meine Vorschläge eingehen: die übrigen Theilnehmer der Handlung aber könnten sich nicht entschließen solche Bedingungen zu machen; es sey also nichts damit. Darauf habe ich mich nun gleich entschlossen, mit Unger, mit dem ich darüber in einiger Unterhandlung stand, den Handel richtig zu machen. Ich schreibe ihm heute einen Brief des Inhalts, und bitte Sie das Manuskript von beyden Stücken mit nächster Post nach Berlin zu besorgen, weil Unger den Druck anzufangen wünscht.
Ich war vor einigen Tagen mit meiner Frau in Weimar, wo Ihrer an mehreren Orten mit vieler Wärme gedacht ward. Wir haben bey Gelegenheit auch erfahren, wie herzlich [2] und mit welchem freundschaftlichen Eifer Sie dort von uns gesprochen.
Böttiger hat mich sehr dringend wegen des Propertius gemahnt, und versprochen, mir morgen seine Ankündigung Ihrer Ausgabe der Lateinischen Dichter mitzutheilen. Glauben Sie mir, daß ich mich lebhaft für dieß Unternehmen interessire, und was ich daran leisten kann, mit größter Sorgfalt thun werde.
Meinen letzten Brief mit Schillers Antwort auf Ihre Erklärung werden Sie ohne Zweifel richtig erhalten haben. Dürfte ich Sie daran erinnern, daß an meinem Exemplar von Wielands Werken der Bogen L des XXsten Theils beym Transporte gänzlich verdorben worden ist, und daß Sie mich durch die Ergänzung ungemein verbinden würden? – Sind die Holländischen Subskribenten nun befriedigt?
Wissen Sie schon die Neuigkeit, daß Ihr Hr. von Ramdohr heirathet, und zwar eine altadelige Wittwe, die schon Großmutter ist, [3] die Tochter eines Oberkammerherrn von dem Busche? Die Eltern derselben sind so über die Mesalliance aufgebracht, daß sie ihrer Tochter das Kommunicationsschreiben unerbrochen zurückgeschickt, Ramdohren zwar höflich geantwortet, aber sich die weitere Korrespondenz verbeten haben. Ob es bloß die himmlische Liebe ist, was ihn zu solchen Aufopferungen bewegt? und ob er sein Buch mit diesen Beweisen von Heroismus beschließen wird?
Adieu, bester Göschen! Leben Sie recht wohl und empfangen Sie die herzlichsten Grüße von Carolinen und mir, an Sie und alle die Ihrigen.
Ihr ergebenster Freund
A. W. Schlegel
Mein Bruder ist jetzt verreist, sonst würde er mir auch Empfehlungen an Sie auftragen.
Daß Michaelis jetzt aller seiner Rechte an meinen Sh.[akespeare] verlustig ist versteht sich von selbst. Heute schicke ich ihm meine Abschrift vom Kontrakte zurück.
[4]
· Abschrift , 22.12.1796
· Deutsche Nationalbibliothek
· 1886/Bö-GS C. Schlegel, A. W. Br. 9
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