• Henrik Steffens to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Freiberg · Place of Destination: Unknown · Date: Oktober 1800
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Henrik Steffens
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Freiberg
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: Oktober 1800
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 118‒119.
  • Incipit: „[1] Freyberg. d. Oct. 1800
    Verzeihen Sie, theuerster Freund! daß ich erst so späth einen Brief beantworte, der eine schnelle Antwort verdiente. [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36979
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.26,Nr.74
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 16,9 x 10 cm
    Language
  • German
[1] Freyberg. d. Oct. 1800
Verzeihen Sie, theuerster Freund! daß ich erst so späth einen Brief beantworte, der eine schnelle Antwort verdiente. Ich kam später nach Freyberg, als ich vermuthete, und auch dann nur auf ein paar Stunden, um bald darauf eine Gebürgsreise an[zu]treten. Seit fast drey Wochen bin ich zwischen den böhmischen und schlesischen Gebürgen gewesen, kam vorgestern wieder hier an und eile Ihnen zu antworten.
Doch muß ich – auf allen Fall – vorhersagen, daß ich einen dicken inflammirten Backen mitgebracht habe, der mich sehr peinigt, und seinen Einfluß wohl auch auf diesen Brief ausdehnen wird. –
Ich freue mich darüber, daß doch endlich ein Institut zu Stande kömmt, so wie es unser Zeitalter und der Zustand der Wissenschaften erfordert. Es ist das einzige Mittel den alten feindseligen Dämon und den Satanisken zu verscheuchen. Auch werden dadurch hoffentlich alle jene einseitige Versuche etwas besseres zu liefern, welche nur von der Schwäche ihrer Urheber und das kümmerliche ihrer Ansicht sprechen, überflüßig gemacht.
[2] Es läßt sich leicht voraussehen, was wir von einem Werk zu erwarten haben, das von Männern, die selbst am meisten dazu beitragen eine wohlthätige Revolution zu bewirken, ausgearbeitet wird. Es wird eine wahre Geschichte des neuen Zeitalters werden, von den Hauptmännern selbst geliefert.
Daß es mir höchst angenehm ist zu einer solchen Unternehmung eingeladen zu seyn, können Sie leicht denken. Ich werde alle meine Kräfte aufbieten. Vermag ich nur überhaupt etwas zu liefern, so wird ohne Zweifel, die Gesellschaft in der ich arbeite mich begeistern, der Geist des Instituts mich beleben und alle meine Aufsätze einen höhern und kühnern Schwung mittheilen.
Ich werde allerdings am liebsten von den Standpunct aus, den ich einmahl wählte in der gesammten Natur hineinblicken. Daß verstehen Sie wahrscheinlich unter Fach. Wer immer Standpunkt wechselt läuft Gefahr keinen sichern zu erhalten, wer sich auf seinen Standpunkt Grenzen vorschreibt, sich isolirt, verwandelt seinen Fach in einem Fachwerk, zersplittert den alleinigen Gott in Gözen und gehört im eigentlichsten Sinne [3] zur alten Zeit. Ich werde also allerdings einen Übersicht über den jezigen Zustand der Geologie, d. h. über dasjenige was man zu einer Theorie der Erde geliefert hat ausarbeiten; aber eine Theorie der Erde schließt die ganze Natur in sich.
Das erste was ich zu liefern wünsche ist eine Fortsezung meiner Recension; (wenn ich sie auch anders nehmen sollte) eine Übersicht über Schellings neueste Ideen. Diese verspreche ich zum ersten Bande. Viele von diese Ideen stoßen mit meine so wunderbar zusammen, daß dieser Übersicht deßhalb als eine Einleitung zu allem was ich nachher liefern werde, angesehen werden kann.
Grüßen Sie Ihre Frau. Von dem was auch mir erschütterte – erlauben Sie mir zu schweigen.
Ich vermuthe, daß Schelling jezt in Jena ist, wenigstens muß ich es aus einem Brief von Gries, den ich hier antraf, schließen. Ich habe ihm vieles zu schreiben, und wünschte seinen Aufenthalt zu erfahren. Meine Beyträge werden jezt gedruckt. Ich bleibe deßhalb vors erste hier und habe nun alles bey Seite gelegt um ganz [4] meinem heiligern Geschäfte zu leben. Meine geognostische Excursionen, die mich am meisten störten sind nun auch geschlossen.
Ihrem Bruder bitte ich ebenfalls zu grüßen.
Ihr Freund
H. Steffens
[1] Freyberg. d. Oct. 1800
Verzeihen Sie, theuerster Freund! daß ich erst so späth einen Brief beantworte, der eine schnelle Antwort verdiente. Ich kam später nach Freyberg, als ich vermuthete, und auch dann nur auf ein paar Stunden, um bald darauf eine Gebürgsreise an[zu]treten. Seit fast drey Wochen bin ich zwischen den böhmischen und schlesischen Gebürgen gewesen, kam vorgestern wieder hier an und eile Ihnen zu antworten.
Doch muß ich – auf allen Fall – vorhersagen, daß ich einen dicken inflammirten Backen mitgebracht habe, der mich sehr peinigt, und seinen Einfluß wohl auch auf diesen Brief ausdehnen wird. –
Ich freue mich darüber, daß doch endlich ein Institut zu Stande kömmt, so wie es unser Zeitalter und der Zustand der Wissenschaften erfordert. Es ist das einzige Mittel den alten feindseligen Dämon und den Satanisken zu verscheuchen. Auch werden dadurch hoffentlich alle jene einseitige Versuche etwas besseres zu liefern, welche nur von der Schwäche ihrer Urheber und das kümmerliche ihrer Ansicht sprechen, überflüßig gemacht.
[2] Es läßt sich leicht voraussehen, was wir von einem Werk zu erwarten haben, das von Männern, die selbst am meisten dazu beitragen eine wohlthätige Revolution zu bewirken, ausgearbeitet wird. Es wird eine wahre Geschichte des neuen Zeitalters werden, von den Hauptmännern selbst geliefert.
Daß es mir höchst angenehm ist zu einer solchen Unternehmung eingeladen zu seyn, können Sie leicht denken. Ich werde alle meine Kräfte aufbieten. Vermag ich nur überhaupt etwas zu liefern, so wird ohne Zweifel, die Gesellschaft in der ich arbeite mich begeistern, der Geist des Instituts mich beleben und alle meine Aufsätze einen höhern und kühnern Schwung mittheilen.
Ich werde allerdings am liebsten von den Standpunct aus, den ich einmahl wählte in der gesammten Natur hineinblicken. Daß verstehen Sie wahrscheinlich unter Fach. Wer immer Standpunkt wechselt läuft Gefahr keinen sichern zu erhalten, wer sich auf seinen Standpunkt Grenzen vorschreibt, sich isolirt, verwandelt seinen Fach in einem Fachwerk, zersplittert den alleinigen Gott in Gözen und gehört im eigentlichsten Sinne [3] zur alten Zeit. Ich werde also allerdings einen Übersicht über den jezigen Zustand der Geologie, d. h. über dasjenige was man zu einer Theorie der Erde geliefert hat ausarbeiten; aber eine Theorie der Erde schließt die ganze Natur in sich.
Das erste was ich zu liefern wünsche ist eine Fortsezung meiner Recension; (wenn ich sie auch anders nehmen sollte) eine Übersicht über Schellings neueste Ideen. Diese verspreche ich zum ersten Bande. Viele von diese Ideen stoßen mit meine so wunderbar zusammen, daß dieser Übersicht deßhalb als eine Einleitung zu allem was ich nachher liefern werde, angesehen werden kann.
Grüßen Sie Ihre Frau. Von dem was auch mir erschütterte – erlauben Sie mir zu schweigen.
Ich vermuthe, daß Schelling jezt in Jena ist, wenigstens muß ich es aus einem Brief von Gries, den ich hier antraf, schließen. Ich habe ihm vieles zu schreiben, und wünschte seinen Aufenthalt zu erfahren. Meine Beyträge werden jezt gedruckt. Ich bleibe deßhalb vors erste hier und habe nun alles bey Seite gelegt um ganz [4] meinem heiligern Geschäfte zu leben. Meine geognostische Excursionen, die mich am meisten störten sind nun auch geschlossen.
Ihrem Bruder bitte ich ebenfalls zu grüßen.
Ihr Freund
H. Steffens
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