• Friedrich de La Motte-Fouqué to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Nennhausen · Place of Destination: Unknown · Date: 30.05.1803
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich de La Motte-Fouqué
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Nennhausen
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 30.05.1803
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 154‒155.
  • Incipit: „[1] Nennhausen am 30 Mai 1803
    Wenn Sie, mein theurer Meister und Freund, beikommendes Manuscript von mir zum Drucke tauglich finden, so [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-37104
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XX,Bd.2,Nr.19(3)
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19 x 11,8 cm
    Language
  • German
[1] Nennhausen am 30 Mai 1803
Wenn Sie, mein theurer Meister und Freund, beikommendes Manuscript von mir zum Drucke tauglich finden, so ersuche ich Sie, in meinem Namen deshalb mit einem Buchhändler zu reden. Für mich selbst verlange ich nichts, und mache es zur einzigen Bedingung, daß bei der Edition der Legende die möglichste Sauberkeit und Eleganz angewandt werde. Es versteht sich jedoch, daß die ganze Arbeit Ihrem Willen übergeben ist, und es von Ihnen abhängt, über deren Leben oder Tod zu entscheiden.
Ich weiß, es kann nur für eine schlechte Entschuldigung der Unbescheidenheit gelten, wenn man eingesteht, sie zu fühlen, und dennoch sehe ich mich zu einem solchen Bekenntniße gedrungen. Ihre Zeit ist so kostbar, daß man sich aller[2]dings fürchten sollte, einen Raub daran zu begehen. Verzeihen Sie indeßen für diesesmal meiner Zudringlichkeit, die von der Unbekanntschaft mit literarischen Handelsgeschäften herrührt, welche mir noch beiwohnt. Ich würde mich außerdem begnügt haben, Sie um Ihr Urtheil über meine Arbeit zu bitten, ohne Sie mit weiterer Mühe deshalb zu belästigen. Ich wünschte, Ihre Antwort noch vor unsrer Abreise nach Dresden zu erhalten, welche ungefähr am 8ten künftiges Monatʼs vor sich gehn wird. Die Nachricht, welche mir Bernhardi von Tiecks dasiger Anwesenheit ertheilt, macht uns allen Hoffnung, auch Sie noch dort zu sehn. Sie würden mich verpflichten, wenn Sie mir etwas Gewißes darüber sagen könnten.
Ich habe das Lied der Nibelungen jetzt zum zweitenmale fast durchgelesen, und mir, wie ich schon in meinem letzten Briefe sagte, das Intereßanteste für [3] meine Ansicht daraus aufgezeichnet. Bei dieser Arbeit ist mir der Gedanke gekommen, ob es nicht beßer sei die epischen Stellen im Sifrid in dem Sylbenmaaße des Heldenbuches vorzutragen, und die Terzinen zur Weissagung der Meerweiber aufzusparen? Jene Versart würde vielleicht dem lebhaften Ton, mit welchem der Dichter beschreibt, was gleichsam vor den Augen des Lesers vorgeht, wohl anstehen, und die Prophezeihung gewönne an Feierlichkeit und Pracht, wenn sie in einem noch nicht gebrauchten Metrum vorgetragen würde. Ich wünsche sehr, Ihre Gedanken darüber zu hören. – Für die Volksbücher empfangen Sie meinen herzlichsten Dank. Die Schuld, in welche ich dafür bei Ihnen gerathen bin, werde ich bei der nächsten Gelegenheit berichtigen, sobald ich deren Betrag weiß. – Der Sifrid des Volksbuches ist oft dem der Nibelungen sehr unähnlich; doch stimmen [4] beide in dem heroisch-kräftigen Ungestüm des Charakters wohl mit einander überein. Auch ist von den Zwergen viel Intereßantes darin, vorzüglich die Prophezeihung welche deren König an Sifrid ergehn läßt. – Sobald ich von Dresden zurück bin, und das Heldenbuch kenne, werde ich mich an die Arbeit machen.
Von allen Hausgenoßen die schönsten Grüße für Sie! Clärchen hat ihre Aufgabe gut durchstudirt, und fängt täglich einigemal an: Wenn ich nur ein Vöglein wäre! – Erhalten Sie mir Ihre Freundschaft, und sein Sie von meiner lebhaftesten Hochachtung und Liebe überzeugt.
Ewig der Ihrige
Fouqué
[1] Nennhausen am 30 Mai 1803
Wenn Sie, mein theurer Meister und Freund, beikommendes Manuscript von mir zum Drucke tauglich finden, so ersuche ich Sie, in meinem Namen deshalb mit einem Buchhändler zu reden. Für mich selbst verlange ich nichts, und mache es zur einzigen Bedingung, daß bei der Edition der Legende die möglichste Sauberkeit und Eleganz angewandt werde. Es versteht sich jedoch, daß die ganze Arbeit Ihrem Willen übergeben ist, und es von Ihnen abhängt, über deren Leben oder Tod zu entscheiden.
Ich weiß, es kann nur für eine schlechte Entschuldigung der Unbescheidenheit gelten, wenn man eingesteht, sie zu fühlen, und dennoch sehe ich mich zu einem solchen Bekenntniße gedrungen. Ihre Zeit ist so kostbar, daß man sich aller[2]dings fürchten sollte, einen Raub daran zu begehen. Verzeihen Sie indeßen für diesesmal meiner Zudringlichkeit, die von der Unbekanntschaft mit literarischen Handelsgeschäften herrührt, welche mir noch beiwohnt. Ich würde mich außerdem begnügt haben, Sie um Ihr Urtheil über meine Arbeit zu bitten, ohne Sie mit weiterer Mühe deshalb zu belästigen. Ich wünschte, Ihre Antwort noch vor unsrer Abreise nach Dresden zu erhalten, welche ungefähr am 8ten künftiges Monatʼs vor sich gehn wird. Die Nachricht, welche mir Bernhardi von Tiecks dasiger Anwesenheit ertheilt, macht uns allen Hoffnung, auch Sie noch dort zu sehn. Sie würden mich verpflichten, wenn Sie mir etwas Gewißes darüber sagen könnten.
Ich habe das Lied der Nibelungen jetzt zum zweitenmale fast durchgelesen, und mir, wie ich schon in meinem letzten Briefe sagte, das Intereßanteste für [3] meine Ansicht daraus aufgezeichnet. Bei dieser Arbeit ist mir der Gedanke gekommen, ob es nicht beßer sei die epischen Stellen im Sifrid in dem Sylbenmaaße des Heldenbuches vorzutragen, und die Terzinen zur Weissagung der Meerweiber aufzusparen? Jene Versart würde vielleicht dem lebhaften Ton, mit welchem der Dichter beschreibt, was gleichsam vor den Augen des Lesers vorgeht, wohl anstehen, und die Prophezeihung gewönne an Feierlichkeit und Pracht, wenn sie in einem noch nicht gebrauchten Metrum vorgetragen würde. Ich wünsche sehr, Ihre Gedanken darüber zu hören. – Für die Volksbücher empfangen Sie meinen herzlichsten Dank. Die Schuld, in welche ich dafür bei Ihnen gerathen bin, werde ich bei der nächsten Gelegenheit berichtigen, sobald ich deren Betrag weiß. – Der Sifrid des Volksbuches ist oft dem der Nibelungen sehr unähnlich; doch stimmen [4] beide in dem heroisch-kräftigen Ungestüm des Charakters wohl mit einander überein. Auch ist von den Zwergen viel Intereßantes darin, vorzüglich die Prophezeihung welche deren König an Sifrid ergehn läßt. – Sobald ich von Dresden zurück bin, und das Heldenbuch kenne, werde ich mich an die Arbeit machen.
Von allen Hausgenoßen die schönsten Grüße für Sie! Clärchen hat ihre Aufgabe gut durchstudirt, und fängt täglich einigemal an: Wenn ich nur ein Vöglein wäre! – Erhalten Sie mir Ihre Freundschaft, und sein Sie von meiner lebhaftesten Hochachtung und Liebe überzeugt.
Ewig der Ihrige
Fouqué
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