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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="12296"><titleStmt><title>Friedrich von Schlegel an Henriette Mendelssohn</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-10-19</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext ohne Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2019-10-15"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/view/12296</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Gesammelt und erläutert von Josef Körner. Berlin 1926, S. 414–415.</title></bibl><listRelation><relation name="Hauptdokument (zu dem das aktuelle Dokument mitgeschickt wurde)" ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/xml/1132"/></listRelation></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/view/12296"><correspAction type="sent"><persName key="8" ref="http://d-nb.info/gnd/118607987">Friedrich von Schlegel</persName><placeName key="16" ref="http://d-nb.info/gnd/4066009-6">Wien</placeName><date when="1822-03-01">[Frühjahr 1822]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="607" ref="http://d-nb.info/gnd/137018967">Henriette Mendelssohn</persName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-05r5-0.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-05r5-1.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[Wien, Frühjahr 1822]<lb/>Geliebte Schwester Marie,<lb/>Ich warte nur immer auf eine Gelegenheit, Ihnen meine Werke zu schicken; drey Bände sind fertig von der neuen Ausgabe, und der vierte ist auch bald gedruckt. Dies soll dann statt eines langen Briefes gelten.<lb/>Wir haben <hi rend="weight:bold">sehr lange</hi> nichts von Ihnen gehört, liebe Marie. Mein Bruder schreibt mir, er hätte Ihnen vorigen Winter einen Brief für mich gegeben, welcher die „Erörterung über Dinge eröffnen sollte, worüber unsre Ansichten vielleicht zu weit abweichen, als daß wir uns darüber verständigen könnten“. – Was soll denn das heißen? und warum haben Sie mir diesen Brief nicht geschickt? – In <hi rend="weight:bold">jedem Fall hätten Sie</hi> <hi rend="weight:bold">mir ihn schicken sollen</hi>, liebe Schwester; da Sie gewiß seyn können, daß wo es meinen Bruder betrifft, keine Besorgniß, oder üble Empfindung, nicht verstanden zu seyn, dem Wunsch, ihm Freund zu bleiben, überwiegen oder entgegentreten könnte. Ich bitte Sie dringend, mir diesen Brief noch zu schicken. Schicken Sie mir ihn nur unverzüglich noch jetzt; so etwas kommt nie zu spät.<lb/>Vor allen Dingen aber schreiben Sie mir von unsrer lieben Freundin, um die ich sehr besorgt bin. Jetzt bin ich nicht in ihrer Schuld; sondern sie vielmehr in meiner. Ich schrieb ihr im December und Januar <hi rend="weight:bold">drey</hi> Briefe, schnell hinter einander; auf den ersten hat sie mir geantwortet, so seelenvoll und rührend, daß ich weniger als je von ihr lassen kann; auf die zwey letzten Briefe aber hat sie nicht geantwortet. Fragen Sie sie, <hi rend="weight:bold">warum</hi> sie das nicht gethan hat? Habe ich ihr in irgend einer Art zu <hi rend="weight:bold">viel</hi> geschrieben oder was ihr noch <hi rend="weight:bold">fremd</hi> ist; so soll sie das gehn lassen, und sich nur an das halten, was sie doch weiß, nämlich meine herzliche Freundschaft für sie. In einer Stunde Gespräch würde sie mich ganz verstehen; es ist schwer so aus der Ferne zu schreiben, grade, wenn man recht den dringenden Wunsch hat, zu helfen und zu trösten. Ich bitte Sie, Marie, <hi rend="weight:bold">reden Sie ausführlich mit ihr und schreiben Sie mir alles.</hi> Es ist nicht recht, daß sie mir nicht schreibt.<lb/>Und warum erfahre ich nichts von Ihnen? Mir wollen Sie auch ganz fremd [werden], was auch nicht recht ist. Ich bin noch immer<lb/>Ihr alter<lb/>Friedrich</p></div></body></text></TEI>
