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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="1234"><titleStmt><title>August Wilhelm von Schlegel an Alexander von Humboldt</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-10-19</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2019-10-15"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/view/1234</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 546‒548.</title><idno type="print">343347008_AWSanAHumboldt_24031841</idno><relatedItem target="http://digital.slub-dresden.de/id343347008"/></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</institution><repository key="http://digital.slub-dresden.de/idDE-1a-33865"/><idno type="signatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.11,Nr.39</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">DE-1a-33865</ab><ab type="alternativeOai">DE-1a-1918228</ab><ab type="alternativeSignatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.11,S.169-174</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">6S. auf Doppelbl., hs. m. U. u. Adresse</ab><ab type="paper">25,5 x 20,8 cm</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/view/1234"><correspAction type="sent"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="887" ref="http://d-nb.info/gnd/1001909-1">Bonn</placeName><date when="1841-03-24">1841-03-24</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="555" ref="http://d-nb.info/gnd/118554700">Alexander von Humboldt</persName><placeName key="15" ref="http://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/brievouna_343347008_0001/brievouna_343347008_0001_tif/jpegs/00000572.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/brievouna_343347008_0001/brievouna_343347008_0001_tif/jpegs/00000573.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/brievouna_343347008_0001/brievouna_343347008_0001_tif/jpegs/00000574.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11_tif/jpegs/00000169.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11_tif/jpegs/00000170.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11_tif/jpegs/00000171.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11_tif/jpegs/00000172.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11_tif/jpegs/00000173.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11/AWvS_DE-1a-33865_Bd.11_tif/jpegs/00000174.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] Mein hochverehrter Gönner!<lb/><ref target="fud://1233">Ew. Excellenz verehrtes Schreiben vom 24<hi rend="offset:4">sten</hi> Februar</ref> habe ich etwas verspätet empfangen, und darin Ihr immer sich gleich bleibendes Wohlwollen dankbar erkannt.<lb/>Den glückverheißenden Regierungsantritt <persName key="3585">unsers angebeteten Königs</persName> habe ich aus meiner Ferne und Einsamkeit mit der lebhaftesten Theilnahme begleitet.<lb/>Seitdem <persName key="3585">der Kronprinz</persName> zum ersten Male diese Provinzen durch seine Besuche neu belebte, kannten wir die bezaubernde Anmuth in seinem ganzen Wesen, und den hellen durchdringenden Geist in seinen flüchtigsten Äußerungen. Jetzt giebt ihm sein königlicher Beruf Gelegenheit, die feste und ernste Gesinnung <persName key="515">seines verewigten Vaters</persName> zu bewähren.<lb/>Ich brauche Ew. Excellenz nicht zu versichern, daß ich jedem Befehle, ja jedem Winke <persName key="3585">Sr. Majestät</persName> nach besten Kräften Folge leisten werde. Nur muß ich befürchten, bei meinem vorgerückten Alter und einer geschwächten Gesundheit den vielleicht von mir gehegten Erwartungen nicht gehörig entsprechen zu können.<lb/>[2] Was die Herausgabe <name key="3919" type="work">der Werke <persName key="1094">König Friedrich des Zweiten</persName></name> betrifft, so habe ich schon zu Ende Novembers von <orgName key="5440">dem Königl. Ministerium des öffentlichen Unterrichtes</orgName> folgende Mittheilung empfangen:<lb/>„Mittelst Allerhöchster Cabinets-Ordre vom 5<hi rend="offset:4">ten</hi> v. M. haben <persName key="3585">des Königs Majestät</persName> <orgName key="5440">dem Ministerium</orgName> zu eröffnen geruhet, daß, da die Correctheit ein Haupt-Erfoderniß der würdigen typographischen Ausstattung eines Werkes sey, Allerhöchstdieselben genehmigten, daß das Anerbieten <persName key="766">des Professors von Schlegel</persName>, eines auswärtigen Mitgliedes der philosophisch-historischen Klasse <orgName key="6721">der hiesigen Akademie der Wissenschaften</orgName>, zur Theilnahme an <name key="3919" type="work">dem fraglichen Werke</name> angenommen und dieserhalb die weitere Einleitung getroffen werde. Das Ministerium setzt Ew. Hochwohlgeboren hievon mit dem Eröffnen in Kenntniß, daß nachdem Se. Majestät durch die eben gedachte Allerhöchste Cabinets-Ordre zugleich die Herausgabe der Werke <persName key="1094">des Königs Friedrich II</persName> der hiesigen Akademie der Wissenschaften zu übertragen geruhet haben, derselben auch überlassen worden ist, wegen der Theilnahme des p [3] von Schlegel an der Herausgabe die weitere Einleitung zu treffen.“<lb/>Obiges ist mir durch <persName key="2325">Herrn G.[eheimen] O.[ber] R.[egierungs] R.[ath] von Rehfues</persName> zugekommen. Nun ersehe ich aus Ew. Excellenz Schreiben, daß die hiezu ernannte Commission bereits in Thätigkeit ist. Mir hat jedoch weder <orgName key="6721">die Akademie</orgName> noch die Commission irgend eine nähere Eröffnung zu Theil werden lassen; und eine solche muß ich doch abwarten, da ich mich nicht wohl ohne eine bestimmte Einladung in einen schon geschlossenen Kreis eindrängen kann. Ich weiß nicht einmal, ob das in den Zeitungen gegebene nicht amtliche Verzeichniß richtig ist, worin nach <persName key="1740">Ew. Excellenz Hr. Böckh</persName> als Präsident, die Herren <persName key="562">von Raumer</persName> und <persName key="3926">Ranke</persName> als Mitglieder, und <persName key="3925">Hr. Preuß</persName> als Secretär genannt werden.<lb/>Ich habe vorläufig meine Bekanntschaft mit <name key="3919" type="work"><persName key="1094">Friedrichs des Großen</persName> Werken</name> erneuert, aber noch keine vollständige Übersicht gewinnen können, weil <orgName key="6711">unsre Universitäts-Bibliothek</orgName> nur weniges von den bisherigen Ausgaben besitzt.<lb/>Ich kenne <persName key="555">einen unternehmenden und philosophischen Naturforscher</persName>, der unter wichtigen Geschäften ganz anderer Art [4] sein wissenschaftliches Fach immer noch unermüdet anbaut; <name key="3921" type="work">dessen zahlreiche in Französischer Sprache abgefaßte Werke</name> eben so sehr wegen ihrer Form als ihres Gehaltes gepriesen werden. Wenn diesem in und außer Europa eben so berühmten Gelehrten, als <persName key="3400">Leibnitz</persName> es vor einem Jahrhundert war, die Leitung des ganzen Unternehmens übertragen wäre, mit der Vollmacht, die nöthigen Mitarbeiter selbst zu wählen: so würde mir der befriedigendste Erfolg vollkommen gesichert zu sein scheinen.<lb/>Es war ein natürlicher Gedanke, <orgName key="6721">der Akademie</orgName> die Herausgabe <name key="3919" type="work">der Werke <persName key="1169">ihres Stifters</persName></name> aufzutragen. Aber freilich, die Akademie <persName key="1094">Friedrichs des Großen</persName> war eine ganz Französische; die jetzige hat in diesem Stücke wie in vielen andern eine völlige Umwandlung erfahren.<lb/>Daß der Herausgeber Französischer Schriften, die bisher durch Nachläßigkeit, Unwissenheit oder Verfälschung entstellt, noch nie in ihrer ächten Gestalt erschienen sind, und nun in Deutschland nach einem gereinigten Text authentisch gedruckt werden sollen, eine gründliche Kenntniß der Französischen Sprache besitzen müsse, wird wohl niemand in Abrede stellen.<lb/>[5] Eine gründliche Kenntniß nenne ich eine solche, die den Besitzer in den Stand setzt, das Französische wie seine Muttersprache zu schreiben, und zwar nicht bloß in Briefen, sondern für die strengere Prüfung des Druckes. Diese Kenntniß ist nun unter den Deutschen Gelehrten heut zu Tage ungemein selten. Sie lesen Französische Bücher und verstehen sie gut oder übel, und übersetzen sie gut oder übel, und dabei hat es sein Bewenden.<lb/>Wie kläglich es ausfällt, wenn dieses Erfoderniß fehlt, daran können Ew. Excellenz an der neuesten Ausgabe von <name key="3928" type="work"><persName key="3400">Leibnitzens</persName> philosophischen Schriften</name> ein Beispiel sehen. Der Herausgeber, <persName key="3927">Prof. Erdmann</persName> in <placeName key="229">Halle</placeName>, gesteht den fehlerhaften Abdruck ein, entschuldigt sich aber mit seiner mangelhaften Kenntniß der Sprache. Ich finde die Entschuldigung ganz ungültig. Wer eine gelehrte Arbeit unternimmt, muß die dazu nöthigen Kenntnisse entweder schon besitzen, oder sie sich erwerben; auf keinen Fall aber eine ungeweihte Hand anlegen. Außer den häufigen Druckfehlern wiederholt sich ein Verstoß gegen die typographische Sitte beinahe auf allen Blättern: nämlich die gesperrten Buchstaben in einzelnen Wörtern und ganzen Sätzen, die in Frankreich niemals vorkommen. Beides reicht hin, um dem Buche ohne alle Schuld [6] des Autors (denn Leibnitz war, eben so wohl wie <persName key="1094">Friedrich der Große</persName>, ein vortrefflicher Kenner der Französischen Sprache;) <hi rend="slant:italic">un air furuieusement tudesque</hi> zu geben.<lb/>Wenn Ew. Excellenz es erlauben, so werde ich Ihnen nächstens über die Ausstattung <name key="3919" type="work">der Werke <persName key="1094">des königlichen Geschichtschreibers und Dichters</persName></name> mit allem, was sie für das heutige Europäische Publicum in ihr volles Licht stellen kann, einige vorläufige Ansichten vorlegen. Genehmigen Sie pp<lb/><placeName key="887">Bonn</placeName> d. 24<hi rend="offset:4">sten</hi> März 1841</p></div></body></text></TEI>
