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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="320"><titleStmt><title>Dorothea von Schlegel an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-10-19</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2019-10-15"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/view/320</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 2. Der Texte zweite Hälfte. 1809‒1844. Bern u.a. ²1969, S. 80‒84.</title><idno type="print">335973167_DSanAWS_08111809</idno><relatedItem target="http://digital.slub-dresden.de/id335973167"/></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</institution><repository key="http://digital.slub-dresden.de/idAPP2712-Bd-8"/><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,II,4</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-8</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2328104</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">8 S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs. m. U.</ab><ab type="paper">19,1 x 11,4 cm</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-10-19/letters/view/320"><correspAction type="sent"><persName key="180" ref="http://d-nb.info/gnd/118607979">Dorothea von Schlegel</persName><placeName key="16" ref="http://d-nb.info/gnd/4066009-6">Wien</placeName><date from="1809-11-08" to="1808-11-09">1809-11-08</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000094.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000097.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000098.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000099.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000100.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000645.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000646.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000647.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000648.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000649.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000650.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000651.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000652.tif.original.jpg"/><graphic n="9" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000653.tif.original.jpg"/><graphic n="10" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000654.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="16">Wien</placeName> 8<hi rend="offset:4">ten</hi> November [180]9<lb/>Mein theurer Freund! Ich bin seit drei Tagen wieder aus Ungarn zurückgekommen, wo ich einige Wochen mit <persName key="8">unserm Freund</persName> zusammen gelebt habe. Das Erste was mir in die Augen fiel als ich bei meiner Zurückkunft den Schreibetisch öffnete, war ein Brief den ich an den Tag meiner Abreise von hier (25<hi rend="offset:4">ten</hi> August) an Sie geschrieben hatte damit er den Morgen darauf auf die Post gegeben würde, und richtig vergaß ich ihn bei dem Tumult der Abreise! Verzeihen Sie mir besster Wilhelm! Ein Wunder ist es eben nicht daß man den Kopf so verlieren konnte; es haben ihn noch ganz andre Leute verlohren! – Damals war der Frieden noch nicht gewiß, <persName key="8">Fr.[iedrich]</persName> hätte vielleicht vom Lauf der Angelegenheiten fortgerissen sehr weit von mir entfernt werden können, und wer weiß auf wie lange Zeit! Eine schöne Gelegenheit ihn zu besuchen bot sich mir an, und ich ergriff sie, ohne viel zu überlegen. <name key="6020" type="work">„Es war gethan noch eh gedacht“</name>. Ich glaubte in wenigen Tagen wieder zurück seyn zu können, aber es sind Monathe daraus geworden, ehe ich wieder eine Gelegenheit zur Rückreise fand; die größte Zeit hindurch während der Unterhandlungen waren die Wege [2] und sogar der Postenlauf gehemmt, ich musste also ausharren. Jetzt hoffe ich wird Fr.[iedrich] auch bald hier seyn können, sobald nemlich die Gäste sich entfernt haben werden. Freylich war er entschlossen Ihnen zu schreiben, und mir den Brief zur Besorgung mit her zu geben, aber ich glaube der innre Unmuth, der ihn trotz der Gegenwehr beherscht, ließ ihn zu kein Werk der Liebe, und zu keine Gemüthserhohlung recht kommen; auch hat seine Gesundheit leider eben so viel gelitten als seine Seele. An dem Tag meiner Abreise von ihm war er nicht ganz wohl, und noch habe ich keinen Brief von ihm; ich hoffe zu Gott er wird ihn in diesen halb wilden Lande nicht krank werden lassen! – Diesen Morgen habe ich nebst vielen andern, eingefroren gewesenen Briefen, zu meiner unsäglichen Freude auch zwei von Ihnen erhalten. Sehr hübsche lange, freundliche, ausführliche Briefe, die Ihnen Gott lohnen möge, sie waren mir eine wahre Erquikung. Ich habe sie sogleich an Friedrich geschickt und ihn zur Beantwortung des litterarischen Theils derselben aufgemuntert, ich zweifle auch keinesweges, daß er es nicht so gleich thun wird, denn an Anregungen dazu fehlt es Ihren Briefen wahrlich nicht. – <name key="1072" type="work">Das Gedicht welches Sie so ungern vermissen in <name key="443" type="work">der Sammlung</name></name> habe ich rein vergessen, und da ich <name key="920" type="periodical">den Dichtergarten</name> nicht hier habe, so kann ich Ihnen auch gar nicht sagen [3] aus welchen Ursachen er es wegließ. <name key="1711" type="work">Das Gedicht an <persName key="1140">Ritter</persName></name> nimmt er vielleicht ein andersmal, bei einer zweiten Auflage wieder auf; diesesmal musste er schon seinen Grimm, wenigstens auf diese Art etwas Raum schaffen, die Sammlung hätte sonst auf lange Zeit etwas unangenehmes für ihn enthalten. Der 2<hi rend="offset:4">te</hi> Theil wird (wenn es anders noch dabei bleibt) wirklich, wie Sie vorschlagen, <name key="1854" type="work">seine KunstAnsichten</name> enthalten, und zwar grade so <hi rend="weight:bold">wie</hi> Sie vorschlagen. <name key="21" type="work">Die Griechen und Römer</name> kommen allerdings mit vielen neuen Zusätzen in die Reihe <name key="859" type="work">der sämmtlichen Werke</name>, von <name key="1466" type="work">der Geschichte der Griechischen Poesie</name> weiß ich aber noch nichts; eben so wenig weiß ich noch wie es mit <name key="1849" type="work">Lucinde</name> werden soll? Er wird Ihnen sicherlich über alles ausführlich antworten. Aufrichtig gestanden, dieser Orkan hatte uns völlig verhindert unsre Augen zu den ruhigen Gefilden der Kunst zu erheben; wenn das Gemüth so ganz zerstört und in die Gegenwart befangen wird, so bleibt wenig Raum für alles Andre. Aber es wird ja wohl noch anders werden! Ich hoffe zu Gott er wird den Winter Ruhe zum Arbeiten finden. Ob <name key="1180" type="work">Carl den V<hi rend="offset:4">ten</hi></name>? wage ich nicht zu versichren. Ich fürchte beinah er ist jetzt zu verstimmt dazu, obgleich Geschichte, und zwar die Oesterreichs immer noch sein Hauptstudium bleibt. Ich wünsche in der Welt nichts weiter als daß Sie mit ihm in ruhigen ungestörten Verhältnissen, ge[4]meinschaftliche Plane ausführen könnten. Bei dem Karl V<hi rend="offset:4">ten</hi> gleich wären Sie ihm von nicht zu berechnender Nothwendigkeit, denn er hat sich nun einmal in den Kopf gesetzt, er habe kein dramatisches Talent; was wäre es also nicht für ein wunderbares Werk wenn Ihr beide zusammen den von ihm vortrefflich construirten Plan ausführen wolltet! und so bei mehreren Dingen. Aber O Gott wie weit ab liegt alles dies von der wirklichen Zerstörung, und von der Zerstreuung von allem was uns auf Erden lieb und werth ist! – Wie es noch ferner mit ihm wird wissen wir noch nicht, <persName key="1160">der jetzige Minister der auswärtigen Angelegenheiten</persName> ist ihm geneigt, auch hat er sonst recht brave Freunde bei dem Departement, wir wollen nun sehen! es wird sich wohl bald entscheiden. <placeName key="16">Hier</placeName> bleiben wird er wohl auf jeden Fall dürfen, es ist nur die Frage ob mit oder ohne Anstellung? Es scheint einmal unser Loos zu seyn in Armuth und in der Ueberzeugung der Ungewißheit zu bleiben; damit wir uns nicht zu fest ansiedlen auf dieser Ueberfarth, denke ich; darum nur getrost, lieber Wilhelm, und bitten wir Gott daß uns vergönnt werde, die zeitlichen Leiden zum Heil unsrer Seele zu verwenden! – Daß wir Sie auf so lange Zeit verlieren sollen ist auch ein harter Schlag, der Himmel gebe Ihnen Glück und führe Sie an das Ziel Ihrer Wünsche, so wollen wir uns <hi rend="weight:bold">Ihres</hi> Gelingens erfreuen.<lb/>[5] Den 9<hi rend="offset:4">ten</hi>. Ich überlese so eben die letzten Zeilen die ich gestern noch in der Nacht geschrieben, und finde daß sie etwas mismuthig ausschauen; ich weiß nicht was mir in dem Augenblick muß gewesen seyn, aber ich bitte Sie um Verzeihung deshalb. Beunruhigen Sie sich nicht unserthalb. <persName key="8">Friedrich</persName> ist weniger von dem Unglück gebeugt als ich fürchtete, und er wird mit Gottes Hülfe gewiß wieder bald arbeiten. Bis jetzt nimmt ihn freilich die Redaction <name key="1850" type="periodical">der Oesterreichischen Zeitung</name> mehr Zeit als billig, besonders finden Hindernisse und Schwürigkeiten dabei Statt, die lächerlich seyn würden, wenn sie nicht zum Ungeduldig werden wären! und wem <hi rend="weight:bold">er selber</hi> nicht so viel Theilnahme einflößt, dem müßte es ergötzlich seyn zu sehen wie man einem Riesen ein Kinder Fallhütchen aufsetzen, und am Leitband gängeln möchte; wie man ihm Arm und Beine bindet, und ihm beständig zuruft „nun hau zu!“ Aber es ist merkwürdig wie gut er sich nimmt und wie geschickt; die Freunde sind ganz erstaunt über seine Gelenkigkeit, die sie unter allen Talenten am wenigsten bei ihm vermutheten. Wenn Sie jene Blätter zu sehen bekommen, so wird Sie doch manches freuen was er auch unter den ungünstigsten Verhältnissen zu sagen wusste, und aus jeder Maske schauen doch seine eigne Augen [6] heraus. auch hat er, so oft man ihmʼs nur vergönnen wollte, nach seiner Art so ziemlich mit Keulen hineingeschlagen. – <persName key="717"><hi rend="weight:bold">Unser alte Herr</hi></persName>, hat recht eigentlich seine Freude an diesen Blättern, und befiehlt ausdrücklich einmal übers andre, daß sie fortbestehen sollen; aber niemand setzt weniger durch in der Familie als eben <hi rend="weight:bold">der alte Herr</hi>, und so ist es immer noch ungewiß. – Dieses Ungarn ist ein schönes Land; und was könnte es nicht erst werden! jetzt ist es mehr noch als halb wild. Wie leicht könnte man ihm sein gediegnes Gold gegen kleine Schellen, GlasCorallen, und Stückchen Spiegel abtauschen! aber keiner versteht mit ihnen zu handeln, und ... <name key="6021" type="work">„heißt mich nicht reden, heißt mich schweigen“</name> – – – Es ist uns zu Muth wie dem Merkulo im <name key="1851" type="work">Triumph der Empfindsamkeit</name>, „Himmel und Erde scheinen uns Esel zu bohren“ etc. <name key="1812" type="work">Die Sache mit <persName key="62">Schelling</persName></name> scheint mir jetzt auch sehr <hi rend="slant:italic">malapropos</hi> zu kommen. – Verlernt man auch jetzt noch das Schulgezänke nicht? und will wenn furchtbare Erdbeben uns allesammt verschlingen, noch jeder das Seinige suchen? – wenn ich <persName key="8">Friedrich</persName> recht kenne so wird er nicht besonders gegen <persName key="62">S.[chelling]</persName> zu Felde ziehen sondern ihn irgend bei einer andern Gelegenheit mit mehreren zusammenfassen. Auf diese Art werden Persönlichkeiten am meisten vermieden, und jeder kann sich seinen Theil heraus[7]suchen. Hat doch Schelling sich richtig herausgefühlt aus <name key="520" type="work">dem Werk über Indien</name>, ohne daß er auf das mindeste wäre bezeichnet gewesen. Für Eins ist mir bange bei dieser Sache; nemlich daß Schelling nicht eher ruhen wird bis er Friedrich <hi rend="weight:bold">zwingt</hi> seine Philosophie ans Licht treten zu lassen, und dagegen bin ich ganz entschieden, und werde mich nimmer trösten wenn es dennoch geschieht. Friedrichs Philosophie ist seine Seele, sein Leben, sie wächst mit ihm, und bildet sich mit ihm so lange er denkt und athmet; sie ist auch eben so die Seele <name key="859" type="work">seiner Werke</name>, und darf nicht abgesondert sichtbar werden. Giebt er sie heraus so ist sie von ihm getrennt, muß für sich selber existiren, und nun kann er ihr nichts mehr geben; er muß sich vor ihr hinstellen, sie gegen fremde Angriffe vertheidigen, durch allerlei Fechterposituren von ihr verdrängt werden, bis sie ihm ganz fremd wird, und er sie doch um der leidigen Consequenz willen, nicht wegwerfen darf. – Geht es nach meinem Sinn so kömmt sie als System erst nach seinem Tode heraus; aber freilich wird Schelling ihn durch allerlei Angriffe dazu zwingen wollen daß er eben so geschnürt und festgebannt werde, als er selber ist! – Vor der Hand hat Friedrich auf keinen Fall Zeit sich in dergleichen einzulassen.<lb/>Von <name key="266" type="work">dem 2<hi rend="offset:4">ten</hi> Theil des spanischen Theaters</name> haben [8] wir hier noch nichts. Auch sind die Exemplare <name key="946" type="work">Ihrer Vorlesungen</name> noch nicht an mich gelangt; indessen haben wir sie schon gesehen, <persName key="1473">Collin</persName> ließ sich ein Exemplar davon nach Ungarn senden. Auch diejenige welche Ihren mündlichen Vortrag hörten, freuen sich sehr damit, und finden auch daß sie noch vieles gewonnen haben, durch die sorgfältigere Bearbeitung. <persName key="8">Friedrich</persName> war entzückt über das was Sie über <persName key="11">Aeschylus</persName> gesagt haben, und findet die Art wie Sie über den <persName key="1427">Aristophanes</persName>, wie über glühende Kohlen auf den äußersten Fußzehen hinhüpfen äußerst zierlich und anmuthig. – Mich hat die GegeneinanderStellung <name key="109" type="work"><name key="1856" type="work"><name key="1855" type="work">der drei Oreste</name></name></name> bezaubert; belehrender kann nichts sein als Ihre Charakteristik <persName key="11"><persName key="1411"><persName key="387">der drei Tragiker</persName></persName></persName>. – Collin war betrübt daß Sie <name key="1468" type="work">seiner Uebersetzung <name key="929" type="work">Ihres <hi rend="weight:bold">über Phaedra</hi></name></name> keines Andenkens gewürdigt haben. – Und zuletzt fanden wir daß Sie in Ihrer Deduction der Tragödie und der Komödie uns die neuesten Begebenheiten sehr witzig auseinandergesetzt haben, die auf eine hohe Tragödie angelegt waren, und durch erbärmliche Prügel zu einer wahren Komödie umgewandelt wurden. Dies erzähle ich Ihnen, damit Sie sehen, daß es uns noch, dennoch, nicht an Scherz und froher Laune in manchen Momenten gefehlt hat. – Ich bin nicht mehr <persName key="1284">bei Arnsteins</persName>, sondern wieder auf ein paar kleine Zimmer gezogen, die ich nun [9] für Friedrich inStand setze, so gut es geht. Ich erwarte ihn um ihn darin zu installiren, dann gehe ich sobald wir eine Gesandtschaft in <placeName key="13">Dr.[esden]</placeName> haben dorthin zu <persName key="1311"><persName key="608">meinen Söhnen</persName></persName> mit denen einige Zeit zu leben, es immer nothwendiger wird. Von <persName key="115">Charlotte</persName> werden Sie gehört haben daß man mich während des Krieges dort nicht würde geduldet haben – und doch war ich <placeName key="16"><hi rend="weight:bold">hier</hi></placeName> so ruhig und ungestört geduldet! Ja ja lieber Wilhelm, Böotien ist groß! und merkwürdig ist es zu sehen wie sie die Maaßregeln des Herschers übertreiben und tölpelhaft anwenden. – <name key="6023" type="work">Die Thathandlung <persName key="403">des Einsiedlers</persName></name> haben wir in <placeName key="6022">Pesth</placeName> gedruckt gelesen, in ausführlicher Form, lateinisch und italiänisch. Von der <persName key="446"><persName key="403">Korrespondenz</persName></persName> deren Sie erwähnen haben wir noch nichts gesehen, wenn es nicht die ist, <name key="6024" type="work">die vor dem Ausbruch des Kriegs auch hier deutsch erschien</name>; oder verstehen Sie unter Correspondenz eben jenes Aktenstück? – Ja mein Bruder Sie haben Recht, wir werden Wunder schauen! Auch <hi rend="weight:bold">erschrickt</hi> bloß unsre irdische Natur vor dem was uns als Unglück erscheint; <hi rend="weight:bold">unzufrieden</hi> aber dürfen wir, und können wir nicht seyn über das was geschieht! – Sobald ich ausgehe will ich mich nach <persName key="102">Knorring</persName> erkundigen; jetzt habe ich noch nichts von ihm gehört. <persName key="1335"><name key="1390" type="work"><hi rend="weight:bold">Plutarch</hi></name></persName> ist <hi rend="slant:italic">sain et sauf</hi> wieder angelangt, und ziemlich desperat. <persName key="1473">Collin</persName> hat zu seiner großen Freude das Leopolds Kreuz erhalten.<lb/>Grüß Sie Gott lieber Wilhelm! erinnern Sie sich in Liebe Ihrer<lb/>Schwester<lb/>Dorothea.<lb/><lb/>[9] Noch Eins ehe ich siegle. <name key="1857" type="work">Der Roman Karls Versuche</name> etc der so die Ehre Ihres Beifalls hat, ist nicht im mindesten von <persName key="220">Fouqué</persName> sondern von einer ganzen Gesellschaft sogenannter Hanswürste, deren <persName key="625">Einer Namens <hi rend="weight:bold">Varrenhagen</hi></persName> mir hier ein Exemplar davon schenkte; dieser sowohl als einige andre junge Norddeutsche sind gleich nach der Schlacht bei <placeName key="1789">Aspern</placeName> hergeeilt, und haben Dienste bei der Kaiserlichen Armee genommen, um geschwind auch ihren Theil an deutscher Glorie zu erhalten, und auch hier nicht unbemerkt zurück zu bleiben, so wenig wie an dem Ruhm Deutscher Poesie und Litteratur. Es ist ihnen aber auch richtig unter den Waffen wie in der gelehrten Welt ergangen. Lorbeern gab es nicht mehr für die armen Kinder, aber etwas angeschossen sind sie sämmtlich worden, worauf sie sich geduldig in Gefangenschaft gaben, von welcher sie aber wieder ausgewechselt wurden, und (zu ihrer wirklichen Ehre sei es gesagt) sie sind wieder, (obgleich freywillige) zu ihren Regimentern gegangen. <persName key="1858">Einer, Namens v. Marwitz</persName>, ist an seiner Wunde gestorben, also über diesen will ich mich nun weiter nicht aufhalten, auch soll er wirklich brav gewesen seyn. Diese Gesellschaft also schreibt diesen Roman, wo es ein Gesetz ist, daß jeder die Anlage seines Vorgängers im vorigen Capitel vernichtet und es seinem Nachfolger so schwer als möglich zu machen sucht. Sie sehen also daß wir geistreich genug sind wenn wir zu halben Dutzenden zusammentreten.<lb/>Daß <persName key="380">die Unger</persName> Sie quält mag ihr Gott lohnen; und lassen Sie in der That <name key="344" type="work">den <persName key="4">Shakespear</persName></name> in fremde Hände gerathen, so weiß ich nicht wie Sie es je verantworten wollen.<lb/>Ich habe mit <persName key="1433">jemand aus <placeName key="354">München</placeName></persName> gesprochen, der mir sagte, daß es <persName key="132"><persName key="56"><persName key="48">Tiecks</persName></persName></persName> nicht gut dort gienge. Erfahre ich etwas weiters, so schreibe ich es Ihnen sogleich. – Grüß Sie Gott. Was macht <persName key="267">Albert</persName>?</p></div></body></text></TEI>
