• August Wilhelm von Schlegel to August Böckh

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Unknown · Date: 22.11.1835
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: August Böckh
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 22.11.1835
    Printed Text
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 517‒521.
  • Incipit: „Bonn d. 22ten Nov. 1835
    Sie haben mir, mein hochverehrter Herr und Freund und akademischer College, durch die Sendung der neuesten Abtheilung [...]“
    Language
  • German
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Bonn d. 22ten Nov. 1835
Sie haben mir, mein hochverehrter Herr und Freund und akademischer College, durch die Sendung der neuesten Abtheilung Ihres herrlichen Werkes eine große Freude gemacht: ich sage Ihnen meinen wärmsten Dank dafür. Ich bewundre Ihren kritischen Scharfsinn eben so sehr als Ihre Beharrlichkeit; cʼest tout dire. Sie setzen sich ein Denkmal bei der Nachwelt. Möge der Himmel Ihnen fortdauernde Gesundheit verleihen, um es zu vollenden, und nachher als verehrter Veteran auf Ihren Lorbeeren zu ruhen.
Auch Ihre Programme sind wahre Leckerbissen für mich, z. B. das von der Cyrenäischen Inschrift. Dem ernsten Worte über das jetzige Homerische Unwesen in dem Programm von [18]34, habe ich ordentlich Beifall zugejauchzt, und ich bedaure nur, daß es bei Behandlung derselben Inschrift in dem großen Werke wegbleiben mußte. Es ist unerträglich zu sehen, wie mittelmäßige Köpfe die alten Irrthümer wieder aufwärmen, um sich den Schein der Neuheit zu geben. Ja ja, wenn der Kater nicht zu Hause ist, so springen die Mäuse auf Tische und Bänke. Wie würde der Wolf wenn er noch in seiner früheren kriegerischen Rüstigkeit lebte, wie würde er das zahme Vieh zu Paaren treiben. Aber das Unglück ist, daß er sein Werk nicht vollendet hat, und zuletzt war er wohl gleichgültig dagegen geworden.
Ich halte diesen Winter eine öffentliche Vorlesung über Quaestiones Homericas, wo ich der Sache näher auf den Leib zu rücken gedenke. Es sind nun wohl 38 Jahre her, seit ich mit meinem Bruder Friedrich viel über die sichtbaren Näthe und eingeflickten Lappen verhandelte. Es thut mir Leid für Welcker daß er nun auch wieder einen einzigen Autor der untheilbaren Ilias behauptet. So lange der Geist durch den hergebrachten Glauben gefesselt war, mochte man wohl darüber hinlesen; aber jetzt verräth der kein feines Gehör für Poesie, der den großen Abstand der verschiednen Theile in Ton und Geist nicht verspürt.
Während nun in Deutschland diese Reaction der Homerischen Legitimisten erfolgt, kreuzigen und segnen sie sich noch immer im Auslande über das abscheuliche Paradoxon. Da schickt mir Guigniaud eine Schrift, worin er erbärmlich lamentirt, daß man ihm seinen Homer pulverisire, und das herrlichste Werk des menschlichen Geistes, wie die Welt Epikurs aus Atomen entstehen lasse. Der gute Mann hat also gar nicht begriffen, wovon die Rede war. Besonders anziehend sind für mich die ältesten Inschriften, weil ich viel über die ursprünglichen Formen des Griechischen in Bezug auf Sprachvergleichung nachgedacht habe. Ich denke mir, bei diesem Worte wird Ihnen schon schlimm zu Muthe, wegen des vielen unreifen, verkehrten, ja verrückten, was darüber vorgebracht worden. W. von Humboldt, Grimm, Lassen, Burnouf, haben jedoch den wahren wissenschaftlichen Weg gezeigt, und sind unschuldig daran. So ist es einmal in Deutschland: ein gescheidter Mann sagt etwas wahres und vernünftiges; gleich ist ein Haufe von Narren bei der Hand, die ihm das Wort im Munde verdrehen, und etwas abgeschmacktes daraus machen.
Ich fühle wohl, es ist vermessen von mir, dem großen Meister des Faches Zweifel und Einwendungen vorzulegen. Auch thue ich es nur im Vertrauen auf Ihre wohlwollende Gesinnung, und wünsche nichts mehr als Belehrung.
Bei No. 1 bemerken Sie, es komme kein Digamma vor, es sey aber auch keines zu erwarten gewesen. Ich meyne doch. Zuvörderst frage ich an, ob Sie das εἶ für unentbehrlich erachten? Mir ist es vielmehr störend, als allzuprosaisch nach dem epischen Anklange der beim Homer fast unzertrennlichen Wörter ἄφθιτος αἰεί. Wenn Sie nun das εἶ für entbehrlich erklären, so schlage ich vor mit Wegnahme eines einzigen Striches zu emendiren: IEꟻIA. Das Wort war doch gewiß digammirt. AIFEI ist der regelmäßige Dativ von einem obsoleten Substantiv αἰFος. In der Declinations-Form steht aevum gewissermaßen zwischen diesem und dem abgeleiteten αἰών. Ganz übereinstimmend ist aber das Gothische aiw (gen. aiwis) und das Indische āyus. (y für unser Jod.) Hier haben nur Vocal und Halbvocal die Rollen gewechselt. Die abgekürzte Form ἀεί konnte erst nach Ausfall des Digamma durch die Berührung der Diphthongen entstehen, als der Begriff von der wahren Natur des Wortes schon verdunkelt war.
Nr. 16. Der Helm des Hiero. Ich halte Ihre Erklärung allerdings für die einzige mögliche, aber ich sehe doch noch eine unüberwindliche Schwierigkeit dabei. An dem einfachen r in TYPAN würde ich gar keinen Anstoß nehmen. Aber die Etrusker oder vielmehr Tusker hießen ja damals bei allen Griechen nicht Τυῤῥηνοί, sondern Tυρσηνοί, Dorisch Τυρσανοί. So Hesiodus (in freilich unächten Versen), so der Homeride, so Aeschylus, so Pindar, so Sophokles, so Herodot, so Thucydides. Ich habe nicht Zeit nachzusehen, wie es Plato hat. Τυῤῥηνοί ist also eine spät aufgekommene attische Form, welche nachher in die allgemeine Büchersprache überging. So frühzeitig! und vollends bei Sikelioten, die so viel unmittelbaren Verkehr mit dem Volke hatten. Denn ich bin fest überzeugt, daß die Tusker sich selbst Tursener nannten.
Niebuhr wollte den Apostroph nicht gelten lassen, und meynte turan sey ein acc. fem. eines unbekannten Wortes, welches spolia bedeute. Ich habe darüber gescherzt, und gesagt: wenn dieses erlaubt sey, so dürfe man ja nur annehmen, τυρός sey dialektisch auch im Femininum üblich gewesen; in Cumae habe man sehr vorzügliche Käse gemacht, und einen solchen habe Hiero dem Zeus verehrt, wie Sancho Pansa die gekauften Schaafkäse in den Helm des Don Quixote packt. Wie wenn nun die ganze Inschrift unächt wäre?
Bei Gelegenheit will ich Ihnen meine Ketzerei anvertrauen. Die beiden von Niebuhr ersonnenen und von Otfr. Müller angenommenen wesentlich verschiednen Nationen, die Tursener und Tusker, jene ein Pelasgisches Volk, diese ein barbarisches, über die Alpen eingewandertes, welches jene in ihren früheren Ansiedelungen unterjocht hätte, halte ich für eine durchaus grundlose Hypothese. Tursci und Turseni das ist ganz derselbe Name, jenes in der Lateinischen Form, dieses in der einheimischen Form, die wir in so vielen andern Etruscischen Namen wiedererkennen. Ich habe wohl einmal Zeit und Gelegenheit, meine Gründe öffentlich darzulegen.
Die Numismatik ist freilich von Ihrem Plane ausgeschlossen, aber die wichtigen neuen Entdeckungen, welche in Lahore und Cabul gemacht worden sind, seit ich über die Baktrischen und Indo-Skythischen Münzen des Obersten Tod schrieb, werden Sie doch interessiren. Der neueste Bericht aus Indien findet sich, von schlechten Abbildungen begleitet, in dem dritten Jahrgange des Journals von Calcutta. Raoul-Rochette schickt mir ein paar besser gestochene Kupfertafeln. Da nun die Sammlung des General Allard in das Königl. Cabinet gekommen ist, so hat er Vorrath genug, um darüber zu schreiben. Ich wünschte es lieber in Letronneʼs Hände.
Ich wiederhole meinen Dank. Die Sendung Ihres großen Werkes ist in der That das einzige erfreuliche, was mir von Seiten der Akademie begegnet, und dieß verdanke ich ja nur Ihnen persönlich. Denn die Akademie benimmt sich gegen mich so, als ob ich gar nicht in der Welt wäre. Seit so vielen Jahren, daß ich ordentliches Mitglied bin, sind mir nicht einmal die Bände ihrer Abhandlungen geschickt worden. Es ist unerhört! Ich meyne, ich hätte Anspruch nicht nur auf die seit meiner Aufnahme erschienenen Bände, sondern auf die vollständige Reihe, seit sie deutsch abgefaßt werden. Noch bei einer andern Gelegenheit hat sich die Akademie sehr unfreundlich betragen. Ich begehrte nämlich, oder Hr. Lassen für mich, einige Stempel zur Ergänzung der kleinsten Devanagari-Schrift. Es wurde abgeschlagen, ohne Zweifel auf Bopps Antrag. Diese kleinste Schrift ist gut ausgefallen, weil sie bloß eine Nachahmung meiner großen war, die wohl die schönste in der Welt bleiben wird. Die von mittlerem Caliber hingegen, unter Bopps geschmackloser Leitung angefertigt, ist ganz abscheulich: sie mögen sie nur gerade in den Schmelzofen werfen.
Nun leben Sie recht wohl, behalten Sie mich in gutem Andenken, und halten Sie mir meine Bemerkungen zu Gute.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
Ihr ergebenster
A. W. v. Schlegel
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Bonn d. 22ten Nov. 1835
Sie haben mir, mein hochverehrter Herr und Freund und akademischer College, durch die Sendung der neuesten Abtheilung Ihres herrlichen Werkes eine große Freude gemacht: ich sage Ihnen meinen wärmsten Dank dafür. Ich bewundre Ihren kritischen Scharfsinn eben so sehr als Ihre Beharrlichkeit; cʼest tout dire. Sie setzen sich ein Denkmal bei der Nachwelt. Möge der Himmel Ihnen fortdauernde Gesundheit verleihen, um es zu vollenden, und nachher als verehrter Veteran auf Ihren Lorbeeren zu ruhen.
Auch Ihre Programme sind wahre Leckerbissen für mich, z. B. das von der Cyrenäischen Inschrift. Dem ernsten Worte über das jetzige Homerische Unwesen in dem Programm von [18]34, habe ich ordentlich Beifall zugejauchzt, und ich bedaure nur, daß es bei Behandlung derselben Inschrift in dem großen Werke wegbleiben mußte. Es ist unerträglich zu sehen, wie mittelmäßige Köpfe die alten Irrthümer wieder aufwärmen, um sich den Schein der Neuheit zu geben. Ja ja, wenn der Kater nicht zu Hause ist, so springen die Mäuse auf Tische und Bänke. Wie würde der Wolf wenn er noch in seiner früheren kriegerischen Rüstigkeit lebte, wie würde er das zahme Vieh zu Paaren treiben. Aber das Unglück ist, daß er sein Werk nicht vollendet hat, und zuletzt war er wohl gleichgültig dagegen geworden.
Ich halte diesen Winter eine öffentliche Vorlesung über Quaestiones Homericas, wo ich der Sache näher auf den Leib zu rücken gedenke. Es sind nun wohl 38 Jahre her, seit ich mit meinem Bruder Friedrich viel über die sichtbaren Näthe und eingeflickten Lappen verhandelte. Es thut mir Leid für Welcker daß er nun auch wieder einen einzigen Autor der untheilbaren Ilias behauptet. So lange der Geist durch den hergebrachten Glauben gefesselt war, mochte man wohl darüber hinlesen; aber jetzt verräth der kein feines Gehör für Poesie, der den großen Abstand der verschiednen Theile in Ton und Geist nicht verspürt.
Während nun in Deutschland diese Reaction der Homerischen Legitimisten erfolgt, kreuzigen und segnen sie sich noch immer im Auslande über das abscheuliche Paradoxon. Da schickt mir Guigniaud eine Schrift, worin er erbärmlich lamentirt, daß man ihm seinen Homer pulverisire, und das herrlichste Werk des menschlichen Geistes, wie die Welt Epikurs aus Atomen entstehen lasse. Der gute Mann hat also gar nicht begriffen, wovon die Rede war. Besonders anziehend sind für mich die ältesten Inschriften, weil ich viel über die ursprünglichen Formen des Griechischen in Bezug auf Sprachvergleichung nachgedacht habe. Ich denke mir, bei diesem Worte wird Ihnen schon schlimm zu Muthe, wegen des vielen unreifen, verkehrten, ja verrückten, was darüber vorgebracht worden. W. von Humboldt, Grimm, Lassen, Burnouf, haben jedoch den wahren wissenschaftlichen Weg gezeigt, und sind unschuldig daran. So ist es einmal in Deutschland: ein gescheidter Mann sagt etwas wahres und vernünftiges; gleich ist ein Haufe von Narren bei der Hand, die ihm das Wort im Munde verdrehen, und etwas abgeschmacktes daraus machen.
Ich fühle wohl, es ist vermessen von mir, dem großen Meister des Faches Zweifel und Einwendungen vorzulegen. Auch thue ich es nur im Vertrauen auf Ihre wohlwollende Gesinnung, und wünsche nichts mehr als Belehrung.
Bei No. 1 bemerken Sie, es komme kein Digamma vor, es sey aber auch keines zu erwarten gewesen. Ich meyne doch. Zuvörderst frage ich an, ob Sie das εἶ für unentbehrlich erachten? Mir ist es vielmehr störend, als allzuprosaisch nach dem epischen Anklange der beim Homer fast unzertrennlichen Wörter ἄφθιτος αἰεί. Wenn Sie nun das εἶ für entbehrlich erklären, so schlage ich vor mit Wegnahme eines einzigen Striches zu emendiren: IEꟻIA. Das Wort war doch gewiß digammirt. AIFEI ist der regelmäßige Dativ von einem obsoleten Substantiv αἰFος. In der Declinations-Form steht aevum gewissermaßen zwischen diesem und dem abgeleiteten αἰών. Ganz übereinstimmend ist aber das Gothische aiw (gen. aiwis) und das Indische āyus. (y für unser Jod.) Hier haben nur Vocal und Halbvocal die Rollen gewechselt. Die abgekürzte Form ἀεί konnte erst nach Ausfall des Digamma durch die Berührung der Diphthongen entstehen, als der Begriff von der wahren Natur des Wortes schon verdunkelt war.
Nr. 16. Der Helm des Hiero. Ich halte Ihre Erklärung allerdings für die einzige mögliche, aber ich sehe doch noch eine unüberwindliche Schwierigkeit dabei. An dem einfachen r in TYPAN würde ich gar keinen Anstoß nehmen. Aber die Etrusker oder vielmehr Tusker hießen ja damals bei allen Griechen nicht Τυῤῥηνοί, sondern Tυρσηνοί, Dorisch Τυρσανοί. So Hesiodus (in freilich unächten Versen), so der Homeride, so Aeschylus, so Pindar, so Sophokles, so Herodot, so Thucydides. Ich habe nicht Zeit nachzusehen, wie es Plato hat. Τυῤῥηνοί ist also eine spät aufgekommene attische Form, welche nachher in die allgemeine Büchersprache überging. So frühzeitig! und vollends bei Sikelioten, die so viel unmittelbaren Verkehr mit dem Volke hatten. Denn ich bin fest überzeugt, daß die Tusker sich selbst Tursener nannten.
Niebuhr wollte den Apostroph nicht gelten lassen, und meynte turan sey ein acc. fem. eines unbekannten Wortes, welches spolia bedeute. Ich habe darüber gescherzt, und gesagt: wenn dieses erlaubt sey, so dürfe man ja nur annehmen, τυρός sey dialektisch auch im Femininum üblich gewesen; in Cumae habe man sehr vorzügliche Käse gemacht, und einen solchen habe Hiero dem Zeus verehrt, wie Sancho Pansa die gekauften Schaafkäse in den Helm des Don Quixote packt. Wie wenn nun die ganze Inschrift unächt wäre?
Bei Gelegenheit will ich Ihnen meine Ketzerei anvertrauen. Die beiden von Niebuhr ersonnenen und von Otfr. Müller angenommenen wesentlich verschiednen Nationen, die Tursener und Tusker, jene ein Pelasgisches Volk, diese ein barbarisches, über die Alpen eingewandertes, welches jene in ihren früheren Ansiedelungen unterjocht hätte, halte ich für eine durchaus grundlose Hypothese. Tursci und Turseni das ist ganz derselbe Name, jenes in der Lateinischen Form, dieses in der einheimischen Form, die wir in so vielen andern Etruscischen Namen wiedererkennen. Ich habe wohl einmal Zeit und Gelegenheit, meine Gründe öffentlich darzulegen.
Die Numismatik ist freilich von Ihrem Plane ausgeschlossen, aber die wichtigen neuen Entdeckungen, welche in Lahore und Cabul gemacht worden sind, seit ich über die Baktrischen und Indo-Skythischen Münzen des Obersten Tod schrieb, werden Sie doch interessiren. Der neueste Bericht aus Indien findet sich, von schlechten Abbildungen begleitet, in dem dritten Jahrgange des Journals von Calcutta. Raoul-Rochette schickt mir ein paar besser gestochene Kupfertafeln. Da nun die Sammlung des General Allard in das Königl. Cabinet gekommen ist, so hat er Vorrath genug, um darüber zu schreiben. Ich wünschte es lieber in Letronneʼs Hände.
Ich wiederhole meinen Dank. Die Sendung Ihres großen Werkes ist in der That das einzige erfreuliche, was mir von Seiten der Akademie begegnet, und dieß verdanke ich ja nur Ihnen persönlich. Denn die Akademie benimmt sich gegen mich so, als ob ich gar nicht in der Welt wäre. Seit so vielen Jahren, daß ich ordentliches Mitglied bin, sind mir nicht einmal die Bände ihrer Abhandlungen geschickt worden. Es ist unerhört! Ich meyne, ich hätte Anspruch nicht nur auf die seit meiner Aufnahme erschienenen Bände, sondern auf die vollständige Reihe, seit sie deutsch abgefaßt werden. Noch bei einer andern Gelegenheit hat sich die Akademie sehr unfreundlich betragen. Ich begehrte nämlich, oder Hr. Lassen für mich, einige Stempel zur Ergänzung der kleinsten Devanagari-Schrift. Es wurde abgeschlagen, ohne Zweifel auf Bopps Antrag. Diese kleinste Schrift ist gut ausgefallen, weil sie bloß eine Nachahmung meiner großen war, die wohl die schönste in der Welt bleiben wird. Die von mittlerem Caliber hingegen, unter Bopps geschmackloser Leitung angefertigt, ist ganz abscheulich: sie mögen sie nur gerade in den Schmelzofen werfen.
Nun leben Sie recht wohl, behalten Sie mich in gutem Andenken, und halten Sie mir meine Bemerkungen zu Gute.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
Ihr ergebenster
A. W. v. Schlegel
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