• August Wilhelm von Schlegel to Adelbert von Chamisso

  • Place of Dispatch: Genf · Place of Destination: Unknown · Date: 18.12.1810
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Adelbert von Chamisso
  • Place of Dispatch: Genf
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 18.12.1810
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 264‒265.
  • Incipit: „[1] Genf d. 18. Dec. 1810
    Ich muß um Ihre gefällige Entschuldigung bitten, mein werthester Herr und Freund, daß ich während so [...]“
    Manuscript
  • Provider: Staatsbibliothek zu Berlin
  • Classification Number: NL Camisso K. 30 Nr. 39, Bl. 1-2
[1] Genf d. 18. Dec. 1810
Ich muß um Ihre gefällige Entschuldigung bitten, mein werthester Herr und Freund, daß ich während so langer Zeit nichts geschickt, noch von mir hören lassen. Den ersten Theil meiner Versäumniß habe ich wieder einzubringen gesucht; bereits am verwichenen Freytag vor 8 Tagen sind 23½ Bogen vom 3 Theile mit der reitenden Post sous bandes an Sie abgegangen. Ich hoffe, sie werden richtig angekommen seyn. Den Schluß des Ganzen habe ich selbst noch nicht, erwarte ihn aber täglich.
Die Ursache meines langen Stillschweigens war eigentlich diese, daß ich zu meiner Beschämung gestehen muß, diese Zeit her für unsre gemeinschaftliche Unternehmung nicht so thätig gewesen zu seyn, als ich hätte seyn sollen. Die Katastrophe mit dem Buche meiner Freundin hat mir einigermaßen Lust und Muth verkümmert. Ich habe Besorgnisse wegen der Censur. Daß einzelne Stellen schon vorläufig aufgeopfert werden müssen, versteht sich von selbst, aber vielleicht ist dieß nicht hinreichend. Auch fürchte ich, unser Verleger wird, nach der gemachten Erfahrung, schwierig geworden seyn, etwas der deutschen Litteratur angehöriges zu drucken, auf die man jetzt in allen Tageblättern eine so große [2] Ungunst zu werfen droht. Was aber die Hauptsache ist, so hat meine Freundin jetzt alle Stimmung zu litterarischen Beschäftigungen verlohren. Sie hatte mir versprochen, die Übersetzung mit mir durchzugehen und dieß würde dem noch mangelhaften darin auf das gründlichste abgeholfen haben. Indessen bis jetzt zeigt sie nicht die mindeste Neigung dazu, und ich mag ihr nicht beschwerlich fallen. Doch dieß wird sich alles finden. Für jetzt bin ich mit der Anordnung einer neuen Ausgabe meiner Gedichte beschäftigt, sobald ich damit zu Stande bin, werde ich die noch nicht bearbeiteten Stücke von Madame Chézy durchgehen, und vor Ende März hoffe ich die beyden ersten Bände so gut als möglich in Ordnung gebracht zu haben. Unterdessen werden Sie Ihrerseits mit dem 3t. Bande in Richtigkeit seyn.
Es ist äußerst wünschenswerth, daß Hr. von Barante selbst mit Hand anlegen will. Sagen Sie ihm meinen besten Dank dafür, so wie auch für die neue Ausgabe seiner Schrift über das 18te Jahrhundert, welche mir sein Vater in seinem Namen zugestellt hat. Sobald ich den 3t. Theil der Vorlesungen erhalte, werde ich ein Exemplar an ihn sowie auch an Sie befördern.
Vermuthlich wird die Veränderung, welche [3] seinen Vater betroffen hat, in seinem Reiseplan eine Änderung machen, er geht also vielleicht den Winter über nur nach Paris oder verläßt Napoleon auch garnicht. Daß Sie über Mangel an Hilfsmitteln zu klagen haben, wundert mich. Ich hätte gedacht, in solcher Einsamkeit wäre es das dringendste Bedürfniß gewesen, sich eine gute Bibliothek der einheimischen classischen Autoren anzuschaffen.
Von Madame Chézy werden Sie neuere Nachrichten haben als ich. Es scheint ihr in Heidelberg leidlich wohl zu gehen: sie hat an Hrn. Sulpiz Boisseré aus Cöln einen ehemaligen schätzbaren Bekannten von Paris her gefunden, so daß sie dort also doch nicht ganz fremd und allein ist.
Aus Deutschland habe ich allerley litterarische Neuigkeiten gehört und bekommen. Wenn es nur nicht für einen Brief zu weitläuftig wäre, so möchte ich Ihnen gern manches davon mittheilen. Der zweyte Theil von Fouqués Sigurd ist noch nicht zu mir gelangt.
Leben Sie recht wohl und seyn Sie meiner freundschaftlichen Gesinnung gewiß. Vertreiben Sie sich den Winter über die Zeit, so gut es gehn will. Ich denke immer, wir treffen uns wieder, wenn ich schon nicht voraussehen kann, wie und wo es geschehen möchte.
A. W. S.
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[1] Genf d. 18. Dec. 1810
Ich muß um Ihre gefällige Entschuldigung bitten, mein werthester Herr und Freund, daß ich während so langer Zeit nichts geschickt, noch von mir hören lassen. Den ersten Theil meiner Versäumniß habe ich wieder einzubringen gesucht; bereits am verwichenen Freytag vor 8 Tagen sind 23½ Bogen vom 3 Theile mit der reitenden Post sous bandes an Sie abgegangen. Ich hoffe, sie werden richtig angekommen seyn. Den Schluß des Ganzen habe ich selbst noch nicht, erwarte ihn aber täglich.
Die Ursache meines langen Stillschweigens war eigentlich diese, daß ich zu meiner Beschämung gestehen muß, diese Zeit her für unsre gemeinschaftliche Unternehmung nicht so thätig gewesen zu seyn, als ich hätte seyn sollen. Die Katastrophe mit dem Buche meiner Freundin hat mir einigermaßen Lust und Muth verkümmert. Ich habe Besorgnisse wegen der Censur. Daß einzelne Stellen schon vorläufig aufgeopfert werden müssen, versteht sich von selbst, aber vielleicht ist dieß nicht hinreichend. Auch fürchte ich, unser Verleger wird, nach der gemachten Erfahrung, schwierig geworden seyn, etwas der deutschen Litteratur angehöriges zu drucken, auf die man jetzt in allen Tageblättern eine so große [2] Ungunst zu werfen droht. Was aber die Hauptsache ist, so hat meine Freundin jetzt alle Stimmung zu litterarischen Beschäftigungen verlohren. Sie hatte mir versprochen, die Übersetzung mit mir durchzugehen und dieß würde dem noch mangelhaften darin auf das gründlichste abgeholfen haben. Indessen bis jetzt zeigt sie nicht die mindeste Neigung dazu, und ich mag ihr nicht beschwerlich fallen. Doch dieß wird sich alles finden. Für jetzt bin ich mit der Anordnung einer neuen Ausgabe meiner Gedichte beschäftigt, sobald ich damit zu Stande bin, werde ich die noch nicht bearbeiteten Stücke von Madame Chézy durchgehen, und vor Ende März hoffe ich die beyden ersten Bände so gut als möglich in Ordnung gebracht zu haben. Unterdessen werden Sie Ihrerseits mit dem 3t. Bande in Richtigkeit seyn.
Es ist äußerst wünschenswerth, daß Hr. von Barante selbst mit Hand anlegen will. Sagen Sie ihm meinen besten Dank dafür, so wie auch für die neue Ausgabe seiner Schrift über das 18te Jahrhundert, welche mir sein Vater in seinem Namen zugestellt hat. Sobald ich den 3t. Theil der Vorlesungen erhalte, werde ich ein Exemplar an ihn sowie auch an Sie befördern.
Vermuthlich wird die Veränderung, welche [3] seinen Vater betroffen hat, in seinem Reiseplan eine Änderung machen, er geht also vielleicht den Winter über nur nach Paris oder verläßt Napoleon auch garnicht. Daß Sie über Mangel an Hilfsmitteln zu klagen haben, wundert mich. Ich hätte gedacht, in solcher Einsamkeit wäre es das dringendste Bedürfniß gewesen, sich eine gute Bibliothek der einheimischen classischen Autoren anzuschaffen.
Von Madame Chézy werden Sie neuere Nachrichten haben als ich. Es scheint ihr in Heidelberg leidlich wohl zu gehen: sie hat an Hrn. Sulpiz Boisseré aus Cöln einen ehemaligen schätzbaren Bekannten von Paris her gefunden, so daß sie dort also doch nicht ganz fremd und allein ist.
Aus Deutschland habe ich allerley litterarische Neuigkeiten gehört und bekommen. Wenn es nur nicht für einen Brief zu weitläuftig wäre, so möchte ich Ihnen gern manches davon mittheilen. Der zweyte Theil von Fouqués Sigurd ist noch nicht zu mir gelangt.
Leben Sie recht wohl und seyn Sie meiner freundschaftlichen Gesinnung gewiß. Vertreiben Sie sich den Winter über die Zeit, so gut es gehn will. Ich denke immer, wir treffen uns wieder, wenn ich schon nicht voraussehen kann, wie und wo es geschehen möchte.
A. W. S.
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