• Karl von Hardenberg to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Meiningen · Place of Destination: Coppet · Date: 24.09.1807
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Karl von Hardenberg
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Meiningen
  • Place of Destination: Coppet
  • Date: 24.09.1807
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 335976727
  • Bibliography: Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 437‒439.
  • Incipit: „Meiningen d. 24ten Septbr. 1807
    Sobald ich Ihren Brief, mein werther Freund, erhielt, so besorgte ich dies Geschäft für Sophie B.[ernhardi]; Schon [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-7
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,28,4
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 22,6 x 18,7 cm
Meiningen d. 24ten Septbr. 1807
Sobald ich Ihren Brief, mein werther Freund, erhielt, so besorgte ich dies Geschäft für Sophie B.[ernhardi]; Schon zuvor hatte ich einen Wechsel auf 100 Th. nach München für sie geschikt, den sie auch nach Ihrem heutigen Brief vom 19ten dort vorgefunden; Von den 220 Th. die Sie bey mir hatten, sandte ich ihr nun noch 150 Th., und 70 Th. davon an Knorring, der gar Nichts mehr hatte, und den ich sonst mit den 100 Th. geholfen hätte. – Wohl hat die gänzliche Unbekanntschaft mit bürgerlichen Angelegenheiten, unsere Freunde in Italien in ein Labyrinth gestürzt, aus dem ich noch keinen Ausgang sehe; ich habe mehr geholfen als ich konnte, da ich jezt selbst oft in die schlimsten Verlegenheiten dadurch komme, und mich nur durch die sorgfältigste Oekonomie herausziehen kann; doch würde ich noch mit Freuden meine Hände zur Hülfe bieten, wenn die seltnen politischen Constellationen nicht Credit und Geld zugleich bey uns verbannt hätten; ich muß es nun Gott Allein überlassen; und vielleicht ist die Hülfe näher als wir glauben dürfen; K.[norring]s Vater scheint das Eis seines Landes nicht zu verläugnen, denn bis jezt warte ich schon 6 Monate vergeblich auf Antwort, und nur das seinem Sohn festgesezte Geld ist noch nicht angekommen; – F. Tieck scheint in Rom in einer sehr betrübten Lage geblieben zu seyn.
Wie sehr mich Ihr Brief gerührt und erfreut hat, kann ich Ihnen, geliebter Freund, nicht sagen; – Getrosten Muthes sehe ich nun für mich und meine Freunde der geheimnißvollen Zukunft entgegen; O! mein geliebter Freund, wie seelig wird Ihnen zu Muthe seyn, wenn Sie ganz in unsere Gemeinde, in die Kirche des Herrn treten; ich sehe Sie schon als ein Glied derselben an; – dann ruhen wir alle der Liebe im Schooß, und wohnen auf einem Felsen Grund, dessen Wurzel nur im Himmel aufgeht! – Wie herrlich und wundervoll ist es, daß in dieser Zeit der allgemeinen Auflösung, die geistvollsten und edelsten Menschen wie mit Blizzesleuchten davon überzeugt werden, und so als neue, frische Säulen emporwachsen, und grünen, um dem köstlichsten, ewigen Gebäude zu unerschütterlichen Pfeilern zu dienen; – die Geschichte des Menschen Geschlechts, das zwischen Himmel und Hölle schwebt, wird mir täglich klarer durch diese Betrachtung; – der Fürst dieser Welt und des Truges, kann sich immer nur selbst betrügen, und gerade wenn er glaubt den Sieg zu erringen, ist er dem Falle am Nächsten. Die Wunder der alten Zeit gehen in neuer Kraft hervor, und so wenig es uns an Faust fehlen wird, so werden auch Boten des Himmels wieder sichtbar unter uns wandeln; es ist davon wenig zu schreiben. – Für die Rezension des D.[ichter] Gartens bin ich Ihnen sehr dankbar; wenn ich ihn noch jezt herauszugeben hätte, ich würde vieles von meinen Sachen herauslassen; – Vielleicht wird das Schreiben wichtiger als je; aber deshalb sollte man auch überaus vorsichtig in der Publication werden, da die Verantwortung wächst, und ein öffentlich geschriebenes Wort von unendlicher Würkung ist. – Mit F. L. Stolberg bin ich jezt in lebhafte Correspondenz gekommen, und hoffe ihn bald persönlich kennen zu lernen; er ist ein trefflicher Mensch; ich habe ihm von Ihnen geschrieben; – Er freute sich sehr innig, daß Ihr Bruder ein so treuer Christ geworden ist; – ob ich den Leztern bald sehen werde, hängt nun von der Entscheidung seines Lebens Plans ab. – Troschel in Berlin hat Ihre Sache contra B.[ernhardi] und F.[eiges] Erben dem Justizkommisarius Bode übergeben, da wie er mir schreibt, dieser Gegenstand nicht in seinen Würkungskreis fiele. – Unser StammGut Wiederstedt ist von Sachsen an Westphalen abgetreten worden, da dort Alles auf französischem Fuß eingerichtet wird, so werden wir Manches dabey verlieren, und Gott weiß, was noch nachkömt; – das Beste ist, daß Gott es weiß, und regiert! – Ich kann es nicht leugnen, daß mir das tolle Treiben und Unwesen der jetzigen Zeit oft wie das lächerlichste Possenspiel erscheint, und ich immer noch ein tragisches Ende dieser Schlechtigkeit, vor der Wiedergeburt einer bessern Zeit erwarte; – Im Uebrigen bin ich Ueberaus ruhig und getrost! – Seit ich das Mysterium Magnum erkannt, und die wahre Aurora in meinem Herzen aufgegangen, seitdem liegt die Welt mir tiefer, als je. – Könnten wir doch nur zusammen reden? – Wäre ich doch mit Ihnen in Einsidlen gewesen? Doch wer weiß ob wir uns nicht noch Alle einmal wie Persiles und Sigismunde am Throne der Christenheit begegnen? – Leben Sie wohl; meine Frau grüßt Sie unbekannterweise herzlich; – Anfang Oktober reise ich nach Weißenfels zurück, wo ich den Winter über bleibe; – Lassen Sie mir bald wieder etwas von Ihnen hören; Gott mit uns Allen!
Ihr Freund
Carl Hardenberg
Meiningen d. 24ten Septbr. 1807
Sobald ich Ihren Brief, mein werther Freund, erhielt, so besorgte ich dies Geschäft für Sophie B.[ernhardi]; Schon zuvor hatte ich einen Wechsel auf 100 Th. nach München für sie geschikt, den sie auch nach Ihrem heutigen Brief vom 19ten dort vorgefunden; Von den 220 Th. die Sie bey mir hatten, sandte ich ihr nun noch 150 Th., und 70 Th. davon an Knorring, der gar Nichts mehr hatte, und den ich sonst mit den 100 Th. geholfen hätte. – Wohl hat die gänzliche Unbekanntschaft mit bürgerlichen Angelegenheiten, unsere Freunde in Italien in ein Labyrinth gestürzt, aus dem ich noch keinen Ausgang sehe; ich habe mehr geholfen als ich konnte, da ich jezt selbst oft in die schlimsten Verlegenheiten dadurch komme, und mich nur durch die sorgfältigste Oekonomie herausziehen kann; doch würde ich noch mit Freuden meine Hände zur Hülfe bieten, wenn die seltnen politischen Constellationen nicht Credit und Geld zugleich bey uns verbannt hätten; ich muß es nun Gott Allein überlassen; und vielleicht ist die Hülfe näher als wir glauben dürfen; K.[norring]s Vater scheint das Eis seines Landes nicht zu verläugnen, denn bis jezt warte ich schon 6 Monate vergeblich auf Antwort, und nur das seinem Sohn festgesezte Geld ist noch nicht angekommen; – F. Tieck scheint in Rom in einer sehr betrübten Lage geblieben zu seyn.
Wie sehr mich Ihr Brief gerührt und erfreut hat, kann ich Ihnen, geliebter Freund, nicht sagen; – Getrosten Muthes sehe ich nun für mich und meine Freunde der geheimnißvollen Zukunft entgegen; O! mein geliebter Freund, wie seelig wird Ihnen zu Muthe seyn, wenn Sie ganz in unsere Gemeinde, in die Kirche des Herrn treten; ich sehe Sie schon als ein Glied derselben an; – dann ruhen wir alle der Liebe im Schooß, und wohnen auf einem Felsen Grund, dessen Wurzel nur im Himmel aufgeht! – Wie herrlich und wundervoll ist es, daß in dieser Zeit der allgemeinen Auflösung, die geistvollsten und edelsten Menschen wie mit Blizzesleuchten davon überzeugt werden, und so als neue, frische Säulen emporwachsen, und grünen, um dem köstlichsten, ewigen Gebäude zu unerschütterlichen Pfeilern zu dienen; – die Geschichte des Menschen Geschlechts, das zwischen Himmel und Hölle schwebt, wird mir täglich klarer durch diese Betrachtung; – der Fürst dieser Welt und des Truges, kann sich immer nur selbst betrügen, und gerade wenn er glaubt den Sieg zu erringen, ist er dem Falle am Nächsten. Die Wunder der alten Zeit gehen in neuer Kraft hervor, und so wenig es uns an Faust fehlen wird, so werden auch Boten des Himmels wieder sichtbar unter uns wandeln; es ist davon wenig zu schreiben. – Für die Rezension des D.[ichter] Gartens bin ich Ihnen sehr dankbar; wenn ich ihn noch jezt herauszugeben hätte, ich würde vieles von meinen Sachen herauslassen; – Vielleicht wird das Schreiben wichtiger als je; aber deshalb sollte man auch überaus vorsichtig in der Publication werden, da die Verantwortung wächst, und ein öffentlich geschriebenes Wort von unendlicher Würkung ist. – Mit F. L. Stolberg bin ich jezt in lebhafte Correspondenz gekommen, und hoffe ihn bald persönlich kennen zu lernen; er ist ein trefflicher Mensch; ich habe ihm von Ihnen geschrieben; – Er freute sich sehr innig, daß Ihr Bruder ein so treuer Christ geworden ist; – ob ich den Leztern bald sehen werde, hängt nun von der Entscheidung seines Lebens Plans ab. – Troschel in Berlin hat Ihre Sache contra B.[ernhardi] und F.[eiges] Erben dem Justizkommisarius Bode übergeben, da wie er mir schreibt, dieser Gegenstand nicht in seinen Würkungskreis fiele. – Unser StammGut Wiederstedt ist von Sachsen an Westphalen abgetreten worden, da dort Alles auf französischem Fuß eingerichtet wird, so werden wir Manches dabey verlieren, und Gott weiß, was noch nachkömt; – das Beste ist, daß Gott es weiß, und regiert! – Ich kann es nicht leugnen, daß mir das tolle Treiben und Unwesen der jetzigen Zeit oft wie das lächerlichste Possenspiel erscheint, und ich immer noch ein tragisches Ende dieser Schlechtigkeit, vor der Wiedergeburt einer bessern Zeit erwarte; – Im Uebrigen bin ich Ueberaus ruhig und getrost! – Seit ich das Mysterium Magnum erkannt, und die wahre Aurora in meinem Herzen aufgegangen, seitdem liegt die Welt mir tiefer, als je. – Könnten wir doch nur zusammen reden? – Wäre ich doch mit Ihnen in Einsidlen gewesen? Doch wer weiß ob wir uns nicht noch Alle einmal wie Persiles und Sigismunde am Throne der Christenheit begegnen? – Leben Sie wohl; meine Frau grüßt Sie unbekannterweise herzlich; – Anfang Oktober reise ich nach Weißenfels zurück, wo ich den Winter über bleibe; – Lassen Sie mir bald wieder etwas von Ihnen hören; Gott mit uns Allen!
Ihr Freund
Carl Hardenberg
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