• Friedrich von Schlegel to August Wilhelm von Schlegel , Caroline von Schelling

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Jena · Date: [vor dem 29. Januar 1799]
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich von Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel, Caroline von Schelling
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Jena
  • Date: [vor dem 29. Januar 1799]
  • Notations: Datum erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 24. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Die Periode des Athenäums (25. Juli 1797 ‒ Ende August 1799). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Raymond Immerwahr. Paderborn 1985, S. 220‒222.
  • Incipit: „Vielen Dank für Deinen guten und angenehmen Brief, insonders biedrer Freund! – Die Elegie erwarte ich mit einer unvergleichlichen Ungeduld. Außer [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34237
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.24.c,Nr.121
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs.
  • Format: 18,9 x 11,5 cm
Vielen Dank für Deinen guten und angenehmen Brief, insonders biedrer Freund! – Die Elegie erwarte ich mit einer unvergleichlichen Ungeduld. Außer ihren andern Tugenden billige ich auch das an ihr, daß sie so lang ist. Von verlohrener Poesie der Griechen weiß ich Dir nichts zu sagen, was Du nicht gewiß auch weißt. Unter dem weniger Bekannten halte ich die Σατυροι des Aeschylus für sehr wünschenswürdiger; auch Dithyramben, aber da ist es schwerer, einen Repräsentanten der Gattung zu nennen. Redest Du von erotischen Lyrikern, so vergiß ja nicht den Ibykos, der den Alten ερωτομανεστατος heißt.
Mit Zittern und Zagen überschicke ich hiebey die Hefte über Poesie. Meine erste Furcht ist, daß sie vielleicht verlohren gehn, meine zweyte, daß Du nicht viel damit wirst machen können.
Zwischen Schützens und Henrietten hat sich keine Coalition bilden wollen. Aber Zelters Kommen ist noch so gut als gewiß. Nächstens ein mehreres davon.
Uebrigens ist der erste Bogen des neuen Athen.[äum] gedruckt, auch Deine Aenderung in den Gemählden besorgt.
Wegen der Fortsetzung des Versuchs über Meister hast Du <sehr> Recht. Auch will ich mit ganzem Ernst dazu thun, wenn Deine Elegie mir nur nicht vollends das bischen Muth nimmt, was ich dazu habe. Daß der Großkophtha dann in einem Stück in Poesie und in Prosa erscheint, schadet wohl nicht wenn man auch einen Vorwurf daraus macht, wie zu erwarten steht.
Uebrigens freue ich mich herzlich, daß Du immer tiefer ins Antike geräthst, während ich nicht minder modernisire – Denn die Novellen werden natürlich auch sehr modern ausfallen. – Der Anfang wird ohnehin sehr satirisch, und so denke ich darin auch Ehren Böttiger und Jenisch ganz leicht darin zu berühren. Sie sollen zu beyden Seiten der Langeweile sitzen, über die eine Vision das Ganze eröffnen soll. Jenisch soll ihr so lange vorlesen bis sie selbst einschläft und nun dem Böttiger nicht mehr dictiren kann pp. – Jenisch hat mich neulich im Archiv angegriffen.
Schön und herrlich ists, daß Du die Idee nach Berl.[in] zu kommen, von neuem belebt hast. Ueber den Hamlet weiß ich nichts bestimmtes. – Wäre es Dir denn nicht vielleicht möglich, die Schauspielerey eben so zu musiciren, zu philosophiren und poetisiren, wie die Mahlerey, wenn auch weniger prächtig, systematisch und architektonisch? – Ueberlege doch diesen Gedanken!
Viele Grüße von Doroth.[ea]. Sie bittet auch sehr, daß Ihr kommen möchtet. Wie schön wäre, wenn wir recht bald mit Euch in Jena leben könnten, und wie freut es mich daß auch Du dieses wünschest. Wir müssen noch viel zusammen leben und thun; und was Jena selbst betrifft, so habe ich doch Fichten abgerechnet, für die Zukunft auch akademische Projekte genug.
Von der Luc.[inde] ist nun schon ein tüchtiges Stück fertig, und die erste Sendung an Euch geht gewiß heute über acht Tage ab. Ich denke Ihr werdet sie der Mühe werth finden. Ich habe dadurch ordentlich ein Herz zur Poesie gekriegt. Ist die Luc.[inde] fertig, so gehe ich gleich an den Faust und dann zu den Dithyramben.
Die Ungeheuerey werde ich mit Zeltern schicken, und dann durch diesen um zwey Bücher aus Deiner Bibl.[iothek] bitten. –
Viele freundliche und zärtliche Grüße an Carolinen und Augusten. – Von Sh.[akespear] habe ich erst einen Bogen zur Correctur gehabt. – Ist das zweyte Stück schon bestimmt?
Von der Rec.[ension] des Ehren Schmidt ist mir schon viel zu Ohren gekommen. Aber ich selbst habe sie noch nicht gesehn.
Viele Grüße von Schley.[ermacher]. Er ist auch fleißig an der Religion.
Sammle nur recht viel Fragmente und bring Deine Scripturen zu Ostern mit, daß wir Rath halten können.
Vielen Dank für Deinen guten und angenehmen Brief, insonders biedrer Freund! – Die Elegie erwarte ich mit einer unvergleichlichen Ungeduld. Außer ihren andern Tugenden billige ich auch das an ihr, daß sie so lang ist. Von verlohrener Poesie der Griechen weiß ich Dir nichts zu sagen, was Du nicht gewiß auch weißt. Unter dem weniger Bekannten halte ich die Σατυροι des Aeschylus für sehr wünschenswürdiger; auch Dithyramben, aber da ist es schwerer, einen Repräsentanten der Gattung zu nennen. Redest Du von erotischen Lyrikern, so vergiß ja nicht den Ibykos, der den Alten ερωτομανεστατος heißt.
Mit Zittern und Zagen überschicke ich hiebey die Hefte über Poesie. Meine erste Furcht ist, daß sie vielleicht verlohren gehn, meine zweyte, daß Du nicht viel damit wirst machen können.
Zwischen Schützens und Henrietten hat sich keine Coalition bilden wollen. Aber Zelters Kommen ist noch so gut als gewiß. Nächstens ein mehreres davon.
Uebrigens ist der erste Bogen des neuen Athen.[äum] gedruckt, auch Deine Aenderung in den Gemählden besorgt.
Wegen der Fortsetzung des Versuchs über Meister hast Du <sehr> Recht. Auch will ich mit ganzem Ernst dazu thun, wenn Deine Elegie mir nur nicht vollends das bischen Muth nimmt, was ich dazu habe. Daß der Großkophtha dann in einem Stück in Poesie und in Prosa erscheint, schadet wohl nicht wenn man auch einen Vorwurf daraus macht, wie zu erwarten steht.
Uebrigens freue ich mich herzlich, daß Du immer tiefer ins Antike geräthst, während ich nicht minder modernisire – Denn die Novellen werden natürlich auch sehr modern ausfallen. – Der Anfang wird ohnehin sehr satirisch, und so denke ich darin auch Ehren Böttiger und Jenisch ganz leicht darin zu berühren. Sie sollen zu beyden Seiten der Langeweile sitzen, über die eine Vision das Ganze eröffnen soll. Jenisch soll ihr so lange vorlesen bis sie selbst einschläft und nun dem Böttiger nicht mehr dictiren kann pp. – Jenisch hat mich neulich im Archiv angegriffen.
Schön und herrlich ists, daß Du die Idee nach Berl.[in] zu kommen, von neuem belebt hast. Ueber den Hamlet weiß ich nichts bestimmtes. – Wäre es Dir denn nicht vielleicht möglich, die Schauspielerey eben so zu musiciren, zu philosophiren und poetisiren, wie die Mahlerey, wenn auch weniger prächtig, systematisch und architektonisch? – Ueberlege doch diesen Gedanken!
Viele Grüße von Doroth.[ea]. Sie bittet auch sehr, daß Ihr kommen möchtet. Wie schön wäre, wenn wir recht bald mit Euch in Jena leben könnten, und wie freut es mich daß auch Du dieses wünschest. Wir müssen noch viel zusammen leben und thun; und was Jena selbst betrifft, so habe ich doch Fichten abgerechnet, für die Zukunft auch akademische Projekte genug.
Von der Luc.[inde] ist nun schon ein tüchtiges Stück fertig, und die erste Sendung an Euch geht gewiß heute über acht Tage ab. Ich denke Ihr werdet sie der Mühe werth finden. Ich habe dadurch ordentlich ein Herz zur Poesie gekriegt. Ist die Luc.[inde] fertig, so gehe ich gleich an den Faust und dann zu den Dithyramben.
Die Ungeheuerey werde ich mit Zeltern schicken, und dann durch diesen um zwey Bücher aus Deiner Bibl.[iothek] bitten. –
Viele freundliche und zärtliche Grüße an Carolinen und Augusten. – Von Sh.[akespear] habe ich erst einen Bogen zur Correctur gehabt. – Ist das zweyte Stück schon bestimmt?
Von der Rec.[ension] des Ehren Schmidt ist mir schon viel zu Ohren gekommen. Aber ich selbst habe sie noch nicht gesehn.
Viele Grüße von Schley.[ermacher]. Er ist auch fleißig an der Religion.
Sammle nur recht viel Fragmente und bring Deine Scripturen zu Ostern mit, daß wir Rath halten können.
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