• August Wilhelm von Schlegel to Georg Joachim Göschen

  • Place of Dispatch: Amsterdam · Place of Destination: Leipzig · Date: 13.02.1794
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Georg Joachim Göschen
  • Place of Dispatch: Amsterdam
  • Place of Destination: Leipzig
  • Date: 13.02.1794
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-37113
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XX,Bd.3,Nr.23(1)
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,9 x 11,7 cm
  • Überlieferung: S. 4: Berechnungen von fremder Hand.
  • Incipit: „[1] Amsterdam d. 13 Febr. 1794.
    Werthester Herr und Freund!
    Mit wahrem Vergnügen empfing ich vor drey Tagen Ihre Sendung – wie [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
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[1] Amsterdam d. 13 Febr. 1794.
Werthester Herr und Freund!
Mit wahrem Vergnügen empfing ich vor drey Tagen Ihre Sendung – wie würde ich mich freuen, zum Fortgange einer Unternehmung, die für unsre Literatur so wichtig ist, und Ihnen so viel Ehre bringt, nur das mindeste beytragen zu können. Ihre Aufträge an die Buchhändler Hengst und Huart habe ich sogleich ausgerichtet. Das Packet an den Sächsischen Gesandten in England habe ich nach Rotterdam geschickt, um von dort mit dem London trader, einem Postschiff, welches wöchentlich ein oder ein paar Mahle geht, weiter besorgt zu werden. Mit dem Packetboot würde die Fracht vielleicht eine oder fünf Guineen gekostet haben, und ich hoffe, daß es auf diesem Wege nur wenige Tage später ankommen soll.
Huart schien zu wünschen, daß ich ihm die Ankündigung in den Zeitungen unter seinem Nahmen überlassen möchte – vermutlich weil er fürchtete, es würden sich sonst keine Pränumeranten bey ihm einzeichnen. Da er einen ansehnlichen und bekannten Buchhandel hat, so fand ich auch kein Bedenken dabey. Die Herrn Muilman sind allzu [2] sehr mit Geschäften überhäuft, als daß ich sie hätte um diese Gefälligkeit ersuchen dürfen. Unterdessen lasse ich Ihre Anzeigen und Proben herumwandern, und werbe mit allem Eifer im Zirkel meiner Bekanntschaft Subskribenten. Nächstens melde ich Ihnen den Erfolg meiner Bemühungen. Aus Ihrer Anzeige seh ich eigentlich nicht, wie lange die Pränumeration noch offen bleibt, welches ich doch zu wissen wünschte.
Einen beträchtlichen Absatz erwartʼ ich hier nicht theils wegen der allgemein herrschenden Gleichgültigkeit gegen Literatur, theils weil die Teutsche Sprache bey weitem nicht so allgemein verbreitet ist als die Französische. Unter den Kaufleuten vom ersten Range weiß ich beynah nur Herrn de Smeth, der ein Kenner und Liebhaber von jener wäre. Er sagte mir schon vor mehreren Wochen, daß er die Ankündigung erhalten und unterzeichnet habe.
Dürftʼ ich Sie bitten, den inliegenden Brief an meine Freundin zu besorgen? Sollte sie Lucca schon verlassen haben, so werden Sie ihre Addresse doch wissen. Wie innig weiß ichs Ihnen Dank, daß der großmüthige Eifer, womit sie sich ihrer, und also auch meiner, annahmen, bis ans Ende sich gleich blieb! Er macht mir das Andenken an unsre so kurze Bekanntschaft theuer, und [3] es wird gewiß nie in mir erlöschen. – Erhalten Sie mir auch das Ihrige, und empfehlen Sie mich aufs angelegentlichste Ihrer Frau Gemahlin und Ihrem ganzen Hause. Leben Sie recht wohl, und greifen Sie Ihre Gesundheit bey den vielen Geschäften, die Ihnen auch die Wielandische Unternehmung machen muß, nicht zu sehr an
Ganz der Ihrige
A. W. Schlegel

NB. Es giebt zu Pyrmont ein Gemählde, welches eine Szene aus dem Agathon darstellt, und sehr viel Verdienst haben soll. Es ist von Tischbein, der vorhin in Diensten des Fürsten von Waldeck war, und sich jetzt hier aufhält; einem vortrefflichen Künstler, vorzüglich in Porträten – Mad. B., wenn sie nach Leipzig kommt, wird Ihnen meins, von ihm gemahlt, zeigen können. Ich bin neugierig zu wissen, ob Herr Ramberg in seinen Zeichnungen auch auf diese Szene gefallen ist – es ist der Augenblick, wo Danaë erwacht, während Agathon an ihrem Ruhebette kniet.
[4] Amsterdam d. 15. Febr 94.
Schlegel
empf. d.
20t. Febr
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[1] Amsterdam d. 13 Febr. 1794.
Werthester Herr und Freund!
Mit wahrem Vergnügen empfing ich vor drey Tagen Ihre Sendung – wie würde ich mich freuen, zum Fortgange einer Unternehmung, die für unsre Literatur so wichtig ist, und Ihnen so viel Ehre bringt, nur das mindeste beytragen zu können. Ihre Aufträge an die Buchhändler Hengst und Huart habe ich sogleich ausgerichtet. Das Packet an den Sächsischen Gesandten in England habe ich nach Rotterdam geschickt, um von dort mit dem London trader, einem Postschiff, welches wöchentlich ein oder ein paar Mahle geht, weiter besorgt zu werden. Mit dem Packetboot würde die Fracht vielleicht eine oder fünf Guineen gekostet haben, und ich hoffe, daß es auf diesem Wege nur wenige Tage später ankommen soll.
Huart schien zu wünschen, daß ich ihm die Ankündigung in den Zeitungen unter seinem Nahmen überlassen möchte – vermutlich weil er fürchtete, es würden sich sonst keine Pränumeranten bey ihm einzeichnen. Da er einen ansehnlichen und bekannten Buchhandel hat, so fand ich auch kein Bedenken dabey. Die Herrn Muilman sind allzu [2] sehr mit Geschäften überhäuft, als daß ich sie hätte um diese Gefälligkeit ersuchen dürfen. Unterdessen lasse ich Ihre Anzeigen und Proben herumwandern, und werbe mit allem Eifer im Zirkel meiner Bekanntschaft Subskribenten. Nächstens melde ich Ihnen den Erfolg meiner Bemühungen. Aus Ihrer Anzeige seh ich eigentlich nicht, wie lange die Pränumeration noch offen bleibt, welches ich doch zu wissen wünschte.
Einen beträchtlichen Absatz erwartʼ ich hier nicht theils wegen der allgemein herrschenden Gleichgültigkeit gegen Literatur, theils weil die Teutsche Sprache bey weitem nicht so allgemein verbreitet ist als die Französische. Unter den Kaufleuten vom ersten Range weiß ich beynah nur Herrn de Smeth, der ein Kenner und Liebhaber von jener wäre. Er sagte mir schon vor mehreren Wochen, daß er die Ankündigung erhalten und unterzeichnet habe.
Dürftʼ ich Sie bitten, den inliegenden Brief an meine Freundin zu besorgen? Sollte sie Lucca schon verlassen haben, so werden Sie ihre Addresse doch wissen. Wie innig weiß ichs Ihnen Dank, daß der großmüthige Eifer, womit sie sich ihrer, und also auch meiner, annahmen, bis ans Ende sich gleich blieb! Er macht mir das Andenken an unsre so kurze Bekanntschaft theuer, und [3] es wird gewiß nie in mir erlöschen. – Erhalten Sie mir auch das Ihrige, und empfehlen Sie mich aufs angelegentlichste Ihrer Frau Gemahlin und Ihrem ganzen Hause. Leben Sie recht wohl, und greifen Sie Ihre Gesundheit bey den vielen Geschäften, die Ihnen auch die Wielandische Unternehmung machen muß, nicht zu sehr an
Ganz der Ihrige
A. W. Schlegel

NB. Es giebt zu Pyrmont ein Gemählde, welches eine Szene aus dem Agathon darstellt, und sehr viel Verdienst haben soll. Es ist von Tischbein, der vorhin in Diensten des Fürsten von Waldeck war, und sich jetzt hier aufhält; einem vortrefflichen Künstler, vorzüglich in Porträten – Mad. B., wenn sie nach Leipzig kommt, wird Ihnen meins, von ihm gemahlt, zeigen können. Ich bin neugierig zu wissen, ob Herr Ramberg in seinen Zeichnungen auch auf diese Szene gefallen ist – es ist der Augenblick, wo Danaë erwacht, während Agathon an ihrem Ruhebette kniet.
[4] Amsterdam d. 15. Febr 94.
Schlegel
empf. d.
20t. Febr
· Abschrift , 13.02.1794
· Deutsche Nationalbibliothek
· 1886/Bö-GS C. Schlegel, A. W. Br. 1
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