• August Wilhelm von Schlegel to Anne Louise Germaine de Staël-Holstein

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Unknown · Date: 15.06.1808
Edition Status: Single collated printed full text without registry labelling not including a registry
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Anne Louise Germaine de Staël-Holstein
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 15.06.1808
  • Typ: Deutsche Übersetzung
    Printed Text
  • Bibliography: Pange, Pauline de: August Wilhelm Schlegel und Frau von Staël. Eine schicksalhafte Begegnung. Nach unveröffentlichten Briefen erzählt von Pauline Gräfin de Pange. Dt. Ausg. von Willy Grabert. Hamburg 1940, S. 167–168.
  • Incipit: „Hannover, Mittwoch den 15. Juni 1808
    Liebe Freundin!
    Ich bin hier in bester Gesundheit, aber erst am Montag abend angelangt. Die erste Hälfte [...]“
    Language
  • German
Hannover, Mittwoch den 15. Juni 1808
Liebe Freundin!
Ich bin hier in bester Gesundheit, aber erst am Montag abend angelangt. Die erste Hälfte der Reise war sehr anstrengend. Es regnete, die Wege waren scheußlich und die Wagen schlecht. Erst Sonntag nachmittag kam ich nach Göttingen. Da ich so noch eine zweite Nacht hätte durchfahren müssen, beschloß ich, mir etwas Ruhe zu gönnen, und plauderte mit meinem Bruder. Erst Montag früh fuhr ich nach Hannover weiter. Von Dresden ab stieß ich dauernd Jugenderinnerungen. Es war, als ob ich meinen Lebensweg zurückging. Schon einige Stunden vor Hannover konnte ich den großen Glockenturm erkennen, neben dem ich geboren bin und bei dem ich als Kind gespielt habe. Mein armes Vaterland hat mir nach all den Reisen viel besser gefallen, als ich dachte. Die Landschaft zwischen Göttingen und Hannover ist einigermaßen abwechslungsreich und waldig, der Menschenschlag dort ist gut, die Mädchen sind blond und frisch, das Volk spricht eine angenehme Mundart. Meine Mutter war sehr gerührt, mich wiederzusehen. Ich suche, soviel ich kann, ihre Sorgen für die Zukunft zu zerstreuen, und treffe mit meinem hiesigen Bruder [Johann Karl Fürchtegott] alle Vorkehrungen, daß gut für sie gesorgt wird und daß es ihr im Krankheitsfall an nichts fehlt. Sie leidet an öfteren Schwächezuständen, und doch erfreut sie sich in Ansehung ihres hohen Alters immerhin noch einer ganz guten Gesundheit. Sie bringt Ihnen große Verehrung entgegen und hat Corinne in der Übersetzung meines Bruders mit viel Interesse gelesen. Sie haben hier überhaupt zahlreiche Bewunderer.
Ich will am nächsten Dienstag in Göttingen sein. Dort bleibe ich nur Mittwoch und rechne damit, bestimmt Freitag abend in Frankf[urt] einzutreffen. Da die Fahrt über die große Heerstraße geht, die Wege ausgezeichnet und die Posten gut bedient sind, so bin ich meiner Sache um so sicherer. Ich hoffe, daß Sie angenehme Tage in Weimar gehabt und trotzdem mich auch ein wenig vermißt haben.
Von Kassel aus verbreitete sich das Gerücht vom Tode des Königs von England, aber diese Nachricht hat sich schon als falsch erwiesen.
Ich versuche, einige Sachen aufzuschreiben, die Ihnen später Vergnügen machen werden. Meine Brüder sind recht vernünftige, gutartige Menschen. Im allgemeinen ist der Stamm der Schl[egels] gesund und gut; man müßte nur mehr dafür sorgen, daß er nicht abstirbt.
Tausend Lebewohl, liebe Freundin; ich liebe Sie von ganzem Herzen und bin stolz auf Ihre Freundschaft. Seien Sie ein bißchen gut zu mir. Ich gebe Albertine meinen Segen und bitte Sie, Herrn Sismondi meine Empfehlungen auszurichten.
Hannover, Mittwoch den 15. Juni 1808
Liebe Freundin!
Ich bin hier in bester Gesundheit, aber erst am Montag abend angelangt. Die erste Hälfte der Reise war sehr anstrengend. Es regnete, die Wege waren scheußlich und die Wagen schlecht. Erst Sonntag nachmittag kam ich nach Göttingen. Da ich so noch eine zweite Nacht hätte durchfahren müssen, beschloß ich, mir etwas Ruhe zu gönnen, und plauderte mit meinem Bruder. Erst Montag früh fuhr ich nach Hannover weiter. Von Dresden ab stieß ich dauernd Jugenderinnerungen. Es war, als ob ich meinen Lebensweg zurückging. Schon einige Stunden vor Hannover konnte ich den großen Glockenturm erkennen, neben dem ich geboren bin und bei dem ich als Kind gespielt habe. Mein armes Vaterland hat mir nach all den Reisen viel besser gefallen, als ich dachte. Die Landschaft zwischen Göttingen und Hannover ist einigermaßen abwechslungsreich und waldig, der Menschenschlag dort ist gut, die Mädchen sind blond und frisch, das Volk spricht eine angenehme Mundart. Meine Mutter war sehr gerührt, mich wiederzusehen. Ich suche, soviel ich kann, ihre Sorgen für die Zukunft zu zerstreuen, und treffe mit meinem hiesigen Bruder [Johann Karl Fürchtegott] alle Vorkehrungen, daß gut für sie gesorgt wird und daß es ihr im Krankheitsfall an nichts fehlt. Sie leidet an öfteren Schwächezuständen, und doch erfreut sie sich in Ansehung ihres hohen Alters immerhin noch einer ganz guten Gesundheit. Sie bringt Ihnen große Verehrung entgegen und hat Corinne in der Übersetzung meines Bruders mit viel Interesse gelesen. Sie haben hier überhaupt zahlreiche Bewunderer.
Ich will am nächsten Dienstag in Göttingen sein. Dort bleibe ich nur Mittwoch und rechne damit, bestimmt Freitag abend in Frankf[urt] einzutreffen. Da die Fahrt über die große Heerstraße geht, die Wege ausgezeichnet und die Posten gut bedient sind, so bin ich meiner Sache um so sicherer. Ich hoffe, daß Sie angenehme Tage in Weimar gehabt und trotzdem mich auch ein wenig vermißt haben.
Von Kassel aus verbreitete sich das Gerücht vom Tode des Königs von England, aber diese Nachricht hat sich schon als falsch erwiesen.
Ich versuche, einige Sachen aufzuschreiben, die Ihnen später Vergnügen machen werden. Meine Brüder sind recht vernünftige, gutartige Menschen. Im allgemeinen ist der Stamm der Schl[egels] gesund und gut; man müßte nur mehr dafür sorgen, daß er nicht abstirbt.
Tausend Lebewohl, liebe Freundin; ich liebe Sie von ganzem Herzen und bin stolz auf Ihre Freundschaft. Seien Sie ein bißchen gut zu mir. Ich gebe Albertine meinen Segen und bitte Sie, Herrn Sismondi meine Empfehlungen auszurichten.
· Original , 15.06.1808
· Pange, Pauline de: Auguste-Guillaume Schlegel et Madame de Staël d’apres des documents inédits. Paris 1938, S. 225‒226.
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