• August Wilhelm von Schlegel to Johann Wolfgang von Goethe

  • Place of Dispatch: Jena · Place of Destination: Weimar · Date: 11.07.1800
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Johann Wolfgang von Goethe
  • Place of Dispatch: Jena
  • Place of Destination: Weimar
  • Date: 11.07.1800
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: August Wilhelm und Friedrich Schlegel im Briefwechsel mit Schiller und Goethe. Hg. v. Josef Körner u. Ernst Wieneke. Leipzig 1926, S. 109‒110.
  • Verlag: Insel Verlag
  • Incipit: „[1] Jena d. 11ten Jul 1800
    Mit vielem Danke sende ich hier die Bände vom Don Quixote zurück, die ich auf [...]“
    Manuscript
  • Provider: Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv
  • Classification Number: GSA 28/805 St. 26
  • Provenance: Klassik Stiftung Weimar
    Language
  • German
[1] Jena d. 11ten Jul 1800
Mit vielem Danke sende ich hier die Bände vom Don Quixote zurück, die ich auf Veranlassung einer schlechten Übersetzung, die ich zu prüfen hatte, einmal ganz wieder durchstudirt, womit man freylich nie zu Ende kömmt. Bey Gelegenheit will ich auch einmal um die bey[den] letzten Bände bitten, doch brauche ich sie für jetzt noch nicht.
Zugleich lege ich die beyden mitgetheilten Sonette vom Aretin bey.
Mein letztes Schreiben an den akademischen Senat hat keine unmittelbare Wirkung weiter gehabt, die Herren haben es zu den Acten gelegt. Ich erbitte mir nun Ihren ferneren Rath; da ich die Sache einmal angefangen, so ist es ein Ehrenpunkt geworden, sie nicht fallen zu lassen, wie gleichgültig sie mir auch an sich seyn möchte. Ich sehe also nicht ein, wie es anders endigen soll, als daß ich entweder Genugthuung erhalte, oder sie mir nehme, und ich habe geglaubt, [2] daß Schritte die in der Zuversicht gethan werden, das erste könne mir nicht entstehen, mehr Ehrerbietung gegen die Anordnungen der Regierung beweisen als das letzte.
Könnten Sie mir nicht vielleicht Gustav Wasa und Bayard von Kotzebue zur Lesung verschaffen? Von beyden habe ich die Aufführung versäumt. Ich kann versichern, daß ich bey dieser Bitte einen guten d. h. gutgelaunten Zweck habe, von dem fürs erste noch nichts weiter verlauten darf, Sie sollen aber bald davon hören.
Mein Bruder, der sich bestens empfehlen läßt, hat große Lust nächstens einmal auf einen Tag nach Weimar zu gehen, nur wünscht er vorher zu wissen, ob er Sie nicht zu beschäftigt finden würde, um ein paar Stunden mit Ihnen schwatzen zu können.
Seit Tiecks Abreise leben wir hier sehr einsam u still für uns. Mein Bruder ist am Studium des Plato, ich am Shakspeare, doch freylich von allerley kleineren Arbeiten unterbrochen. [3] Eh ich wieder an den Tristan komme, möchte ich mit Ihnen darüber sprechen. – Tieck hat sich plötzlich zu einem kurzen Besuche in Berlin von Giebichenstein aus entschlossen; an seinem Journale wird stark gedruckt, es wird Ihnen gewiß Freude machen. In den neuesten Stücken des Berliner Archivs, wird Sie einiges interessiren, unter andern ist im Junius-Stück, wo ich nicht irre, etwas sehr gutes über die Genoveva. Das neue Stück vom Athenaeum werde ich auch nächstens schicken können.
Leben Sie recht wohl, und empfehlen Sie mich Ihren Künstlern.
AWSchlegel
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[1] Jena d. 11ten Jul 1800
Mit vielem Danke sende ich hier die Bände vom Don Quixote zurück, die ich auf Veranlassung einer schlechten Übersetzung, die ich zu prüfen hatte, einmal ganz wieder durchstudirt, womit man freylich nie zu Ende kömmt. Bey Gelegenheit will ich auch einmal um die bey[den] letzten Bände bitten, doch brauche ich sie für jetzt noch nicht.
Zugleich lege ich die beyden mitgetheilten Sonette vom Aretin bey.
Mein letztes Schreiben an den akademischen Senat hat keine unmittelbare Wirkung weiter gehabt, die Herren haben es zu den Acten gelegt. Ich erbitte mir nun Ihren ferneren Rath; da ich die Sache einmal angefangen, so ist es ein Ehrenpunkt geworden, sie nicht fallen zu lassen, wie gleichgültig sie mir auch an sich seyn möchte. Ich sehe also nicht ein, wie es anders endigen soll, als daß ich entweder Genugthuung erhalte, oder sie mir nehme, und ich habe geglaubt, [2] daß Schritte die in der Zuversicht gethan werden, das erste könne mir nicht entstehen, mehr Ehrerbietung gegen die Anordnungen der Regierung beweisen als das letzte.
Könnten Sie mir nicht vielleicht Gustav Wasa und Bayard von Kotzebue zur Lesung verschaffen? Von beyden habe ich die Aufführung versäumt. Ich kann versichern, daß ich bey dieser Bitte einen guten d. h. gutgelaunten Zweck habe, von dem fürs erste noch nichts weiter verlauten darf, Sie sollen aber bald davon hören.
Mein Bruder, der sich bestens empfehlen läßt, hat große Lust nächstens einmal auf einen Tag nach Weimar zu gehen, nur wünscht er vorher zu wissen, ob er Sie nicht zu beschäftigt finden würde, um ein paar Stunden mit Ihnen schwatzen zu können.
Seit Tiecks Abreise leben wir hier sehr einsam u still für uns. Mein Bruder ist am Studium des Plato, ich am Shakspeare, doch freylich von allerley kleineren Arbeiten unterbrochen. [3] Eh ich wieder an den Tristan komme, möchte ich mit Ihnen darüber sprechen. – Tieck hat sich plötzlich zu einem kurzen Besuche in Berlin von Giebichenstein aus entschlossen; an seinem Journale wird stark gedruckt, es wird Ihnen gewiß Freude machen. In den neuesten Stücken des Berliner Archivs, wird Sie einiges interessiren, unter andern ist im Junius-Stück, wo ich nicht irre, etwas sehr gutes über die Genoveva. Das neue Stück vom Athenaeum werde ich auch nächstens schicken können.
Leben Sie recht wohl, und empfehlen Sie mich Ihren Künstlern.
AWSchlegel
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