• August Wilhelm von Schlegel to Karl Vom Stein Zum Altenstein

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Berlin · Date: 06.03.1820
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Karl Vom Stein Zum Altenstein
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Berlin
  • Date: 06.03.1820
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 373‒377.
  • Incipit: „Hochgebohrner Freyherr!
    Hochzuverehrender Herr Staatsminister!
    Ew. Excellenz schon oft erfahrene gnädige Gesinnung für mich, und die durch Herrn Geheimerath Schulze kürzlich empfangene Versicherung [...]“
Hochgebohrner Freyherr!
Hochzuverehrender Herr Staatsminister!
Ew. Excellenz schon oft erfahrene gnädige Gesinnung für mich, und die durch Herrn Geheimerath Schulze kürzlich empfangene Versicherung von deren Fortdauer, geben mir Muth, mich vertrauensvoll in meinen Angelegenheiten an Hochdieselben persönlich zu wenden.
Verschiedene die Deutschen Universitäten betreffende Ereignisse, welche im vorigen Jahre schnell aufeinander gefolgt waren, hatten, ich gestehe es, meine Einbildungskraft stark getroffen. Meine Besorgnisse hatten um so weniger eine bestimmte Gränze, je fremder und unbekannter mir, nach meiner langen Entfernung von Deutschland, alles dasjenige war, was diese Vorfälle veranlaßt, und zuletzt die Maaßregeln des Bundestags hervorgenden hatte. Es schien mir schwierig, ein akademisches Lehramt mit der nöthigen Unbefangenheit und Heiterkeit verwalten zu können. So kam ich zu dem Entschluß, auf alle mir schon zu Theil gewordnen Vortheile und auf die Aussichten für die Zukunft Verzicht zu leisten, um entfernt von äußern Verhältnissen ganz der Wissenschaft zu leben.
Dieß waren die Beweggründe meines unterthänigen Schreibens an das Hohe Ministerium, vom 7ten December des vorigen Jahres. Die Erwiederungen, welche ich darauf aus Berlin auf nicht amtlichen Wege erhalten habe, die ich aber von Ew. Excellenz mittelbar veranlaßt betrachten darf, haben mich zu meiner größten Freude überzeugt, daß meine Besorgnisse ungegründet waren. Ich muß daher wünschen, Ew. Excellenz möchten geruhen, jenes Schreiben als ungeschehen zu betrachten, und mir zu erlauben, ein andres unterthäniges Gesuch vorzutragen, auf welches ich mich beschränkt haben würde, wenn ich in dem damaligen Zeitpunkte zu dessen Gewährung hätte Hoffnung fassen können.
Dieses Gesuch geht dahin, daß mir von den gewöhnlichen Vorlesungen einige Muße zu wissenschaftlichen Arbeiten verstattet werden möchte, welche dazu dienen würde, für die Folge mein akademisches Lehrfach zu erweitern.
Ich wünsche nämlich neben dem bisherigen Kreise meiner Vorlesungen mit Erfolg die Indische Sprache zu lehren, und Schüler für das Studium der Indischen Litteratur und Alterthumskunde bilden zu können. Dieß ist aber bis jetzt aus Mangel an Hülfsmitteln in Deutschland unmöglich.
Ew. Excellenz bitte ich daher um Erlaubniß, einen unterthänigen Bericht über die hiezu nöthigen Veranstaltungen beyfügen zu dürfen. Sollte ich so glücklich seyn, die Genehmigung Ew. Excellenz für diese Vorschläge zu erlangen, so wäre ich bereit, meine Kräfte unermüdet daran zu setzen. Es würde zwar eine nicht unbeträchtliche Unterstützung von Seiten des Hohen Ministeriums erfoderlich seyn; sie würde aber gewiß nicht das Verhältniß des dadurch erzielten dauernden Nutzens und der wichtigen Erweiterung der Wissenschaft überschreiten.
Mit den dankbarsten Gesinnungen verharre ich in tiefster Ehrerbietung
Ew. Excellenz
unterthänigst gehorsamster
August Wilhelm v. Schlegel
Bonn d. ten 6ten März
1820

Über die Mittel, das Studium der Indischen Sprache und Litteratur in Deutschland gründlich einzuführen.
§ I.
Es würde eine weitläuftige Abhandlung erfoderlich seyn, um das Studium des Sanskrit und der alten schriftlichen Denkmale Indiens in seinen vielseitigen wissenschaftlichen Beziehungen zu schildern, insbesondre die wichtigen Aufschlüsse zu entwickeln, welche die allgemeine Sprachkunde, die Urgeschichte der Völker und des menschlichen Geistes überhaupt davon zu erwarten hat. Ich berufe mich deßhalb auf die Schrift meines Bruders über die Sprache und älteste Weisheit der Indier; auf des Russischen Staatsraths Ouwaroff Entwurf zu einer Asiatischen Akademie; auf desselben Rede bey der Stiftung Orientalischer Lehrstühle zu Sct. Petersburg; auf die Antritts-Rede des Herrn von Chezy; endlich auf meinen Aufsatz über den gegenwärtigen Zustand der Indischen Philologie, im zweyten Heft der Bonnischen Jahrbücher.
Wir sind nur noch äußerst unvollständig mit der unübersehlich reichen Indischen Litteratur bekannt; aber jede neue Entdeckung bewährt ihren von der philologischen und historischen Forschung unabhängigen innern Werth: die schöpferische Fülle und hohe Ausbildung der Poesie, den philosophischen Tiefsinn, den wissenschaftlichen Geist.
§ II.
Bey der jetzigen Lage der Sache kann jedoch dieses Studium in Deutschland nicht gedeihen, wegen des unerschwinglichen Preises, und vor allem wegen der Seltenheit der Bücher. Die vorhandnen Hülfsmittel sind nicht nur sehr unzulänglich, sondern man kann sie sich nicht einmal verschaffen. Vieles in Indien gedruckte ist in Europa durchaus nicht mehr zu haben. Seit zwölf Jahren hat man in England die Typen von Wilkins, aber seitdem ist in London nur ein einziger indischer Text gedruckt. Die Mängel der Ausgaben von Calcutta habe ich in dem eben erwähnten Aufsatze gerügt. Man fährt dort fort zu drucken, aber ohne Plan. Die Engländer scheinen die Sache beynahe als Monopol für ihre Orientalischen Lehranstalten zu behandeln.
Gegenwärtig kann ein Deutscher Gelehrter nur in England mit großen Kosten Indische Texte herausgeben, wie es neulich Hr. Bopp gethan hat. Und auch dieß ist nur durch besondre Vergünstigung geschehen, indem Wilkins seine Typen dazu hergeliehen hat.
§ III.
Der entscheidende Schritt wäre die Anschaffung Indischer Typen. Dieß ist freylich kein geringes Unternehmen: das Alphabet beläuft sich auf funfzig Buchstaben; dazu kommen die unentbehrlichen Gruppen verschlungener Buchstaben. Unter fünf bis sechshundert Stempel wird man nicht ausreichen. In der königlichen Druckerey in Paris sind so viele Stempel in Kupfer vortrefflich geschnitten, aber noch nicht gegossen. Ich glaube die Typen (welche sich bis jetzt noch nirgends käuflich vorfinden) würden nirgends besser und wohlfeiler zu verfertigen seyn als in Paris, es muß aber unter den Augen und der beständigen Leitung eines mit den Bedürfnissen der Indischen Typographie vertrauten Gelehrten geschehen. Ich wäre zu diesem Geschäft erbötig, wozu hoffentlich ein halbjähriger Aufenthalt in Paris hinreichend seyn würde.
Nach meinen bey dem Director der königlichen Druckerey in Frankreich eingezogenen Erkundigungen hat jeder Stempel nur fünf bis sechs Franken gekostet, das Ganze beläuft sich also noch nicht auf 1000 thl. Dazu kommt freylich das Schlagen der Matrizen und Ausgießen der Lettern, worüber ich mich für jetzt noch außer Stand sehe, einen Kosten-Anschlag zu liefern. Doch vermuthe ich, alles würde sich mit 2000 thl. bestreiten lassen.
§ IV.
Nach Anschaffung der Typen müßte man zur Herausgabe von Elementar-Büchern und Indischen Texten schreiten.
Elementar-Bücher: 1. Eine so viel möglich abgekürzte Grammatik.
Weitläuftige Grammatiken hat man schon mehrere, sie taugen aber nicht für den ersten Unterricht. Die einzige, die in Europa leicht zu haben ist, die von Wilkins, kostet 5 Guineen, und beträgt 656 große Quartseiten.
2. Ein alphabetisches Wörterbuch. Hieran fehlt es bis jetzt noch ganz. Sollte das von Wilson seit mehreren Jahren als unter der Presse befindlich angekündigte, (wovon ich schon 300 Quartseiten durchzulesen Gelegenheit gehabt) unterdessen erscheinen, so müßte es vermehrt und berichtigt, und mit Lateinischen Erklärungen statt der Englischen, wieder herausgegeben werden; sonst müßte es ganz neu ausgearbeitet werden, wozu schon eine Menge Materialien vorhanden, und in meinem Besitze sind.
3. Eine Chrestomathie, mit analytischer Erklärung der Biegungen und Wortfügungen.
Texte. Die Aufmerksamkeit der Deutschen Gelehrten würde sich hauptsächlich auf die ältesten Denkmale richten, und diese sind keinesweges unübersehlich. Allerdings würde aber, wenn man einmal eine Indische Druckerey besitzt, sich Arbeit genug für eine lange Reihe von Jahren, ja für mehr als Ein Menschenalter finden.
§ V.
Die zu druckenden Werke würden freylich Auslagen erfodern, aber man könnte alles viel wohlfeiler liefern, als es von Indien aus geschieht, und dennoch die Preise ziemlich hoch setzen. Die Kosten würden in dem Maaße wie das Studium sich verbreitet, durch den Absatz an öffentliche Bibliotheken und Privatpersonen gedeckt werden.
§ VI.
In der Folge würde es zweckmäßig seyn, um Lehrer des Sanscrit zu bilden, etwa zwey schon geprüften jungen Philologen, und zwar einem der classischen Litteratur, einem andern des Arabischen und Persischen kundigen, eine Unterstützung zu verwilligen. Bisher konnte man das Sanscrit nur in London oder Paris erlernen, welches einen weit größeren Aufwand erfodert, als der Aufenthalt auf einer inländischen Universität. Seit einer Anzahl von Jahren unterstützt die Bairische Regierung mit beträchtlichen Kosten Hrn. Bopp in seinen Studien zu Paris und London. Die Stipendiaten könnten meinen Unterricht und meine Hülfsmittel benutzen, und bedürften gar keine oder eine weit kürzere Reise ins Ausland.
§ VII.
Es würde ohne Zweifel zum Europäischen Ruhm einer Königlich Preußischen Landes-Universität gereichen, wenn daselbst zuerst in Deutschland Indisch gedruckt würde. Allein es dürfte nöthig seyn, ungesäumt Hand an das Werk zu legen, damit man nicht auswärts zuvorkomme. In Göttingen scheint noch nichts geschehen zu seyn, wiewohl es dort wegen der Verhältnisse mit England am ersten zu erwarten stände. Aber die Königlich Bairische Regierung hat Hrn. Bopp eine Professur in Würzburg zugesagt, und wird ihn also auch bey der Mittheilung und Verbreitung der erworbenen Kenntnisse vermuthlich ferner unterstützen.
Sollte ein Theil der obigen Vorschläge von einem hohen Königlichen Ministerium genehmigt werden, so wäre ich bereit, meine Kräfte sogleich mit äußerster Anstrengung der Ausführung zu widmen.
August Wilhelm von Schlegel
Professor
Bonn im März 1820
Hochgebohrner Freyherr!
Hochzuverehrender Herr Staatsminister!
Ew. Excellenz schon oft erfahrene gnädige Gesinnung für mich, und die durch Herrn Geheimerath Schulze kürzlich empfangene Versicherung von deren Fortdauer, geben mir Muth, mich vertrauensvoll in meinen Angelegenheiten an Hochdieselben persönlich zu wenden.
Verschiedene die Deutschen Universitäten betreffende Ereignisse, welche im vorigen Jahre schnell aufeinander gefolgt waren, hatten, ich gestehe es, meine Einbildungskraft stark getroffen. Meine Besorgnisse hatten um so weniger eine bestimmte Gränze, je fremder und unbekannter mir, nach meiner langen Entfernung von Deutschland, alles dasjenige war, was diese Vorfälle veranlaßt, und zuletzt die Maaßregeln des Bundestags hervorgenden hatte. Es schien mir schwierig, ein akademisches Lehramt mit der nöthigen Unbefangenheit und Heiterkeit verwalten zu können. So kam ich zu dem Entschluß, auf alle mir schon zu Theil gewordnen Vortheile und auf die Aussichten für die Zukunft Verzicht zu leisten, um entfernt von äußern Verhältnissen ganz der Wissenschaft zu leben.
Dieß waren die Beweggründe meines unterthänigen Schreibens an das Hohe Ministerium, vom 7ten December des vorigen Jahres. Die Erwiederungen, welche ich darauf aus Berlin auf nicht amtlichen Wege erhalten habe, die ich aber von Ew. Excellenz mittelbar veranlaßt betrachten darf, haben mich zu meiner größten Freude überzeugt, daß meine Besorgnisse ungegründet waren. Ich muß daher wünschen, Ew. Excellenz möchten geruhen, jenes Schreiben als ungeschehen zu betrachten, und mir zu erlauben, ein andres unterthäniges Gesuch vorzutragen, auf welches ich mich beschränkt haben würde, wenn ich in dem damaligen Zeitpunkte zu dessen Gewährung hätte Hoffnung fassen können.
Dieses Gesuch geht dahin, daß mir von den gewöhnlichen Vorlesungen einige Muße zu wissenschaftlichen Arbeiten verstattet werden möchte, welche dazu dienen würde, für die Folge mein akademisches Lehrfach zu erweitern.
Ich wünsche nämlich neben dem bisherigen Kreise meiner Vorlesungen mit Erfolg die Indische Sprache zu lehren, und Schüler für das Studium der Indischen Litteratur und Alterthumskunde bilden zu können. Dieß ist aber bis jetzt aus Mangel an Hülfsmitteln in Deutschland unmöglich.
Ew. Excellenz bitte ich daher um Erlaubniß, einen unterthänigen Bericht über die hiezu nöthigen Veranstaltungen beyfügen zu dürfen. Sollte ich so glücklich seyn, die Genehmigung Ew. Excellenz für diese Vorschläge zu erlangen, so wäre ich bereit, meine Kräfte unermüdet daran zu setzen. Es würde zwar eine nicht unbeträchtliche Unterstützung von Seiten des Hohen Ministeriums erfoderlich seyn; sie würde aber gewiß nicht das Verhältniß des dadurch erzielten dauernden Nutzens und der wichtigen Erweiterung der Wissenschaft überschreiten.
Mit den dankbarsten Gesinnungen verharre ich in tiefster Ehrerbietung
Ew. Excellenz
unterthänigst gehorsamster
August Wilhelm v. Schlegel
Bonn d. ten 6ten März
1820

Über die Mittel, das Studium der Indischen Sprache und Litteratur in Deutschland gründlich einzuführen.
§ I.
Es würde eine weitläuftige Abhandlung erfoderlich seyn, um das Studium des Sanskrit und der alten schriftlichen Denkmale Indiens in seinen vielseitigen wissenschaftlichen Beziehungen zu schildern, insbesondre die wichtigen Aufschlüsse zu entwickeln, welche die allgemeine Sprachkunde, die Urgeschichte der Völker und des menschlichen Geistes überhaupt davon zu erwarten hat. Ich berufe mich deßhalb auf die Schrift meines Bruders über die Sprache und älteste Weisheit der Indier; auf des Russischen Staatsraths Ouwaroff Entwurf zu einer Asiatischen Akademie; auf desselben Rede bey der Stiftung Orientalischer Lehrstühle zu Sct. Petersburg; auf die Antritts-Rede des Herrn von Chezy; endlich auf meinen Aufsatz über den gegenwärtigen Zustand der Indischen Philologie, im zweyten Heft der Bonnischen Jahrbücher.
Wir sind nur noch äußerst unvollständig mit der unübersehlich reichen Indischen Litteratur bekannt; aber jede neue Entdeckung bewährt ihren von der philologischen und historischen Forschung unabhängigen innern Werth: die schöpferische Fülle und hohe Ausbildung der Poesie, den philosophischen Tiefsinn, den wissenschaftlichen Geist.
§ II.
Bey der jetzigen Lage der Sache kann jedoch dieses Studium in Deutschland nicht gedeihen, wegen des unerschwinglichen Preises, und vor allem wegen der Seltenheit der Bücher. Die vorhandnen Hülfsmittel sind nicht nur sehr unzulänglich, sondern man kann sie sich nicht einmal verschaffen. Vieles in Indien gedruckte ist in Europa durchaus nicht mehr zu haben. Seit zwölf Jahren hat man in England die Typen von Wilkins, aber seitdem ist in London nur ein einziger indischer Text gedruckt. Die Mängel der Ausgaben von Calcutta habe ich in dem eben erwähnten Aufsatze gerügt. Man fährt dort fort zu drucken, aber ohne Plan. Die Engländer scheinen die Sache beynahe als Monopol für ihre Orientalischen Lehranstalten zu behandeln.
Gegenwärtig kann ein Deutscher Gelehrter nur in England mit großen Kosten Indische Texte herausgeben, wie es neulich Hr. Bopp gethan hat. Und auch dieß ist nur durch besondre Vergünstigung geschehen, indem Wilkins seine Typen dazu hergeliehen hat.
§ III.
Der entscheidende Schritt wäre die Anschaffung Indischer Typen. Dieß ist freylich kein geringes Unternehmen: das Alphabet beläuft sich auf funfzig Buchstaben; dazu kommen die unentbehrlichen Gruppen verschlungener Buchstaben. Unter fünf bis sechshundert Stempel wird man nicht ausreichen. In der königlichen Druckerey in Paris sind so viele Stempel in Kupfer vortrefflich geschnitten, aber noch nicht gegossen. Ich glaube die Typen (welche sich bis jetzt noch nirgends käuflich vorfinden) würden nirgends besser und wohlfeiler zu verfertigen seyn als in Paris, es muß aber unter den Augen und der beständigen Leitung eines mit den Bedürfnissen der Indischen Typographie vertrauten Gelehrten geschehen. Ich wäre zu diesem Geschäft erbötig, wozu hoffentlich ein halbjähriger Aufenthalt in Paris hinreichend seyn würde.
Nach meinen bey dem Director der königlichen Druckerey in Frankreich eingezogenen Erkundigungen hat jeder Stempel nur fünf bis sechs Franken gekostet, das Ganze beläuft sich also noch nicht auf 1000 thl. Dazu kommt freylich das Schlagen der Matrizen und Ausgießen der Lettern, worüber ich mich für jetzt noch außer Stand sehe, einen Kosten-Anschlag zu liefern. Doch vermuthe ich, alles würde sich mit 2000 thl. bestreiten lassen.
§ IV.
Nach Anschaffung der Typen müßte man zur Herausgabe von Elementar-Büchern und Indischen Texten schreiten.
Elementar-Bücher: 1. Eine so viel möglich abgekürzte Grammatik.
Weitläuftige Grammatiken hat man schon mehrere, sie taugen aber nicht für den ersten Unterricht. Die einzige, die in Europa leicht zu haben ist, die von Wilkins, kostet 5 Guineen, und beträgt 656 große Quartseiten.
2. Ein alphabetisches Wörterbuch. Hieran fehlt es bis jetzt noch ganz. Sollte das von Wilson seit mehreren Jahren als unter der Presse befindlich angekündigte, (wovon ich schon 300 Quartseiten durchzulesen Gelegenheit gehabt) unterdessen erscheinen, so müßte es vermehrt und berichtigt, und mit Lateinischen Erklärungen statt der Englischen, wieder herausgegeben werden; sonst müßte es ganz neu ausgearbeitet werden, wozu schon eine Menge Materialien vorhanden, und in meinem Besitze sind.
3. Eine Chrestomathie, mit analytischer Erklärung der Biegungen und Wortfügungen.
Texte. Die Aufmerksamkeit der Deutschen Gelehrten würde sich hauptsächlich auf die ältesten Denkmale richten, und diese sind keinesweges unübersehlich. Allerdings würde aber, wenn man einmal eine Indische Druckerey besitzt, sich Arbeit genug für eine lange Reihe von Jahren, ja für mehr als Ein Menschenalter finden.
§ V.
Die zu druckenden Werke würden freylich Auslagen erfodern, aber man könnte alles viel wohlfeiler liefern, als es von Indien aus geschieht, und dennoch die Preise ziemlich hoch setzen. Die Kosten würden in dem Maaße wie das Studium sich verbreitet, durch den Absatz an öffentliche Bibliotheken und Privatpersonen gedeckt werden.
§ VI.
In der Folge würde es zweckmäßig seyn, um Lehrer des Sanscrit zu bilden, etwa zwey schon geprüften jungen Philologen, und zwar einem der classischen Litteratur, einem andern des Arabischen und Persischen kundigen, eine Unterstützung zu verwilligen. Bisher konnte man das Sanscrit nur in London oder Paris erlernen, welches einen weit größeren Aufwand erfodert, als der Aufenthalt auf einer inländischen Universität. Seit einer Anzahl von Jahren unterstützt die Bairische Regierung mit beträchtlichen Kosten Hrn. Bopp in seinen Studien zu Paris und London. Die Stipendiaten könnten meinen Unterricht und meine Hülfsmittel benutzen, und bedürften gar keine oder eine weit kürzere Reise ins Ausland.
§ VII.
Es würde ohne Zweifel zum Europäischen Ruhm einer Königlich Preußischen Landes-Universität gereichen, wenn daselbst zuerst in Deutschland Indisch gedruckt würde. Allein es dürfte nöthig seyn, ungesäumt Hand an das Werk zu legen, damit man nicht auswärts zuvorkomme. In Göttingen scheint noch nichts geschehen zu seyn, wiewohl es dort wegen der Verhältnisse mit England am ersten zu erwarten stände. Aber die Königlich Bairische Regierung hat Hrn. Bopp eine Professur in Würzburg zugesagt, und wird ihn also auch bey der Mittheilung und Verbreitung der erworbenen Kenntnisse vermuthlich ferner unterstützen.
Sollte ein Theil der obigen Vorschläge von einem hohen Königlichen Ministerium genehmigt werden, so wäre ich bereit, meine Kräfte sogleich mit äußerster Anstrengung der Ausführung zu widmen.
August Wilhelm von Schlegel
Professor
Bonn im März 1820
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