• Friedrich von Schlegel an August Wilhelm von Schlegel

  • Absendeort: Köln · Empfangsort: Wien · Datum: 20.04.1808
Editionsstatus: Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung
    Briefkopfdaten
  • Absender: Friedrich von Schlegel
  • Empfänger: August Wilhelm von Schlegel
  • Absendeort: Köln
  • Empfangsort: Wien
  • Datum: 20.04.1808
  • Anmerkung: Empfangsort erschlossen.
    Druck
  • Datengeber: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 335976727
  • Bibliographische Angabe: Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 537‒540.
  • Weitere Drucke: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 26. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Pariser und Kölner Lebensjahre (1802‒1808). Zweiter Teil (Januar 1806 ‒ Juni 1808). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Hans Dierkes. Paderborn 2018, S. 347‒350.
  • Incipit: „[1] Kölln den 20ten April 1808
    Geliebter Bruder, Es ist eben jetzt fast die erste ruhige Stunde, wo ich Dir melden kann, [...]“
    Handschrift
  • Datengeber: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: APP2712-Bd-8
  • Signatur: Mscr.Dresd.App.2712,B,I,50
  • Blatt-/Seitenzahl: 8 S. auf Doppelbl. u. 2 S., hs. m. U
  • Format: 20,2 x 12,5 cm
    Sprache
  • Deutsch
  • Lateinisch
[1] Kölln den 20ten April 1808
Geliebter Bruder, Es ist eben jetzt fast die erste ruhige Stunde, wo ich Dir melden kann, wie ich reisen werde, und was ich nach reiflicher Ueberlegung beschlossen habe. – Gleich nach Empfang Deines Briefs und des goldnen Befreiers habe ich alles sogleich veranstaltet, was zu meiner Reise durchaus nothwendig war. Morgen oder übermorgen erhalte ich auch meinen Paß von Achen, und dann wird auch alles übrige ziemlich bereit sein. Wenn ich dann aber auch in grader Linie Tag und Nacht reisen wollte, wozu von hieraus in jetziger Jahrszeit dennoch 14 Tage erfodert werden, so würde ich nur eben nach Wien kommen, um Euch Abschied nehmen zu sehen – in der Verwirrung der letzten Tage würde es mir doch nichts helfen. – Dazu kommt noch, daß auf eine solche Art Tag und Nacht zu reisen, noch ungleich mehr kosten würde, als wenn man sich mit den gewöhnlichen Gelegenheiten behilft; mehr also als ich Dir schrieb, und mehr als mir auch jetzt zu Gebote steht. – Die Nothwendigkeit ist die unerbittliche höchste Schiedsrichterin und also mußt Du nun zufrieden sein, daß ich Euch in Dreßden erwarte. Den 5ten oder [2] 6ten Mai denke ich spätestens da zu sein. Solltet ihr Euch also etwa wider Vermuthen entschlossen haben, noch beträchtlich länger in Wien zu bleiben, so könnte ich dort die Nachricht empfangen und dann gleich nach Wien eilen. Wo nicht, so sehn wir uns dort, ich höre alles [was] Du weißt und thue was Du willst.
Die Briefe vom 18ten und vom 29ten März, so wie den letzten vom 12ten April wirst Du nun erhalten, und also gesehen haben, daß ich nicht so träge im Schreiben war, als nur die Post langsam. Freilich enthalten diese Briefe nun zum Theil Dinge die nicht mehr nöthig sind; Zweifel und Schwierigkeiten, während der geflügelte RettungsBote schon unterwegs war! – Glaube aber nur ja nicht, daß ich das Stirnhaar der Gelegenheit werde vorüberfliehen lassen. Deine begeisternde Liebe macht daß sich alles in Vertrauen Hoffnung und muthige Thätigkeit auflößt. – Auch entsprang mein etwaniges Zögern und Zweifeln einzig und allein daher, daß ich mir überlegte, wie viel nöthig wäre, um hier fortzukommen, die Reise zu bestehn, und den Anfang in Wien zu machen. Dann dachte ich auch wohl, wenn ich in Wien weder [3] Stelle noch Erlaubniß zu lesen bekäme, so müßte ich doch eben auch den ehrenvollen Rückzug gesichert haben. Doch diesen schlimmsten aller Fälle will ich als nicht anzunehmen denken, und also zum Kampf auftreten wie jene welche die Schiffe, wenn sie einmal gelandet sind, kühn verbrennen, auf daß sie siegen müssen. – Also nur vorwärts und weiter. Die Genauigkeit der ökonomischen Angaben, welche Du mit liebevollem Ungestüm foderst, wirst Du schon in meinem vorigen Brief gefunden haben. – Zum Ueberfluß will ich nun noch das weitere hinzufügen. Meine Frau muß noch hier zurückbleiben; aber die Hälfte der Banden die uns hier halten, sind doch nun gelöst. Es bleiben kaum noch 20 L[ouis]d[o]rs zurück. Die Kosten der Reise hatte ich wie ich hoffe, richtig und hoch genug angeschlagen; aber nicht genug, was ich mir doch ganz unumgänglich nothwendig zur Reise anschaffen mußte. Daher werde ich in Dreßden wohl wieder auf einen neuen Fortstoß rechnen müssen, um vollends ganz bis nach Wien zu gelangen. Siehst Du, das ist das einzige, was mich früherhin etwas ängstlich machte; indem es so schwer fällt, wenn schon so sehr viel für einen geschieht, doch nachher [4] sagen zu müssen, daß es zur vollkommnen Hülfe noch mehr bedarf. Jetzt aber sind vor Deinem letzten Briefe alle Zweifel verschwunden – und ich werfe nun kühn den Anker meiner Hoffnung an den Felsen Deiner Freundschaft.
Also in Dreßden warte ich Deiner oder Deines Aufrufs Dich noch in Wien zu sehen, und dorthin zu eilen. – An Graf Sickingen schreibe ich, weil Du es willst; sonst hätte ich lieber von Dreßden aus geschrieben nachdem ich Dich erst gesprochen. Sollte Dir der Brief nicht ganz Recht sein, so lege ihn zurück und laß mich dann von Dreßden noch einmal schreiben. – Drei Exemplare des indischen Werks auf Velin müssen nun längst durch Geistinger in Deinen Händen sein. Es ist mir sehr lieb daß Du sie noch dort erhalten hast – dieß kann denn doch dienen Eure mündliche Empfehlung zum Schluß zu bestätigen. Litterarisch Neues weiß ich nicht; Wolf hat mir ein erstes Heft eines Museums der Alterthums Wissenschaft zugeschickt; es ist aber eigentlich Philistergeschreibe. Auch die Jenaische A.[llgemeine] L.[iteratur] Z.[eitung] hat mich als Mitarbeiter eingeladen; und so noch von mehren andren Orten. Dieß machen alles vornehmlich die paar Recensionen in den Heidelberger Jahrbüchern. Dadurch wird man jetziger Zeit am berühmtesten.
[5] Noch eins nicht zu vergessen. Bringe mir ja eine Empfehlung an den österreichischen Gesandten in Dreßden mit; es ist wegen des Passes. Vielleicht wäre es auch gut, sich eine specielle Erlaubniß zu verschaffen, um Papiere und einige Bücher mit herein zu bringen. Denn sonst muß man, wenn es starke Pakete sind, wie ich gehört, selbst diese an der Gränze zurücklassen. Bücher nehme ich zwar nicht mit, (als was Du mir von meinen eignen schreibst), aber die Papiere die ich gleich zu Karl V und meinen nächsten Arbeiten brauche, sind mir durchaus unentbehrlich.
Du bist jetzt so verteufelt vornehm zu reisen gewohnt, daß Du gar keinen Begriff davon hast, woran alles ein armer Kerl wie ich, bei einer solchen Reise zu denken hat.
Das Geld für die Corinne und für das indische Werk habe ich freilich erhalten. Aber davon haben wir auch das Jahr gelebt, und da die Hälfte des Honorars der Corinne an der alten Schuld abgerechnet worden, so haben wir davon eben keine Schätze sammeln können. Indessen sind im letzten Jahr durchaus keine neue Schulden gemacht ja sogar einige kleinere bezahlt worden; jetzt aber ist nun mit einemmale ein großer Ruck geschehen, und ich athme bald ganz frei.
Deine Einnahme muß nach dem was Du [6] schreibst, sehr beträchtlich gewesen sein. Gewiß vergißt Du bei dieser Gelegenheit auch die Mutter nicht; doch darüber hat Dir gewiß auch Charlotte alles was nöthig geschrieben. –
Für unsern Ruhm ist Dein Gelingen in Wien von ganz entscheidendem Gewicht und Erfolg. Das gewahre ich aus tausend Anzeichen. Auch daran denke, an diese edelste Frucht des irdischen Lebens und der irdischen Mühe, wenn die Anstrengung Dich mannichmal zu sehr drängt.
Meine Frau theilt meine Dankbarkeit und Liebe. Von einer Stunde zur andren bist Du unser Gespräch, und wir begleiten Dich in Gedanken. Vielleicht hat sie eine Gelegenheit, die nächsten Wochen aufs Land zu ziehn, wo denn doch die Einsamkeit erträglicher sein wird.
Ich umarme Dich von Herzensgrunde.
Friedrich.

Ein Umstand ist in Deinem Brief, der mir Sorge macht; daß man nehmlich keine Bücher von der Bibliothek ins Haus bekömmt. Wenn ich da keine besondre Erlaubniß erhielte, so wäre ich ein verlohrner Mann.
Den österreichischen Plutarch werde ich recensiren. – Ich hoffe unter den drei Exemplaren des indischen Werks wirst Du eins für Hormayr bestimmen können, und ihm das schickliche dabei sagen.
[7] Du würdest mir einen wesentlichen Dienst erzeigen, wenn Du Dich recht genau erkundigen wolltest, wie es eigentlich mit Hammers arabischen Märchen – Fortsetzung von tausend und eine Nacht – beschlossen ist; ob er bloß das arabische Original giebt, oder etwa mit einer lateinischen Uebersetzung, oder einer französischen begleitet. Cotta frägt mich, ob ich wohl die Uebersetzung übernehmen wollte; ich weiß aber nicht aus welcher Sprache ich übersetzen soll. Du siehst also ich bin dabei interessirt, erkundige Dich ja recht genau.
Noch eines, was ja nicht zu vergessen, zum Beschluß. Wenn schon bestimmt von einer Stelle für mich die Rede ist, so verhüte ja daß es keine orientalische sei; denn zum Indischen ist in Wien doch wohl keine Gelegenheit, im Persischen aber bin ich in der That nicht stark genug, um eine Lehrstelle mit Ehren bekleiden zu können. – Eine Professur der Litteratur, würde am besten alles Aesthetische und Historische umfassen was ich geben kann. – Eine bestimmte Erlaubniß lesen zu dürfen, wäre in Ermanglung der Stelle, sehr wünschenswerth. Möglich ist es zwar daß die Dir gegebne Erlaubniß auch auf mich übergeht; möglich aber auch, daß man es bei einer Ausnahme für Einmal will bewenden lassen, und nicht geneigt ist die Ausnahme durch unmittelbare Fortsetzung und Uebertragung zur Regel werden zu lassen.
[8] Du kannst der Frau von Stael unbedenklich zureden so viel Du vermagst, noch länger in Deutschland zu bleiben, vielleicht lieber ganz; nehmlich Ihretwegen kannst Du ihr das rathen. Es wäre gewiß das beste. Sapienti sat.
[1] Kölln den 20ten April 1808
Geliebter Bruder, Es ist eben jetzt fast die erste ruhige Stunde, wo ich Dir melden kann, wie ich reisen werde, und was ich nach reiflicher Ueberlegung beschlossen habe. – Gleich nach Empfang Deines Briefs und des goldnen Befreiers habe ich alles sogleich veranstaltet, was zu meiner Reise durchaus nothwendig war. Morgen oder übermorgen erhalte ich auch meinen Paß von Achen, und dann wird auch alles übrige ziemlich bereit sein. Wenn ich dann aber auch in grader Linie Tag und Nacht reisen wollte, wozu von hieraus in jetziger Jahrszeit dennoch 14 Tage erfodert werden, so würde ich nur eben nach Wien kommen, um Euch Abschied nehmen zu sehen – in der Verwirrung der letzten Tage würde es mir doch nichts helfen. – Dazu kommt noch, daß auf eine solche Art Tag und Nacht zu reisen, noch ungleich mehr kosten würde, als wenn man sich mit den gewöhnlichen Gelegenheiten behilft; mehr also als ich Dir schrieb, und mehr als mir auch jetzt zu Gebote steht. – Die Nothwendigkeit ist die unerbittliche höchste Schiedsrichterin und also mußt Du nun zufrieden sein, daß ich Euch in Dreßden erwarte. Den 5ten oder [2] 6ten Mai denke ich spätestens da zu sein. Solltet ihr Euch also etwa wider Vermuthen entschlossen haben, noch beträchtlich länger in Wien zu bleiben, so könnte ich dort die Nachricht empfangen und dann gleich nach Wien eilen. Wo nicht, so sehn wir uns dort, ich höre alles [was] Du weißt und thue was Du willst.
Die Briefe vom 18ten und vom 29ten März, so wie den letzten vom 12ten April wirst Du nun erhalten, und also gesehen haben, daß ich nicht so träge im Schreiben war, als nur die Post langsam. Freilich enthalten diese Briefe nun zum Theil Dinge die nicht mehr nöthig sind; Zweifel und Schwierigkeiten, während der geflügelte RettungsBote schon unterwegs war! – Glaube aber nur ja nicht, daß ich das Stirnhaar der Gelegenheit werde vorüberfliehen lassen. Deine begeisternde Liebe macht daß sich alles in Vertrauen Hoffnung und muthige Thätigkeit auflößt. – Auch entsprang mein etwaniges Zögern und Zweifeln einzig und allein daher, daß ich mir überlegte, wie viel nöthig wäre, um hier fortzukommen, die Reise zu bestehn, und den Anfang in Wien zu machen. Dann dachte ich auch wohl, wenn ich in Wien weder [3] Stelle noch Erlaubniß zu lesen bekäme, so müßte ich doch eben auch den ehrenvollen Rückzug gesichert haben. Doch diesen schlimmsten aller Fälle will ich als nicht anzunehmen denken, und also zum Kampf auftreten wie jene welche die Schiffe, wenn sie einmal gelandet sind, kühn verbrennen, auf daß sie siegen müssen. – Also nur vorwärts und weiter. Die Genauigkeit der ökonomischen Angaben, welche Du mit liebevollem Ungestüm foderst, wirst Du schon in meinem vorigen Brief gefunden haben. – Zum Ueberfluß will ich nun noch das weitere hinzufügen. Meine Frau muß noch hier zurückbleiben; aber die Hälfte der Banden die uns hier halten, sind doch nun gelöst. Es bleiben kaum noch 20 L[ouis]d[o]rs zurück. Die Kosten der Reise hatte ich wie ich hoffe, richtig und hoch genug angeschlagen; aber nicht genug, was ich mir doch ganz unumgänglich nothwendig zur Reise anschaffen mußte. Daher werde ich in Dreßden wohl wieder auf einen neuen Fortstoß rechnen müssen, um vollends ganz bis nach Wien zu gelangen. Siehst Du, das ist das einzige, was mich früherhin etwas ängstlich machte; indem es so schwer fällt, wenn schon so sehr viel für einen geschieht, doch nachher [4] sagen zu müssen, daß es zur vollkommnen Hülfe noch mehr bedarf. Jetzt aber sind vor Deinem letzten Briefe alle Zweifel verschwunden – und ich werfe nun kühn den Anker meiner Hoffnung an den Felsen Deiner Freundschaft.
Also in Dreßden warte ich Deiner oder Deines Aufrufs Dich noch in Wien zu sehen, und dorthin zu eilen. – An Graf Sickingen schreibe ich, weil Du es willst; sonst hätte ich lieber von Dreßden aus geschrieben nachdem ich Dich erst gesprochen. Sollte Dir der Brief nicht ganz Recht sein, so lege ihn zurück und laß mich dann von Dreßden noch einmal schreiben. – Drei Exemplare des indischen Werks auf Velin müssen nun längst durch Geistinger in Deinen Händen sein. Es ist mir sehr lieb daß Du sie noch dort erhalten hast – dieß kann denn doch dienen Eure mündliche Empfehlung zum Schluß zu bestätigen. Litterarisch Neues weiß ich nicht; Wolf hat mir ein erstes Heft eines Museums der Alterthums Wissenschaft zugeschickt; es ist aber eigentlich Philistergeschreibe. Auch die Jenaische A.[llgemeine] L.[iteratur] Z.[eitung] hat mich als Mitarbeiter eingeladen; und so noch von mehren andren Orten. Dieß machen alles vornehmlich die paar Recensionen in den Heidelberger Jahrbüchern. Dadurch wird man jetziger Zeit am berühmtesten.
[5] Noch eins nicht zu vergessen. Bringe mir ja eine Empfehlung an den österreichischen Gesandten in Dreßden mit; es ist wegen des Passes. Vielleicht wäre es auch gut, sich eine specielle Erlaubniß zu verschaffen, um Papiere und einige Bücher mit herein zu bringen. Denn sonst muß man, wenn es starke Pakete sind, wie ich gehört, selbst diese an der Gränze zurücklassen. Bücher nehme ich zwar nicht mit, (als was Du mir von meinen eignen schreibst), aber die Papiere die ich gleich zu Karl V und meinen nächsten Arbeiten brauche, sind mir durchaus unentbehrlich.
Du bist jetzt so verteufelt vornehm zu reisen gewohnt, daß Du gar keinen Begriff davon hast, woran alles ein armer Kerl wie ich, bei einer solchen Reise zu denken hat.
Das Geld für die Corinne und für das indische Werk habe ich freilich erhalten. Aber davon haben wir auch das Jahr gelebt, und da die Hälfte des Honorars der Corinne an der alten Schuld abgerechnet worden, so haben wir davon eben keine Schätze sammeln können. Indessen sind im letzten Jahr durchaus keine neue Schulden gemacht ja sogar einige kleinere bezahlt worden; jetzt aber ist nun mit einemmale ein großer Ruck geschehen, und ich athme bald ganz frei.
Deine Einnahme muß nach dem was Du [6] schreibst, sehr beträchtlich gewesen sein. Gewiß vergißt Du bei dieser Gelegenheit auch die Mutter nicht; doch darüber hat Dir gewiß auch Charlotte alles was nöthig geschrieben. –
Für unsern Ruhm ist Dein Gelingen in Wien von ganz entscheidendem Gewicht und Erfolg. Das gewahre ich aus tausend Anzeichen. Auch daran denke, an diese edelste Frucht des irdischen Lebens und der irdischen Mühe, wenn die Anstrengung Dich mannichmal zu sehr drängt.
Meine Frau theilt meine Dankbarkeit und Liebe. Von einer Stunde zur andren bist Du unser Gespräch, und wir begleiten Dich in Gedanken. Vielleicht hat sie eine Gelegenheit, die nächsten Wochen aufs Land zu ziehn, wo denn doch die Einsamkeit erträglicher sein wird.
Ich umarme Dich von Herzensgrunde.
Friedrich.

Ein Umstand ist in Deinem Brief, der mir Sorge macht; daß man nehmlich keine Bücher von der Bibliothek ins Haus bekömmt. Wenn ich da keine besondre Erlaubniß erhielte, so wäre ich ein verlohrner Mann.
Den österreichischen Plutarch werde ich recensiren. – Ich hoffe unter den drei Exemplaren des indischen Werks wirst Du eins für Hormayr bestimmen können, und ihm das schickliche dabei sagen.
[7] Du würdest mir einen wesentlichen Dienst erzeigen, wenn Du Dich recht genau erkundigen wolltest, wie es eigentlich mit Hammers arabischen Märchen – Fortsetzung von tausend und eine Nacht – beschlossen ist; ob er bloß das arabische Original giebt, oder etwa mit einer lateinischen Uebersetzung, oder einer französischen begleitet. Cotta frägt mich, ob ich wohl die Uebersetzung übernehmen wollte; ich weiß aber nicht aus welcher Sprache ich übersetzen soll. Du siehst also ich bin dabei interessirt, erkundige Dich ja recht genau.
Noch eines, was ja nicht zu vergessen, zum Beschluß. Wenn schon bestimmt von einer Stelle für mich die Rede ist, so verhüte ja daß es keine orientalische sei; denn zum Indischen ist in Wien doch wohl keine Gelegenheit, im Persischen aber bin ich in der That nicht stark genug, um eine Lehrstelle mit Ehren bekleiden zu können. – Eine Professur der Litteratur, würde am besten alles Aesthetische und Historische umfassen was ich geben kann. – Eine bestimmte Erlaubniß lesen zu dürfen, wäre in Ermanglung der Stelle, sehr wünschenswerth. Möglich ist es zwar daß die Dir gegebne Erlaubniß auch auf mich übergeht; möglich aber auch, daß man es bei einer Ausnahme für Einmal will bewenden lassen, und nicht geneigt ist die Ausnahme durch unmittelbare Fortsetzung und Uebertragung zur Regel werden zu lassen.
[8] Du kannst der Frau von Stael unbedenklich zureden so viel Du vermagst, noch länger in Deutschland zu bleiben, vielleicht lieber ganz; nehmlich Ihretwegen kannst Du ihr das rathen. Es wäre gewiß das beste. Sapienti sat.
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