• Ludwig Emanuel Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Dresden · Place of Destination: Bonn · Date: 01.12.1818
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Ludwig Emanuel Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Dresden
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 01.12.1818
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-33449
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.7,Nr.11
  • Number of Pages: 2S., hs. m. U.
  • Format: 19,4 x 13,2 cm
  • Incipit: „[1] Dresden, d. 1. Decemb. 1818.
    Erlauben Sie mir, verehrtester Herr Bruder, dem Briefe meiner lieben Charlotte noch ein Wörtchen beyzufügen. [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
  • Zeil, Sophia
[1] Dresden, d. 1. Decemb. 1818.
Erlauben Sie mir, verehrtester Herr Bruder, dem Briefe meiner lieben Charlotte noch ein Wörtchen beyzufügen. Vor allen Dingen wünsche ich Ihnen herzlich Glück zu Ihren neuangetretenen Wirkungskreise in Bonn. Eine wissenschaftliche Region für öffentliche Mittheilung, wie die Ihrige, beut eine freiere Bewegung und weniger Eintöniges, als die Juristerey dar. Treffen doch, nach meinem Wunsche für Sie, auch alle Orts- und persönliche Verhältniße dort so friedlich zusammen, wie das Reichhaltige der Bonner schönen Natur.
Unser liebes Kind, Augusta, ist uns, wie Sie wissen, das angenehme Landschafts-Bild, worauf sich unsre Wünsche beschränken. Der Güte des Himmels danke ich, sie mit Kunsttalente und gefälligen Eigenschaften ausgestattet zu sehen. Das klare Erfruliche daran, wie es Charlotte andeutet, wird nur jetzt noch durch schattende Wolken verhüllt.
Zu dem kommen Schwierigkeiten die ihrer Betriebsamkeit auf der Bahn der Kunst nur zu bald Grenzen setzen können. Akte zu zeichnen, Körperformen freyer Natur, dazu hat ihr Geschlecht keinen Zutritt. Ihr braver Lehrer, Prof. Matthäi, ist ihr jetzt durch seine vielfältigen Reisen, und, ist er hier, durch seine häuslichen Angelegenheiten ganz unzugänglich. Gleichwol bedarf Augusta im [2] Mahlen des Gutachtens eines bewährten Führers. Im Kopiren auf der Gemälde-Gallerie, solange diesen Sommer der Einlaß war, arbeitete sie emsig und mit vielem Erfolg. Hätte sich passende Gelegenheit zu einer Reise nach Italien für sie gefunden, wäre es ihren Fortschritten in Kunstunternehmungen, ein höchst günstiges Eraügnis gewesen. Durch ihre jetzige Schwangerschaft sind auch diese Pläne gehemmt, ihre Bestrebungen sind vor der Hand auf Übung im Zeichnen und Portraitiren zurückgeführt.
Unterstützen Sie uns, liebster Herr Bruder, mit Ihrem Rathe, und geprüfter Einsicht, wir sind dessen sehr bedürftig: schenken Sie uns Ihre gütige Theilnahme, wodurch wir unsre Existenz froh erweitert fühlen.
Das beste Übrige wird die segnende Hand der ewigen Vorsehung ordnen, und so empfehlen wir uns mit innigster Ergebenheit Ihnen, werthester Herr Bruder, und Ihrer vortrefflichen Frau Gemahlin.
Ludwig Emmanuel Ernst
[1] Dresden, d. 1. Decemb. 1818.
Erlauben Sie mir, verehrtester Herr Bruder, dem Briefe meiner lieben Charlotte noch ein Wörtchen beyzufügen. Vor allen Dingen wünsche ich Ihnen herzlich Glück zu Ihren neuangetretenen Wirkungskreise in Bonn. Eine wissenschaftliche Region für öffentliche Mittheilung, wie die Ihrige, beut eine freiere Bewegung und weniger Eintöniges, als die Juristerey dar. Treffen doch, nach meinem Wunsche für Sie, auch alle Orts- und persönliche Verhältniße dort so friedlich zusammen, wie das Reichhaltige der Bonner schönen Natur.
Unser liebes Kind, Augusta, ist uns, wie Sie wissen, das angenehme Landschafts-Bild, worauf sich unsre Wünsche beschränken. Der Güte des Himmels danke ich, sie mit Kunsttalente und gefälligen Eigenschaften ausgestattet zu sehen. Das klare Erfruliche daran, wie es Charlotte andeutet, wird nur jetzt noch durch schattende Wolken verhüllt.
Zu dem kommen Schwierigkeiten die ihrer Betriebsamkeit auf der Bahn der Kunst nur zu bald Grenzen setzen können. Akte zu zeichnen, Körperformen freyer Natur, dazu hat ihr Geschlecht keinen Zutritt. Ihr braver Lehrer, Prof. Matthäi, ist ihr jetzt durch seine vielfältigen Reisen, und, ist er hier, durch seine häuslichen Angelegenheiten ganz unzugänglich. Gleichwol bedarf Augusta im [2] Mahlen des Gutachtens eines bewährten Führers. Im Kopiren auf der Gemälde-Gallerie, solange diesen Sommer der Einlaß war, arbeitete sie emsig und mit vielem Erfolg. Hätte sich passende Gelegenheit zu einer Reise nach Italien für sie gefunden, wäre es ihren Fortschritten in Kunstunternehmungen, ein höchst günstiges Eraügnis gewesen. Durch ihre jetzige Schwangerschaft sind auch diese Pläne gehemmt, ihre Bestrebungen sind vor der Hand auf Übung im Zeichnen und Portraitiren zurückgeführt.
Unterstützen Sie uns, liebster Herr Bruder, mit Ihrem Rathe, und geprüfter Einsicht, wir sind dessen sehr bedürftig: schenken Sie uns Ihre gütige Theilnahme, wodurch wir unsre Existenz froh erweitert fühlen.
Das beste Übrige wird die segnende Hand der ewigen Vorsehung ordnen, und so empfehlen wir uns mit innigster Ergebenheit Ihnen, werthester Herr Bruder, und Ihrer vortrefflichen Frau Gemahlin.
Ludwig Emmanuel Ernst
· Beiliegender Brief von/an A.W. Schlegel , 01.12.1818
· Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
· Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.7,Nr.19
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