• August Wilhelm von Schlegel to Georg Joachim Göschen

  • Place of Dispatch: Amsterdam · Place of Destination: Leipzig · Date: 22.03.1794
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Georg Joachim Göschen
  • Place of Dispatch: Amsterdam
  • Place of Destination: Leipzig
  • Date: 22.03.1794
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-37113
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XX,Bd.3,Nr.23(29)
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,7 x 11,8 cm
  • Incipit: „[1] Amsterdam d. 22sten März 94
    Werthester Herr und Freund!
    Vor einigen Tagen erhielt ich Ihre gütige Zuschrift, und versäume keinen Posttag, [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
[1] Amsterdam d. 22sten März 94
Werthester Herr und Freund!
Vor einigen Tagen erhielt ich Ihre gütige Zuschrift, und versäume keinen Posttag, um sie zu beantworten. Es ist mir lieb, daß die Subscription noch bis Ostern offen bleibt; ich befürchtete schon mit meinen paar Leuten – ich habe, wenn sie mir treu bleiben, drey oder vier für die große Ausgabe, und auch einige für die andern – zu spät zu kommen. Sobald ich alles in Ordnung habe, schickʼ ich Ihnen die Nahmen und das Geld für die erste Lieferung. Meine Auslagen sind unbeträchtlich gewesen – ich könnte sie immer alsdann noch in Rechnung bringen: doch es wird vermuthlich nicht nöthig seyn.
Von der glücklichen Überkunft des Packets bin ich nicht unterrichtet – hier haben Sie einen Auszug aus dem Brief des Kaufmanns in Rotterdam, der die Einschiffung besorgt hat. Das Porto konnte ich nur bis Rotterdam bezahlen – man versichert mich aber, daß Schiffer dergleichen Aufträge von Kaufleuten für gar wenig oder nichts ausrichten, dahingegen die Fracht auf dem Packetboot überaus theuer ist.
Ihr Vorschlag zu Ausgaben Classischer Schriftsteller kann mir nicht anders als sehr willkommen seyn – die Dichter, welche sie nennen, gehören zu meinen Lieblingsbüchern, ich habe mich viel mit ihnen [2] beschäftigt. Gern würde ich also bey einer angenehmen Arbeit, die mir Gelegenheit giebt, mich im philologischen Fache zu zeigen, alle Sorgfalt und allen Fleiß anwenden, um Ihrem günstigen Vorurtheil von meinen Kenntnissen nicht zu widersprechen. Ehe wir indessen näher zur Sache schritten, wünschte ich, recht genau von Ihren Absichten unterrichtet zu seyn. Sie wollen eine Ausgabe, die eigentlich den geschmackvollen Kenner des Alterthums befriedigen sollte. Hiebey können ziemlich verschiedne Grade der Ausführlichkeit statt finden – ich vermuthe, daß Sie nicht so wohl einen gleichmäßig fortlaufenden Commentar, wie etwa bey den Heynischen Ausgaben, sondern Erläuterungen, sowohl über das kritische, als über die Stellen, die eine feinere Auslegungskunst fodern, nach dem Maaßstabe der Brunkischen, nur (wo möglich) mit weniger Pendanterie und mehr Geschmack, wünschen. In jedem Fall ist ein äußerst korrekter und kritisch geprüfter Text wohl ein Haupterforderniß. Ferner: würden Sie diese drey Dichter in Ihrer Ausgabe unzertrennlich mit einander verbinden, oder sollte jeder für sich allein bestehen? Das letzte würde den Vortheil haben, daß die Behandlung eines jeden, nach den Bearbeitungen die schon vorher gegangen, und nach seiner verschiednen Beschaffenheit etwas anders modi[3]fizirt werden könnte; da sie dagegen bey einem gemeinschaftlichen Druck, wie man ihrer mehrere von diesen Dichtern hat, ganz gleichförmig würde seyn müssen. Vom Tibull hat man Heynens vortreffliche Ausgabe. Beym Propertius, der auch weit corrupter und schwieriger ist, ist noch weit mehr zu thun. Von den beyden letzten Ausgaben ist die von Barth, zwar nicht mit Heynens Geist, aber doch in seiner Manier, gewiß für Schulen sehr brauchbar. Die Burmannische enthält alles – die Verse schwimmen einzeln in den Noten – sie kann nur Gelehrten behagen. Wenn ich an die Arbeit gehe, so kann ich mir hier bey einem vortrefflichen Gelehrten, H. Wyttenbach, von dem jetzt ein Plutarch in England gedruckt wird, über alles Rath hohlen.
Leben Sie recht wohl und gesund. Jetzt nähert sich der Frühling – da werden die schönen Pappelalleen wieder grün, und alles um Ihre Wohnung her angenehm werden. Ich erinnere mich so gern an den zuvorkommenden Empfang, den ich dort fand. Dürftʼ ich Sie um meine besten Empfehlungen an Madam Göschen und Mademoiselle Heyne bitten? – Meine Freundin schrieb mir von einem für sie erquickenden Tage, den sie in Leipzig zubrachte. Ach, hätte sie überall so viel vorurtheil[4]freye Güte gefunden, so würde ihr überall wohl seyn. Ich wünsche nur, daß Verdrießlichkeiten es ihr nicht unmöglich machen mögen, in Teutschland zu bleiben. Ich bin mit der wahrsten Hochachtung
Ihr ergebenster Freund
A. W. Schlegel
[5] Subscribenten Verzeichniß
Amsterdam
Quart-Ausg. H. Weddik 1.3
Gr. Oct. Ausg. H. Wolters van de Poll, Schöffe und Rath der Stadt Amsterdam. H. C. Lavater. Ein Ungenannter.
Taschen-Format. Herr Scheerenberg.
Wohlfeile Ausg. H. J. U. Anosi. H. Matthiae. H. Bloch.
Haarlem.
Quart-Ausg. H. Lestevenon van Berkenrode.
H. Hoofman. H. Helmold.
Quart-Aus. 4 à 25 r.gg. – 100 r.gg.
Gr. Oct. Ausg. 3 à 12 " 12 " – 37 " 12 "
Taschen-Format 1 à – – – 11 " 16 "
Wohlfeile Ausg. 3 à 2 "" – 6 " –.

155 r. 4 gg.

notirt in der Stratze
und im Pranumerat. Buch.

[6] [leer]
[4] Amsterdam d. 22: Febr. März 94
Schlegel
empf. d. 27:
März 94.
[1] Amsterdam d. 22sten März 94
Werthester Herr und Freund!
Vor einigen Tagen erhielt ich Ihre gütige Zuschrift, und versäume keinen Posttag, um sie zu beantworten. Es ist mir lieb, daß die Subscription noch bis Ostern offen bleibt; ich befürchtete schon mit meinen paar Leuten – ich habe, wenn sie mir treu bleiben, drey oder vier für die große Ausgabe, und auch einige für die andern – zu spät zu kommen. Sobald ich alles in Ordnung habe, schickʼ ich Ihnen die Nahmen und das Geld für die erste Lieferung. Meine Auslagen sind unbeträchtlich gewesen – ich könnte sie immer alsdann noch in Rechnung bringen: doch es wird vermuthlich nicht nöthig seyn.
Von der glücklichen Überkunft des Packets bin ich nicht unterrichtet – hier haben Sie einen Auszug aus dem Brief des Kaufmanns in Rotterdam, der die Einschiffung besorgt hat. Das Porto konnte ich nur bis Rotterdam bezahlen – man versichert mich aber, daß Schiffer dergleichen Aufträge von Kaufleuten für gar wenig oder nichts ausrichten, dahingegen die Fracht auf dem Packetboot überaus theuer ist.
Ihr Vorschlag zu Ausgaben Classischer Schriftsteller kann mir nicht anders als sehr willkommen seyn – die Dichter, welche sie nennen, gehören zu meinen Lieblingsbüchern, ich habe mich viel mit ihnen [2] beschäftigt. Gern würde ich also bey einer angenehmen Arbeit, die mir Gelegenheit giebt, mich im philologischen Fache zu zeigen, alle Sorgfalt und allen Fleiß anwenden, um Ihrem günstigen Vorurtheil von meinen Kenntnissen nicht zu widersprechen. Ehe wir indessen näher zur Sache schritten, wünschte ich, recht genau von Ihren Absichten unterrichtet zu seyn. Sie wollen eine Ausgabe, die eigentlich den geschmackvollen Kenner des Alterthums befriedigen sollte. Hiebey können ziemlich verschiedne Grade der Ausführlichkeit statt finden – ich vermuthe, daß Sie nicht so wohl einen gleichmäßig fortlaufenden Commentar, wie etwa bey den Heynischen Ausgaben, sondern Erläuterungen, sowohl über das kritische, als über die Stellen, die eine feinere Auslegungskunst fodern, nach dem Maaßstabe der Brunkischen, nur (wo möglich) mit weniger Pendanterie und mehr Geschmack, wünschen. In jedem Fall ist ein äußerst korrekter und kritisch geprüfter Text wohl ein Haupterforderniß. Ferner: würden Sie diese drey Dichter in Ihrer Ausgabe unzertrennlich mit einander verbinden, oder sollte jeder für sich allein bestehen? Das letzte würde den Vortheil haben, daß die Behandlung eines jeden, nach den Bearbeitungen die schon vorher gegangen, und nach seiner verschiednen Beschaffenheit etwas anders modi[3]fizirt werden könnte; da sie dagegen bey einem gemeinschaftlichen Druck, wie man ihrer mehrere von diesen Dichtern hat, ganz gleichförmig würde seyn müssen. Vom Tibull hat man Heynens vortreffliche Ausgabe. Beym Propertius, der auch weit corrupter und schwieriger ist, ist noch weit mehr zu thun. Von den beyden letzten Ausgaben ist die von Barth, zwar nicht mit Heynens Geist, aber doch in seiner Manier, gewiß für Schulen sehr brauchbar. Die Burmannische enthält alles – die Verse schwimmen einzeln in den Noten – sie kann nur Gelehrten behagen. Wenn ich an die Arbeit gehe, so kann ich mir hier bey einem vortrefflichen Gelehrten, H. Wyttenbach, von dem jetzt ein Plutarch in England gedruckt wird, über alles Rath hohlen.
Leben Sie recht wohl und gesund. Jetzt nähert sich der Frühling – da werden die schönen Pappelalleen wieder grün, und alles um Ihre Wohnung her angenehm werden. Ich erinnere mich so gern an den zuvorkommenden Empfang, den ich dort fand. Dürftʼ ich Sie um meine besten Empfehlungen an Madam Göschen und Mademoiselle Heyne bitten? – Meine Freundin schrieb mir von einem für sie erquickenden Tage, den sie in Leipzig zubrachte. Ach, hätte sie überall so viel vorurtheil[4]freye Güte gefunden, so würde ihr überall wohl seyn. Ich wünsche nur, daß Verdrießlichkeiten es ihr nicht unmöglich machen mögen, in Teutschland zu bleiben. Ich bin mit der wahrsten Hochachtung
Ihr ergebenster Freund
A. W. Schlegel
[5] Subscribenten Verzeichniß
Amsterdam
Quart-Ausg. H. Weddik 1.3
Gr. Oct. Ausg. H. Wolters van de Poll, Schöffe und Rath der Stadt Amsterdam. H. C. Lavater. Ein Ungenannter.
Taschen-Format. Herr Scheerenberg.
Wohlfeile Ausg. H. J. U. Anosi. H. Matthiae. H. Bloch.
Haarlem.
Quart-Ausg. H. Lestevenon van Berkenrode.
H. Hoofman. H. Helmold.
Quart-Aus. 4 à 25 r.gg. – 100 r.gg.
Gr. Oct. Ausg. 3 à 12 " 12 " – 37 " 12 "
Taschen-Format 1 à – – – 11 " 16 "
Wohlfeile Ausg. 3 à 2 "" – 6 " –.

155 r. 4 gg.

notirt in der Stratze
und im Pranumerat. Buch.

[6] [leer]
[4] Amsterdam d. 22: Febr. März 94
Schlegel
empf. d. 27:
März 94.
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