• Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: [nach dem 15. Mai 1792]
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: [nach dem 15. Mai 1792]
  • Notations: Datum sowie Absende- und Empfangsort erschlossen. – Datierung durch Henriette Ernsts Brief vom 14./15. Mai 1792.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-36881
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.12
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 25 x 18 cm
  • Incipit: „[1] Lieber Willhelm, ich dancke Dir recht sehr, daß Du so bald Du Jettchens Brief bekommen hast uns so gleich [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
[1] Lieber Willhelm, ich dancke Dir recht sehr, daß Du so bald Du Jettchens Brief bekommen hast uns so gleich geschrieben hast. Ich bin würcklich in Größerer Unruhe geweßen, als ich Dir sagen mag. Ich würde mich noch mehr über Deinen Brief gefreut haben, wenn Du mit Deiner Lage u dem Lande beßer zu frieden wärst. Es ist mir daher lieb daß Du Dich auf keine gewißen Jahre verbünlich gemacht hast. Ich wundere mich daß M das eingegangen ist den die Belohnung über die Gage ist doch eigentlich vors austauren gewißer Jahre. Du schreibst nichts davon wie M sich über das Reißer geäußert hat. Es ist fatal, das war eben das was Dich mit Deiner Lage zufriedner machte die Ausicht u war auch der Haubtvortheil vor Dich nun bleibt nichts übrig, als daß Du so lange zu leben hast, u am Ende ein klein Capital wenn das Glück gut ist, das heist wenn Du recht genau haushälst u alles recht bündig gemacht ist. Nun ist die Frage ob das so viel werth ist daß Du itzo vor Deinen HaubtZweck nichts thun kannst u Dich suchen durch Schrifften bekannt zu machen, welches ganz nothwendig ist wenn man gesucht seyn will. Zwar könnte das auch ein Vortheil vor dich sein mit den Jungen Herrn auf eine Academie zu gehn, besonders wenn Du einen anderen Weg ein schlagen wolltest u Jura stutiren wolltest. Ich wollte Dich bitten lieber Willhelm, daß Du uns Deine Gedanken u Wünsche, wegen Deines künftigen Vortkommens mitheiltest. Mir deucht es wäre immer Gut wenn Du ein mal nach Braunschweig kommen könntest, nun müsten aber Eschenburg u Ebert es wißen. Durch Dich u vieleicht auch durch den Vater, Stuve ist noch elend [2] er hält sich itzo durch Reißen hin. Ebert ist alt. Eschenburg Dein Freund, aber wie gesagt es müste darauf an gebaut werden. In Getting weiß ich nicht ob es zu wünschen wäre bey dem vielen Jungen Profeßoren die angesetzt sind u es würde vieleicht vors erste keine, oder nur eine kleine Besoltung gegeben werden. Sage mir doch wie Du hirüber denckst Die Hofräthin Branzen, die meine gute Freundin ist u recht sehr gefällig ist soll die etwan bey Heynen zu hören was der sagt. Ich bitte Dich nochmals schreib uns doch Deine Meynung, ob der Vater etwas vor Dich thun kann, denn man muß in Zeiten anlegen. Du hast uns noch nichts gesagt wie Du mit Deinen jungen Herrn zufrieden bist. Darauf kömmt auch viel an ob sich was aus ihm machen läst, u ob Du nicht zu fürchten hast daß er Dir Noth auf der Academi macht. Du schriebst neulich ein mal es wäre eine Heyrath vor von einer Tochter vom Hauße ist da nichts aus geworden? Wir sind alle gesund u erwarden itzo unserem Vetter Ernst. Da ich doch einmal immer Sorge u Unruhe haben muß, so qväle ich mich damit, wenn es nur gut aus fällt mit Ernst, daß er nicht gar zu fatal hoch spricht, Talente zum Pretigen hat das heist gut Aeuseres u den in seinen Wißen so viel daß man es vor eine Aquisition halt. Den das wird eigentlich erfodert wenn ein Fremder hier Versorgung soll hofen dürfen. Von Lottchen konn wir aber weitter nichts erfahren, als daß er einen Vortreflichen Character hätte, in Umgange frey u angenehm seye u daß sie gehört hätte er hätte bey seinen Examen in Dresden eine gute Censur gehabt hätte. Es ist ganz ein Anschlag von Lottchen. Weil in Sachsen ein wunderlich Weßen ist bey Besautzung der Pretigerstellen [3] Der Consistorialpresitent ist ein Pietist, u hängt die Besetzung von ihm allein ab. Es geht also entweder nach dem Alter oder nach Gunst. u überhaubt sollen sie da in Kürchen u Schulsachen noch weit zurücke seyn, so daß es vor kein Glück Haten ist dort versorgt zu werden. Nun wieder auf Lottchens Vorschlag zu kommen, sie hoffte der Vater sollte ein paar hohe Hülfe von ihm haben einen angenehmen Umgang an dem es ihm sehr fehlt, u denn sollte er hier versorgt werden. Wir setzden viele wenne voraus u der Vater nennte es einen Versuch, aber sie nehmens doch als eine ausgemachte Sache an, daß alles so ist wie es seyn muß. Gott gebe es das zurücke gehn wäre traurig da mag ich nicht an dencken schon die aussprache macht es schon schwierig. Ernst hat morgen kommen wollen oder vielmehr wir haben ihm da erwartet, nun geht er aber über Northaußen wie er heute schreibt muß da 3 Tage liegen bleiben, also wird er vor 3 bis 4 Tagen nicht kommen u meine Neugierte muß sich gedulden. So bald wir ihm etwas haben können lernen sollst du mehr von ihm hören, da wir es ein mal über nommen haben so ist mir die Sache sehr wüchtig. Cruße wollte uns diese Feyertage besuchen er schrieb es aber wieder ab, weil er vom Geheimderath Feronçe einen auftrag von einen wichtigen Geschäfte vor einen Geheimderath der nach Braunschweig kömmt, welches ihm zwar sehr lieb wegen seiner Künftigen aussicht war, aber fatal daß er um die Reiße kammen doch denkt er noch diesen Sommer zu kommen, Neues wüste ich eben nichts. Lebe recht wohl Lieber Sohn, nim Deine Gesundheit recht in Acht u schreib fleißig der Vater Jettchen u Carl grüßen Dich hertzlich.
Mutter Schlegel.
[4] [leer]
[1] Lieber Willhelm, ich dancke Dir recht sehr, daß Du so bald Du Jettchens Brief bekommen hast uns so gleich geschrieben hast. Ich bin würcklich in Größerer Unruhe geweßen, als ich Dir sagen mag. Ich würde mich noch mehr über Deinen Brief gefreut haben, wenn Du mit Deiner Lage u dem Lande beßer zu frieden wärst. Es ist mir daher lieb daß Du Dich auf keine gewißen Jahre verbünlich gemacht hast. Ich wundere mich daß M das eingegangen ist den die Belohnung über die Gage ist doch eigentlich vors austauren gewißer Jahre. Du schreibst nichts davon wie M sich über das Reißer geäußert hat. Es ist fatal, das war eben das was Dich mit Deiner Lage zufriedner machte die Ausicht u war auch der Haubtvortheil vor Dich nun bleibt nichts übrig, als daß Du so lange zu leben hast, u am Ende ein klein Capital wenn das Glück gut ist, das heist wenn Du recht genau haushälst u alles recht bündig gemacht ist. Nun ist die Frage ob das so viel werth ist daß Du itzo vor Deinen HaubtZweck nichts thun kannst u Dich suchen durch Schrifften bekannt zu machen, welches ganz nothwendig ist wenn man gesucht seyn will. Zwar könnte das auch ein Vortheil vor dich sein mit den Jungen Herrn auf eine Academie zu gehn, besonders wenn Du einen anderen Weg ein schlagen wolltest u Jura stutiren wolltest. Ich wollte Dich bitten lieber Willhelm, daß Du uns Deine Gedanken u Wünsche, wegen Deines künftigen Vortkommens mitheiltest. Mir deucht es wäre immer Gut wenn Du ein mal nach Braunschweig kommen könntest, nun müsten aber Eschenburg u Ebert es wißen. Durch Dich u vieleicht auch durch den Vater, Stuve ist noch elend [2] er hält sich itzo durch Reißen hin. Ebert ist alt. Eschenburg Dein Freund, aber wie gesagt es müste darauf an gebaut werden. In Getting weiß ich nicht ob es zu wünschen wäre bey dem vielen Jungen Profeßoren die angesetzt sind u es würde vieleicht vors erste keine, oder nur eine kleine Besoltung gegeben werden. Sage mir doch wie Du hirüber denckst Die Hofräthin Branzen, die meine gute Freundin ist u recht sehr gefällig ist soll die etwan bey Heynen zu hören was der sagt. Ich bitte Dich nochmals schreib uns doch Deine Meynung, ob der Vater etwas vor Dich thun kann, denn man muß in Zeiten anlegen. Du hast uns noch nichts gesagt wie Du mit Deinen jungen Herrn zufrieden bist. Darauf kömmt auch viel an ob sich was aus ihm machen läst, u ob Du nicht zu fürchten hast daß er Dir Noth auf der Academi macht. Du schriebst neulich ein mal es wäre eine Heyrath vor von einer Tochter vom Hauße ist da nichts aus geworden? Wir sind alle gesund u erwarden itzo unserem Vetter Ernst. Da ich doch einmal immer Sorge u Unruhe haben muß, so qväle ich mich damit, wenn es nur gut aus fällt mit Ernst, daß er nicht gar zu fatal hoch spricht, Talente zum Pretigen hat das heist gut Aeuseres u den in seinen Wißen so viel daß man es vor eine Aquisition halt. Den das wird eigentlich erfodert wenn ein Fremder hier Versorgung soll hofen dürfen. Von Lottchen konn wir aber weitter nichts erfahren, als daß er einen Vortreflichen Character hätte, in Umgange frey u angenehm seye u daß sie gehört hätte er hätte bey seinen Examen in Dresden eine gute Censur gehabt hätte. Es ist ganz ein Anschlag von Lottchen. Weil in Sachsen ein wunderlich Weßen ist bey Besautzung der Pretigerstellen [3] Der Consistorialpresitent ist ein Pietist, u hängt die Besetzung von ihm allein ab. Es geht also entweder nach dem Alter oder nach Gunst. u überhaubt sollen sie da in Kürchen u Schulsachen noch weit zurücke seyn, so daß es vor kein Glück Haten ist dort versorgt zu werden. Nun wieder auf Lottchens Vorschlag zu kommen, sie hoffte der Vater sollte ein paar hohe Hülfe von ihm haben einen angenehmen Umgang an dem es ihm sehr fehlt, u denn sollte er hier versorgt werden. Wir setzden viele wenne voraus u der Vater nennte es einen Versuch, aber sie nehmens doch als eine ausgemachte Sache an, daß alles so ist wie es seyn muß. Gott gebe es das zurücke gehn wäre traurig da mag ich nicht an dencken schon die aussprache macht es schon schwierig. Ernst hat morgen kommen wollen oder vielmehr wir haben ihm da erwartet, nun geht er aber über Northaußen wie er heute schreibt muß da 3 Tage liegen bleiben, also wird er vor 3 bis 4 Tagen nicht kommen u meine Neugierte muß sich gedulden. So bald wir ihm etwas haben können lernen sollst du mehr von ihm hören, da wir es ein mal über nommen haben so ist mir die Sache sehr wüchtig. Cruße wollte uns diese Feyertage besuchen er schrieb es aber wieder ab, weil er vom Geheimderath Feronçe einen auftrag von einen wichtigen Geschäfte vor einen Geheimderath der nach Braunschweig kömmt, welches ihm zwar sehr lieb wegen seiner Künftigen aussicht war, aber fatal daß er um die Reiße kammen doch denkt er noch diesen Sommer zu kommen, Neues wüste ich eben nichts. Lebe recht wohl Lieber Sohn, nim Deine Gesundheit recht in Acht u schreib fleißig der Vater Jettchen u Carl grüßen Dich hertzlich.
Mutter Schlegel.
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