• Henriette Mendelssohn to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Paris · Place of Destination: Chaumont-sur-Loire · Date: 7. Juni [1810]
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Henriette Mendelssohn
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Paris
  • Place of Destination: Chaumont-sur-Loire
  • Date: 7. Juni [1810]
  • Notations: Datum (Jahr) sowie Absende- und Empfangsort erschlossen. – Datierung: Schlegel hielt sich im Frühling und Sommer 1810 in Chaumont auf.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-7
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,27,16
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U. Henriette M.
  • Format: 18,9 x 11,7 cm
  • Incipit: „[1] 7ten Juni
    Vergeben Sie mir geliebter Freund wenn ich Ihren lezten Brief vom 30ten Mai nicht schon beantwortet, häusliche Plackereien [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
  • Zeil, Sophia
[1] 7ten Juni
Vergeben Sie mir geliebter Freund wenn ich Ihren lezten Brief vom 30ten Mai nicht schon beantwortet, häusliche Plackereien haben mich in diesen Tagen ungebührlich beschäftigt; u auch heute stehle ich blos einen Augenblick, um Ihnen zu sagen, daß ich seit Ihrem ersten Brief aus Chaumont keinen andern als eben den lezten vom 30ten erhalten, haben Sie mir also noch einen frühern geschrieben, in welchem Sie Bücher verlangen, so wiederholen Sie nur Ihren Auftrag schnell, u ich will es pünktlich besorgen, ich begreife nicht wo jener Brief geblieben sein mag, vielleicht ist in Ihrem Hause eine Nachläßigkeit vorgegangen! Sie wollen Ihren Shakespear, sagen Sie mir nur ob alle Bände, oder zeigen Sie mir diejenigen [2] an welche Sie bedürfen. Koreff verspricht noch immer seinen Shakespear ich werde aufs Neue darum schreiben. – Herzlichen Dank für das mitgetheilte Gedicht, es spricht Ihre eigne xxxxxx Rührung innig u wahr aus, so wie Sie fühlt, wenigstens in Ihrer Umgebung doch Niemand das göttliche der Religion, ich muß es aber bewundern daß Sie wiederstehen konnten sich auch äußerlich zu ihr zu bekennen, daß wäre des heiligen Montmorenci würdig, solche Seele lohnt der Mühe. – In dem heillosen Paris erstirbt jede gute Regung, ich weis nur nicht wie ich bei meiner gänzlichen Abgeschiedenheit von Welt u Menschen doch so wiedrig von diesem Pariser Leben angeregt bin. –
Auch ich habe seit langer Zeit keine Nachricht aus Wien, beinah werde ich unruhig des wegen, den ich habe unsern Freunden wiederholt geschrieben. – So ist es denn noch immer [3] Ihr Vorsaz Frankreich zu verlaßen! wie würde es mich freuen wenn diese Berliner Anzeige keine bloße Erfindung wäre, es würde mir unendlich weh thun Sie von uns scheiden zu sehen, selbst wenn ich an die größeren Reisen nicht glauben kann. Noch hoffe ich aber immer auf ein glückliches Ereigniß, es scheint mir doch als thäte man nicht alles um es zu bewirken oder nicht das Rechte, aus Von Wien aus müßte manches geschehen. –
Hier ist wieder alles voll Festlichkeiten bunte Gläser, Rauchpfannen, u gemahlte Dekorationen werden das ihrige thun, u in den Zeitungen wird das ganze wohl wie ein Fest erscheinen. –
Ich bin zerstreut u schreibe Ihnen, während mancher Lärm um mich herum getrieben wird. Helmina lebt in Montmorenci wo Sie fleißig sein will. – Wann werden wir das Werk der Frau v Staël lesen? ich bin unendlich begierig. – Von ihren dramatischen [4] Vorlesungen müßen die Journalisten wohl schon Wind bekommen haben, denn lezt war in einem Feuilleton schon gewißermaßen die Rede davon, sie xxxxxxxx bereiten schon die Waffen. –
Leben Sie so glücklich als Sie es sein sollten u gedenken Sie meiner mit Freundlichkeit.
Ich empfehle mich dem Andenken der Frau v Staël
Henriette
[1] 7ten Juni
Vergeben Sie mir geliebter Freund wenn ich Ihren lezten Brief vom 30ten Mai nicht schon beantwortet, häusliche Plackereien haben mich in diesen Tagen ungebührlich beschäftigt; u auch heute stehle ich blos einen Augenblick, um Ihnen zu sagen, daß ich seit Ihrem ersten Brief aus Chaumont keinen andern als eben den lezten vom 30ten erhalten, haben Sie mir also noch einen frühern geschrieben, in welchem Sie Bücher verlangen, so wiederholen Sie nur Ihren Auftrag schnell, u ich will es pünktlich besorgen, ich begreife nicht wo jener Brief geblieben sein mag, vielleicht ist in Ihrem Hause eine Nachläßigkeit vorgegangen! Sie wollen Ihren Shakespear, sagen Sie mir nur ob alle Bände, oder zeigen Sie mir diejenigen [2] an welche Sie bedürfen. Koreff verspricht noch immer seinen Shakespear ich werde aufs Neue darum schreiben. – Herzlichen Dank für das mitgetheilte Gedicht, es spricht Ihre eigne xxxxxx Rührung innig u wahr aus, so wie Sie fühlt, wenigstens in Ihrer Umgebung doch Niemand das göttliche der Religion, ich muß es aber bewundern daß Sie wiederstehen konnten sich auch äußerlich zu ihr zu bekennen, daß wäre des heiligen Montmorenci würdig, solche Seele lohnt der Mühe. – In dem heillosen Paris erstirbt jede gute Regung, ich weis nur nicht wie ich bei meiner gänzlichen Abgeschiedenheit von Welt u Menschen doch so wiedrig von diesem Pariser Leben angeregt bin. –
Auch ich habe seit langer Zeit keine Nachricht aus Wien, beinah werde ich unruhig des wegen, den ich habe unsern Freunden wiederholt geschrieben. – So ist es denn noch immer [3] Ihr Vorsaz Frankreich zu verlaßen! wie würde es mich freuen wenn diese Berliner Anzeige keine bloße Erfindung wäre, es würde mir unendlich weh thun Sie von uns scheiden zu sehen, selbst wenn ich an die größeren Reisen nicht glauben kann. Noch hoffe ich aber immer auf ein glückliches Ereigniß, es scheint mir doch als thäte man nicht alles um es zu bewirken oder nicht das Rechte, aus Von Wien aus müßte manches geschehen. –
Hier ist wieder alles voll Festlichkeiten bunte Gläser, Rauchpfannen, u gemahlte Dekorationen werden das ihrige thun, u in den Zeitungen wird das ganze wohl wie ein Fest erscheinen. –
Ich bin zerstreut u schreibe Ihnen, während mancher Lärm um mich herum getrieben wird. Helmina lebt in Montmorenci wo Sie fleißig sein will. – Wann werden wir das Werk der Frau v Staël lesen? ich bin unendlich begierig. – Von ihren dramatischen [4] Vorlesungen müßen die Journalisten wohl schon Wind bekommen haben, denn lezt war in einem Feuilleton schon gewißermaßen die Rede davon, sie xxxxxxxx bereiten schon die Waffen. –
Leben Sie so glücklich als Sie es sein sollten u gedenken Sie meiner mit Freundlichkeit.
Ich empfehle mich dem Andenken der Frau v Staël
Henriette
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